Der Hebräerbrief
6. Kapitel
V. 9. „Was aber euch angeht, ihr Lieben, sind wir vom Besseren überzeugt und von dem, was Rettung bringt, auch wenn wir so reden.“
Der Apostel legt das Lineal am Ungehorsam und am Nichthörenwollen an, sodass die Hebräer sehen können, wohin das führt. Aber dann tröstet er und sagt: „Was aber euch angeht, ihr Lieben, sind wir vom Besseren überzeugt und von dem, was Rettung bringt.“ Ihr seid nicht so eingestellt. Ihr seid zwar Kinder und solltet weitergekommen sein, aber so schlecht, wie wir oben angedeutet haben, ist es doch nicht um euch bestellt.
V. 10. „Denn Gott ist nicht ungerecht, dass er vergäße euer Werk und die Liebe, die ihr seinem Namen erwiesen habt, indem ihr den Heiligen dientet und noch dient.“
Hier sehen wir, dass unsere Werke in Christus eine außerordentlich große Bedeutung haben. Die Hebräer dienten den Heiligen und das wird ein gerechter Gott belohnen. Ebenso wie die Glieder des Leibes einander dienen, so sollen auch wir den Heiligen im selben Leib dienen. Das beweist Geisteseinheit und Gemeinschaft im Geist. In alle Ewigkeit werden wir Vorteil und Gewinn daraus ziehen, den Heiligen gedient zu haben, denn das hat ihr Wachstum zum Haupt hin innerhalb desselben Leibes gefördert.
V. 11-12. „Wir wünschen aber, dass jeder von euch denselben Eifer beweise, die Hoffnung festzuhalten bis ans Ende, damit ihr nicht träge werdet, sondern Nachfolger derer, die durch Glauben und Geduld die Verheißungen ererben.“
Ohne Eifer erreicht man nichts, weder im Irdischen noch im Geistlichen. Je mehr Eifer wir beweisen, umso größer wird das Interesse. Die Erkenntnis und die Weisheit nehmen zu, die Schätze im Himmel werden mehr und mehr. Und wo der Schatz ist, da ist auch das Herz. Die Trägheit stirbt von selbst. Die Heiligen früherer Zeiten waren draufgängerisch und eifrig bis in den Tod. Weder Löwengruben noch murrende Volksmengen oder Feuer konnten ihre volle Gewissheit in der Hoffnung schwächen. Denke nur an Antiochus, der sieben Brüder und deren Mutter zwingen wollte, direkt gegen das Gesetz Mose Schweinefleisch zu essen. Die Brüder wurden alle um ihres Glaubens willen zu Tode gefoltert. Die Mutter ermunterte jeden einzelnen von ihnen, in seiner Hoffnung und seinem Glauben auszuhalten, sodass sie sie in der Auferstehung der Toten wiederbekommen könne. Als Letzte von allen starb auch die Mutter. 2. Makk. 7.
Durch Ausdauer im Glauben und in der Geduld sollen auch wir dem Zorn, dem Grimm, dem Geschwätz, der Afterrede, dem Murren, dem Zweifel, der Unkeuschheit, der Ungerechtigkeit, allen Arten von Spott usw. absterben. Das Leben wird dann siegreich und triumphierend. All dies geschieht durch Kreuz und Tod über das Fleisch mit seinen Leidenschaften und Begierden.
V. 13-15. „Denn als Gott dem Abraham die Verheißung gab, schwor er bei sich selbst, da er bei keinem Größeren schwören konnte, und sprach: Wahrlich, ich will dich segnen und mehren. Und so wartete Abraham in Geduld und erlangte die Verheißung.“
Als Gott schwor, dass er Abraham segnen wollte, geschah das nicht ohne Grund. Es steht in direkter Verbindung damit, dass Abraham dem Herrn gehorsam gewesen war und seinen einzigen Sohn Isaak opferte, den er lieb hatte.
