Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Skjulte Skatter 1938-02 - Der Hebräerbrief, Kap. 5

Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Der Hebräerbrief

5. Kapitel

V. 1-3. „Denn jeder Hohepriester, der von den Menschen genommen wird, der wird eingesetzt für die Menschen zum Dienst vor Gott, damit er Gaben und Opfer darbringe für die Sünden. Er kann mitfühlen mit denen, die unwissend sind und irren, weil er auch selber Schwachheit an sich trägt. Darum muss er, wie für das Volk, so auch für sich selbst opfern für die Sünden.“

Aller Priesterdienst findet durch den Dienst des Hohepriesters zusammenfassend seinen Abschluss. Er war selbst ein Mensch, eingesetzt für Menschen zum Dienst vor Gott. Ein Engel konnte einen solchen Dienst nicht ausführen. Es musste jemand sein, der selbst Schwachheit an sich trug, damit er mit den Unwissenden und Verirrten nachsichtig sein konnte. Wenn er dann das Sündopfer für das Volk darbrachte, dann brachte er es auch für sich selbst dar zur Erinnerung an seine eigene Schwachheit.

Wie weisheitsvoll Gott alle Dinge einrichtet! Er ist allen Menschen gegenüber nachsichtig und barmherzig. Die ganze Beschaffenheit des Priesterdienstes zeugt davon.

V. 4-6. „Und niemand nimmt sich selbst diese Würde, sondern er wird von Gott berufen wie auch Aaron.

So hat auch Christus sich nicht selbst die Ehre beigelegt, Hoherpriester zu werden, sondern der, der zu ihm gesagt hat: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. Wie er auch an anderer Stelle spricht: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.“

Gott sagte: Du bist mein Sohn! Der Engel des Herrn offenbarte sich Josef, während Maria und er verlobt waren und bevor sie zusammenkamen, in einem Traum und sagte: „Fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.“ Mt. 1, 19-21.

Wir sehen hieraus mit Recht, dass Jesus Christus Gottes Sohn und Marias Sohn ist. Er ist Gottes Sohn und Menschensohn. Nach dem Fleisch ist er geboren aus dem Geschlecht Davids, aber nach dem Geist, der da heiligt, eingesetzt als Sohn Gottes in Kraft durch die Auferstehung von den Toten. Röm. 1, 3-4.

Hier haben wir Christus geoffenbart im Fleisch. In diesem Fleisch vom Geschlecht Davids nimmt er durch den Geist, der da heiligt, seinen priesterlichen Kampf gegen das Fleisch auf, indem er sich selbst in der Kraft eines ewigen Geistes opferte und den Tod nach dem Fleisch erlitt, aber nach dem Geist lebendig gemacht wurde. Als die Zeit kam, dass er vollendet war, konnte er sagen: Es ist vollbracht. Da hatte er sich des Fleisches entledigt, das er für das Leben der Welt gab, und war selbst zu einem zweiten Adam, einem Geist, der lebendig macht, geworden; im Gegensatz zum ersten Adam, der eine lebendige Seele wurde. Diese Seele hatte auch Jesus, aber er schüttete sie aus. Jes. 53, 12. Hier sehen wir wieder den Kampf zwischen Fleisch und Geist. Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er es schauen (dass des Herrn Plan durch ihn gelingen wird). Hier liegt die Ursache für allen Fortschritt. Wenn der Wille des Herrn nach der Erweckung nicht ausgeführt wird, dann sind die Menschen, durch die die Erweckung ausgelöst wurde, nichts und diejenigen, die erweckt wurden, sind nichts.

Der Wille Gottes ist unsere Heiligung.

Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks. Wer ist nun dieser Melchisedek?

„Als Abraham nun zurückkam von dem Sieg über Kedor-Laomer und die Könige mit ihm, ging ihm entgegen der König von Sodom in das Tal Schawe, das ist das Königstal.

Aber Melchisedek, der König von Salem, trug Brot und Wein heraus. Und er war ein Priester Gottes des Höchsten und segnete ihn und sprach: Gesegnet seist du, Abram, vom höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat; und gelobt sei Gott der Höchste, der deine Feinde in deine Hand gegeben hat. Und Abram gab ihm den Zehnten von allem.“

Nach jedem geistlichen Sieg kommen Repräsentanten vom Reich Satans und vom Reich Gottes und treten an uns heran. Der eine ist der König von Sodom und der andere ist Melchisedek, Priester des höchsten Gottes. Wem sollen wir nun die Ehre für den Sieg geben? Der König von Sodom bietet Abraham alle Güter an, wenn er nur die Leute bekommen kann. Melchisedek segnet Abraham und stärkt ihn mit Wein und Brot, ein Bild für Jesu Fleisch und Blut. Hätte Abraham nun nicht Hirtengesinnung gehabt, sondern nur Habsucht, dann hätte er sich dem König von Sodom verkauft und die Güter angenommen und die Leute mit dem König ziehen lassen. Später hätte der König von Sodom wahrscheinlich mit denselben Leuten Abraham die Güter wieder weggenommen. Aber Abram antwortete dem König von Sodom: „Ich hebe meine Hand auf zu dem Herrn, dem höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, dass ich von allem, was dein ist, nicht einen Faden noch einen Schuhriemen nehmen will, damit du nicht sagest, du habest Abram reich gemacht.“

Hier sehen wir Abrahams edle Gesinnung, eine Überwindergesinnung. Und hier sehen wir den Dienst Melchisedeks für eine Überwinderseele. Er stärkte Abraham mit Wein und Brot. 1. Mos. 14, 18. Nun hat Jesus alle Fürstentümer und Gewalten überwunden. Er sitzt nun als ein treuer Hohepriester zur Rechten Gottes und er geht einer Überwinderseele immer mit Brot und Wein, mit Trost und Hoffnung, entgegen, während Satan mit Ehre (eitler Ehre) und Gütern kommt. Wie viele Prediger haben sich doch nach großen Erweckungen durch Belohnungen betrügen lassen – von der Belohnung des Königs von Sodom. Und dann haben sie die Leute für einen schändlichen Lohn verkauft. Ebenso haben sie den Segen Melchisedeks mitsamt seinem Brot und Wein drangegeben. Dies ist die Ursache dafür, dass Jesus Christus als der große Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks unbekannt ist.

V. 7-10. „Und er hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen vor den gebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte; und er ist erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. So hat er, obwohl er der Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Und da er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber der ewigen Seligkeit geworden, von Gott genannt ein Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks.“

Jesus wurde um seiner Gottesfurcht willen vom Tod errettet. Von welchem Tod wurde er errettet? Er musste ja um unserer Sünde willen sterben – und doch wurde er vom Tod errettet. Er erlitt den Tod nach dem Fleisch und wurde lebendig gemacht nach dem Geist. Es war ein gewaltiger Kampf für Jesus, von dem Tod, von dem er spricht, errettet zu werden.