Wo sind die Toten, die im Herrn sterben?
„Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.“ Ebenso wenig wie Christus sterben kann, können wir, die wir sein Leben haben, sterben. Denn das ist das ewige Leben, dass wir Gott erkennen und den er gesandt hat, Jesus Christus.
Paulus sagt: „Denn es setzt mir beides hart zu: Ich habe Lust, aus der Welt zu scheiden und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre; aber es ist nötiger, im Fleisch zu bleiben, um euretwillen.“ Phil. 1, 23-24.
Es ist also viel besser, von hier zu scheiden und bei Christus zu sein. Es ist besser, weil wir dann frei werden von diesem Todesleib, in dem die Sünde wohnt, Röm. 7, 24, und der Geist wird frei, gelöst und froh. Solange wir im Leib wohnen, weilen wir fern von dem Herrn; aber wenn wir den Leib verlassen, sind wir daheim bei dem Herrn. 2. Kor. 5, 6-8.
Solange wir im Leib wohnen, sind wir geplagt von der Sünde in uns selbst und auch durch die der anderen. Wenn wir gottesfürchtig sind, werden wir Christi Leidensgemeinschaft erfahren, während wir im Leib sind. In dieser Gemeinschaft werden wir mehr und mehr in den Tod Christi gegeben, damit sein Leben offenbar werde an unserem sterblichen Fleisch. Dies bedeutet für uns kostbaren Gewinn, Wachstum und Entwicklung. Aber doch ist es ein Leiden, das an dem Tag aufhört, an dem wir von hier gehen. Hier auf der Erde werden beim Gottesfürchtigen Seele und Geist geschieden, indem unser Menschengeist durch den zweiten Adam lebendig gemacht wird und die Seele in Christi Tod ausgegossen wird wie beim Meister selbst. Jes. 53, 12; Jak. 4, 5; 1. Kor. 15, 45.
Wenn der Mensch in Christi Leib entschläft (oder wie man sagt, stirbt), dann ist das Werk in dieser Seele vollbracht; und sie fährt heim zum Herrn, oder richtiger: Sie ist dann daheim beim Herrn. Sie ist bei den Geistern der vollendeten Gerechten auf dem Berg Zion, wie geschrieben steht: „Sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu den vielen tausend Engeln, und zu der Versammlung und Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel aufgeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu dem Mittler des Neuen Bundes, usw.“
Beachte: Ihr seid gekommen. Wir sind bereits dorthin gekommen, während wir uns hier auf der Erde befinden. Denn unser Geist ist mit Christus auferweckt. Wie viel mehr werden wir dann daheim sein beim Herrn, wenn wir aus dem Leib gehen.
Martha sagt über Lazarus: „Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird – bei der Auferstehung am Jüngsten Tage.“ Sie glaubte wirklich, dass er all diese Hunderte von Jahren im Schoß der Erde liegen bleiben würde. Aber was antwortet Jesus? „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?“
Der Räuber ging an demselben Tag, an dem er starb, mit Jesus hinein ins Paradies, weil er glaubte. Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen. Abraham, Isaak und Jakob leben, und Gott ist ihr Gott.
So können wir uns nun mit Paulus freuen und sagen: Es ist viel besser, aus der Welt zu scheiden und daheim zu sein beim Herrn. Aber mit unseren Leibern werden wir erst in der ersten Auferstehung angetan. Das werden Herrlichkeitsleiber sein.
Es gibt eine Sache, die wir uns merken müssen, die kräftig zu unserer Herrlichkeit mit Christus beiträgt.
Es heißt, dass wir wachsen sollen: Wahrhaftig in der Liebe, zu ihm hin, der das Haupt ist, Christus, von dem aus der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt wird durch jede Verbindung, die er gibt.
Dieses Zusammengefügtsein ist von Dauer und wird eine Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Er knüpft uns zusammen; und was Gott zusammenfügt, soll der Mensch nicht scheiden. In diesem Fall kann der Mensch nichts scheiden; denn in der Auferstehung sind wir zusammengefügt. Stell dir vor, mit denen, die man hier geliebt hat, in alle Ewigkeit verbunden zu sein! Ebenso ist man verbunden mit Christus und all den Heiligen aller Zeiten. Welch eine Herrlichkeit, welch ein Leib, welch eine Gemeinde!
Daher brauchen wir nicht durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte zu sein. Denn Christus hat dem die Macht genommen, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel. Hebr. 2, 14-15. Und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus.
Herrliche Hoffnung der Auferstehung, in der Sterben ein Gewinn ist! Als Mittler und Hohepriester eines Neuen Bundes für die zukünftigen Güter ging Jesus durch eine größere und vollkommenere Stiftshütte, die nicht mit Händen gemacht ist, das ist: die nicht von dieser Schöpfung ist. Er ist auch nicht durch das Blut von Böcken oder Kälbern, sondern durch sein eigenes Blut ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erworben. Hebr. 9, 11-12.
Hieraus geht deutlich hervor, dass diejenigen, die unserem himmlischen Hohepriester ins Heiligtum hinein nachfolgen, Gottes Natur bekommen, indem sie ihr Leben in dieser Welt verlieren. Eine Veränderung der Natur ist mehr als Sündenvergebung, bei der die Natur dieselbe bleibt. Der Räuber kam ins Paradies, bevor Christus in den Himmel auffuhr; denn Jesus sagt am Kreuz: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Den Zugang hierzu haben wir durch Sündenvergebung. Der Zugang zum Paradies ist wieder geöffnet. Aber der Apostel Paulus sagt nicht, dass er ins Paradies gekommen sei; er ist gekommen zu dem Berg Zion, der Stadt des lebendigen Gottes, dem neuen Jerusalem usw.
Hier teilen wir uns selbst eine irdische oder eine himmlische Herrlichkeit zu. Das Paradies ist irdische Herrlichkeit; das himmlische Jerusalem ist himmlische Herrlichkeit. Die irdische Herrlichkeit ist die Versöhnung durch den Tod Jesu Christi, als wir Feinde waren. Die himmlische Herrlichkeit ist die Erlösung durch das Leben Jesu Christi, nachdem wir versöhnt sind. Röm. 5, 10.
Jesus hat die Worfschaufel in seiner Hand. Je mehr wir auf der Rennbahn laufen, desto weiter kommen wir voran. Befolgen wir treu die Gesetze in Herz und Sinn, dann erreichen wir große himmlische Herrlichkeit. Der Weg ist neu und lebendig, er geht durch den Vorhang, das ist sein Fleisch.
Gott ist gerecht. Er gibt dem Treuen und dem, der dem Gesetz gegenüber gehorsam ist, größere Herrlichkeit als dem Lauen und Gleichgültigen und irdisch Gesinnten. Das werden wir bei der Auferstehung der Toten erfahren, wo einer den Glanz der Sonne und ein anderer den Glanz des Mondes hat und ein Stern sich vom andern durch seinen Glanz unterscheidet. Ebenso gibt es himmlische Körper und irdische Körper; aber eine andere Herrlichkeit haben die himmlischen und eine andere die irdischen. 1. Kor. 15, 40-41. All dies ist uns zur Lehre geschrieben.
Wir bemerken bereits jetzt, während wir im Leib sind, den Unterschied an Geistlichkeit bei den verschiedenen Menschen. Dieser Unterschied wird in alle Ewigkeit bestehen. Denn Gott ist gerecht. Er gibt dem Gottesfürchtigeren mehr Herrlichkeit als dem weniger Gottesfürchtigen.
