Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Skjulte Skatter 1938-12 - Die Wahrheit ist an der Gerichtsstätte zu Fall gekommen

Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Die Wahrheit ist an der Gerichtsstätte zu Fall gekommen

Jes. 59, 14

Dort, wo die Wahrheit durchgesetzt und hochgehalten werden sollte, wird sie unterdrückt. Wo das Wort Gottes verkündigt werden sollte, wird der Wahrheit widersprochen. Woher kommt das? Es kommt daher, dass eure Missetaten euch von eurem Gott trennen, und eure Sünden sein Angesicht vor euch verbergen, dass er nicht hört!

„Es ist niemand, der eine gerechte Sache vorbringt, und niemand, der redlich richtet. Man vertraut auf Nichtiges und redet Trug; mit Unheil sind sie schwanger und gebären Verderben.“

„Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott.“ 1. Joh. 4, 2.

Wenn man mit allen Leibeskräften das ganze Jahr über davor warnt und dagegen kämpft, dass Christus in das Fleisch gekommen ist, dann hat das seine guten Gründe: Ihre Missetaten haben Trennung verursacht. Den Weg des Friedens kennen sie nicht, weil die Gottesfurcht weg ist. Sie gehen auf krummen Wegen; wer auf ihnen geht, der hat keinen Frieden.

„Darum bleibt das Recht fern von uns, und die Gerechtigkeit erreicht uns nicht. Wir warten auf das Licht, und siehe da, Finsternis, auf den hellen Tag, aber wir wandeln in der Dunkelheit! Wir tappen an der Wand wie die Blinden; wir tappen, wie wenn wir keine Augen hätten; wir straucheln am hellen Tag wie in der Dämmerung.“

Man will Freude und Herrlichkeiten ohne Leiden haben und Verheißungen ohne erfüllte Bedingungen. Man will Auferstehungskräfte haben, ohne ihm in seinem Tod gleichgestaltet zu werden. Man will sich im Heiligen Geist freuen, ohne sich von ihm führen zu lassen. Die Freude im Fleisch will man nicht missen. Ansehen der Person hält man für unverzichtbar; Christi Schmach kann man nicht ertragen. Und trotzdem glaubt man, dass man seine Sachen an der Gerichtsstätte in Ordnung hat.

Denn sie haben ihre Schwelle an Gottes Schwelle und ihre Pfosten neben seine Pfosten gesetzt, sodass nur eine Wand zwischen ihm und ihnen war. Hes. 43, 8.

„Und anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottesfurcht: Gott ist geoffenbart worden im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, gesehen von den Engeln, verkündigt unter den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.“ 1. Tim. 3, 16.

Man kommt nicht zu den Geheimnissen der Gottesfurcht, wenn man mit Missetaten zu tun hat, wenn man die Götzen auf den Höhen anbetet, die Person ansieht, Parteiungen bildet und Geldbettelei betreibt, wenn man Menschen widersteht, die gottesfürchtiger sind als man selbst, sie aus den Synagogen ausstößt und sich selbst an die Gerichtsstätte setzt. Dann darf man sich nicht darüber wundern, dass die Wahrheit zu Fall kommt.

Eben darum haben sie die Kraft verloren – falls sie welche hatten. Ihre Sehkraft ist getrübt und ihre Urteilsfähigkeit unsicher. Man ruft nach Liebe und hasst die Gebote Gottes, man ruft nach Bruderliebe, ohne im Licht zu wandeln.

Fleischliche Lüste werden hochgehalten, daher stehen sie da wie die stummen Hunde, die nicht bellen können. Ihr Hirtendienst ist ihnen abhandengekommen. Die Schafe irren ohne Hirten hungernd und frierend auf den Bergen umher. Und selbst sitzen sie als ungerechte Richter an der Gerichtsstätte.

Die Hure, die die ganze Christenheit verdorben hat, hat ihre Sache gut gemacht, ja, die Bevölkerung der ganzen Erde wurde durch ihre Zauberei verführt. Offb. 18, 23-24. Sie hat das Evangelium Christi gesetzlos und kraftlos gemacht. Sie zaubert gottlose Menschen in den Himmel und in Seligkeit hinein – ohne gerechte Werke.

„Willst du nun einsehen, du törichter Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist?“ Jak. 2, 20.

„So denke nun daran, wovon du abgefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Wenn aber nicht, werde ich über dich kommen und deinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte – wenn du nicht Buße tust.“ Offb. 2, 5.

Jede Sekte und jede Parteiung hat ihre Gerichtsstätte, so wie auch die Pharisäer und die Schriftgelehrten, die zu Jesu Zeit lebten und auf dem Stuhl Mose saßen, ihre Gerichtsstätte hatten. An dieser Gerichtsstätte wurden die Ratschläge geboren, die den Herrn der Herrlichkeit ans Kreuz brachten. Jesus, der lebendige Stein, ist von den Menschen verworfen, aber bei Gott auserwählt und kostbar. 1. Petr. 2, 4.

Jetzt gibt es nur eine einzige Gerichtsstätte, an der die Wahrheit nicht zu Fall kommt, und das ist bei ihm – außerhalb des Lagers. Denn er ist die Wahrheit, der Weg und das Leben. Hebr. 13, 13.

Nur dort draußen bei ihm ist es möglich, wirklich freigemacht zu werden, denn die Wahrheit ist es, die freimacht. Lasst uns aus allem Parteiwesen hinausgehen zu ihm, denn der Leib Christi ist die Gemeinde. Siehe Eph. 1, 22-23. Dort, außerhalb des Lagers, ist der Berg Morija, wo der Opfergeist Abrahams im Leib wirkt. Dort ist Golgatha, wo wir durch den Tod seines irdischen Leibes versöhnt werden, damit er uns heilig und untadelig vor sein Angesicht stelle. Kol. 1, 22. Hier liegt der Stein des Anstoßes für alles Fleisch und alle religiöse Größe. An dieser Gerichtsstätte ist Gott, der Richter aller, dort ist der Mittler des Neuen Bundes. Dies ist der Berg Zion, das himmlische Jerusalem.

An dieser Gerichtsstätte ist die Wahrheit noch nie zu Fall gekommen.