Werke
Gesetzeswerke entstehen dadurch, dass ich in meinem Fleisch Gott mit meinen Werken gefallen will. Werke des Glaubens werden getan, wenn ich ganz und gar hilflos dastehe, und mich dann dazu hingebe, nur das zu tun, was Gott in mir wirkt. Das Gesetz hat nichts mit dem Glauben zu tun; ebenso wenig wie Wirkungen des Geistes etwas mit Wirkungen des Fleisches zu tun haben. Die Gerechtigkeit des Glaubens trägt Frucht und gibt Hoffnung. „Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen muss.“ Gal. 5, 5. Abraham wurde durch Werke gerechtfertigt, nachdem er zuerst ohne Werke gerechtfertigt wurde. Das erste Mal, wenn wir zu Gott kommen, haben wir ihm nur Sünde vorzuweisen. Er nimmt uns dann an, wie wir sind, und macht uns ohne Werke gerecht. Röm. 3, 28. Doch von Gerechtfertigten fordert Gott Gehorsam, den Gehorsam des Glaubens. Durch diesen haben wir als Frucht die Heiligung.
Nun sind wir durch den Leib Christi los vom Gesetz. Doch wir sind keineswegs los vom Gesetz des Geistes und vom Gesetz des Glaubens. Mit einem gekreuzigten Fleisch sind wir vom Gesetz los. Aber wo das Fleisch nicht gekreuzigt ist, sind wir keineswegs los. Die Freimachung in unserer Zeit besteht gewöhnlich darin, dass man freigemacht ist mit einem Fleisch, das nicht gekreuzigt ist. So ist man dann frei vom Gesetz. Wenn man dann das Gesetz des Glaubens und das Gesetz des Geistes als Knechtschaft bezeichnet, dann hat man wirklich Freiheit für das Fleisch, sodass man Satan und dem Fleisch nach Herzenslust dienen kann.
Wir aber haben Christus nicht so kennengelernt. Er ist für unsere Sünden gestorben, damit wir von diesen ablassen. Wer sündigt, hat ihn weder gesehen noch erkannt. Und diejenigen, die Christus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden. Dies ist sinnvoll, denn Gott tut nie etwas Sinnloses. Gott fordert von seiner ganzen Schöpfung Gehorsam. Der Sohn war gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Wir kommen nicht billiger davon. Und wenn es jemand mit aller Gewalt billiger haben möchte, dann schadet er seiner Seele. Die Unwissenheit unter den Christen ist grenzenlos. Das kommt ausschließlich daher, dass man wahres Wissen – das Licht Gottes – nur dadurch bekommen kann, dass man den Willen Gottes tut. Der Wille Gottes macht dem Egoismus ein Ende. Daher gibt es wenige Menschen um das Rednerpult und in dem Saal, wo man den Gehorsam des Glaubens verkündigt. Aber der Inhalt des Glaubenslebens wird umso gediegener – wenn man tut, was man hört.
Sind wir mit Christus gestorben, dann sind wir vom Gesetz frei geworden. Es gibt zwei Arten des Sterbens mit Christus. Das eine ist, dass man dem Gesetz stirbt durch den Leib Christi. Röm. 7, 4. Das andere Sterben ist ein Sterben im Leib Christi, indem man im Gehorsam des Glaubens in der Leidensgemeinschaft Christi wandelt; so werden wir seinem Tod gleichgestaltet. Phil. 3, 10. Das erste Sterben gilt den sündigen Werken, das zweite Sterben ist ein Absterben von der Sünde im Fleisch, der innewohnenden Sünde.
Welch ein großes Werk Gott in Christus getan hat! Und dies können wir uns durch den Gehorsam des Glaubens aneignen: vollkommenen Sieg über die Sünde. Denn um der Sünde willen sandte Gott seinen Sohn als ein Sühnopfer und als ein Speisopfer. Der Tod des Sohnes für die Sünde, die wir getan haben, wird dann das Sühnopfer. Und den Willen Gottes zu tun – trotz der Sünde im Fleisch – wird das Speisopfer. Denn Jesus sagt: „Meine Speise ist die, dass ich tue den Willen dessen, der mich gesandt hat.“ Dieselbe Speise steht für uns bereit, wenn wir sein Fleisch essen und sein Blut trinken.
Die große Sünde der Hure besteht nun darin, dass sie die Menschen, für die Christus gestorben ist, lehrt, dass sie nichts zu tun brauchen, da Jesus alles getan hat. Jeder Gehorsam ist Gesetzesknechtschaft für sie. Dadurch bindet sie die Seelen und verdirbt die ganze Erde. Denn niemand kann in Christus vorwärtskommen, ohne gehorsam zu sein und zu glauben. In dieses Abfallen marschieren die Seelen Hand in Hand, sobald ihnen ihre Sünden vergeben wurden. Auch solche, die die Geistestaufe empfangen haben, werden von der Hure mit offenen Armen aufgenommen, die aufs Nachdrücklichste vor dem Gehorsam des Glaubens warnt. Sie nennt das Gesetzesknechtschaft.
Wenn Gott in uns das Wollen und das Vollbringen wirken darf, dann tun wir Gottes Werke. Wenn das Fleisch in uns das Wollen und das Vollbringen wirken darf, dann tun wir Werke des Fleisches. Wenn wir aber das tun, was wir nicht tun wollten, was gegen unsere bessere Gesinnung streitet, dann tun wir Werke des Leibes, die durch den Geist getötet werden müssen. Tun wir als natürliche Menschen gute Werke, um unser Gewissen zufriedenzustellen, dann werden das tote Werke. Denn nur Gottes Werk, das in Christus Jesus ausgeführt wird, wird von Gott anerkannt. Daher werden nur Werke, die im Leib Christi ausgeführt werden, von Gott anerkannt. Das sind Werke, die durch die Wirkungen des Geistes entstanden sind.
Das Gesetz des lebendigmachenden Geistes macht lebendig, und es macht uns frei vom Gesetz der Sünde und des Todes. Es wird durch den Glaubensgehorsam wirksam. Alle anderen Gesetze können nicht lebendig machen, Gal. 3, 21, nicht gerechtmachen. Aber durch Gehorsam gegenüber dem zweiten Adam werden wir lebendig gemacht, und genau das ist das Ziel des Christentums.
