Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Skjulte Skatter 1933-10 - Falsche Propheten

Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Falsche Propheten

Das sind Menschen, die den richtigen Weg verlassen und in die Irre gehen und dem Weg Bileams, des Sohnes Beors, folgen, der den Lohn der Ungerechtigkeit liebte. 2. Petr. 2, 15.

Die falschen Propheten müssen also auf dem Weg gewesen sein, doch dann haben sie den Lohn der Ungerechtigkeit mehr geliebt als Christus. Sie haben den Weg Gottes als ein Mittel zu Bereicherung und Ehre benützt. Solche Menschen sind die Ursache, dass der Name Gottes unter den Heiden verspottet wird.

Es ist ja nachweisbar, dass Menschen, lange nachdem sie von Gott abgefallen sind, sich hinstellen und Gottes Wort verkündigen können. Sie haben davon einen finanziellen Vorteil, und deshalb machen sie weiter. „Denn es wäre besser für sie gewesen, dass sie den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt hätten, als dass sie ihn kennen und sich abkehren von dem heiligen Gebot, das ihnen gegeben ist.“ V. 21. Sie haben also den Weg der Gerechtigkeit gekannt. Aber sie haben sich von „dem heiligen Gebot“ abgekehrt. Genau hierin besteht der Abfall. Wie kann wohl ein Menschenkind vor dem Angesicht Gottes bestehen, ohne dass es genau die Gebote Gottes hält? Wenn das Gebot als Gesetzesknechtschaft angesehen wird, gleitet man unweigerlich in Gesetzlosigkeit hinaus. Das Evangelium, das solche Abgefallenen predigen, wird also ein Evangelium ohne Gebote.

Paulus ermahnt Timotheus mit größtem Ernst, das Gebot unbefleckt und untadelig zu halten bis zur Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus. 1. Tim. 6, 13-14.

Wenn Gott sich uns Menschen nahen will, dann geschieht das durch „heilige Gebote“. Unsere Einstellung zu diesen Geboten zeigt, welche Gesinnung wir haben, ob wir Lust zur Gottesfurcht haben oder nicht, ob wir die Gebote mehr lieben als unsere Lüste nach dem Fleisch.

Wie weit wir auch auf dem Weg der Heiligung gekommen sind, sind wir doch nicht weiter gekommen, als dass Gott eine Fülle heiliger Gebote hat, die er uns anvertrauen möchte. Die Treue diesen Geboten gegenüber wird entscheiden, wieweit unser Herr Jesus Christus sich uns weiterhin offenbaren wird. Denn wer seine Gebote hat und hält, der ist’s, dem Jesus sich offenbaren wird. Joh. 14, 21.

