Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Brief an N. N., 16. Juni 1933

Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

(Empfänger nicht bekannt. Kein Original.)

Horten, den 16. Juni 1933
Lieber Bruder N. N.,
Gnade und Friede!

Herzlichen Dank für den Brief, den ich heute erhielt. Sie schreiben darin: „Meine drei Fragen, das Öl für das Licht, Geistestaufe und organisierte Ortsgemeinden, sind in meinen Augen noch unbeantwortet.“

2. Mos. 27, 20-21. Zerstoßene Oliven für die Lampen sollte der Hohepriester von den Kindern Israel verlangen, damit beständig Licht unterhalten werden konnte. Dies entspricht selbstverständlich zerstoßenem Eigenwillen. Wer seine Lampe instand halten will, sodass sie leuchtet, muss für dieses Licht sorgen, indem sein Eigenwille zerstoßen wird. Jesus kam, um das andere einzusetzen: den Willen Gottes. Hebr. 10, 5 ff. Der Wille Gottes ist unsere Heiligung.

Geistestaufe. Hierüber kann man bis ins Unendliche schreiben. „Und wir sind seine Zeugen, was diese Tatsachen betrifft, und auch der Heilige Geist, welchen Gott denen gegeben hat, die ihm gehorchen.“ Apg. 5, 32. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Der Geist dringt in jede Person ein, die ihm gehorcht. Wir können auch um den Heiligen Geist bitten, und Gott gibt ihn uns lieber, als Eltern ihren Kindern Brot geben. Joh. 14, 14 ff. Hier gibt es von Gottes Seite her keinerlei Knauserigkeit, aber der Mensch ist voller Unglauben und das verhindert die Geistestaufe. Denn den Geist bekommt man durch Glauben. Ich habe mit mehreren gebetet, die sofort die Taufe mit dem Heiligen Geist empfingen und augenblicklich in Zungen redeten. Aber ich selbst bekam die Geistestaufe, indem ich dem Geist gehorchte. Die Gabe der Zungenrede und der Auslegung bekam ich später. Selbstverständlich glaube ich an den „vorpfingstlichen“ Geist, wenn man ihn so nennen will. Aber dieser muss uns zu Pfingsten hinleiten. Dann haben wir Kraft bekommen, um unserem Ostern entgegenzugehen. Hierin liegt der große Fehler bei so vielen, dass sie nur in der Pfingstkraft jubeln wollen – ohne ihrem persönlichen Ostern entgegenzugehen.

Bringen Sie das Opfer, dann kommt der Geist von selbst. Kommen Sie nach Morija mit Isaak. „Wenn wir mitgestorben sind, so werden wir auch mitleben.“

Ortsgemeinden: Alle Gemeinden müssen nach der Leitung und dem Treiben des Geistes zusammengesetzt sein. Wenn sie das sind, dann kollidiert nicht die Gemeinde in Korinth mit der Gemeinde in Ephesus, auch nicht die Gemeinde in Horten mit der in Oslo. Ich glaube selbstverständlich an Ortsgemeinden, an Apostel, Propheten und Lehrer sowie Hirten. Aber ich glaube nicht an inszenierte Gemeinden, die von Menschen „nach biblischem Muster“ zusammengestellt sind. Ich kenne solche Gemeinden mit Ältesten und Propheten und Aposteln, die weit davon entfernt sind, sich von Hurerei und Geldgier rein zu bewahren. Gott befreie uns von solchem Elend! Das sind solche Ortsgemeinden, die das Kreuz und das Wort vom Kreuz hassen.

Es ist nicht einfach für einen jungen Bruder wie N. N., der seit zwei Jahren bekehrt ist, erschöpfende Antworten auf alle Fragen zu geben. Ich muss sagen, er ist einer von den wenigen, die in so kurzer Zeit so viel Licht bekommen haben. Er muss fleißig gewesen sein, Oliven zu zerstoßen. Daran gibt es keinen Zweifel.

Nein, lieber Bruder, ich versuche in meinen Antworten keine Ausweichmanöver. Aber ich glaube, Sie selbst unternehmen viele Ausweichmanöver mit Ihrem Isaak. Wenn nicht, dann hätten Sie längst die Geistestaufe bekommen. Sie sagen: „Es ist, als ob in das Wort „Geistestaufe“ gewissermaßen ein Inhalt gelegt werden soll, der nur dem entspricht, dass die Wiedergeborenen den Geist haben.“

Ja, so treu sollte man sein, dass man, wenn man wiedergeboren wurde, für alles Alte ganz und gar gestorben ist. Aber das ist man nicht. Der Geist, den man hat und dem man gehorcht, steht daher auf gleicher Ebene mit der Taufe des Johannes, der Otterngezücht und andere zur Sündenvergebung taufte. Doch Johannes wies immer auf ihn (Jesus) hin, der nach ihm kam.

Wer den Geist bekommen hat, fragt nicht mehr danach. Ebenso wie ein Hungriger, der sich satt gegessen hat, nicht nach Essen fragt. Ein Mann sucht eine Anstellung und bekommt sie. Dann hört er auf, die Anstellung zu suchen. Dagegen versucht er später, in seiner Anstellung tüchtiger zu werden.

Mein lieber Bruder N. N., Sie sind ungläubig und das ist es, was Sie hindert. Leben Sie im Geist, glauben Sie im Geist, beten Sie im Geist, kämpfen Sie im Geist gegen das Fleisch und seien Sie in allen Stücken dem Geist gehorsam, ja, dann haben Sie den Geist. Dies ist kein Ausweichmanöver, sondern eine direkte Aktion gegen alles Fleisch und alle Fleischlichkeit. Dies ist klar und leicht verständlich.

Ich kann nicht für alle Geschwister garantieren, die zu unseren Versammlungen kommen; aber das weiß ich: Folgt man der Lehre, die von den Ältesten verkündigt wird, dann wird man für Zeit und Ewigkeit glücklich.

Jahrhundertelang stürzten die Wasserfälle mit viel Getöse über die Felsen hinab; nun werden sie durch Turbinenrohre geleitet und führen eine Menge Arbeit aus.

So auch mit der Geistestaufe: Der Geist soll uns in alle Wahrheit leiten. Er soll Arbeit ausführen, sich nicht nur an den Felsen austoben. Letzteres zeugt von wenig Erkenntnis Gottes.

Herzliche Grüße. Ich sehe, dass wir der Wirklichkeit näher und näher kommen, was vermutlich in einer Katastrophe der Selbstaufgabe enden wird – in Christi Tod, und damit in einem endlosen Segen im Heiligen Geist. Phil. 3, 10.

Ihr vor Pfingsten, an Pfingsten und nach Pfingsten mit Kurs auf Ostern kämpfender Bruder

J. O. Smith