Der Brief des Judas
Judas hatte vor, an die Berufenen, die geliebt sind in Gott, dem Vater, und bewahrt sind für Jesus Christus, von unserem gemeinsamen Heil zu schreiben, dessen Vorbild die Errettung ist, die Israel bekam, als das Blut an die Türpfosten gestrichen wurde, als der Mörderengel vorbeiging und ihre erstgeborenen Söhne verschonte, das Heil, das Israel zuteil wurde, als es durch das Rote Meer zog, verfolgt von Pharao mit seinem ganzen Heer. Israel kam auf die andere Seite hinüber, und ihre Feinde setzten ihnen nach, doch ertranken alle zusammen vor ihren Augen. Dieses große Werk Gottes versetzte das Volk in eine solche Stimmung, dass sie Gott für diese Errettung auf der anderen Seite des Roten Meeres und später in den Gemeindeversammlungen Loblieder sangen. Gott hatte versprochen, sie in das verheißene Land zu führen, und hatte Mose und Aaron zum Dienst für die Zeit der Wanderung auserwählt. Doch Gott prüft all die Seinen, und er ließ sie bald nach Mara kommen, wo es bitteres Wasser gab. 2. Mos. 15, 23. „Da murrte das Volk gegen Mose und sprach: Was sollen wir trinken?“ Schon das Murren zeigte, dass ihre Herzen nicht recht eingestellt waren gegenüber Gott. Mose rief für sie zum Herrn und durch ein Holz konnte er das bittere Wasser süß machen. Israel war ein Glaube an die errettende Macht Gottes übergeben, aber um diesen Glauben zu behalten, mussten sie für ihn kämpfen, und das taten sie nicht; sie murrten. Von diesem Heil wollte Judas mit Ermahnung schreiben. Denn es liegt eine große Erlösung im Kampf des Glaubens. In dieser Erlösung bekommt man Bedarf für Gnade zu rechtzeitiger Hilfe, wir werden demütig, gebeugt und sanftmütig. Das Murren verschwindet, der Sieg wird greifbar und das Wohlgefallen Gottes kommt über uns. Anders ging es mit denen, auf die Judas hinweist. Sie missbrauchten die Gnade Gottes für ihre Ausschweifung. Daher musste er sie, obwohl sie schon alles wussten, daran erinnern, dass der Herr, nachdem er das Volk aus Ägypten errettet hatte, das zweite Mal diejenigen vertilgte, die nicht glaubten. Auch daran, dass er die Engel, die ihren himmlischen Rang nicht bewahrten, sondern ihre Behausung verließen, für das Gericht des großen Tages mit ewigen Banden der Finsternis festhält. So sind auch Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, die gleicherweise wie sie Unzucht getrieben haben und anderem Fleisch nachgegangen sind, zum Beispiel gesetzt und leiden die Pein des ewigen Feuers.
Ganz Israel hatte Anteil an der Errettung aus der Hand Pharaos und aus Ägypten, aber an den meisten von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen. Sie trugen das Zelt Molochs und den Stern des Gottes Räfan mit sich und verehrten im Verborgenen die Götzen. Auf diese Weise entstanden Parteiungen unter dem Volk. Und diese Bildung von Parteiungen artete dahingehend aus, dass sich Korah, Dathan und Abiram zusammen mit 250 von den Vornehmsten aus dem Volk gegen Mose erhoben. Alle diese gottlosen Menschen, die in keiner Weise den guten Kampf des Glaubens kämpften, hatten auch Anteil an dem gemeinsamen Heil, indem sie alle durch die Wolke und durch das Meer auf Mose getauft waren und alle dieselbe geistliche Speise gegessen haben und alle denselben geistlichen Trank getrunken haben. Sie tranken nämlich von dem geistlichen Felsen, der ihnen folgte, dieser Fels war Christus. Dennoch erschlug Gott sie in der Wüste.
In unseren Tagen haben wir oft große Erweckungen. Die Menschen werden von Satan und der Welt errettet und freuen sich in diesem gemeinsamen Heil. Aber sie sind dann wie Schafe, die keine Hirten haben, und fallen nach und nach in die alten, sündigen Gewohnheiten zurück, und der Geist der Welt bekommt wieder Macht über sie. Darauf folgen dann der Abfall und die Gottlosigkeit. Sie haben niemanden, der sie ermahnt, den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen, sodass sie sich abwenden von Eitelkeit, Geiz, Habsucht, bösem Geschwätz aus ihrem Mund usw. Die Leiter haben sich in der Regel selbst nicht in Gottesfurcht und Glauben geübt, und daher bleiben sie selbstverständlich untüchtig, andere auf diesen herrlichen Weg des Glaubens und des Sieges zu führen. Und wenn es jemanden gibt, der diesen Weg des Glaubens, den Weg des Lebens, verkündigt, dann stehen sofort Korah, Abiram und Dathan mit ihrem ganzen Gefolge, den Angesehensten der Gemeindeversammlungen, bereit, um vor dem Weg Gottes zu warnen.
