Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Johan O. Smith

Brief an Edvin Bekkevold, 14. März 1935

Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936
Horten, 14. 3. 1935
Lieber Bruder E. Bekkevold,
Friede!

Danke für deinen lieben Brief, der heute ankam, mit zwei Briefen von N. R. Dann ist also dieses Geheimnis geklärt. Alles muss letztendlich ans Licht kommen. Ich lese gerade zum zweiten Mal Korrektur von „Im Glauben irregegangen“ von meinem Bruder Aksel. Das ist wirklich gut. Ich lache ab und zu laut beim Lesen. Wir werden 3000 Stk. davon und 3000 von „Vier Stufen“ neu auflegen. „Im Glauben irregegangen“ wird voraussichtlich vor Ostern fertig; von dem anderen vielleicht ein paar Exemplare zu Ostern und der Rest später. Es gibt jetzt so viele Anfänger, die diese zwei Bücher brauchen, die in ihrer Art hervorragend sind.

Ich verstehe, dass es in Oslo vieles gibt, was mühsame Arbeit erfordert; doch wenn du nach innen gerichtete Versammlungen hältst, Gemeindeversammlungen, dann werden der Geist der Zucht und die Salbung dir helfen, die mehr nach außen gekehrten Elemente in Schach zu halten. Ebenso werden alle Aufrichtigen sich wohlfühlen und Nahrung bekommen. Ich weiß ja auch, dass du dies jetzt mehr als früher tust. Randalierer und tiefergehendes Christentum passen nicht zusammen. Das sah ich neulich in Sarpsborg, wo viele solche zur öffentlichen Versammlung gekommen waren. Anschließend kamen 25 bis 30 von ihnen zu Br. Ramdahl nach Hause; aber es wurde nichts anderes daraus als lauter Torheit. Aber nun ist auch das ausprobiert. Solche rohen Elemente müssen vom Schicksal des Lebens behandelt werden, indem sie von dem, was sie säen, richtig viel Verderben ernten. Vielleicht können sie dann später auf andere Gedanken kommen. Wenn der eine oder andere von ihnen etwas Besseres vorhat, wird er sich von den Schlimmsten absondern.

Du empfindest, sagst du, dass ich ab und zu etwas auf Abstand stehe. Ich empfinde es nicht so. Aber die Schule des Lebens hat mich gelehrt, das Leben und das Verhältnis zu jeder einzelnen Person so zu gestalten, dass der Raum dazwischen bleibt, den Gottes Geist dort bestehen lässt. So empfindest du es sicher auch dem Einzelnen gegenüber. Dies bedeutet keinen Bruch der Gemeinschaft im Licht, sondern ist die der Wahrheit entsprechende Einstellung zueinander in Christi Licht. Ohne dies fällt aller Respekt voreinander weg; doch gerade hierin und hierdurch wachsen und gedeihen die Liebe und die Gemeinschaft. Alles ist in Entwicklung. Der dienstliche Abstand muss also notwendigerweise vorhanden sein, und nur Untreue kann diesen entfernen. Dies bedeutet, unseren himmlischen Rang zu bewahren, den die Engel verließen.

Dies ist etwas, worüber nie gesprochen wird, aber du selbst hast mir eine Erklärung abverlangt, und ich glaube, du verstehst das sehr gut, weil ja auch du – dienstlich – zu vielen anderen in Verhältnissen stehst.

Also trennt uns dies nicht, sondern in Christus, der alle zu sich zieht, hilft der eine dem anderen voran. Denn wie geschrieben steht: „Gott aber, der uns zusammen mit euch in Christus fest gegründet [...] hat.“ Hier gibt es sicher viele Wohnungen in der einen Gemeinschaft und dem einen Herrn und dem einen Glauben. Hier lief Paulus, als ob nur er alleine den Preis gewinnen konnte. Der Abstand verringert sich, je mehr die Geschwindigkeit zunimmt. Doch dies reizt dazu an, umso mehr zu laufen.

Ich weiß, dass du dies verstehst, deshalb schreibe ich auch. Ich wünschte, du würdest mich überholen, sodass ich den Abstand als peinlich empfinden müsste.

Grüße Br. Madsen und deine Familie. Ich habe ja Lust, einmal vor Ostern Oslo zu besuchen. Wir werden sehen, wie sich alles zurechtlegt.

Herzliche Grüße von deinem allezeit im Dienst hingegebenen und interessierten Diener

J. O. Smith