Schein und Wirklichkeit
Sobald verkündigt wird, wie es aussieht, wenn sich das göttliche Leben entwickelt, fängt man sofort an, sich an diese äußerlichen Erscheinungsformen eines wirklichen Lebens auf eine menschliche Weise anzugleichen. Manche sind tüchtig, ihr äußeres Wesen und Leben so anzupassen, dass sie sofort von zahlreichen Bewunderern umgeben sind, die dieses Heiligenbild betrachten.
Doch ist und bleibt es Heuchelei. Kommt das Reich Gottes in das Herz und in den Sinn, dann verschwindet alles Unnatürliche und das aufgeputzte Christentum. Man wird natürlich, fest, unerschütterlich und unbekümmert. Die Heiligkeit wird nicht äußerlich zur Schau getragen, weshalb das Ansehen auch nicht so groß wird, wie wenn man mit seinem Christentum Komödie spielt. Geheuchelte Frömmigkeit erträgt es nicht, erschüttert zu werden. Dann verliert man den Mut und das Gleichgewicht. Ich glaube, dass man in der Regel nicht bewusst heuchelt, doch Heuchelei ist Heuchelei, wie man es auch dreht und wendet. Sieht man etwas besonders Frommes, Süßes und Anmutiges, gerne in Verbindung mit menschlicher Bildung und feinen Manieren, dann ist man nicht weit weg von Heuchelei. Satan hat ein feines Gespür, wenn es darum geht, etwas mit menschlichem Glanz zu umgeben. Und wie viele lassen sich doch von einer solchen Frömmigkeit täuschen und eben dadurch bekommt die Heuchelei Nahrung. Man hat es gern, bewundert und geehrt zu werden. Jesus hatte keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Wahre Gottesfurcht findet man bei einem dienenden Wesen und nicht bei dem, den man für alle die guten Worte bewundert, die der Betreffende sowohl direkt als auch indirekt von sich selbst zu sagen weiß. Wahre Gottesfurcht verbirgt die eigene Frömmigkeit, während die Heuchelei sich in der einen oder anderen Form vor Menschen zur Schau stellen muss. Der Gottesfürchtige erwartet seinen Lohn von Gott, der Heuchler dagegen von Menschen. Der Heuchler rühmt sich seines Fleisches, der Gottesfürchtige schämt sich dessen.
Doch innerhalb unserer kleinen Geschwisterschar gibt es wohl nicht das geringste Bisschen Heuchelei? Doch, leider – massenhaft. Wir müssen uns daher befleißigen, so zu sein, wie wir sind – von innen her nach außen. Höre auf, Heuchelei zu bewundern. Kannst du sie nicht sehen, so bitte Gott um geöffnete Augen.