Du wirst bemerkt haben, dass man sich überall in religiösen Lagern bei größeren Konferenzen und festlichen Gelegenheiten willig einfindet, um zu essen und zu trinken und um die Freude zu genießen, guten Gesang und gute Musik zu hören. Hier erscheinen die Schandflecke willig. Wenn es aber um Gebetsstunden und Zeugnisversammlungen geht, wo man den Gehorsam des Glaubens und den Kampf des Glaubens verkündigt, dann glänzen sie mit Abwesenheit. Dies beweist, dass sie abgefallen sind und das gemeinsame Heil verloren haben, das sie einmal mit Mose und Aaron und allen Heiligen Gottes bekommen hatten.
Diese sind Wolken ohne Wasser, vom Wind umhergetrieben, kahle, unfruchtbare Bäume, zweimal abgestorben und entwurzelt.
Obwohl alle diese Menschen durch die Sündenvergebung am gemeinsamen Heil teilhatten, waren sie doch durch ihre Untreue dazu hinabgesunken, wie Wolken ohne Wasser zu werden. Die Versammlung sitzt da und wartet auf Regen – dass Segen herabströmt – und dann kommt kein Regen. Sie sind Wolken ohne Wasser.
Sie sind zweimal abgestorben. Zuerst waren sie tot in Sünden und Übertretungen. Dann wurden sie errettet. Doch dadurch, dass sie es unterlassen haben, den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen, fingen sie wieder an, nach dem Fleisch zu leben und starben dadurch. Sie sind also zweimal abgestorben. Einen ähnlichen Zustand finden wir in der Gemeinde in Laodizea vor. Sie sprachen, dass sie reich wären und Überfluss hätten und nichts bräuchten; doch sie wussten nicht, dass sie elend, jämmerlich, arm, blind und bloß waren. Offb. 3, 17.
„Wilde Wellen des Meeres, die ihre eigene Schande ausschäumen, umherirrende Sterne; deren Los ist die dunkelste Finsternis in Ewigkeit.“
Wir wissen, wenn im Herbst der Sturm tobt, dann brausen die Wogen des Meeres an den Strand und schäumen Wrackreste, Tang und andere schwimmende Gegenstände aus. Ebenso tun diese abgefallenen, religiösen Massen, wenn Gott Erweckungen in Stadt und Land schickt. Dann fahren Satan und böse Geister in diese religiösen Massen hinein, und diese glauben dann, dass sie Gott und den Menschen einen Dienst erweisen, indem sie alles göttliche Leben stoppen. Herodes und Pilatus werden einig. Die geistliche und die weltliche Macht vereinen sich, und der Pöbel schließt sich mit Hohn und Steinewerfen an. Der Hass bezieht sich nicht auf das tote und stillstehende Christentum, sondern man will Geist und Leben den Garaus machen. Und hier schließen sich die Theologen und Pfarrer einmütig an, um den Tod wiedereinzuführen. Und wenn dieser wiedereingeführt ist, dann hören die wilden Wellen des Meeres auf zu schäumen. Dies ist durch alle Zeiten hindurch eine Tatsache.
Sie sind wie umherirrende Sterne, die mit einem scheinbaren Licht umherfahren, aber da diese Sterne nicht von den Gesetzen des Geistes gesteuert werden, verschwinden sie schließlich in die dunkelste Finsternis und hinterlassen Tod und Finsternis.
„Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, sodass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist.“ Hebr. 11, 3.
Ich habe nie gehört oder gesehen, dass eine theologische Schule Glauben als Lehrfach in ihrem Stundenplan gehabt hätte. Man kann sich Glauben auch nicht durch Lesen oder Studieren aneignen. Und dennoch nennen sie sich „Gelehrte“, nachdem sie die theologische Schule der Universität durchlaufen haben, und diejenigen, die diese Schule nicht durchlaufen haben, werden Laien genannt. Durch den Glauben verstehen wir jedoch, dass diese Auffassung in direktem Widerspruch zum Wort Gottes ist, das den armen Gläubigen weise und die Weisen dieser Welt zu Toren macht.
Von diesen weissagte Henoch, der siebente von Adam an, und sprach: „Siehe, der Herr kommt mit seinen vielen tausend Heiligen, Gericht zu halten über alle und zu strafen alle Menschen für alle Werke ihres gottlosen Wandels, mit denen sie gottlos gewesen sind, und für all das Freche, das gottlose Sünder gegen ihn geredet haben.“
Kraft dieser vermeintlich gehobenen Ausbildung geben sie sich damit ab, das zu erklären, was sie von Natur aus kennen – ohne Glauben – und darin verderben sie sich selbst. V. 10.
„Ihr aber, meine Lieben, erbaut euch auf euren allerheiligsten Glauben, und betet im Heiligen Geist, und erhaltet euch in der Liebe Gottes, und wartet auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben!“
Ja, Gott sei Dank, dass es auch in unseren Tagen wertvolle Menschen gibt, die sich nach der Leitung des Geistes Gottes, der den Gehorsam des Glaubens in unseren Herzen wirkt, auf ihren allerheiligsten Glauben erbauen. Solche, die den Weg nicht verlassen und die Gnade Gottes für sich nicht vergeblich sein lassen. Mit diesen wertvollen Menschen haben wir Geistesgemeinschaft, ohne in irgendeine Mitgliederliste eingeschrieben zu sein. Und unter diesen lieben Geschwistern haben wir durch die gegenseitige Liebe eine Gemeindeordnung, die nur der Heilige Geist schaffen kann.