Ein Mensch kann Gott und seinem Gebot gegenüber längere Zeit treu sein. Alles kann gut gehen und Gott segnet. Doch wenn dieser Diener des Herrn mit zunehmender Anzahl der Seelen an Einfluss gewinnt und alle zu ihm aufsehen, dann kommt die Versuchung, herrschen zu wollen. Dann meldet sich die Lust zur Geldliebe. Eine große Versammlung ist meistens die Quelle großer Versuchungen, und hier muss man Gott gegenüber große Treue erweisen, sodass man Seine Gebote hält und weiterhin genügsam lebt und das Vertrauen der Gemeinde nicht zum eigenen Vorteil missbraucht. Eben hier fallen sehr viele ab. Man verlässt das heilige Gebot und handelt eigenmächtig. Hier kann man es sehr weit treiben: Man kann Geld zu Wohltätigkeitszwecken erbetteln und doch selbst als der große und wesentliche Geldeinnehmer hinter der ganzen großangelegten Bettelei stehen, wobei all das „im Namen Gottes“ vonstatten geht und „die Sache Gottes“ genannt wird. Ich glaube, dass jeder recht tut, wenn er die Bettelei für die Sache Gottes prüft. Man kann für Kranke in ihrem eigenen Haus beten, ohne um Geld für große Gebäude zu betteln, in denen man für sie beten will. Es ist möglich, die Jünger zu unterweisen, ohne dass man Tausende von Kronen für große Lehreranstalten aufwendet. Denn der Heilige Geist wird uns in alle Wahrheit leiten – ohne Geld und ohne Bezahlung. Wahres Christentum ist sehr billig. Wenn aber das Christentum durch die Hände der Menschen gehen soll, wird es sowohl teuer als auch unzuverlässig. Hier können wir erneut vom „Meister“ lernen. Er brauchte nur so wenig von allen Dingen. Er war selbst der Dienende und der Unterweisende. Alles gratis! Darum: Wenn man im Namen Gottes Geldbettelei für die Sache Gottes betreibt, dann hat dies einen unangenehmen Beigeschmack. Judas hatte scheinbar ein großes Herz für die Armen. Aber Tatsache war, dass er Fürsorge für sich selbst hatte. Er war nämlich ein Dieb und trug den Geldbeutel. Wenn redegewandte Menschen im Namen Gottes ausmalen, wie höchst notwendig es sei, Geld für den einen oder anderen Zweck hereinzubekommen und dass Gott einen fröhlichen Geber liebhat, dann kann es schon sein, dass gutgläubige und einfältige Menschen tief in den Geldbeutel greifen. Aber ob sie damit wirklich etwas für Gottes Sache gegeben haben, ist eine ganz andere Frage. Vielleicht zog ein Judas oder ein falscher Prophet mit dem Geld seines Weges. Man kann nie ganz sicher sein. Und dadurch wird der Name Gottes verspottet. Er, dem alles Silber und Gold gehört und der einen armen Mann im Handumdrehen reich machen kann, sollte also eine so große Mühe haben, für seine eigene Sache Geld zusammenzubetteln? Nein, auf diese Weise ehrt man den Namen Gottes nicht. Wer aber die Ehre Gottes sucht, der ist wahrhaftig und es ist kein Falsch in ihm. Gott braucht kein Geld, denn die ganze Welt und alles, was auf ihr ist, gehört ihm. Er gibt allen den Lebensodem und alles, was sie zum Leben und zur Gottesfurcht brauchen. Doch die falschen Propheten, von Bileam und Judas an bis in unsere Tage, brauchen viel Geld, weil sie ein Herz haben, das geübt ist in Habsucht. 2. Petr. 2, 14.

Für eine Wirksamkeit und für Reisen benötigt man zwar etwas. Doch wenn die Wirksamkeit nicht funktioniert, ohne „in die eigene Tasche zu wirtschaften“, dann lass sie lieber scheitern. Gott wird schon dafür sorgen, dass das, was er in Gang setzt, lebenstüchtig ist. Man übertritt das Gebot Gottes aufgrund von Vorschriften, und man hebt Gottes Gebote um menschlicher Satzungen willen auf. Mt. 15, 3-6. Die Satzung nennt man „Gottes Sache“ und das heilige Gebot „Knechtschaft“. Die Zeiten haben sich nicht verändert. Das Fleisch hat in allen Jahren dieselben Neigungen.

Wenn du einem Armen, einem Kranken oder einem Diener des Herrn etwas geben willst, dann gib es direkt. Gehe nicht über einen bettelnden Mittelsmann. Du kannst dann nie sicher sein, wer es bekommt. Es gibt etwas, das „Kollektenrede“ heißt. Das ist meistens eine verführende Rede, und dein Gewissen soll sich nicht danach richten. In allen Verhältnissen des Lebens musst du vor Gottes Angesicht stehen. Und dein Gewissen soll vor Gott und dir selbst sein. Du darfst es nicht entsprechend der Beeinflussung von anderen verdrehen lassen.

Die falschen Propheten sagen: „So spricht der Herr“, wo der Herr doch nicht geredet hat. „Darum spricht Gott der Herr: Weil ihr Trug redet und Lügen wahrsagt, siehe, darum will ich an euch, spricht Gott der Herr. Und meine Hand soll über die Propheten kommen, die Trug reden und Lügen wahrsagen. Sie sollen in der Gemeinschaft meines Volks nicht bleiben.

