Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Skjulte Skatter 1938-09 - Der Hebräerbrief, Kap. 7

Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Der Hebräerbrief

7. Kapitel

Dann heißt es weiter, dass der Vater ihn im Augenblick des Todes verließ. Er hatte seinen geliebten Sohn durch das ganze Leben begleitet, aber nun, als er das Leben lassen sollte, musste Gott ihn verlassen. Die Gnade des Vaters musste für einen Augenblick weichen, sodass der Sohn ein vollkommenes Opfer werden konnte. Und nicht nur das, sondern weil er voll und ganz seiner Braut gegeben werden sollte. Wieder müssen wir mit Paulus sagen: „Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde.“ Diese zwei sollen ein Fleisch sein. Jesus brachte sein Fleisch in den Tod. Denselben Weg muss die Braut gehen, daher heißt es: „Die aber Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden.“ Dies ist die Versöhnung seines irdischen Leibes durch den Tod. Kol. 1, 22.

Melchisedek zählt nicht zum Geschlecht Levi, das dem Gesetz nach das Recht hatte, den Zehnten von seinen Brüdern nach dem Fleisch zu nehmen, und doch ist Levi der Zehnte durch seinen Stammvater Abraham auferlegt; denn Levi war noch in Abrahams Lenden, als Abraham Melchisedek den Zehnten gab. Also ist dem, der das Recht auf den Zehnten hat, der Zehnte auferlegt und das für eine Person, die nicht zu seinem Stamm gehört. Ebenso ist Levi von Melchisedek in gleicher Weise wie Abraham gesegnet worden und somit hat Melchisedek das ganze israelitische Priestertum mit seinen Hohepriestern gesegnet; denn Levi war in Abrahams Lenden, als Melchisedek Abraham segnete. Seht aber, wie groß der ist! Denn es ist immer der Geringere, der vom Höheren gesegnet wird.

V. 8: „Und hier nehmen den Zehnten sterbliche Menschen, dort aber einer, dem bezeugt wird, dass er lebt.“

Wie viel ist doch mit diesen wenigen Worten gesagt. Hier sind es sterbliche Menschen, die den Zehnten nehmen – nicht nur im Alten Bund, sondern auch im Neuen. Ein sterblicher Mensch nimmt den Zehnten von einem anderen sterblichen Menschen. Aber es gibt einen, der das Zeugnis hat, dass er lebt. Doch nicht nur das, er hat auch das Zeugnis, dass er starb.

Alles was ein Mensch besitzt, gibt er für sein Leben. Als Jesus starb, gab er alles, was er besaß. Sie warfen das Los über sein Gewand. Das war viel mehr als der Zehnte. So auch mit uns, wenn wir stets in Christi Tod hingegeben werden. Wir verlieren stets das Leben und damit verlieren wir alles, was wir haben. Das wird mehr als der Zehnte. Aber wir bekommen „ihn, der lebt“ als ewiges Eigentum.

Und mit ihm bekommen wir den Erben selbst. Ein ausgezeichneter Tausch. Wir bekommen den Sohn. Wie armselig ist es dann, sich mit dem Zehnten abzugeben, und wie man doch um diesen auch betrogen wird. Nur sterbliche Menschen geben sich im Unglauben mit so etwas ab. Der Blick auf ihn, der das Zeugnis hat, dass er lebt, ist nicht ausreichend von Verständnis und Vertrauen geprägt, denn er hat gesagt: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ Und er hat weiterhin das Zeugnis, dass er lebt, dass er das tun kann, was er verheißen hat. Doch es sind Worte des Glaubens, die wir verkündigen.

V. 9-11. „Um es nun so zu sagen: Auch Levi, der selbst den Zehnten nimmt, ist durch Abraham mit den Zehnten belegt worden. Denn er war noch in den Lenden des Vaters, als Melchisedek ihm entgegenging.

