Hirtensinn – Hundenatur

„Habt Acht auf die Hunde, habt Acht auf die bösen Arbeiter, habt Acht auf die Zerschneidung!“ Phil. 3, 2.

Es kann sowohl „Hunde“ als auch böse Arbeiter in Gottes Gemeinde geben. Die Hunde, was bedeutet das? Nun, sie kläffen gegen äußere Dinge. Es können gute Brüder sein, die einen ausgezeichneten Dienst in der Gemeinde tun, aber dennoch können wir in all dem Guten die Hundenatur hören. Wenn z. B. eine Frau von außerhalb mit äußerlichem Schmuck in die Versammlung kommt, dann hören wir den Hund kläffen. Aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Hurerei, Mord usw. Es nützt wenig, gegen diese sichtbaren Dinge zu kläffen und zu beißen. Man kann leicht aufrichtige Seelen verletzen und zerreißen. Daher muss immer zum Herzen gesprochen werden. Das Wort Gottes muss das von Sünde gebundene Herz freimachen, und wenn das Herz von Liebe zu Reinheit und Gottesfurcht ergriffen wird, kommt das Äußere bestimmt auch bald nach dem Wort Gottes in Ordnung.

Es kann lange dauern, bis solche Wunden heilen, die man durch den Hundedienst unverständiger Brüder bekommen hat. Wenn man an die verschiedenen Orte kommt, kann man viel Arbeit damit haben, verkehrte Meinungen zu entfernen, die durch den Hundedienst hineingekommen sind.

Es gibt sehr wenige Brüder mit einem Vater- und Hirtensinn. Wir haben alle mehr oder weniger von dieser Hundenatur in uns, aber wir müssen wachen, sodass sie nicht in unserem Dienst zum Vorschein kommt. Durch Gottes Licht wird alles nach und nach klarer, und wir können in der rechten Weise zur Hilfe und zum Segen dienen. Alle Ehre, Herrschsucht und Eigenliebe müssen wir hassen und weit von uns weghalten, und dann müssen wir danach trachten, den Schafen zu helfen und sie zu hüten. Durch Aufopferung und Liebe zum Herrn und zu den Seelen, die er uns gibt, werden wir nach und nach Hirtensinn bekommen.

„Werdet nicht in großer Zahl Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir ein strengeres Urteil empfangen werden.“ Jak. 3, 1. „Denn wenn ihr auch zehntausend Lehrmeister hättet in Christus, so habt ihr doch nicht viele Väter.“ 1. Kor. 4, 15. Wir sollen Acht haben auf den Dienst, den wir bekommen haben, und wir sollen auf die Hunde Acht haben. Wir sollen sie nicht verjagen oder zurückbeißen, sondern wir sollen auf sie Acht haben.

Frühzeitig begann es, dass ich eine kleine Schar von Geschwistern um mich bekam, und ich versuchte, einen Hirtendienst zu tun. Ich bellte wohl ab und zu, aber das galt unseren Gegnern, die versuchten, uns zu verderben. Die Wölfe biss ich, so gut ich konnte, um die Schafe zu retten. Wir suchten nach Licht in der Schrift, und bald entstand eine große Versammlung. Wir müssen den Hirtendienst so ausführen, dass man Licht bekommt, und auf diese Weise kann die Gemeinde wachsen und gedeihen. Durch die Hundenatur entsteht kein Wachstum und kein Fortschritt.

Der Hirtensinn hat Fürsorge für das Wohlergehen aller und weiß genau Bescheid über die Lebensumstände aller. Die Kranken und Schwachen, die Schafe und die Lämmer – alle brauchen Nahrung. Der Hirte hat ein Herz für alle, und darum hören sie seine Stimme. „Meine Schafe hören meine Stimme“, sagt Jesus. Habe den Hirtensinn vor Augen und tue Hirtendienst in deinem Wirkungskreis!

Es wird unter uns viel von Sieg gesprochen, aber es gibt sehr verschiedene Arten von Sieg. Im Krieg ist es ein großer Unterschied, ob ich als Feldherr und General siege oder ob ich als gewöhnlicher Soldat siege. So gibt es auch in der Gemeinde einen großen Unterschied: Wir können wohl über die bewusste Sünde in unserem Leben siegen, aber als Diener in der Gemeinde zu siegen, ist etwas ganz anderes. Wir können das gut als den ersten und den zweiten Sieg bezeichnen. Der erste Sieg ist, dass wir alle Sünden besiegen und für uns selbst ein heiliges Leben leben. Der zweite Sieg geht bis ins Unendliche weiter in unserem Dienst in der Gemeinde.

Die Engel der Gemeinden in der Offenbarung hatten viel Gutes getan, aber der Herr hatte Verschiedenes wider einige von ihnen, weil sie diverse Dinge herrschen ließen. Hier gibt es sicher viel zu lernen. Es ist groß, über alle Laster und offenbaren Sünden zu siegen, aber es ist weit größer, eine ganze Gemeinde zum Sieg hinzuleiten. Den ersten Sieg haben wohl viele unter uns, aber über den zweiten Sieg gibt es viel zu sagen. Der zweite Sieg macht uns zu tauglichen Arbeitern, zu Hirten, die die Herde Gottes weiden, sodass alle die Nahrung bekommen, die sie brauchen, und dass niemand gebissen und zerstört oder zerschnitten wird.