Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Skjulte Skatter 1933-02 - Die Stadt, die Frau, die Braut des Lammes

Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Die Stadt, die Frau, die Braut des Lammes

„Und es kam zu mir einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen mit den letzten sieben Plagen hatten, und redete mit mir und sprach: Komm, ich will dir die Frau zeigen, die Braut des Lammes.

Und er führte mich hin im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem herniederkommen aus dem Himmel von Gott.“ Offb. 21, 9-10.

Beachte, dass der Engel, der die letzten sieben Plagen hatte, Johannes die Braut zeigte. Es war der Engel mit dem letzten Kelch für das Fleisch. Denn das Gericht innerhalb des Hauses Gottes, an uns, wird zuerst vollendet, bevor es nach außen als Gericht über die Sünder ergeht. 1. Petr. 4, 1 und 17. Darum musste auch Jesus Mensch werden und getötet werden nach dem Fleisch, damit er der Richter der Menschen werden konnte. Derselbe Prozess geht jetzt in der Braut vor sich, die ein Fleisch mit ihm ist, damit sie auch mit ihm richten und in alle Ewigkeit mit ihm regieren kann.

Um die Braut zu entdecken, muss man von dem Engel, der die letzten sieben Plagen für das Fleisch hat, im Geist auf einen großen und hohen Berg geführt werden. Denn die Braut hat sich durch die Geistesmächte, die in der Luft herrschen, bis hinauf auf den Berg Zion hindurchgekämpft. Sie ist „Bergchrist“ und hat festen Grund unter ihren Füßen. Die Stadt wird die Stadt des lebendigen Gottes genannt, weil die Braut vom zweiten Adam lebendig gemacht wurde, der zu einem lebendigmachenden Geist geworden ist. Sie ist zu ihm, dem lebendigen Stein, gekommen, und ist selbst zu einem lebendigen Stein geworden. Diesen Stein haben die Bauleute in ihrem Gebäude verworfen. Damit haben sie auch die Stadt verworfen, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist – das neue Jerusalem. Er wurde von Menschen verworfen. Es ist also nicht genug, einfach nur ein Mensch zu sein mit einem Fleisch, das gegen den Geist streitet. 1. Petr. 2, 4-9. Die Stadt besteht aus Menschen, die nach dem Fleisch getötet, aber nach dem Geist lebendig gemacht werden. Sie besteht aus Menschen, die immerdar in den Tod gegeben werden, damit das Leben Jesu offenbar wird an ihrem sterblichen Fleisch. 2. Kor. 4, 10-12. Wir sehen daher, dass alles auf dem Leben beruht, das wir in den Tagen unseres Fleisches leben. Denn jetzt, während wir Fleisch und Blut haben, können wir Treue erweisen. Jetzt kann Gott unsere Gesinnung sehen, ob wir ihn wirklich mehr als unsere Lüste lieben, ob wir wirklich seine Gebote halten wollen.

Die Stadt hatte die Herrlichkeit Gottes, und ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, einem Jaspis, klar wie Kristall. Auch dies ist ganz natürlich; denn, wenn wir mit ihm leiden, werden wir auch mit ihm verherrlicht. Das Licht von den verherrlichten Leibern war gleich Jaspis, klar wie Kristall. In diesem Licht werden die Völker wandeln. Offb. 21, 24. Die Herrlichkeit Gottes und das Licht des Lammes ertragen sie nicht und haben sie in den Tagen ihres Fleisches nie ertragen, deshalb werden sie diese in alle Ewigkeit nicht ertragen. Sie haben das Gericht im Licht nicht ertragen und nie ihr Leben verloren wie der Meister selbst und seine Braut. Daher muss das Licht für die Völker durch den kristallklaren Jaspis vermittelt werden. Doch die Stadt selbst wird weder von der Sonne noch vom Mond erleuchtet, sondern von der Herrlichkeit Gottes und dem Licht des Lammes. V. 23. Nun ist es so, dass die meisten Menschen, das sind ja die Völker, mit der Gnade der Sündenvergebung, wie man zu sagen pflegt, zufrieden sind. Weiter reicht das Christenleben gewöhnlich nicht, und doch ist es nur dessen Anfang. Das Licht des Lammes bezeichnen sie als Gericht und Richten. Und das ist ja auch ganz richtig; denn das ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist. Wenn man sich der Herrlichkeit Gottes und dem Licht des Lammes in diesem Leben entzieht, dann hat man sich dieser Herrlichkeit und diesem Licht auch in der Ewigkeit entzogen. Doch rufen diese Völker den Namen des Herrn an, und sie werden errettet, im Licht der Stadt, im Licht der Braut, zu wandeln. Hier haben wir wieder das Heiligtum (das Tabernakel) und den Vorhof, die Vorhofchristen und die Tempelchristen. Die Völker werden von dem Licht, das von der Stadt ausgeht, regiert und geleitet werden.

