Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Johan O. Smith

Brief an Hans Skutle, 28. Mai 1942

Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982
Horten, 28. Mai 1942
Lieber Bruder Hans Skutle,
Friede.

Danke für den Brief vom 20. 5.

Bei N. N. habe ich den Eindruck, dass er ein sehr eifriger Bruder war, der sich sehr befleißigte, das Rechte zu tun. Aber er tat es auf eine gesetzliche Weise anstatt nach den Wirkungen des Geistes. Eine Folge hiervon war, dass er viel arbeitete und wenig aß, und wenn er sich die anderen Geschwister ansah, fand er, dass sie sehr weit hinter ihm selbst zurücklagen.

Vor vielen Jahren ist ein Buch auf Dänisch erschienen, das aus dem Deutschen übersetzt worden war. Es heißt „Deutsche Theologia“. Ich nehme an, dass dieses Buch ungefähr hundert Jahre vor Luther geschrieben wurde. Die Witwe vom verstorbenen Th. Ellefsen, Øvre Keisemark 44, hat dieses Buch, und ich nehme an, dass du es ausleihen darfst, wenn du ihr schreibst. In diesem Buch ist die Rede von Personen, die im Glauben irregehen und wie Jesus Christus in der Ewigkeit oder wie Gott selbst sein wollen. Sie erheben sich über die Gemeinde und wollen deren Propheten sein. Nur eines fehlt ihnen: Sie sind nicht auf eine geistliche, natürliche Weise hingewachsen zu ihm, der das Haupt ist, sondern nur die geistliche Verirrung ist in der Einbildung dort hinaufgelangt. Eine Folge davon ist, dass sie eigenmächtig, selbstklug und selbstgefällig werden. Sie nehmen nicht den Platz in der Gemeinde ein, den Gott den jeweiligen Gliedern gegeben hat, und können auch nicht auf eine natürliche Weise mit diesen zusammenarbeiten. Sie sind mehr als die ganze Gemeinde, sie stehen als geistliche Diktatoren über ihr.

Das ist Aufgeblasenheit. Ich muss annehmen, dass Br. N. N. in einem solchen Zustand, wie oben beschrieben, gewesen ist; und dieser Zustand wurde unerträglich für ihn, als ihm klar wurde, dass er sich geirrt hatte. Und dann kam die Katastrophe.

Ich sehe aus deinem Brief, dass du ihn gewarnt und ermahnt hast, sein Verhalten zu ändern, doch ohne Ergebnis. Da dieser Fall mit N. N. der erste seiner Art innerhalb der Gemeinde ist, kann man das, was geschehen ist, nicht dir anlasten. Sondern du kannst nur daraus lernen und sehr darüber wachen, dass sich nichts Ähnliches wiederholt.

Br. Th. Ellefsen entschlief im Glauben an seinen Erlöser am 21. des Monats um 16.05 Uhr im Alter von 66 Jahren. Die Beerdigungsfeierlichkeit fand am 26. um 14.00 Uhr von unserem Saal in Horten aus statt. Gleich nach der Beerdigung versammelten sich die Geschwister im Saal zur Gedenkfeier. Es waren Geschwister aus vielen Orten angereist, unter ihnen waren die Brüder Aslaksen, Bratlie, Bekkevold, Andr. Nilsen, und auch viele Frauen. Br. Ellefsen wurde als ein stiller und sehr fleißiger Bruder beschrieben. Während des Weltkrieges wirkte er in der Finnmark und in Westnorwegen. Nach seinem Ausscheiden aus der Marine zog er nach Fredericia, von wo aus er vier Jahre lang in der Region Südjütland arbeitete. Überall hat seine Wirksamkeit Früchte getragen. Er verstand sich darauf zu trösten und zu ermuntern, sodass seine Arbeit nahezu ein Hirtendienst wurde.

Ich sehe nicht genug, um schreiben zu können, daher hat mein Sohn Aksel diesen Brief geschrieben.

Die herzlichsten Grüße von uns allen hier an dich, deine Familie und die Gemeinde.

Dein Bruder

J. O. Smith