Ein Tropfen im Meer über den Weg der Weisheit
„Denn alles, was da ist, das hat der Herr gemacht, und den Gottesfürchtigen gibt er Weisheit.“ Sir. 43, 37.
Vor allem anderen brauchen Diener des Herrn Weisheit. Erkenntnis alleine führt nicht ans Ziel. Fehlt die Weisheit, dann straucheln wir in unzähligen Dingen, und von einem Dienst für Gott kann keine Rede sein. Unsere Ratschläge werden unsicher, und unser Urteilsvermögen in allerlei Angelegenheiten wird schwankend.
„Die Weisheit wohnt ruhig im Herzen des Verständigen.“ Daher kann man aufgrund von äußeren Dingen und äußerem Eifer nicht feststellen, ob Weisheit vorhanden ist. Sie findet sich meistens bei den Schweigsamsten. Die Weisheit sucht die Ehre Gottes, deshalb verbirgt sie sich, bis der rechte Moment kommt. Dagegen ist derjenige, der seine eigene Ehre sucht, immer geschäftig, und seine Torheit kann nicht verborgen bleiben.
Bei jungen Personen kann man viel Stärke finden, aber ihre Kraft sollte von der Weisheit des Alten geleitet werden. In Neh. 4, 16 sehen wir die Aufstellung, als die Mauern Jerusalems wieder aufgebaut werden sollten: „Und es geschah hinfürder, dass der Jünglinge die Hälfte taten die Arbeit, die andere Hälfte hielten Spieße, Schilde, Bogen und Panzer. Und die Obersten standen hinter dem ganzen Hause Juda.“ (LUT 1912)
Die Obersten standen dahinter und leiteten die Kräfte der Jünglinge. Sollte es jedoch solche geben, die in ihrer Jugend Weisheit bekommen haben, dann soll sie ihnen als graues Haar der Weisheit angerechnet werden. Hi. 32, 1 bis Ende des Kapitels. Ein solcher soll sich wegen seiner Jugend nicht verachten lassen.
Bei der Weisheit folgen Reichtum und Ehre mit, bleibende Güter und Gerechtigkeit. Spr. 8, 18.
In ihr liegt das Erbe der Väter, und mit der Weisheit erben wir die Zukunft und alles, was sie in ihrem Schoß trägt. Denn Christus, Gottes Weisheit, ist eingesetzt zum Erben über alles. Hebr. 1, 2.
„Ich will dich den Weg der Weisheit lehren, dich leiten auf gerader Bahn.“ Spr. 4, 11.
Den Weg der Weisheit muss man erlernen. „Die Weisheit erhöht ihre Kinder. Wer sie liebt, liebt das Leben, und die frühmorgens zu ihr kommen, haben Freude in Fülle. […] Wer Vertrauen zu ihr hat, wird sie erwerben, und in ihrem Besitz werden auch seine Nachkommen bleiben.“ Sir. 4, 12 ff. (Menge).
„Denn zuerst geht sie in Verstellung mit ihm um und erprobt ihn durch Versuchungen; Furcht und Zagen bringt sie über ihn und quält ihn mit ihrer Zucht, bis sie Vertrauen zu ihm gefasst und ihn erprobt hat in der Beobachtung ihrer Vorschriften. Dann aber kommt sie umgekehrt auf geradem Wege zu ihm und erfreut ihn und offenbart ihm ihre Geheimnisse.“ Sir. 4, 18-21 (Menge).
Daraus verstehen wir, dass der Weg der Weisheit von Anfang an ein Weg der Zucht ist. Eben darum sind es wenige, die ihn finden. Denn die meisten Menschen sind darauf eingestellt zu genießen und nie zurechtgewiesen zu werden. Solche Menschen können daher nie Diener in der Gemeinde werden.
Menschen aus gottlosen Familien können sich zwar in kurzer Zeit zu Gott bekehren, aber mit der Weisheit geht es langsam. Hier haben die Menschen, die aus einer gottesfürchtigen Familie kommen, einen großen Vorteil. (Ich meine nicht aus religiösen Familien, wo die Eltern den Namen haben, dass sie leben und doch tot sind.) Denn die ständige Erziehung der Väter von Kindesbeinen an hin zum richtigen Weg bewirkt unsagbar viel. Es ist, als ob die Weisheit in die Kinderseele hineintropft. Solche Menschen sind es, die wie Elihu in Hi. 32 mitten im Frühling ihrer Jugend mit grauhaarigen Männern ins Gericht gehen und den Sieg davontragen können. Es steht von Elihu, dass er aus dem Geschlecht Rams kam. Sicher haben seine Verwandten ihn den Weg der Weisheit gelehrt. Denn wenn er aus einer gottlosen Familie gekommen wäre, dann wäre er von solchen klugen Männern wie Hiob und seinen drei Freunden überwunden worden und zwar schnell. Denn es steht geschrieben: „Der Fluch des Herrn (lastet) auf dem Hause des Gottlosen, aber die Wohnung der Gerechten segnet er.“ Spr. 3, 33. Und von dem Haus, über dem der Fluch ruht, wird nicht viel Weisheit zu erben sein.
Die Diener in der Gemeinde hören viel von allen Seiten, aber all das muss gesiebt werden, bevor es in der Gemeinde hervorkommt. Auch die Ehefrauen der Diener in der Gemeinde sollen das Sieb der Weisheit benutzen, bevor sie etwas behaupten. Denn in der Weisheit liegen Liebe, Langmut, Verträglichkeit und Wissen darüber, dass wir dazu beitragen, ein Geschlecht zu erziehen, das aus der Finsternis und der Unwissenheit kommt. Deshalb haben wir allen Grund, Barmherzigkeit zu erweisen; insbesondere wenn wir gründlich bedenken, dass wir selbst in hohem Maß Gnade und Barmherzigkeit brauchen.
