Das Gesetz des Geistes, der lebendig macht
Obwohl das Gesetz des Geistes, der lebendig macht, im Geist liegt, ist es doch nicht dasselbe wie der Heilige Geist. Das Gesetz des Geistes, der lebendig macht, macht vom Gesetz der Sünde und des Todes frei. Hieraus geht mit aller Deutlichkeit hervor: Wenn wir uns das Gesetz des Geistes, der lebendig macht, aneignen wollen, dann müssen wir in dessen Kraft das Gesetz der Sünde und des Todes besiegen. Dann erst wird das Gesetz des Geistes, der lebendig macht, etwas für mich. Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes (um zu überwinden) empfangen, der auf euch kommen wird. Die Kraft zum Überwinden kommt in mir dadurch zum Vorschein, dass ich in der Kraft des Geistes das Gesetz der Sünde und des Todes außer Wirksamkeit setze. Wenn wir die Geistestaufe bekommen, aber nicht nach dem Geist wandeln, eignen wir uns nicht das Gesetz des Geistes, der lebendig macht, an, und wir werden auch nicht vom Gesetz der Sünde und des Todes befreit.
Was ist nun das Gesetz der Sünde? Jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt. Dies ist keine Sünde. Doch danach, wenn die Begierde empfangen hat (wenn ich zustimme), gebiert sie die Sünde. Von diesem Gesetz der Sünde bin ich freigemacht durch die Kraft, die im Gesetz des Geistes, der lebendig macht, liegt, und durch den freien Willen, der in mir selbst liegt, nicht sündigen zu wollen. Zwar lauert die Sünde vor der Tür, ich aber soll über sie herrschen. Ich sündige nicht, weil die Sünde keine Macht über mich hat. Christus ist der Sünde gestorben, daher halte ich mich in ihm auch der Sünde für gestorben. Wenn ich dann nicht sündige, auch nicht meinen fleischlichen Lüsten zustimme, kann ich auch nie unter das Gesetz des Todes kommen; denn nur, wenn die Sünde vollendet ist, gebiert sie den Tod. Aber die Sünde kann ja nie vollendet werden, wenn ich nicht der Sünde diene, sondern dagegen über sie herrsche und sie wie der Meister selbst in meinem eigenen Fleisch verdamme, bevor eine Empfängnis in meinem Sinn stattfindet.
Was geschieht dann? Durch den Gehorsam des Glaubens zertrete ich das Gesetz der Sünde und des Todes unter meinen Füßen, und das Gesetz des Geistes, der lebendig macht, befreit mich und setzt mich auf den Grund der Auferstehung. Denn wir, die wir leben, werden immerdar in den Tod gegeben, damit auch das Leben Jesu offenbar werde an unserm sterblichen Fleisch.
Dies betrifft alle Sünde, von der ich Kenntnis habe. Die Sünde, die mir noch verborgen ist, folgt anderen Gesetzen. Wenn sie aber für mein Bewusstsein offenbar wird, dann muss auch diese ans Kreuz und im Fleisch durch die Gemeinschaft der Leiden Christi ausgelitten werden. Dies ist der Weg des Kreuzes, der Weg, auf dem alle Sünde in den Tod gegeben wird.
„Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ 1. Joh. 1, 8. Es gibt keine Verdammnis dafür, Sünde zu haben, denn sie ist angeboren. Die Verdammnis kommt erst, wenn ich der Begierde zustimme. Wie weit wir auch auf dem Weg der Heiligung kommen, so haben wir doch die Sünde in unserem sterblichen Fleisch wohnen. Wir werden aber durch Gehorsam immer mehr von ihrer Herrschaft freigemacht; wir bekommen also Kraft, sie zu überwinden. So weit wie ich die Sünde überwinden kann, so geistlich bin ich. Doch auf Gebieten, auf denen ich noch nicht Licht und Sieg habe, bin ich noch fleischlich. In der Auferstehung der Toten wird sich unser Maß an Geistlichkeit als verschieden erweisen, so wie der eine Stern den anderen an Klarheit übertrifft. Das ist ja auch das einzig Gerechte; denn wir sind alle denselben Gesetzen und denselben Bedingungen unterworfen. Und wir haben alle dieselbe Gelegenheit, auf der Rennbahn zu laufen. Wenn daher der eine auf dem Weg des Lebens weiter kommt als der andere, so hat das seinen guten Grund darin, dass der eine gottesfürchtiger ist als der andere. Der eine hat mehr Liebe zu Gott und seinen Geboten als der andere. Manche dienen Gott und daneben ihrer eigenen Lust, und so entstehen wenig Glanz und wenig Herrlichkeit. Das zeigt sich bereits hier während dieses Erdenlebens. Manche entziehen sich der Schmach Christi und nehmen Abstand von Personen, auf denen die Schmach Christi ruht, und das bringt ihnen Verlust in alle Ewigkeit. Denn die Schmach Christi ist ein großer Reichtum. Jeder empfängt das, was er durch den Leib gewirkt hat (in der Zeit, in der er im Leib war), es sei gut oder böse. Und das ist das einzig Gerechte.
„Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen.“ Röm. 8, 10. „Der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.“ Es gibt nichts in meinem Körper, das mich steuern und leiten soll. Der Leib ist tot, weil die Sünde darin wohnt. Ich aber soll nach der Leitung des Geistes leben, denn der hat das Leben in sich selbst. Nach der Leitung des Geistes soll ich auch für das Wohlbefinden und die Gesundheit meines Leibes sorgen. Auf diese Weise kommt alles in die rechte Ordnung.
Die Regierenden in der Welt folgen ja gewöhnlich ihrem natürlichen Sinn, deshalb geht es meistens so schlecht, wie es geht. Und die eine Regierung stürzt die andere, um es besser zu machen. Würden sich diese Regierungen vom Heiligen Geist leiten lassen, dann würden wir bereits jetzt ein unerschütterliches Reich bekommen. Aber das wollen fleischliche Menschen nicht, und so geht es Mal für Mal schief. Dies hat auch Jesus selbstverständlich vorausgesehen, daher sagt er mit Bestimmtheit, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist. Die Schriftgelehrten zur Zeit Jesu folgten ihrem natürlichen Sinn und haben vor den Augen der Geschlechter aller Zeiten Schande über sich gebracht. Denn mit dem, was man von Natur aus kennt wie die unvernünftigen Tiere, daran verdirbt man. Jud. 10. Aus demselben Grund können Jesus und die Welt nicht gemeinsam regieren. Ein Gläubiger und ein Ungläubiger können nicht zusammen Gerechtigkeit und Frieden aufbauen. Daher sollen wir nicht am selben Joch mit den Ungläubigen ziehen. Der Prophet Jeremia hatte zu seiner Zeit viele gute Ratschläge vom Herrn für die Regierenden. Sie aber hassten ihn und warfen ihn in einen Brunnen und auch in den Kerker. Die Macht der Heiligen wird in der Volksversammlung immer zertreten. Doch kommt eine Zeit, in der Jesus und seine Heiligen die Macht bekommen werden. Dan. 7, 18 und 27. Das wird ein ewiges Reich. Keine andere Regierung kann die messianische Regierung stürzen. Denn in ihm sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen. Nach dieser Herrschaft seufzt und sehnt sich die ganze Schöpfung. Und sie wird nicht zuschanden werden; denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht, führt zur Auferstehung.
