Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1935-07 - „Sünde und Gnade“

Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

„Sünde und Gnade“

Wir hören oft von „Sünde und Gnade“ reden. Ja, die Verkündigung reicht meistens nicht weiter. Damit meint man, dass man notwendigerweise sündigen müsse, und dass es Gnade sei, Vergebung für die Sünde zu bekommen.

Aber nun heißt es in Röm. 6, 12: „So lasst nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, und leistet seinen Begierden keinen Gehorsam.“ Und in V. 14: „Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, weil ihr ja nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.“

Hieraus geht mit aller Deutlichkeit hervor, dass das Gesetz und die Sünde zusammengehören. Das Gesetz wurde für die Übertreter gegeben. Sünde ist Übertretung des Gesetzes. Die Sünde hat die Strafe in sich. Wer sündigt, der hat ihn nicht gesehen und nicht erkannt; denn wer in ihm bleibt, der sündigt nicht. 1. Joh. 3, 6. „Wer Sünde tut, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ V. 8.

Die Absicht der Gnade ist nicht, dass wir der Sünde dienen und dann um Gnade und Vergebung bitten sollen. Diesen Eindruck bekommt man unweigerlich von all dieser Verkündigung über „Sünde und Gnade“.

Was ist Gnade? Gnade ist Licht und Leben innerhalb des Leibes Christi, wo ich persönlich noch kein Licht und Leben bekommen habe. Die Gnade herrscht durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben. Röm. 5, 21. Mit anderen Worten können wir sagen: Die Gnade herrscht durch Gerechtigkeit zu Gerechtigkeit; denn das ewige Leben ist ein Leben in Gerechtigkeit. Aber nun gebrauchen bekehrte Menschen die Gnade nur als ein Reinigungsmittel für Sünde und Gottlosigkeit, und das ist eine falsche Anwendung der Gnade. „Die, welche die Fülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, herrschen im Leben durch den Einen, Jesus Christus.“ Röm. 5, 17. Aufgrund der Gnade durch Jesus Christus im Leben zu herrschen, ist doch etwas ganz anderes, als zu sündigen und Gnade zu bekommen, um danach wieder hinaus in die Sünde zu gehen. „Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde? Das sei ferne!“ Röm. 6, 1-2. Aber diese verfinsterte und verdummende Lehre über „Sünde und Gnade“ vermittelt den Menschen einen festen Eindruck davon, dass man in der Sünde beharren müsse, damit die Gnade umso mächtiger werde. Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben können?

Als Mitarbeiter ermahnt Paulus die Korinther, dass sie die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangen sollen. 2. Kor. 6, 1. Durch Gottes Gnade war Paulus, was er war. Und seine Gnade an ihm war nicht vergeblich gewesen. 1. Kor. 15, 10. Aber die Lehre von „Sünde und Gnade“, so wie sie verstanden wird, macht, dass die Gnade ganz vergeblich wird. Die Menschen werden in Finsternis, Unwissenheit und Sünde niedergehalten. Für all dieses beruft man sich auf Gnade.

Nach dem Reichtum seiner Gnade haben wir Sündenvergebung bekommen, Eph. 1, 7, aber nicht, um in der Sünde weiterzumachen.

Wer im Fleisch ist und nach dem Fleisch lebt, ist der Sünde Knecht, und jeder, der durch das Gesetz gerecht werden will, ist aus der Gnade gefallen. Gal. 5, 4.

„Denn die Gnade Gottes ist erschienen, die heilbringend ist für alle Menschen; sie nimmt uns in Zucht, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in der jetzigen Weltzeit.“ Tit. 2, 11–12. Der Apostel Paulus versteht, was Gnade ist: Die Gnade soll mir Kraft geben, die Sünde unter den Füßen zu halten. Obwohl wir aufgrund des Sündenfalles Sünde in unserem Fleisch haben, sollen wir durch die Gnade Gottes über sie herrschen. Aber der Mensch will lieber sündigen als leiden. Dies ist der Grund und die Ursache für die Lehre über „Sünde und Gnade“. Christi Leidensgemeinschaft ist ein höchst unbekannter Begriff; ebenso, mit Christus gekreuzigt zu sein. Phil. 3, 10 und Gal. 2, 20. Aber zu sündigen und Gnade zu bekommen ist unheimlich gut bekannt. Weniger bekannt ist hingegen, dass die Gnade auf diese Weise vergeblich wird.

Eine Schriftstelle, die in dieser Verbindung gründlich verdreht wird, ist diese: „Das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.“ Aber nun steht das nicht so, sondern: „Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.“ 1. Joh. 1, 7.

Erst wenn wir im Licht wandeln, wird die Gnade nicht vergeblich, und dann kann die Rede davon sein, von aller Sünde gereinigt zu werden. Wenn man aber auf Gnade sündigt, hört man nie auf mit der Sünde. Nur wer im Fleisch gelitten hat, hat aufgehört mit der Sünde. 1. Petr. 4, 1.

Was bedeutet das? Nun, der Geizige strebt bewusst danach, freigiebig zu werden. Indem er sich ständig darin übt, hört er auf mit der Sünde Geiz. Wer gerne Klatsch verbreitet, übt sich darin, den Mund zu halten, der Stolze in Demut, der Schwelger in Verzicht usw., dann hört man auf mit der Sünde. Aber mit diesem Geschwätz über Sünde und Gnade wird man das ganze Leben lang nur auf der Stelle treten.

Daher, weg mit aller verdummenden Lehre! Lasst uns die klaren Worte der Schrift begreifen – durch die Offenbarung des Wortes, die der Geist Jesu Christi gibt.

Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das Leben zu haben; und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, um das Leben zu empfangen.

Wir müssen von Jesus lernen und tun wie er. Lies Apg. 1, 1-3. Jesus fing an zu tun und zu lehren, bis zu dem Tag, da er aufgenommen wurde.

Die Reihenfolge ist also: Tun, danach lehren. Von all denen, die zuerst lehren und nie Gottes Wort tun, sollte sich jeder verständige Mensch abwenden. Aber etwas tun sie doch: Sie betreiben Geldbettelei für ihre Wirksamkeit. Und die Lehre wird auf diese Weise notwendigerweise auf „Sünde und Gnade“ beschränkt; denn man lebt ständig in Sünde, wie geschrieben steht: „Was sie aber von Natur aus kennen wie die unvernünftigen Tiere, daran verderben sie.“ Jud. 10. Im Menschen wohnt von Natur aus nichts Gutes. Wenn man daher die Schrift ohne Offenbarung des Geistes auslegt, dann kommt daraus nur ein Verständnis auf natürliche und menschliche Weise. Daran verderben sie selbst und die, die auf sie hören. Aber mein Volk will das gerne so haben und so blüht die Lehre über „Sünde und Gnade“. Auf diese Weise kommt man billig um Leiden und Kreuzigung herum, indem man eine gute Ausbildung darin bekommt, Feind des „Kreuzes Christi“ zu werden.