Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Skjulte Skatter 1937-01 - Der Hebräerbrief, Kap. 1

Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Der Hebräerbrief

1. Kapitel

V. 1. „Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn.“

Jesus sagt: „Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch.“ Joh. 14, 18. Er kommt zu uns durch den Geist der Wahrheit. „Der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ Früher redete Gott auf vielerlei Weise durch Zeichen und Wunder, doch nun redet er nur durch den Geist der Wahrheit, der von dem nimmt, was er vom Sohn hört, und uns das verkündigt.

V. 2. „Den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat.“

Wenn ein so mächtiger Erbe redet, dann sollte es sich wohl lohnen hinzuhören. Denn die Absicht ist, dass du und ich Miterben werden. Und das werden wir nicht, ohne auf ihn zu hören, der vom Himmel redet. Gott hat die Welt durch seinen Sohn gemacht. Dann ist ja klar, dass er diese nicht später einem anderen überlässt.

V. 3. „Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort.“

Alles wird durch ihn aufrechterhalten, wie auch alles zu ihm geschaffen ist. Wer den Sohn und sein Wesen, wie er war, gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen. Die beiden sind untrennbar eins. Werden wir dann eins mit dem Vater und dem Sohn, bekommen auch wir den Abglanz seiner Herrlichkeit und werden zum Ebenbild seines Wesens ausgebildet. Denn wenn wir mit ihm leiden, werden wir auch mit ihm verherrlicht werden. Hier ist Hoffnung und Zukunft.

Nachdem er nun Reinigung für unsere Sünden erwirkt hatte, hat er sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt. Es war die Auferstehungskraft, die ihn dort hinaufgeführt hat. Dass er sich zur Rechten der Majestät gesetzt hat, bedeutet, dass Gott ihm die Aufgabe eines Mittlers gegeben hat, um den Willen Gottes durch den Heiligen Geist an die Menschen zu vermitteln. Gott redet zu uns durch den Sohn, der in allen Verhältnissen des Lebens wirksam ist. Er tut der Welt die Augen auf über Sünde, Gerechtigkeit und Gericht. Wenn das Gewissen unruhig wird, dann ist es der Sohn, der redet. Dann gibt es Dinge, die in Ordnung zu bringen sind.

V. 4. „Und ist so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name.“

Jesu Name ist auf der ganzen Erde bekannt. Nicht so mit den Engeln. Im Namen Jesu kann ein armer Sünder Vergebung bekommen. Nicht so mit den Engeln. Im Namen Jesu kann ein Sünder, der Vergebung bekommen hat, Sieg über die Sünde bekommen und wachsen zu dem hin, der das Haupt der Gemeinde ist. „Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!“ Eine solche Seele kann die Sünde überwinden. Das sehen wir an der Rede des Geistes an die sieben Gemeinden in Kleinasien.

V. 5. „Denn zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt: „Ich werde sein Vater sein, und er wird mein Sohn sein.“

Die Engel haben nie Fleisch und Blut wie wir Menschen gehabt, das hat jedoch der Sohn gehabt. Jesus ist ja in Fleisch und Blut versucht worden. Genau hier hat er seinen Willen aufgegeben, um den Willen seines Vaters zu tun. Joh. 5, 19. 5, 30. 6, 38. 7, 18. Welcher von den Engeln wurde im Fleisch offenbart? Keiner. Der Widerstand gegen den Willen Gottes liegt ja gerade im Fleisch. Darum musste Gott seinen Sohn im Fleisch senden, um diesen Willen zu überwinden – den Eigenwillen. Der Wille Gottes wurde dem Menschen durch das Gesetz offenbart, doch weil es durch das Fleisch geschwächt war, war es dem Gesetz unmöglich zu bewirken, dass der Wille Gottes durchgeführt wird. Doch nun ist es möglich, weil Gott seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen gesandt hat und die Sünde im Fleisch verdammte. Röm. 8, 3. Dies gibt uns Kraft, sodass die Forderung des Gesetzes in uns erfüllt werden kann, die wir nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist.

Fange an, im Geist zu wandeln, direkt deinem eigenen Fleisch zuwider, dann wirst du dich darüber freuen, dass Jesus Christus im Fleisch geoffenbart wurde und die Sünde im Fleisch verdammte. Das führt zu einer weitaus größeren Erlösung als dieses „zu sündigen und Gnade (Vergebung) zu bekommen“. Der Sieg wird im Gedankenleben erlangt, ehe sündige Werke entstehen.

Welcher von den Engeln hat wohl ein so gewaltiges Werk durchgeführt? Und zu welchem der Engel hat er wohl gesagt: „Du bist mein Sohn.“ Der Sohn führt im Fleisch den Willen Gottes bis zum Blut durch, ja bis zum Tod am Kreuz. Keiner der Engel ist auf diese Weise geprüft worden.

V. 6. „Und abermals, wenn er den Erstgeborenen einführt in die Welt, spricht er: Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten.“ Hier wird der Unterschied deutlich sichtbar. Hier können wir den Wert dessen sehen, im Fleisch geoffenbart worden zu sein. Alle Engel Gottes, die nie im Fleisch gewesen sind, werden ihn anbeten.