Gott zeigte Johannes in Zeichen, was bald geschehen sollte. Und Zeichen müssen gedeutet werden. „Der Herr, der Gott des Geistes der Propheten, hat seinen Engel gesandt, zu zeigen seinen Knechten, was bald geschehen muss.“ Offb. 22, 6. Hieraus verstehen wir also, dass es nur seine Diener sind, die im Geist die Zeichen verstehen können, die das offenbaren, was bald geschehen wird. Alles geht natürlich vor sich.

„Die Stadt ist viereckig angelegt, und ihre Länge ist so groß wie die Breite. Und er maß die Stadt mit dem Rohr: zwölftausend Stadien. Die Länge und die Breite und die Höhe der Stadt sind gleich.“ Offb. 21, 16.

Die Stadt ist also kubisch. Die Länge und die Breite und die Höhe sind gleich. Alle, die auf dem neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, der das Fleisch ist, wandeln, werden inhaltsreiche Menschen. Sie werden durch den Gehorsam des Glaubens und dadurch, dass sie täglich ihr Kreuz auf sich nehmen und sich selbst verleugnen, kubische Christen. Diejenigen aber, die nicht ihr Kreuz auf sich nehmen und sich nicht selbst verleugnen, sondern auf Gnade sündigen und sich am Ende auf die Gnade der Sündenvergebung verlassen, werden oberflächliche Christen, Quadratchristen. Diese können mit Recht ihre verschlissene Redensart gebrauchen: Sieh nicht auf uns, sondern auf Jesus! Denn wenn man ein Quadrat von der Seite ansieht, sieht man überhaupt nichts. Paulus konnte sagen: „Folgt meinem Beispiel, wie ich dem Beispiel Christi!“ In seinem Christentum hatte er Materialstärke, es war leibhaftig, oder man kann auch sagen, kubisch geworden. Jeder, der gegen die Sünde bis aufs Blut kämpft, bekommt Tiefe in seinem Leben, und diese Tiefe misst der Engel mit seinem goldenen Rohr. Sündenvergebung ist nicht messbar, weil kein Leben dahinter ist; aber Glaubens- gehorsam ist messbar. Das macht Sinn. Denke selbst, und Gott wird dir Licht geben.

Jesus selbst ging in die Tiefe. Er war als Mensch gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. Er hat seine Seele ausgeschüttet in den Tod. Auch Paulus war geachtet wie ein Schlachtschaf. Doch in all dem hat er weit überwunden. Und weil Jesus vorangegangen war und Fürstentümer und Gewalten besiegt hatte – und das in den Tagen seines Fleisches – konnte Paulus diese kubischen Worte sagen: „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ Röm. 8, 38-39. „Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“ Kol. 2, 9. Darum wird jeder, der sich im Leib befindet, all die Hilfe bekommen, die er braucht, um zur vollkommenen Mannesreife heranzuwachsen, zu ihm hin, der das Haupt des Leibes ist, welcher ist die Gemeinde. Aus demselben Grund muss man alle Erkenntnis und alle Weisheit innerhalb des Leibes Christi suchen. Selbst Licht über die Stadt, das himmlische Jerusalem, muss man innerhalb des Leibes suchen. Und jeder, der außerhalb des Leibes nach biblischer Erkenntnis und Licht sucht, sucht vergeblich. Daraus verstehen wir, dass nur die Gottesfürchtigen, diejenigen, die seine Gebote halten, etwas von seinem wahren Licht bekommen. Alles Licht, das man glaubt, außerhalb des Leibes zu bekommen, ist nur falsches Licht. Erkenne das und vergiss es nie! Denn außerhalb der Stadt (mit dem Licht des Lammes) sind die Mörder, die Zauberer und alle, die Gräuel und Lüge tun.

