Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1941-08 - Der Brief an Philemon

Gesammelte Schriften Band 6 • 1937 - 1982

Der Brief an Philemon

„Paulus, ein Gefangener Christi Jesu, und Timotheus, der Bruder, an Philemon, den Lieben, unsern Mitarbeiter, und an Aphia, die Schwester, und Archippus, unsern Mitstreiter, und an die Gemeinde in deinem Hause.“

Philemon hatte unter den Aposteln und Ältesten einen guten Ruf. Und das ist nichts Geringes. Er hatte eine Gemeinde in seinem Haus und unter diesen mehrere Mitarbeiter. Philemons Heim stand den Heiligen und Auserwählten offen, und es war ein Heim, in das auch Paulus einkehrte.

Nun hatte Philemon einen Diener, Onesimus – einen Sklaven – der ihm entflohen und zu Paulus gekommen war und diesen in seiner Gefangenschaft besuchte. Da er nun Paulus aufsuchte, musste er diesen von früher gekannt und Zuneigung zu ihm gefasst haben. Onesimus bekehrte sich bei Paulus, und nun sollte der gute, alte Apostel ihn zu Philemon zurücksenden, und das war ein Problem. Aber durch Liebe und Weisheit sollte es gelingen.

V. 4. „Ich danke meinem Gott und gedenke allezeit an dich in meinen Gebeten.“

Hieraus verstehen wir, dass Philemon ein auserwähltes Werkzeug war, für das Paulus Gott dankte.

V. 5-6. „Weil ich von deinem Glauben höre, den du an den Herrn Jesus hast, und von deiner Liebe gegenüber allen Heiligen, damit deine Gemeinschaft im Hinblick auf den Glauben für Christus Jesus wirksam werde durch die Erkenntnis all des Guten, das in euch ist.“

Hier denkt der Apostel an Onesimus, den er jetzt zurücksenden wollte. Möge nun die Gemeinschaft in Christus mit dir und der Gemeinde in deinem Haus wirksam werden, um auch diesen armen Ausreißer – den Sklaven Onesimus – zu umfassen.

Es muss wehgetan haben, in jenen Tagen einen entflohenen Sklaven aufzunehmen, da es eine große Schande war, dass ein Sklave von seinem Herrn floh. Das wissen wir aus den Tagen König Salomos, als Simei über den Bach Kidron ging, um einen Knecht zurückzuholen, der von ihm weggelaufen war. Obwohl es für ihn mit der Todesstrafe verbunden war, Jerusalem zu verlassen, weil er König David geflucht hatte, vergaß er sich ganz und setzte dem Knecht nach.

V. 7. „Denn wir haben viel Freude und Trost um deiner Liebe willen; denn die Herzen der Heiligen sind durch dich erquickt worden, lieber Bruder.“

Die ganze Zeit hat Paulus Onesimus in seinen Gedanken, und er erwähnt ihn genau im passenden Augenblick. Und nun kommt es:

V. 8-11. „Darum, obwohl ich in Christus volle Freiheit hätte, dir zu gebieten, was sich geziemt, so will ich doch, um der Liebe willen, vielmehr eine Bitte aussprechen, in dem Zustand, in dem ich bin, nämlich als der alte Paulus, und jetzt auch ein Gefangener Jesu Christi. Ich bitte dich für mein Kind, das ich in meinen Fesseln gezeugt habe, Onesimus, der dir einst unnütz war, jetzt aber dir und mir nützlich ist. Ich sende ihn hiermit zurück.“

V. 12. „Du aber nimm ihn auf wie mein eigenes Herz!“

Hier kommen die große Liebe und Weisheit des Apostels zum Vorschein: Onesimus ist mein eigenes Herz. Wer könnte da widerstehen? Philemon war zwar ein sehr gottesfürchtiger Mann, doch hier führte ihn der Apostel auf neue Gebiete, die er nicht kannte.

V. 13-14. „Ich wollte ihn bei mir behalten, damit er mir an deiner Stelle diene in den Fesseln, die ich um des Evangeliums willen trage; aber ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun, damit deine Wohltat nicht gleichsam erzwungen, sondern freiwillig sei.“

Paulus hatte also die Möglichkeit, dem Evangelium trotz seiner Fesseln zu dienen. Und er hatte Lust, Onesimus als seinen Mithelfer bei sich zu haben. Eigentlich solltest ja du, Philemon, hier sein und mir dienen, aber so hätte ich gerne Onesimus an deiner Stelle bei mir gehabt, sagt Paulus, aber ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun, damit deine Wohltat nicht erzwungen, sondern freiwillig sei.