Und du, der du Christus geoffenbart im Fleisch verleugnest, was willst du an jenem Tag sagen? Deine Unwissenheit in dieser Sache wird dir nicht helfen. Vielleicht wird dich das anbetende Verhältnis aller Engel Gottes gegenüber dem Sohn an jenem Tag von deiner großen Fehlentscheidung und deinem Unglauben überzeugen.

V. 7. „Von den Engeln spricht er zwar: Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen.“

Gott gebraucht seine Engel zu äußerem Dienst, entweder als Verteidigung gegen äußere Schwierigkeiten oder um Gottlosigkeit zu bestrafen. Doch zum inneren Dienst gebraucht Gott den Sohn, da die Engel den neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, sein Fleisch, nicht kennen. Daher begehren sie, in diese unausforschliche Weisheit Gottes Einblick zu bekommen. 1. Petr. 1, 12.

V. 8. „Aber von dem Sohn: Gott, dein Thron währt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Gerechtigkeit ist das Zepter deines Reiches.“

Der Sohn ist dazu gelangt, dass er des Thrones würdig wurde. Er ist eins mit dem Vater und wird in alle Ewigkeit das Zepter der Gerechtigkeit führen. Warum? Weil er in Fleisch und Blut gehorsam war bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz, weil er sich selbst in der Kraft eines ewigen Geistes opferte. Und weil er den Tod nach dem Fleisch erlitt, hat Gott ihn lebendig gemacht nach dem Geist. Keine Macht und keine Gewalt können vor seinem Zepter der Gerechtigkeit bestehen. Es reicht bis in den Tod nach dem Fleisch und hinauf bis zum Thron der Majestät nach dem Geist.

V. 9. „Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehasst die Ungerechtigkeit; darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl wie keinen deiner Gefährten.“

Das Merkwürdige ist, dass er, der die Gerechtigkeit geliebt und die Ungerechtigkeit gehasst hat, allezeit mit den Schriftgelehrten und Pharisäern kollidieren sollte, die ja die obersten religiösen Leiter jener Zeit waren und die auf dem Stuhl des Mose saßen. War es dann so, dass diese religiösen Menschen das direkte Gegenteil zum Meister waren und die Ungerechtigkeit liebten und die Gerechtigkeit hassten? Jesus spricht zu niemandem vom Volk so hart wie zur Priesterschaft. Mal für Mal sagt er: Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, ihr blinden Führer, die ihr die Becher und Schüsseln außen reinigt, innen aber sind sie voller Raub und Gier! Ihr, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch scheinen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat. Mt. 23., Lk. 11.

Solange sich ein Mensch in der Finsternis befindet, ist auch unsere heutige Priesterschaft ausreichend. Doch sobald man von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht geht, erwacht der Hass in den Pharisäern und den Schriftgelehrten. Man bekommt durch die geistliche Priesterschaft ein Verständnis davon, dass deren Priesterschaft nur menschlich ist. Neid und Hass steigen aus dem Nährboden des Fleisches auf, derselbe Hass und derselbe Neid, die den Herrn der Herrlichkeit kreuzigten und die später alle Heiligen verfolgten bis hin zu Hans Nielsen Hauge und die weiterhin gegen seine Heiligen wirksam sind. Das sind diese Leute, die seit Jahr und Tag die Schlüssel der Erkenntnis tragen, die selbst nicht ins Himmelreich hineingehen und die diejenigen hindern, die hineingehen wollen. Gegen dieses große Hindernis nahm Jesus den Kampf auf und es endete damit, dass sie ihn töteten. Sie bekamen die weltliche Obrigkeit auf ihre Seite und so konnten sie ihren Willen durchsetzen. In unseren Tagen sitzen deren Geistesverwandte (die Hure) so unsicher im Sattel auf dem roten Tier und sind kurz davor, abgeworfen zu werden, sodass sie nicht wagen, etwas gegen Gottes Heilige zu versuchen. Aber die Lust dazu ist da. Doch die Zeit ist bald da, dass das rote Tier, das die Hure hasst, sie verwüsten und entblößen wird und ihr Fleisch werden sie essen und sie mit Feuer verbrennen. Denn Gott hat’s ihnen in ihr Herz gegeben, nach seinem Sinn zu handeln. Offb. 17, 16-17. Dann wird Freude sein im Himmel. Offb. 19.

Das ist diese Barrikade, gegen die die Diener des Reiches Gottes immer zu kämpfen hatten, wenn sie auf ihrem Weg Gerechtigkeit geliebt und Ungerechtigkeit gehasst haben.

Daher gehorche der Stimme vom Himmel: „Geht hinaus aus ihr, mein Volk, dass ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen!“ Offb. 18, 4.

Dadurch, dass wir Gerechtigkeit lieben und Ungerechtigkeit hassen, wird in unserem Leben etwas gespalten, sodass Gottes Licht und Weisheit hineindringen. Jesus arbeitete während seines ganzen Lebens daran. Das wirkte auf ihn wie ein Schwert des Geistes, das aufspaltete und teilte und durchdrang, bis es Seele und Geist schied, auch Mark und Bein, und die Gedanken und Sinne des Herzens richtete. Hebr. 4, 12. Dies brachte Gottes Wohlgefallen über ihn, und dieses Wohlgefallen war für Jesus das Öl der Freude. Auf diese Weise ging der Menschensohn in einem tieferen Maß in die Ruhe ein als seine Mitbrüder – und dabei wurde er mit dem Öl der Freude gesalbt.