„Und der Engel des Herrn rief Abraham abermals vom Himmel her und sprach: Ich habe bei mir selbst geschworen, spricht der Herr: Weil du solches getan hast und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont, will ich dich segnen und deine Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Meeres, und deine Nachkommen sollen die Tore ihrer Feinde besitzen; und durch deine Nachkommen sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden, weil du meiner Stimme gehorcht hast.“ 1. Mos. 22.
Ja, das war Glaube und das waren Verheißungen und das war Treue. So viele es auch in Israel gab und noch gibt, so waren sie doch damals in Isaaks Lenden, als Abraham seinen Sohn opferte. In und mit Isaak ist ganz Israel durch den Glauben Abrahams geopfert. Darum ist es das Volk des Herrn. Aber die meisten von ihnen waren ungläubig und sind es immer noch.
„Aber ich sage damit nicht, dass Gottes Wort hinfällig geworden sei. Denn nicht alle sind Israeliten, die von Israel stammen; auch nicht alle, die Abrahams Nachkommen sind, sind darum seine Kinder. Sondern nur «was von Isaak stammt, soll dein Geschlecht genannt werden», das heißt: Nicht das sind Gottes Kinder, die nach dem Fleisch Kinder sind; sondern nur die Kinder der Verheißung werden als seine Nachkommenschaft anerkannt.“ Röm. 9, 6-8.
Jesus sagt zu den Juden, die ihm widerstanden: „Ich weiß wohl, dass ihr Abrahams Kinder seid; aber ihr sucht mich zu töten, denn mein Wort findet bei euch keinen Raum. Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; und ihr tut, was ihr von eurem Vater gehört habt. Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, so tätet ihr Abrahams Werke. Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat, wie ich sie von Gott gehört habe. Das hat Abraham nicht getan.“ Joh. 8, 37-40.
Abraham bekam die Verheißung durch das Wort des Glaubens. Doch die Juden, die nicht glaubten, wurden wegen ihres Unglaubens abgehauen. Sie suchten das Gesetz der Gerechtigkeit nicht aus Glauben, sondern aus Werken; und so haben sie das Gesetz nicht erreicht, denn sie haben sich gestoßen an dem Stein des Anstoßes. Röm. 9, 31-33.
So sind also diejenigen, die glauben, Kinder Abrahams und haben Anteil an den Verheißungen.
V. 16. „Menschen schwören ja bei dem Höheren; und der Eid dient ihnen zur Bekräftigung und macht aller Widerrede ein Ende.“
Im Alten Bund sollte ein Eid Dinge entscheiden, die nicht auf andere Weise bewiesen werden konnten, z. B.:
„Wenn jemand seinem Nächsten einen Esel oder ein Rind oder ein Schaf oder irgendein Stück Vieh in Obhut gibt und es stirbt ihm oder kommt zu Schaden oder wird ihm weggetrieben, ohne dass es jemand sieht, so soll es unter ihnen zum Eid vor dem Herrn kommen, ob er nicht etwa seine Hand an seines Nächsten Habe gelegt hat, und der Besitzer soll es hinnehmen, sodass jener nicht Ersatz zu leisten braucht.“ 2. Mos. 22, 9-10.
Doch im Neuen Testament heißt es: „Ich (Jesus) aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt.“ Mt. 5, 34. Jakobus sagt: „Vor allen Dingen aber, meine Brüder, schwört nicht, weder bei dem Himmel noch bei der Erde noch mit einem andern Eid. Es sei aber euer Ja ein Ja und euer Nein ein Nein, damit ihr nicht dem Gericht verfallt.“ Jak. 5, 12.
Gott hat geschworen: „Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.“ In und mit diesem Eid hören alle anderen Eide auf. Gottes Sohn redet Tag und Nacht vom Himmel zu uns durch den Geist der Wahrheit. In diesem Geist soll unser Ja ein Ja und unser Nein ein Nein sein. Eide werden damit abgeschafft und Wahrheit eingeführt. Wenn jemand nicht Wahrheit redet, dann verfällt er, wie Jakobus sagt, dem Gericht.
