Edom, Esau, der Rote
„Nun hatte Jakob eines Tages ein Gericht gekocht, als Esau ganz erschöpft vom Felde heimkam.
Da sagte Esau zu Jakob: „Lass mich doch schnell essen von dem Roten, dem roten Gericht da, denn ich bin ganz erschöpft!“ Darum gab man ihm den Namen Edom (d. h. der Rote).
Aber Jakob antwortete: „Verkaufe mir zuvor (oder: heute) dein Erstgeburtsrecht!“ Da erwiderte Esau: „Ach, ich muss ja doch (bald) sterben: wozu nützt mir da das Erstgeburtsrecht?“
Jakob aber sagte: „Schwöre mir zuvor (oder: heute)!“ Da schwur er ihm und verkaufte so dem Jakob sein Erstgeburtsrecht.
Hierauf gab Jakob dem Esau Brot und von dem Linsengericht. Als er dann gegessen und getrunken hatte, stand er auf und ging seines Weges. So gab Esau sein Erstgeburtsrecht geringschätzig preis.“ 1. Mos. 25, 29-34. (Menge Übers.)
Esau war auch Sohn von Isaak und Rebekka, ebenso wie Jakob. Er war der Erstgeborene und hatte große Anrechte. Er kam müde, erschöpft und hungrig von der Jagd nach Hause. Und er wurde stark von dem Gericht versucht, das Jakob gekocht hatte. Nun war Esau zu seiner schicksalsschweren Stunde der Prüfung gekommen. Jetzt galt es, recht zu wählen: Das Erstgeburtsrecht oder das rote Linsengericht. Und er gab seiner fleischlichen Lust nach und verkaufte sein Erstgeburtsrecht für eine Mahlzeit.
Was verlor Esau? Er verlor das Recht, der Stammvater für die zwölf Stämme Israels zu werden. Er verlor den Stamm Juda und mit ihm den Erlöser und Messias der Welt. Er verlor den Segen seines Vaters.
Was erbte er dann? Er erbte heidnische Ehefrauen, Hass auf seinen Bruder Jakob, den Zorn Gottes und ein schlechtes Gewissen.
Edom (Esau) ist ein zutreffendes Bild für den alten Menschen. Wie viele haben doch ihr Erstgeburtsrecht an ihren Bruder Jakob verkauft? Und danach hassen sie ihn. Sie bestanden nicht die Prüfung, als sie zwischen Linsengericht und Erstgeburtsrecht zu wählen hatten. So wurden sie zu einem verstockten Edom. Sie kommen nicht zu dem Zeugnis Jesu Christi: dem Geist, dem Wasser und dem Blut. Es kommt vom Esau im Menschen, dass man der Sünde nicht bis aufs Blut widersteht. Der Unglaube führt dazu, dass man mit Gottes Wort Geschäfte macht, sich versorgen und beherbergen lässt. Das Wort Gottes sagt, dass ein Arbeiter seines Lohnes wert ist und dass man dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden soll. Der Glaube löst uns von religiösem Geschäftsleben. Die Wirkungen Gottes in gottesfürchtigen Menschen geben uns alles, was wir brauchen.
Esau war kein Diener Gottes, er hatte eine verkehrte Gesinnung. Wenn Gottes Wohlgefallen auf ihm geruht hätte, dann hätte Gott in Jakob gewirkt, ihm mit Freude das Linsengericht zu geben. Aber jetzt fuhr der Geschäftsmann in Esau hinein. Er hatte etwas zu verkaufen, um etwas zu bekommen, wovon er leben konnte. Der Glaube war weg, und ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Dann siegt der Bauch über die Verheißungen Gottes.
Als Israel während der Wüstenwanderung nach Edom kam und höflich bat: Lass uns durch dein Land ziehen. Die Landstraße wollen wir ziehen. Und wenn wir von deinem Wasser trinken, wir und unser Vieh, so wollen wir’s bezahlen – da antwortete Edom „nein“ und zog zum Krieg aus gegen Israel. 4. Mos. 20, 17-21.
Die Nachkommen Esaus erbten Esaus Hass auf die Kinder Jakobs. Edom war ein hartes Volk. Daher spricht der Herr: „Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.“ Röm. 9, 13. Mal. 1, 2-4.
Esau ist eine feste Stadt
„Moab ist mein Waschbecken, meinen Schuh werfe ich auf Edom, Philisterland, jauchze mir zu!
Wer wird mich führen in die feste Stadt? Wer geleitet mich nach Edom?“ Ps. 60, 10-11.
Ja, wer wagt, nach Edom hineinzugehen? Wer traut sich, den Kampf gegen Esau aufzunehmen? In seiner Jugend begegnete Jakob Esau, der ihm mit 400 Mann entgegenzog. Jakob hatte große Angst und kämpfte eine ganze Nacht mit Gott, denn er fürchtete seinen älteren Bruder. 1. Mos. 32, 6 ff.
Die Sünde ist wie eine feste Stadt. Wer wird mich führen nach Edom? Ps. 60, 11. Edom ist nicht uneinnehmbar. Gott sandte seinen Sohn um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch. Röm. 8, 3. Jesus Christus rückte in Edom ein. Wie viele ihm wohl in diese feste Stadt hinein nachfolgen? Ja, er rückte nicht nur in Edom ein, sondern er kam auch von dort heraus. Daher heißt es in Jes. 63:
„Wer ist der, der von Edom kommt, mit rötlichen Kleidern von Bozra, der so geschmückt ist in seinen Kleidern und einherschreitet in seiner großen Kraft?“ Hier sehen wir, dass der Messias mit Esau abrechnet, mit Edom, dem alten verstockten Menschen, der den Erstgeborenen verachtet – Jesus Christus, der einherschreitet in seiner großen Kraft.
Wer ist er? „Ich bin’s, der in Gerechtigkeit redet und bin mächtig zu helfen. Warum ist denn dein Gewand so rotfarben und dein Kleid wie das eines Keltertreters?
Ich trat die Kelter allein, und niemand unter den Völkern war mit mir. Ich habe sie gekeltert in meinem Zorn und zertreten in meinem Grimm. Da ist ihr Blut auf meine Kleider gespritzt, und ich habe mein ganzes Gewand besudelt.
Denn ich hatte einen Tag der Vergeltung mir vorgenommen; das Jahr, die Meinen zu erlösen, war gekommen.“
Hier bekommt der alte Mensch sein Harmagedon. Wenn man sich nicht vom Geist Gottes führen und leiten lassen will, dann wird man schließlich von den drei unreinen Geistern gefangen genommen, die aus dem Mund des Drachens, dem Mund des Tieres und dem Mund des falschen Propheten kommen. Diese Geister sind gleich Fröschen; denn es sind Geister von Teufeln, die tun Zeichen und gehen aus zu den Königen der ganzen Welt, sie zu versammeln zum Kampf am großen Tag Gottes, des Allmächtigen. Und er versammelte sie an einen Ort, der heißt auf hebräisch Harmagedon. Offb. 16, 13-16. Aller Unglaube und alle Widerspenstigkeit gehen ihrem Harmagedon entgegen. Dies ist Edom, das eine zerschmetternde Niederlage erleidet. Siehe Jer. 49, 7 ff.
