Der Hebräerbrief
13. Kapitel
V. 9. „Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade, nicht durch Speisegebote, von denen keinen Nutzen haben, die danach leben.“
Gottes Wort ist Speise; es ist Geist und Leben. Diese vielen verschiedenen und fremden Lehren führen auf Abwege. Haben wir es nicht gesehen? Doch, gewiss. Gottes Wort irrt nicht. Es sieht wie Speise aus, ist aber nur trockene Lehre, Kopfwissen, das noch nie jemandem genutzt hat. Jesu Worte sind Geist und Leben und sie schaffen Gemeinschaft im Geist und Gemeinschaft im Leben. Wenn geschrieben steht, dass es gut ist, dass das Herz durch die Gnade fest werde, dann bedeutet das: durch Jesu Christi Offenbarungen. Aber in trockener Lehre existieren weder Gnade noch Offenbarungen – nur Verirrungen. „Meine Schafe hören meine Stimme“, sagt Jesus. Doch die Stimme der vielen verschiedenen Lehren führt weg von der Stimme des Oberhirten hin zur Stimme von selbsternannten Mietlingen und Broterwerbspredigern, deren Worte bei Weitem nicht Geist und Leben sind.
Hüte dich vor ihnen!
V. 10. „Wir haben einen Altar, von dem zu essen denen nicht erlaubt ist, die am Zelt dienen.“
Am Zelt zu dienen ist ein äußerlicher Dienst. Im Alten Bund opferte man auf diesem Altar Schlachtopfer und Speisopfer zur Sündenvergebung. Doch nun im Neuen Bund reduziert man Christi vollbrachtes Werk auf die Sündenvergebung – ja nur Sündenvergebung – oder Dienst am Zelt wie im Alten Bund. Jedoch ist Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er wird uns in alle Wahrheit leiten.
Genauso wie es einen Altar für das Äußerliche gibt, gibt es auch einen für das Innere. In der Sündenvergebung wird der Leib mit reinem Wasser gewaschen. Denn jede Sünde, die der Menschen begehen kann, ist außerhalb des Leibes. Aber im Licht zu wandeln, wie er im Licht ist, gibt dem Blut im inneren Wesen die Gelegenheit, uns von aller Sünde zu reinigen.
Von diesem Altar haben wir das Recht zu essen. Und diejenigen, die nur am Zelt dienen, haben kein Recht, von diesem Altar zu essen, weil die Feindschaft (das Fleisch) sich einem solchen Dienst widersetzt.
V. 11. „Denn die Leiber der Tiere, deren Blut durch den Hohenpriester als Sündopfer in das Heilige getragen wird, werden außerhalb des Lagers verbrannt.“
Im Alten Bund (dem Schatten) wurde das Blut des Tieres vom Hohepriester in das Heiligtum gebracht, während der Leib außerhalb des Lagers verbrannt wurde.
Ebenso im Neuen Bund. Der Leib muss aus dem Lager gebracht werden, hinaus von aller Religiosität innerhalb von Sekten und Parteiungen und hinaus zu ihm – außerhalb des Lagers – um zusammen mit Christus zu leiden und zu sterben, um der Sünde bis aufs Blut zu widerstehen, um dem Ebenbild des Sohnes gleichgestaltet zu werden. Das Blut wird dann durch unseren himmlischen Hohepriester in das Heiligtum hineingetragen. Im Blut ist die Seele. Jesus schüttete seine Seele aus bis in den Tod. Der erste Adam wurde zu einer lebendigen Seele, doch der zweite Adam ist zu einem Geist geworden, der lebendig macht. Unser Geist soll lebendig gemacht und unsere Seele ausgeschüttet werden. In der Seele ist das Leben in dieser Welt. Wir müssen das Leben verlieren, um das Leben zu finden. Das Blut wird vom Hohepriester ins Heiligtum hineingetragen. Hier bekommen wir unsere Seele in der Auferstehung der Toten wieder, wenn Leib, Seele und Geist wiedervereint werden.