V. 17-18. „Darum hat Gott, als er den Erben der Verheißung noch kräftiger beweisen wollte, dass sein Ratschluss nicht wankt, sich noch mit einem Eid verbürgt. So sollten wir durch zwei Zusagen, die nicht wanken – denn es ist unmöglich, dass Gott lügt –, einen starken Trost haben, die wir unsre Zuflucht dazu genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung.“
Wenn die Rede davon ist, dass Gott sich mit einem Eid verbürgt hat, dann war das zwischen dem Alten und dem Neuen Bund. Der Eid war das eine, was nicht wankte, und die Prophezeiungen im Alten Bund waren das andere. Denn in Ps. 110, 4 steht: „Der Herr hat geschworen und es wird ihn nicht gereuen: Du bist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks.“ David und die Propheten weissagten vom Messias, dass des Herrn Plan durch seine Hand gelingen würde. Und doch konnten ihn die Schriftgelehrten, die Jesu Zeitgenossen waren, nicht als Messias erkennen. Das kam natürlich daher, dass sie zu den Großen in der Welt aufsahen. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass der Messias aus einem armen Geschlecht kommen würde. Mit anderen Worten: Sie opferten den Abgöttern auf den Höhen und das macht blind. Die Schriftgelehrten in unseren Tagen bewundern auch die Großen in der Welt. Mit ihnen essen und trinken sie und mit ihnen halten sie Tischreden. Und so sind sie selbst ungläubig und ziehen am selben Joch mit den Ungläubigen. Die Folge davon wird, dass sie vollkommen blind für Christus geoffenbart im Fleisch sind. Genauso wie vor 1900 Jahren.
Daher heißt es: Darum wollte Gott den Erben der Verheißung noch kräftiger beweisen, dass sein Ratschluss nicht wankt. Er beweist dies nicht ungläubigen Menschen; ob sie gelehrt oder ungelehrt sind, spielt für Gott keine Rolle. Gott offenbart seine Geheimnisse den Erben der Verheißung. Die Schriftgelehrten gelangen mit all ihren Studien lediglich bis zur Schale. Zum Kern gelangen sie nie, denn dazu ist Gottesfurcht nötig. Und sollte der eine oder andere von ihnen durch seine Gottesfurcht Offenbarungen des Geistes bekommen, dann wird er aus dem Kreis der Schriftgelehrten ausgeschlossen, die all ihr Wissen im Kopf und nicht im Herzen haben.
V. 19-20. „Diese haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele, der hineinreicht in das Innere hinter dem Vorhang. Dahinein ist Jesus als Vorläufer für uns gegangen, er, der Hoherpriester geworden ist in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.“
Der Anker der Hoffnung liegt im Heiligtum. Zu diesem Heiligtum hat Jesus für uns den Weg gebahnt durch den Vorhang, das ist sein Fleisch. Hebr. 10, 19-20. Er ging selbst dort hinein. Daher heißt es: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. Dieser Anker verliert nicht den Halt, wie es bei einem Schiffsanker der Fall sein kann. Christus, der Anker unserer Hoffnung, liegt durch Gottes Eid fest und sicher im Heiligtum.
Die Gesetze, um dorthin zu kommen, wo er ist, hat Gott selbst in unser Herz und unseren Sinn geschrieben. Er nimmt die Opfer nach dem Gesetz weg und setzt das andere ein, nämlich den Willen Gottes. Hebr. 10, 9 und 16. Der Wille Gottes ist unsere Heiligung, ein anderer Wille taugt nicht. Und der Wille Gottes ist in Herz und Sinn geschrieben. Der Tröster vom Himmel offenbart ihn und die Schrift zeugt von ihm. In der Tiefe des Herzens wird Platz für das Reich Gottes gemacht, dort offenbaren sich der Vater und der Sohn für alle, die die Gebote halten. Joh. 14, 23.
