Außerhalb des Lagers
„So lasst uns nun zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, und seine Schmach tragen.“ Hebr. 13, 13.
Es gibt vielerlei Meinungen über das Lager. Manche glauben, es sei die Welt. Aber betrachten wir es genauer, dann waren es die Kinder Israel, die im Lager wohnten. Es war das Volk Gottes, das aus der Finsternis Ägyptens gerettet war, aber dessen Verhältnis zu Gott so war, dass er an den meisten von ihnen kein Wohlgefallen hatte. Es gab mehrere Absonderungen, bis man zu Gottes Wohlgefallen hingelangte. Der Vater sagt von Jesus: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!“ Er ist derjenige, der die Worfschaufel in der Hand hat und seine Tenne fegt.
Stephanus sagt von ihm: Dieser ist’s, der in der Gemeinde in der Wüste stand zwischen dem Engel, der mit ihm redete auf dem Berge Sinai, und unsern Vätern. Dieser empfing Worte des Lebens, um sie uns weiterzugeben. Ihm wollten unsre Väter nicht gehorsam werden, sondern sie stießen ihn von sich und wandten sich in ihrem Herzen wieder Ägypten zu und sprachen zu Aaron:
Mache uns Götter, die vor uns hergehen. Und sie machten zu der Zeit ein Kalb und freuten sich über das Werk ihrer Hände. Aber Gott wandte sich ab und gab sie dahin, sodass sie dem Heer des Himmels dienten. Sie trugen die Hütte Molochs umher und den Stern des Gottes Räfan. Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben getötet, die zuvor verkündigten das Kommen des Gerechten, dessen Verräter und Mörder ihr nun geworden seid. Ihr habt das Gesetz empfangen durch Weisung von Engeln und habt’s nicht gehalten.
Als sie das hörten, ging’s ihnen durchs Herz und sie knirschten mit den Zähnen über ihn. Sie schrien aber laut und hielten sich ihre Ohren zu und stürmten einmütig auf ihn ein und steinigten ihn. Apg. Kap. 7.
Es sind also solche und ähnliche Leute, die wir innerhalb des Lagers haben und von denen wir hinausgehen sollen.
Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Das passt durch alle Zeiten hindurch ausgezeichnet auch auf die Heiden. Welche von Gottes wahren Zeugen haben sie nicht verfolgt? Und solche, die in hohen religiösen Ämtern saßen, waren die Schlimmsten. Sie brachten immer einen Herodes oder Pilatus dazu, ihre Urteile zu vollstrecken; denn selbst wagten sie nicht, das zu tun, oder sie hatten keine Macht dazu.
Gehe hinaus zu ihm und trage seine Schmach! Jesus Christus wurde also geschmäht. Ja, er wird in Wahrheit von allem Fleisch und allen fleischlichen Menschen geschmäht, selbst wenn sie noch so religiös sind. Der Weg zu ihm hinaus geht durch das Fleisch – das Fleisch, in das der Fleischliche seine Ehre setzt. Die aber geistlich sind, verachten und hassen von Herzen dieses Fleisch, in dem nichts Gutes wohnt. Ein Mensch nach dem Fleisch hat seine Stadt hier und sucht nicht die zukünftige. Wir dagegen haben hier keine bleibende Stadt, sondern suchen die zukünftige. Diejenigen, die ein Erbteil in der zukünftigen Stadt bekommen, müssen notwendigerweise an der Schmach teilbekommen.
Mose hielt die Schmach Christi für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens; denn er sah auf die Belohnung. Hebr. 11, 26.
Der Lohn, den die Hoffnung gibt, liegt also in der Schmach Christi. Es bringt keine Schmach, innerhalb des Lagers zu sein. Doch wer gottesfürchtig leben will in Christus Jesus, wird verfolgt werden. Von wem wird er verfolgt werden? Ja, von denen, die ihm am nächsten stehen und von denen, die hoffen, ihn für ihre Sekte oder Parteiung zu gewinnen. Christus ist nicht parteiisch, daher werden diejenigen, die zu ihm aus dem Lager hinausgehen, auch nicht parteiisch; denn Parteiungen sind vom Teufel. Doch dem Teufel gefällt es nicht außerhalb des Lagers mit Christus. Er fühlt sich in der Schmach Christi nicht wohl. Ihm gefällt es nicht bei den Menschen, die Kreuz und Tod über das Fleisch verkündigen; denn das Fleisch ist sein Zugang zur Seele, die er vorhat zu verderben.
Außerhalb des Lagers sein und die Schmach gehören zusammen. Doch dort haben wir einen Altar, von dem zu essen kein Recht haben, die der Stiftshütte dienen. Die Stiftshütte ist das Lager. „Denn die Leiber der Tiere, deren Blut durch den Hohenpriester als Sündopfer in das Heilige getragen wird, werden außerhalb des Lagers verbrannt.“ Hebr. 13, 10-11.
Das Blut wird durch den Hohenpriester in das Heilige getragen. Die Seele liegt im Blut. Jesus hat seine Seele außerhalb des Lagers ausgeschüttet. Jes. 53, 12. Dort bekommen auch wir Gelegenheit, der Sünde bis aufs Blut zu widerstehen, das dann von unserem himmlischen Hohenpriester in das Heilige getragen wird. Dass aber das Blut in das Heilige getragen wird, bedeutet dasselbe, wie dass die Seele in das Heilige getragen wird, denn die Seele liegt im Blut. Denn es steht geschrieben: „Denn die Seele des Fleisches ist im Blut, und ich selbst habe es euch auf den Altar gegeben, Sühnung für eure Seelen zu erwirken. Denn das Blut ist es, das Sühnung tut durch die Seele in ihm.“ 3. Mos. 17, 11 (ELB).
Die Leiber der Tiere wurden im Alten Bund außerhalb des Lagers verbrannt. Dies ist ein Vorbild auf den Neuen Bund, in dem der Leib um der Sünde willen tot ist, wenn Christus in uns wohnt. Das bedeutet, dass die Leitung nicht von unserem Leib kommt, weil darin die Sünde wohnt, sondern sie kommt vom Heiligen Geist; denn der Geist ist Leben um der Gerechtigkeit willen. Die Leitung des Geistes wird Feuer für das Fleisch.
Hieraus sehen wir ganz klar, dass niemand innerhalb des Lagers der Sünde bis aufs Blut widerstehen kann. Sie haben nicht einmal das Recht, von diesem Altar zu essen, von dem Paulus, die übrigen Apostel und Heiligen aßen. Ihre Leiber werden kein Opfer (Röm. 12, 1) für die Kraft des Heiligen Geistes, der gegen das Fleisch und dessen Lüste streitet.
Aus demselben Grund kann man innerhalb des Lagers nicht mehr vom Werk Christi erreichen als die Versöhnung durch Sündenvergebung. Von einer Gleichgestaltung mit dem Bild des Sohnes kann keine Rede sein. Denn diese Gleichgestaltung geschieht unter der Schmach Christi – außerhalb des Lagers. Dort werden wir seinem Tod und seiner Auferstehung gleichgestaltet. Hier lernen wir den Tod Christi für uns und in uns kennen. Ja, wir lernen sein Leben für uns und in uns kennen. Denn hier sind wir Gegenstand des hohepriesterlichen Mittlerdienstes Jesu Christi. Durch seinen Geist bearbeitet er uns nach seinem eigenen Bild.
Komm darum zu ihm hinaus aus dem Lager. Dort wirst du ihn finden. Nicht nur als eine erhöhte Kupferschlange, sondern als ein persönliches Leben.
