Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1935-09 - Der Wachtturm, die Kelter und die Weingärtner

Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Der Wachtturm, die Kelter und die Weingärtner

„Hört ein anderes Gleichnis: Es war ein gewisser Hausherr, der pflanzte einen Weinberg, zog einen Zaun darum, grub eine Kelter darin, baute einen Wachtturm, verpachtete ihn an Weingärtner und reiste außer Landes.“ Mt. 21, 33.

Hier sehen wir, auf welche Weise Gott seinen Weinberg baut. Der Weinberg war das Haus Israel. Um dieses Volk herum setzte er einen Zaun von heiligen Gesetzen und Bestimmungen als Schutz vor den gesetzlosen Heiden. Innerhalb dieser Mauer sollte der Garten bebaut werden und seinem Hausherrn Frucht bringen.

Auch grub er eine Kelter darin. In dieser Kelter sollte die Frucht zerstoßen und zu Wein verarbeitet werden, den man mehrere Jahre lang lagern konnte, sodass man mit der Zeit viel alten, klaren Wein haben würde.

Danach baute er einen Wachtturm in den Garten. Von hier aus konnte man den ganzen Garten überblicken und sehen, wie er gepflegt wurde und gedieh. Als alles in Ordnung war, verpachtete er ihn an Weingärtner und reiste außer Landes.

„Als nun die Zeit der Früchte nahte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, um seine Früchte in Empfang zu nehmen. Aber die Weingärtner ergriffen seine Knechte und schlugen den einen, den anderen töteten sie, den dritten steinigten sie.

Da sandte er wieder andere Knechte, mehr als zuvor; und sie behandelten sie ebenso.

Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen und sprach: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen!

Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Das ist der Erbe! Kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbgut in Besitz nehmen! Und sie ergriffen ihn, stießen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn.“

So tat das Volk des Alten Bundes. Sie steinigten die Knechte des Herrn, die gesandt waren, um nach Früchten zu sehen. Und als der Sohn kam, töteten sie ihn.

Hier sehen wir die Gesinnung des Menschen. Ob diese wohl im Neuen Bund besser geworden ist? Der Sohn wurde vom Volk des Alten Bundes aus dem Weinberg geworfen. Im Neuen Bund hat man zwar seinen Namen im Weinberg drinnen auf einem großen Grabstein; aber seine Person ist nach draußen gestoßen worden. Darum heißt es: „So lasst uns nun zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, und seine Schmach tragen!“ Hebr. 13, 13.

Auch heute sendet der Hausherr seine Diener in den Weinberg, um die Weingärtner nach den Früchten zu fragen: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit. Geistlich gesprochen machen es die Weingärtner jedoch heute ebenso wie damals: einen schlagen sie, einen anderen steinigen sie und einen dritten töten sie. Was bedeutet das? Nun, sie verleumden die Diener des Herrn, beschuldigen sie dafür, eine Irrlehre zu haben, für Knechtschaft usw., und so stoßen sie diese aus ihrer Sekte, ihrer Gemeinde, hinaus. Und dies tun sie, damit das Wort des Herrn in Erfüllung geht: „Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen. Es kommt aber die Zeit, dass wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst damit.“ Joh. 16, 2.

Überall, wo man nicht das Fleisch mit seinen Leidenschaften und Begierden gekreuzigt hat, wird es sich geltend machen, genau wie bei den Weingärtnern im Alten Bund.

Für die Kelter hat man keine Verwendung, darum hörst du auch nie, dass über sie geredet wird. Alter, klarer Wein existiert nicht. Aber im Weinberg sind die Weingärtner eifrig mit toten Werken und Geldbettelei für alle möglichen Arten von Wirksamkeit beschäftigt. Jesus ging umher und tat wohl und heilte alle, die zu ihm kamen. Doch heute braucht man große, prachtvolle Villen, um für die Kranken beten zu können. Die Kranken müssen zu ihnen kommen. Jesus lehrte die Jünger, wo immer es sich ergab; aber heute bettelt man um Geld für große Gebäude in den zentralsten und teuersten Gegenden. Dadurch werden gut bezahlte Stellungen geschaffen. Es wird für die Sache gebettelt; aber meistens sind sie selbst diese Sache.

Wenn nun der Hausherr seine Diener zu den Weingärtnern aussendet, um nach den Früchten des Geistes zu fragen, dann finden sie genau das Gegenteil, nämlich: Parteiungen, indem der Weinberg in eine Menge Gruppierungen aufgeteilt wurde, die sich im Bürgerkrieg miteinander befinden, sodass die Welt unmöglich zum Glauben kommen kann. Dazu finden sie Neid, Zorn, Streitigkeiten, Missgunst, Unreinheit und Hurerei.

Mit gutem Grund werden also die Diener des Herrn, die nach den Früchten des Geistes fragen, hinausgeworfen. Es darf nichts anderes als „Sünde und Gnade“ erwähnt werden. Denn der Weinberg ist übervoll von Sünde, und Christus darf mit keinem anderen Namen als mit dem Namen „Sündopfer“ bezeichnet werden. Es darf nicht darüber geredet werden, dass Jesus „der Weg“ ist. Das betrachtet man sofort als eine gefährliche und falsche Lehre. Man darf nicht ein Wort davon erwähnen, dass Jesus „die Wahrheit“ ist. Denn sollte die Wahrheit gesagt werden, dann wäre es ja mit all diesen Dornen und Disteln, die im Weinberg wachsen, arg schlecht bestellt. Auch ist nicht Jesus das Leben, sondern das Fleisch lebt und gedeiht.

Den Turm im Garten braucht man nicht. Eine wachende und betende Seele im Wachtturm würde bald eine Mitteilung vom Hausherrn bekommen, dass es um den Garten sehr schlecht bestellt sei. Eine solche Seele würde für kritisch und richtend gehalten werden. Hinaus aus dem Weinberg mit ihr!

„Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr noch nie in den Schriften gelesen: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen, und es ist wunderbar in unseren Augen«?“

Auch die Bauleute unserer Zeit sollten untersuchen, ob sie nicht den Eckstein verworfen haben und somit auf Sand bauen. Diesen Übeltätern wird es schlecht ergehen.

Darum sagt Jesus: „Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringt.“ Mt. 21, 43.

„Und als die Hohenpriester und Pharisäer seine Gleichnisse hörten, erkannten sie, dass er von ihnen redete.“