In Christi Liebe zu Onesimus wie auch zu Philemon geht nun der Apostel in Demut unter Philemon, damit Philemons Wohltat freiwillig und nicht erzwungen sei. Hier wird das vollkommene Gesetz der Freiheit sichtbar. Paulus erweist sich als ein Herrscher in Gottesfurcht. Er hatte Freiheit, Philemon zu gebieten, Onesimus gut anzunehmen, aber dann wäre ja Philemons Wohltat unsichtbar geblieben. Die Aufgabe des Apostels in seinem Dienst für Gott war, andere im Reich Gottes groß zu machen.

V. 15-16. „Denn vielleicht ist er darum auf eine kurze Zeit von dir getrennt worden, damit du ihn auf ewig besitzen sollst, nicht mehr als einen Sklaven, sondern, was besser ist als ein Sklave, als einen geliebten Bruder, besonders für mich, wie viel mehr aber für dich, sowohl im Fleisch als auch im Herrn.“

Nun sollst du Onesimus als einen geliebten Bruder – mein eigenes Herz – besonders für mich, wie viel mehr aber für dich, sowohl im Fleisch als auch im Herrn, zurückbekommen.

V. 17. „Wenn du mich nun für einen hältst, der Gemeinschaft mit dir hat, so nimm ihn auf wie mich selbst.“

Paulus setzt Onesimus auf die gleiche Ebene wie sich selbst, ja, noch höher, denn für seine eigene Person hätte er niemals so inständig gebeten. Hier wird es wahr, dass wir in Liebe den anderen höher achten sollen als uns selbst. Der Apostel praktizierte, was er lehrte.

V. 18-19. „Wenn er dir aber Schaden zugefügt hat oder etwas schuldig ist, so stelle das mir in Rechnung. Ich, Paulus, schreibe es eigenhändig: Ich will es erstatten! Ich will ja nicht davon reden, dass du auch dich selbst mir schuldig bist.“

Hier dachte der Apostel daran, dass Philemon, wie wir alle, Sünde im Fleisch hatte und versucht sein könnte, sich Onesimus gegenüber zu verstocken. Er setzt sich daher mit ganzer apostolischer Vollmacht ein, um seinen Sohn Onesimus zu retten und sagt: Wenn er dir etwas schuldig ist, so stelle das mir in Rechnung. Ich will es erstatten! Ich will ja nicht davon reden, dass du auch dich selbst mir schuldig bist.

Paulus war ein reicher Mann, er besaß sowohl Philemon als auch Onesimus, denn er hatte beide in Christus Jesus gezeugt. Ist er dir etwas schuldig, so stelle das mir in Rechnung, ich will es erstatten, und hier hast du den Beweis: Ich, Paulus, schreibe das mit meiner eigenen Hand.

Hier werden Glaube, Liebe, Uneigennützigkeit und Gottes Kraft in ein und derselben Person offenbart.

V. 20. „Ja, Bruder, lass mich von dir Nutzen haben im Herrn! Erquicke mein Herz im Herrn!“

Hier beugt er sich wiederum in Christi Liebe unter Philemon und sagt: Du bist größer als ich, erquicke nun mein Herz nach den Gesetzen der Freiheit.

V. 21. „Im Vertrauen auf deinen Gehorsam schreibe ich dir, weil ich weiß, dass du noch mehr tun wirst, als ich dir sage.“

Bald ist der Apostel unter Philemon und bald ist er über ihm. Ich vertraue darauf, dass du mehr tun wirst, als ich sage. Dies zeigt, dass Paulus Apostel war und dass er ein großes Vertrauen zu Philemon hatte.

V. 22. „Zugleich aber bereite mir auch eine Herberge, denn ich hoffe, dass ich euch geschenkt werde durch eure Gebete.“

Hiermit sagt Paulus: Ich komme bald zu euch, um die Freude mit dir, Philemon, und meinem Sohn Onesimus zu teilen. Das wird eine Gesellschaft und eine Herrlichkeit, die größer ist als die Freude, die der verlorene Sohn bei seiner Heimkehr bekam; denn die ganze Gemeinde in deinem Haus wird sich zusammen mit uns freuen, und der Sklave hat keinen älteren Bruder, der neidisch sein kann.

Dass Paulus selbst kommen wollte, war das Siegel darauf, dass alles in Ordnung gehen würde. Und dass er hoffte, ihnen durch ihre Gebete bald geschenkt zu werden, ist ein Beweis für das große Vertrauen, das Paulus zu Philemon und zu der Gemeinde in seinem Haus hatte. Beachte: Sie beteten, dass der Apostel zu ihnen gesandt werden möge – trotz der Affäre um Onesimus.

Hier bekommen wir einen kleinen Einblick in all die Güte, die im Apostel Paulus, in Philemon und in der Gemeinde in seinem Haus war, wie sie in der Liebe zusammengeknüpft wurden.

V. 25. „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist!“