Der Hebräerbrief
12. Kapitel
V. 1. Im 11. Kapitel ist eine Wolke von Zeugen erwähnt. Wenn wir nun ihr Leben sehen und darin forschen, dann müssen auch wir alles ablegen, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und mit Geduld in dem Kampf laufen, der uns bestimmt ist.
Hier ist ein Leben zu leben, hier gibt es vieles, was man lassen muss; denn uns ist ein Kampf bestimmt. Was sollen wir in einem ständig zunehmendem Maß lassen? Heuchelei, Schmeichelei, Ansehen der Person, Redseligkeit, Afterrede, Geldgier, Feigheit, Ichbezogenheit, Geltungsbedürfnis, dass man gut dastehen will, Wichtigtuerei, Eitelkeit usw. Aber hängt uns dies immer noch so fest an, nachdem wir mit dem Heiligen Geist getauft sind, werden manche fragen. Ja, es ist da, solange wir uns in diesem irdischen Leib befinden. Wenn der Prediger sich gerne Pastor nennen lässt, was ist das anderes als Lust zum Großsein? Oder wenn sich jemand in der Gemeinde immer unter den Personen bewegt, die ein gewisses Ansehen haben? Was ist das anderes als Hoffart und Größenwahn? Oder wenn man in der Gemeinde um Geld bettelt. Was ist das anderes als ein Ausdruck von Habsucht? Die Gemeinde will ungern geben und der Pastor will in der Regel so viel wie möglich haben.
Salbe deine Augen mit Augensalbe und du wirst noch viel mehr Auswirkungen der Sünde zu sehen bekommen, die so fest anhängt. Was könnte das noch sein, wird jemand fragen. Da gibt es den Neid Kains. Du willst gerne Vorsteher sein und dann wird jemand ausgewählt, der in deinen Augen viel schlechter ist als du. Du willst gerne Musikleiter sein, aber dann kommt jemand mit einer Löwennatur und übernimmt das ganze Kommando. Du willst gerne fein, intelligent und gebildet sein, aber dann kommt ein anderer, der dich in den Schatten stellt.
Ich kann dir sagen, dass es viel zu kreuzigen gibt. Komm nie daher und erzähle solche Dummheiten, dass der Sündenleib weggenommen sei. Sag lieber, dass die Weisheit weggenommen ist und dass nur noch Dummheiten übrig sind, dann sind wir der Wahrheit deutlich näher, falls es überhaupt jemals Weisheit gegeben hat, die man hätte wegnehmen können.
V. 2. „Indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichts achtete, und der sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat.“
Durch Glauben, am Kreuz, indem wir im Fleisch leiden, können wir alles oben Genannte überwinden. Jesus ist der Anfänger des Glaubens. Er überwand und wir können überwinden. Lies in der Offenbarung: „Wer überwindet!“
Wenn nun eine Gemeinde voll von den oben genannten Sünden ist und diese herrschen dürfen, ohne gestraft zu werden, spricht man von einer „Versammlung der Toten“. Gehe aus von ihr. Einer solchen Versammlung fehlt das Zeugnis des Geistes, des Wassers und des Blutes. Doch sie hat dagegen das Zeugnis des Fleisches; den Baum erkennt man an seinen Früchten.
Jesus ist der Anfänger und Vollender des Glaubens. Das beweist, dass Jesus ein Weg des Glaubens ist. Wir können nicht alles an einem Tag ablegen, sondern nach und nach können wir durch Jesu Gebote, durch Licht auf den inneren Wegen, Kraft bekommen, alles abzulegen, was beschwert, und mit Geduld in dem Kampf zu laufen, der uns bestimmt ist. Hier geschieht die Verwandlung: Von Glaube zu Glaube, von Licht zu Licht, von Kraft zu Kraft, von Sieg zu Sieg, alles vom letzten Adam, der zu einem Geist, der lebendig macht, geworden ist. Dies ist der Weg Gottes, dem überall widersprochen wird. Nur die von Herzen Aufrichtigen finden diesen Weg und können ihn gehen! Dies ist der Weg des Glaubens in unserem Herrn Jesus Christus. Kein reißendes Tier ist auf diesem Weg. Nur diejenigen, die die Offenbarungen unseres Herrn Jesu Christi lieben und die im Licht wandeln.
