Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1934-09 - Siegesfreude in der Versuchung

Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Siegesfreude in der Versuchung

„Erachtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet.“ Jak. 1, 2 (Menge-Übers.).

Jakobus zeugt hier von einem siegreichen Leben, einem triumphierenden Leben in mancherlei Versuchungen.

Wann haben wir von einer solchen Freude in Versuchungen gehört? Wenn du auf die Zeugnisse unter Gottes Volk achtest, dann wirst du ständiges Jammern und Klagen über Niederlage und Fall in mancherlei Versuchungen hören. Es ist beinahe ein Fluch mit all den Versuchungen, weil die Niederlagen so mannigfaltig werden. Und um nicht mit einem schlechten Gewissen umherzugehen, muss man für alles zusammen um Vergebung bitten. Aber war es das, was Jakobus meinte, als er sagte, dass wir uns in den Versuchungen freuen sollen? Nein, weit davon! Er meint, dass wir in den Versuchungen siegen sollen. Und wenn dann die Versuchungen mannigfaltig werden, dann wird auch der Sieg mannigfaltig, und die Freude ohne Ende.

Man wird zornig und fällt. Der alte Adam wird eines Tages fürchterlich zornig. Jemand hat ihn beleidigt. Er vergisst das ganze Christentum und schlägt mit Worten um sich und gebärdet sich, als ob Satan selbst losgelassen wäre. Er ist wohl weit davon entfernt, gekreuzigt zu sein. Im Gegenteil – er läuft unten auf dem Boden umher und hat ungeheuer viele Dinge, auf die er aufpassen muss. Und nun streitet jemand mit ihm um seine Rechte, und er wird fürchterlich zornig. An diesem Abend wird es nicht gut für ihn passen, von einem Siegesleben, Offb. 3, 5, oder einem gekreuzigten Fleisch zu reden, Röm. 6, 6.

Am nächsten Tag ist der alte Adam wieder unterwegs. Der reiche Krösus hat tüchtig in die Kollekte gelegt, und der Prediger verbeugt sich besonders tief vor ihm und seiner Frau, während der armen Witwe mit ihrem letzten Scherflein keine Beachtung geschenkt wird. Aber dann kommt der Geist der Wahrheit und das Gebot, das besagt, dass wir, wenn wir die Person ansehen, mit bösen Gedanken urteilen. Die Versuchung wurde zu stark, und es kam zur Niederlage. Wieder Gebet um Sündenvergebung.

Ebenso geht es mit Eitelkeit, Ehrsucht und aller anderen betrüblichen Sucht. Der alte Adam fällt in jeder Versuchung durch, und es entsteht keinerlei Freude in der Versuchung. Der alte Adam schafft es nicht, auch wenn er sich selbst den ehrwürdigen alten Namen „reuiger Sünder“ gibt. Er ist und bleibt der „alte Adam“.

Die Schrift hat jahrhundertelang ausgezeichnete Ratschläge für den „alten Menschen“ gegeben, aber es ist, als ob man auf diesem Ohr taub sei. Hier ein Beispiel:

„Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen.“ Röm. 6, 6.

Nun hat man dies in Rede, Schrift und Liedern verdreht und erreicht, dass es etwa so lautet:

„Am Fuß des Kreuzes bei Jesus will ich so gerne stehen.“

Wo in der Schrift steht geschrieben, dass sich der alte Mensch am Fuß des Kreuzes aufhalten soll? Ich habe das nie gelesen.

„Da ihr ja wisst, dass die Bewährung eures Glaubens standhaftes Ausharren bewirkt. Das standhafte Ausharren aber soll ein vollkommenes Werk haben, damit ihr vollkommen und vollständig seid und es euch an nichts mangelt.“ Jak. 1, 3-4.

In mancherlei Versuchungen wird der Sieg dazu führen, dass wir vollkommen und vollständig werden. Aber fallen wir in der Versuchung, sodass wir Sünde tun, dann sind wir bei weitem nicht vollkommen und vollständig, und es entsteht auch keine Siegesfreude.

Der Weg durch das Fleisch ist gebahnt, und Gott leitet uns zu unseren Feinden. Wir werden allerlei Versuchungen ausgesetzt, um Gelegenheit zu allerlei Siegen und allerlei Freuden zu bekommen. Denn keine Freude ist größer als die Siegesfreude. Sie ist rein und unbefleckt. Sie bringt Ehre von Gott und Respekt von Menschen.

Die Jugendlichen haben so viel von diesen unklaren und verschwommenen Ausdrucksweisen „Sünde und Gnade“ und „auf Gnade zu sündigen“ gehört, dass sie aus einem solchen Christentum überhaupt nicht schlau werden können. Aber Dinge wie diese kann jeder verstehen:

„Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nun lebe ich, aber nicht mehr ich [selbst], sondern Christus lebt in mir.“ Gal. 2, 20.

Paulus sagt nicht: „Ich lebe am Fuße des Kreuzes, mein alter Mensch ist nicht gekreuzigt.“

Nein, das geht nicht. Wir müssen schon den alten Menschen ans Kreuz hinaufbekommen, wenn Freude entstehen soll, wenn wir in mancherlei Versuchungen kommen.

Die Leitung unseres Lebens soll nicht von unserem Leib kommen, denn er gehört der alten Schöpfung an. Darum heißt es auch: „Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.“ Röm. 8, 10. Die Leitung soll von Gottes Geist kommen, denn er wird uns in alle Wahrheit leiten.

Das erste Mal, wenn wir zu Christus kommen, dürfen wir zwar als reuige Sünder zu ihm kommen, aber wenn man 20 oder 30 Jahre lang reuiger Sünder sein will, dann ist dies nichts anderes als Heuchelei. Man sündigt auf Gnade und lässt sich nicht von ihr züchtigen. „Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde? Das sei ferne!“ Röm. 6, 1-2.

Wenn der alte Mensch an das Kreuz gehängt wird – durch Glauben – dann verliert der reuige Sünder, wie er sich selbst nennt, das Leben.

Ans Kreuz mit dem Heuchler!