[...]Weil sie mein Volk verführen und sagen: «Friede!», wo doch kein Friede ist, und weil sie, wenn das Volk sich eine Wand baut, sie mit Kalk übertünchen, so sprich zu den Tünchern, die mit Kalk tünchen: «Die Wand wird einfallen!»“ Hes. 13, 7-11.

Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Die falschen Propheten benützen heute dieselben Worte: Friede, Friede, obwohl kein Friede ist. Und das kommt daher, dass die Gerechtigkeit weit weg ist. Es würde sich für sie ja nicht lohnen, die Sünde zu rügen, denn dann würden die Leute und damit das Geld verschwinden. Aber dadurch, dass man das Ganze mit strahlend weißem Kalk übertüncht und sagt, dass es gut ist, läuft das Geschäft weiter. Es ist jedoch ein Trost, dass sie keinen Sitz im Rat des Herrn erhalten werden. Das sehen wir auch; sie sind weit entfernt vom Rat des Herrn. Sie sitzen aber bei unbefestigten, gutgläubigen Menschen. Dort treiben sie ihr Geschäft. Und alles dreht sich um Geld, Geld und abermals Geld – selbstverständlich für die Sache Gottes.

„Höret doch, ihr Häupter im Hause Jakob und ihr Herren im Hause Israel! Ihr solltet die sein, die das Recht kennen. Aber ihr hasst das Gute und liebt das Arge; ihr schindet ihnen die Haut ab und das Fleisch von ihren Knochen und fresst das Fleisch meines Volks. Und wenn ihr ihnen die Haut abgezogen habt, zerbrecht ihr ihnen auch die Knochen; ihr zerlegt es wie in einen Topf und wie Fleisch in einen Kessel.“

„So spricht der Herr wider die Propheten, die mein Volk verführen, die da predigen, es werde gutgehen, wenn man ihnen zu fressen gibt; wer ihnen aber nichts ins Maul gibt, dem predigen sie, es werde ein Krieg kommen; «Darum soll euch die Nacht ohne Gesichte sein und die Finsternis ohne Wahrsagung.» Die Sonne soll über den Propheten untergehen und der Tag über ihnen finster werden. Und die Seher sollen zuschanden und die Wahrsager zu Spott werden; […] weil kein Gotteswort dasein wird.“

Doch der Prophet Micha, der gegen die falschen Propheten redete, sagte von sich selbst: „Ich aber bin erfüllt mit Kraft, mit dem Geist des Herrn, mit Recht und Stärke, um Jakob seine Übertretung zu verkünden und Israel seine Sünde.“ Mi. 3.

Solche Propheten brauchen wir in unseren Tagen. Denn wir leben in einer Zeit, wo es überall von falschen Propheten wimmelt. Die Leute halten die falschen Propheten für echt und die wahren Propheten für falsch. Doch heute wie damals klebt die Liebe zum Geld an den falschen Propheten. „Die Fürsten Israels richten für Geschenke, seine Priester lehren für Lohn und die Propheten wahrsagen für Geld.“ Und trotzdem verlassen sie sich auf den Herrn und sprechen: „Ist nicht der Herr unter uns? Es kann kein Unglück über uns kommen.“

„Darum wird Zion um euretwillen wie ein Acker gepflügt werden, und Jerusalem wird zu Steinhaufen werden und der Berg des Tempels zu einer Höhe wilden Gestrüpps.“

Die Sünden der großen Hure reichen bis an den Himmel. Und mit ihrer Hurerei hat sie die Erde verdorben. Offb. 18, 5 und 19, 2. Wer ist wohl die Hure, wenn nicht Menschen, gottlose Menschen, die sich von dem heiligen Gebot abgekehrt haben? „Geht hinaus aus ihr, mein Volk, dass ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen!“ Offb. 18, 4.