Der Hebräerbrief
7. Kapitel
V. 1 und 2: „Dieser Melchisedek aber war König von Salem, Priester Gottes des Höchsten; er ging Abraham entgegen, als der vom Sieg über die Könige zurückkam, und segnete ihn; ihm gab Abraham auch den Zehnten von allem. Erstens heißt er übersetzt: König der Gerechtigkeit; dann aber auch: König von Salem, das ist: König des Friedens.“
Wenn Melchisedeks Name übersetzt werden soll, ist er zuerst König der Gerechtigkeit. Er ist Gottes Sohn gleichgesetzt. Er ist König darin, Gerechtigkeit sowohl im Geringen als auch im Großen zu tun. Ein wenig Ungenauigkeit in der Gerechtigkeit existierte nicht in ihm. Ein wenig Vorteil für das Fleisch bekam keinen Raum in seinem Sinn. Er rechnete lieber sich selbst zum Schaden. Daher ist sein Name „König der Gerechtigkeit“. Wie weit folgen wir ihm hier? Auf diese Weise erwarb er seine Königswürde sowohl im Fleisch als auch im Geist. Wollen wir ewig Könige und Priester sein, dann müssen wir ihm in Gerechtigkeit nachfolgen. Ein wenig Unrecht zerstört unsere Königswürde und schwächt unseren Priesterdienst. Lasst uns dies im täglichen Leben vor Augen haben, wenn wir in Angelegenheiten Entscheidungen treffen und Beschlüsse fassen müssen.
Danach ist er: König von Salem, das ist: „König des Friedens“. Zuerst Gerechtigkeit, danach Frieden. Draußen in der Welt arbeitet man sehr daran, Frieden zu bekommen, aber man vergisst die Gerechtigkeit. Eine Folge davon ist, dass man keinen Frieden bekommt. Wir können durch unsere gesetzlichen Werke auch nicht zum Gesetz der Gerechtigkeit gelangen. Das kann man nur durch den Glauben an Jesus Christus bekommen. Auf keine andere Weise. Er ist die zentrale Gestalt für alles, was Gerechtigkeit und Frieden heißt. Ohne ihn bekommen wir nichts von beidem.
V. 3 „Er ist ohne Vater, ohne Mutter, ohne Stammbaum, und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens. So gleicht er dem Sohn Gottes und bleibt Priester in Ewigkeit.“
Wir hören nicht mehr von Melchisedek, als dass er Abraham entgegenging, als er von seinem Sieg über die Könige zurückkehrte, und dass er Abraham segnete. Und dass er König von Salem war. Wann Melchisedek geboren wurde und wann er aus dem Leben ging, wird nicht erwähnt. Daher heißt es, dass er ohne Anfang der Tage und Ende des Lebens ist und dass er Gottes Sohn verglichen wird. Es steht ebenfalls nichts über seinen Vater oder seine Mutter oder über seinem Stammbaum. Auch hierin gleicht er Gottes Sohn.
Jesus überließ seine Mutter vor seinem Tod seinem Jünger Johannes, indem er sprach: „Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter!“ Joh. 19, 26-27. „Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Mt. 27, 46.
Hier geht das Wort in Erfüllung: „«Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein». Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde.“ Eph. 5, 31-32.
Jesus sagt: „Ehe Abraham war, bin ich!“ Und wer kann ihm in alle Ewigkeit hinein folgen, um seine Tage zu zählen? Er ist ja selbst das ewige Leben.
Christus hat also Vater und Mutter verlassen, um dauerhaft bei seiner Ehefrau zu bleiben. So müssen auch wir unsere Verwandten und unsere Freunde verlassen, um ein Fleisch mit Christus zu werden. Doch er ist der Mann, niemand macht es so vollkommen wie er. Daher ist die Braut der schwächere Teil und der Bräutigam der stärkere. Wenn wir ihm gegenüber als dem Gekreuzigten während unseres ganzen Lebens als Fremdlinge Treue bewahren, dann werden wir für alle Ewigkeit seine Ehefrau werden. Das ist die Stadt, die vom Himmel herabkommt, in deren Licht die Völker wandeln werden. Offb. 21, 10 und 24.
V. 4-7. „Seht aber, wie groß der ist, dem auch Abraham, der Erzvater, den Zehnten gab von der eroberten Beute.
Zwar haben auch die von den Söhnen Levis, die das Priestertum empfangen, nach dem Gesetz das Recht, den Zehnten zu nehmen vom Volk, also von ihren eigenen Brüdern, obwohl auch diese von Abraham abstammen. Der aber, der nicht von ihrem Stamm war, der nahm den Zehnten von Abraham und segnete den, der die Verheißungen hatte.
Nun ist aber unwidersprochen, da ss das Geringere vom Höheren gesegnet wird.“
Um einen richtigen Begriff davon zu bekommen, wie groß Christus ist, muss Melchisedek, der sein Abbild ist, groß gemacht werden. Der Patriarch Abraham gab ihm den Zehnten von der Beute und erhielt Segen von ihm, obwohl er selbst die Verheißungen bekommen hatte. Aber es ist ja klar, dass die Verheißungen Christi Person galten, und wenn nun Melchisedek dem Sohn Gottes verglichen wird, dann ist ja der Sohn größer als der, der die Verheißungen über ihn bekommt. Also wird Abraham – obwohl er Prophet und Fürst war – doch ein Untergeordneter von Melchisedek.
Jesus musste Vater und Mutter verlassen, um ganz bei seiner Ehefrau zu sein. Er ist nicht bei seiner Ehefrau wie der erste Adam bei Eva war. Nein, Jesus ist zu einem Geist, der lebendig macht, geworden, und er schüttete seine Seele aus. Jes. 53, 12.
Der erste Adam wurde zu einer lebendigen Seele. 1. Mos. 2, 7. Diese Seele bekam auch Jesus, aber er schüttete sie aus. Damit hörte die Verwandtschaft nach dem Fleisch auf, sodass er sagen konnte „Frau! Siehe, das ist dein Sohn!“ Er nannte sie nicht Mutter. Hätte er das von Herzen getan, dann wäre er nicht von ihr losgelöst gewesen. Das bedeutet, sein Leben in Bezug auf irdische Verwandtschaftsbande zu verlieren. Und das musste Jesus tun, um seine Braut zu gewinnen, die erkauft ist von der Erde und aus den Menschen als Erstling für Gott und das Lamm. Offb. 14, 3-4.