Während wir hier auf der Erde sind, ist der Leib tot um der Sünde willen, aber der Geist ist Leben um der Gerechtigkeit willen. Dieser Leib wird nun als ein Gott wohlgefälliges Opfer hingegeben, und das ist unser geistlicher Gottesdienst.
V. 12. „Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.“
Das Volk ist im Lager. Dort waren alle die zwölf Stämme Israels.
Aber er, der das Volk durch sein Blut heiligen sollte, Jesus Christus, musste außerhalb des Lagers leiden und sterben. Beachte: das Volk heiligen! Das ist Zeltdienst, Reinigung im Äußerlichen.
V. 13. „So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.“
Jesus ist weiterhin außerhalb des Lagers und es ist eine Schmach, zu ihm hinauszugehen, um mit ihm gleichgestaltet zu werden. Es ist keine Schmach, zu der einen oder anderen Sekte zu gehören; gehst du aber in Wahrheit zu ihm hinaus – außerhalb des Lagers – dann fängt die Schmach an.
Das Werk geht außerhalb des Lagers vor sich und kann nie innerhalb geschehen. Dort draußen hat der Herr Segen verordnet. Dies ist der Ort, wo der Herr sich sehen lässt und wo das Hurentum nie gedeihen kann; denn dort sind Kreuz, Tod und Blut über alles Fleisch; doch Herrlichkeit für den Geist.
V. 14. „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“
Dies war auch Abrahams Glaube und Gesinnung.
Er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. Deswegen war er Fremdling und Ausländer im gelobten Land. Genauso ist es auch bei uns. Wir sind Fremdlinge und Ausländer hier in der Welt.
V. 16. „Gutes zu tun und mit andern zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.“
Es gibt viele Dinge, an die wir erinnert werden müssen, dass wir sie tun. Darunter auch Gutes zu tun und mit andern zu teilen. Auch darin gibt es Opfer. Daher heißt es: „Solche Opfer gefallen Gott, der es regnen lässt über Gerechte und Ungerechte.“
V. 17. „Gehorcht euren Lehrern und folgt ihnen, denn sie wachen über eure Seelen – und dafür müssen sie Rechenschaft geben –, damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn das wäre nicht gut für euch.“
Niemand kann Wegleiter für andere sein, ohne dass er selbst vom großen Oberhirten geleitet wird.
Petrus musste versprechen, dass er Jesus mehr als die Schafe und Lämmer liebte, um sie zu weiden und zu hüten.
In Hes. 44, 10 ff. werden Hirten erwähnt, die mehr am Volk als am Herrn hingen. Das Volk hatte das Geld und das Essen und so folgten die Priester ihnen. Sie liebten den Bauch mehr als den Herrn und seine Gebote. Sie waren Priester für das Volk. Sie waren keine wahren Wegleiter, denn das Volk leitete sie.
Doch die levitischen Priester, Sadoks Söhne, hingen fest am Herrn, als das Volk in die Irre ging. Sie sollten Priester für Gott sein und den Dienst versehen, den er versehen haben wollte. Das waren die richtigen Wegleiter. V. 15 ff.
V. 20-21. „Der Gott des Friedens aber, der den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes, der mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“
Hier wird Gott der Gott des Friedens genannt, der in der Kraft des Blutes eines ewigen Bundes den großen Hirten der Schafe von den Toten heraufgeführt hat. Das Blut musste fließen, ehe Gott als Gott des Friedens bezeichnet werden konnte. Der Wille Gottes musste bis aufs Blut geschehen. Daher sind es drei, die zeugen: Der Geist, das Wasser und das Blut.
Um dieses Zeugnisses willen war Johannes auf der Insel Patmos und sah unbeschreibliche Dinge bis weit in die Ewigkeit hinein.
Möge Gott uns Gnade geben, am Wort und am Zeugnis festzuhalten!
