Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Brief an Elias Aslaksen - 1927.03.05

Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

(Original fehlt)

Horten, den 5. März 1927
Lieber Bruder Elias Aslaksen,
Gottes guter Friede sei mit dir.

Herzlichen Dank für deine zwei lieben Briefe und die Manuskripte.

Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Für mich sieht es so aus, als müsse man sich als seelischer Christ abmühen, um ein geistlicher Christ zu werden, auf genau dieselbe Weise wie da, als man mit aller Kraft versucht hat, das Gesetz zu halten, und dieses dann ein Zuchtmeister auf Christus hin wurde. Das seelische Wesen ist es, das innerhalb von Gottes Versammlungen Unruhe stiftet. Man kann nicht sagen, dass der seelische Christ sündigt, d. h. Werke des Fleisches tut, Gal. 5, 19; aber er wandelt auch nicht nach dem Geist, sodass er geistlich werden kann.

Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass es unter den Gläubigen nur wenige geistliche Menschen gibt. Alle Selbstsicherheit, Selbstgefälligkeit, Selbstklugheit, alles Selbstbewusstsein usw. gehört zum seelischen Menschen. Zentrum ist das seelische Ich. Man kann zwar von Neuem geboren sein; weil aber die Verbindungslinien zur Welt bei Weitem nicht durch das Kreuz unterbrochen sind, empfängt man Eindrücke aus der Umgebung (dem Irdischen) und zieht Schlüsse und urteilt nach dem, was das Auge sieht und das Ohr hört. Dies ergibt keineswegs ein gerechtes Urteil. Doch hat dieses Urteil in den Versammlungen meistens die Oberhand. Daher alle Unordnung und Aufregung.

Will man das Haupt, Christus, herrschen lassen, dann weiß man nichts, versteht nichts, kann nichts beurteilen, ehe nicht er, dem alles Gericht gegeben ist, sich zu erkennen gibt. Man wird einer, der nichts zu sagen hat, und muss das Kreuz eines solchen tragen, der nichts zu sagen hat, was dem schwerfällt, der etwas zu wissen meint. Auf diese Weise wird das Seelische außer Wirksamkeit gesetzt und die geistliche Armut tritt an dessen Stelle. Man macht sich Christus als Haupt zunutze und „mein kluger Kopf“ wird nur ein Empfangsapparat für ihn – Jesus Christus, den Hohepriester. Man wird wie der, der nichts weiß, nichts besitzt und sich nichts vornehmen kann. Meine Werke verschwinden, aber Gottes Werke kommen ans Tageslicht. Der fleischliche (alte) Mensch ist gekreuzigt, der natürliche (seelische) Mensch wird gekreuzigt und der geistliche (Gottes-) Mensch kommt hier auf Erden erneut zum Vorschein als ein getreues Abbild des Menschensohnes. Darum ans Kreuz mit allem, was von unten her kommt, ans Kreuz mit allem, was von mir selbst – entsprechend meiner Natur – kommt.

Ja, lieber Bruder, dies ist es, was in den letzten Tagen meine Gedanken stark beschäftigt hat. Und das Beste, was Gott mir gegeben hat, ist sein Licht, das meine Finsternis erleuchtet.

Spr. 31, 9. Möge Gott dich und dein Haus segnen. Sei herzlich gegrüßt von deinem in diesem Licht und dieser Gnade immer glücklichen Bruder

J. O. Smith