Wäre nun die Vollendung durch das levitische Priestertum gekommen – denn unter diesem hat das Volk das Gesetz empfangen –, wozu war es dann noch nötig, einen andern als Priester nach der Ordnung Melchisedeks einzusetzen, anstatt einen nach der Ordnung Aarons zu benennen?“

Das levitische Priestertum war nicht das vollkommene und endgültige, denn Levi – der das Recht hatte, den Zehnten zu nehmen – wurde durch Abraham der Zehnte auferlegt. Und es war das Sehnen im Volk, dass ein Priester nach der Weise Melchisedeks aufkommen sollte und nicht nach Aaron ernannt werden sollte. Die Gottesfürchtigsten in Israel verstanden das auch, obwohl sie in der Zeit des Alten Bundes lebten. Sie konnten mit all ihrer gesetzlichen Genauigkeit und mit allen ihren Opferungen nicht dazu gelangen, nach dem Gewissen vollkommen zu werden. Die Tieropfer konnten keine Abhilfe schaffen, denn die Sünde lag nicht in den Tierkörpern, sie lag im menschlichen Leib. Daher, weil die Kinder von Fleisch und Blut waren, musste Jesus auch gleichermaßen Anteil daran bekommen. Einen Leib hast du mir bereitet. In diesem Leib wurde die Sünde verdammt. Röm. 8, 3. Das ist das vollkommene Priestertum.

V. 12-14. „Denn wo das Priestertum verändert wird, da muss auch das Gesetz verändert werden. Denn der, von dem das gesagt wird, der ist von einem andern Stamm, von dem nie einer am Altar gedient hat. Denn es ist ja offenbar, dass unser Herr aus Juda hervorgegangen ist, dem Stamm zu welchem Mose nichts gesagt hat vom Priestertum.“

Mose schrieb Tieropfer und deren Asche zur Reinheit des Fleisches vor. Doch Christus opferte sich selbst in der Kraft eines ewigen Geistes. „Einen Leib aber hast du mir bereitet.“ Dieser Leib wurde nach dem Willen Gottes geopfert. Das Gesetz Moses reinigte zur äußeren Reinheit, der Sündenvergebung; das Gesetz des Geistes Christi reinigt das innere Leben. Aber denke daran: Es heißt das Gesetz des Geistes. Die Gesetze liegen im Geist, der sie in unser Herz und unseren Sinn schreibt. Wir werden als Nachfolger Christi von den Gesetzen des Geistes Christi erfüllt. Dies sind Gesetze der Weisheit; denn Christus ist Gottes Weisheit. Das Priestertum wird verändert und das Gesetz wird verändert von dem, ein Gesetz äußerlicher Gebote zu sein, dazu, ein Gesetz des Geistes, der lebendig macht, zu werden.

V. 18-19. „Denn damit wird das frühere Gebot aufgehoben – weil es schwach und nutzlos war; denn das Gesetz brachte nichts zur Vollendung –, und eingeführt wird eine bessere Hoffnung, durch die wir Gott nahen.“

Unter dem Alten Bund war die Sünde noch nicht im Fleisch verdammt. Christus war noch nicht in das Fleisch gekommen und hatte noch nicht die Sünde im Fleisch getötet. Das Werk war noch nicht vollbracht. Daher war das Fleisch stark genug, um das Gesetz schwach und unnütz zu machen, obwohl es in sich selbst heilig, gerecht und gut war. Die Sünde im Fleisch war überwältigend groß und stark, doch obwohl sie das Gesetz mit Hilfe der Engel bekamen, hielten sie es nicht.

Aber nun wird eine bessere Hoffnung eingeführt, durch die wir uns Gott nahen können. Die Geisteskraft, in der Jesus sich selbst opferte, kommt nun über uns, und dann wird es gelingen. Diese Geisteskraft ist nicht schwach und unnütz; denn in dieser Kraft können wir durch Glauben das Fleisch mit den Leidenschaften und Begierden kreuzigen. Und durch den Wandel in dieser Geisteskraft wird die Forderung des Gesetzes in uns erfüllt, sodass eine bessere Hoffnung eingeführt werden kann und wir uns durch sie Gott nahen können.