V. 3. „Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.“
Wenn Jesus Widerspruch von den Sündern bekam, war dies im Wesentlichen von den religiösen Menschen jener Zeit. Dasselbe gilt heute. Diejenigen, die meinen, durch Studieren und Lesen von Schriften und religiösen Büchern etwas zu wissen, obwohl sie nicht durch Offenbarung des Geistes erleuchtet sind, Pfarrer und Pastoren, sind die Schlimmsten darin, gegen den Weg Gottes zu protestieren. Daher bleiben sie unfruchtbare Bäume. Weltliche Weisheit und leerer Betrug haben sie verblendet. Die Lust nach eitler Ehre wird für sie ein Abweg fort von Christus, von ihm, in dem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind. Das Griechisch der Theologen wird ihnen nicht helfen können; denn der Geist, der uns in alle Wahrheit leitet, spricht zu uns Norwegern auf Norwegisch. Denke, dass der Tröster deine Sprache kann! Ein Theologe sagte einmal, dass wir besser hätten zurechtkommen können, wenn wir Griechisch gelernt hätten. Jesus sagt: „Die Worte, die ich rede, sind Geist und sind Leben.“ Er verwendet keine toten Sprachen, um zu den Lebendigen zu reden.
Allen solchen Widerspruch von Sündern müssen wir mit Geduld ertragen, sodass wir nicht müde werden in unseren Seelen; denn der Weg Gottes bricht sich Bahn durch Dornen und Disteln, bis hin zum Vater.
V. 4. „Ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden im Kampf gegen die Sünde.“
Das ist das Ziel: das Zeugnis des Blutes – dass wir der Sünde bis aufs Blut widerstehen.
Hier sterben der Geiz, der Neid, der Pastor, der Prälat, der Größenwahn und aller anderer Wahn. Es bleibt nur eine neue Kreatur übrig, und stell dir vor, Jesus Christus redet vom Himmel mit dir in deiner Sprache! Ja, das ist gut, sonst müssten wir bald ein Rezept haben und den einen oder anderen Pastor bezahlen, um all die Sünde loszuwerden, die uns so anhängt. Denn der Mensch macht aus allem Möglichen ein Gewerbe. Aber nun brauchen wir das nicht mehr, Gott sei Lob und Preis. Wir haben es für nichts bekommen und geben es für nichts; denn wir sind erlöst durch das teure Blut Jesu, ohne Silber und Gold.
V. 8. „Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, an der sie alle Anteil bekommen haben, so seid ihr ja unecht und keine Söhne.“
Gottes Gebote zu halten ist Zucht für uns Menschen mit sündigem Fleisch, da der Geist gegen das Fleisch streitet und das Fleisch gegen den Geist. Jeder, der diesen Streit, diese Zucht, nicht kennt, ist unecht. Unsere Brüder in der Welt müssen dieselben Leiden durchmachen. Je mehr wir dem Geist gehorchen, desto mehr Leiden im Fleisch, aber desto größer auch die Verheißungen: Wenn wir mit ihm leiden, werden wir auch mit ihm zur Herrlichkeit erhoben. Dies ist der Beweis dafür, dass wir echte Söhne sind.
V. 11. „Jede Züchtigung aber, wenn sie da ist, scheint uns nicht Freude, sondern Schmerz zu sein; danach aber bringt sie als Frucht denen, die dadurch geübt sind, Frieden und Gerechtigkeit.“
Als Kinder hatten wir unsere Eltern, die uns nach ihrem Gutdünken gezüchtigt haben, um uns zu erziehen. Und später im Leben erwies sich diese Zucht als gut. Aber es schien uns nicht gut, solange die Zucht andauerte. So ist es mit aller Zucht. Gott schlägt jeden Sohn, den er annimmt. Doch wenn wir uns darin üben, die Zucht zu ertragen, dann verstehen wir, dass sie Frieden und Gerechtigkeit bringt. Außerdem halten wir uns von den bösen Lüsten fern, um nicht unter die harte Behandlung der Zucht zu kommen. Daher steht geschrieben: „Es dient zu eurer Erziehung, wenn ihr dulden müsst.“ Wir wählen lieber, im Fleisch zu leiden und gehorsam zu sein, als ungehorsam zu sein und gezüchtigt zu werden.