Auch das Verständnis über die Braut, die das himmlische Jerusalem ist, muss man innerhalb des Leibes Christi finden, in dem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen liegen. Denn die Braut ist ein Fleisch mit Christus, der getötet ist nach dem Fleisch. Hast du daran gedacht? Dann muss ja auch die Braut getötet werden nach dem Fleisch. Das wird etwas ganz anderes als die Gnade der Sündenvergebung, wie man sagt. Wenn das Fleisch, das sündigen kann, gekreuzigt und getötet wird, dann kommt Sieg über die Sünde. Jesus ertrug das Licht Gottes und opferte sich selbst in der Kraft eines ewigen Geistes. Die Braut erträgt das Licht des Lammes und opfert sich auch in der Kraft eines ewigen Geistes. Dadurch bekommt Jesus Christus, was ihm entspricht, Seinesgleichen, seine Braut; denn sie sind beide in dieselbe Schule des Lebens und des Sterbens gegangen. Jesus liebte den Vater und hielt seine Gebote bis zum Tod. Die Braut liebt Jesus und hält seine Gebote bis zum Tod.

Ein Fleisch mit Christus zu sein ist keine Kleinigkeit. Diejenigen, die mit ihm leiden, werden mit ihm verherrlicht werden. Diejenigen, die mit ihm sterben, werden mit ihm lebendig gemacht werden. Diese sind es, die die Herrlichkeit Gottes und das Licht des Lammes bekommen. Das ist die Stadt, in dessen Licht die Völker wandeln werden.

Hier sehen wir den König, seine Braut und sein Volk in der zukünftigen Welt.

„Zu jener Zeit wird man Jerusalem ‚Thron des Herrn‘ nennen, und alle Heidenvölker werden sich dorthin versammeln, zum Namen des Herrn, nach Jerusalem, und sie werden künftig nicht mehr dem Starrsinn ihres bösen Herzens folgen.“ Jer. 3, 17.

„So spricht der Herr: Ich kehre wieder auf den Zion zurück und will zu Jerusalem wohnen, dass Jerusalem eine Stadt der Treue heißen soll und der Berg des Herrn Zebaoth ein heiliger Berg.“ Sach. 8, 3. „Und es wird geschehen an jenem Tag, da werden lebendige Wasser von Jerusalem ausfließen.“ Sach. 14, 8.

„Und er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes.“ Offb. 22, 1.

Aller Segen, alle Herrlichkeit und alles Licht gehen von der Stadt aus. Denn in ihr wohnen Gott und das Lamm zusammen mit den besten und treuesten von all seinen Geschöpfen, diejenigen, die dem Lamm nachfolgen, wohin es geht, und die bereits in diesem Leben göttliche Natur bekommen haben. Die Neidischen bleiben draußen; denn diese Krankheit muss sterben. Es gibt reichlich Gelegenheit, sich selbst zu verleugnen und täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen. Es gibt reichlich Gelegenheit, mit Christus zu leiden, wenn man nur die Gesinnung dazu hat. Wer nahe hinzukommen will, kann durch Jesu Blut, durch den Gehorsam des Glaubens, nahe hinzukommen. Denn aus solchen Treuen wird die Stadt gebaut. Wir werden miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist. Eph. 2, 19 bis Ende des Kapitels.

Abraham war gehorsam und zog aus nach dem Ort, den er als Erbteil empfangen sollte. Er ist in dem verheißenen Land ein Fremdling gewesen und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißungen. Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. Hebr. 11, 8-10.

Auch wir sind Gäste und Fremdlinge, während wir in diesem Leib wohnen. Auch wir warten auf die Stadt mit dem festen Grund, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. Deshalb ist es gut, unsere Zeltpflöcke hier unten nicht zu fest einzuschlagen, sondern das Unsichtbare und Ewige vor Augen zu haben.