Weisheit und Dienst
„Erwirb Weisheit, und erwirb Einsicht mit allem, was du hast. Achte sie hoch, so wird sie dich erhöhen und wird dich zu Ehren bringen, wenn du sie herzest.“ Spr. 4, 7-8.
Wir brauchen Weisheit in all unserem Wandel – sowohl draußen unter Gottlosen als auch innerhalb der Versammlung Gottes. Wir brauchen Weisheit im Familienleben und in der Arbeit mit den Seelen.
Um in Weisheit wandeln zu können, brauchen wir Gnade über unserem Leben. Wir müssen Gott um Gnade und Hilfe zur rechten Zeit bitten. Wir brauchen Gnade über unserem Zeugnis und über allen unseren Werken. Die Grundlage dafür, dass Gott Gnade geben kann, ist, dass Jesus Christus durch seine Auferstehung dem Tod die Macht genommen und durch das Evangelium das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat. 2. Tim. 1, 10.
Wenn alles bei uns in der Liebe geschieht, dann ist die Weisheit grundsätzlich zufrieden – selbst wenn diese Liebe noch reicher an Einsicht werden kann. Als Ganzes können wir Menschen die Weisheit nie erfassen, sie muss darum in eine Vielzahl von Geboten aufgeteilt werden. Diese heiligen Gebote tragen den Geist der Weisheit in sich. Halte daher die Gebote, dann wirst du weise. Das Gesetz ist nun auf die fleischernen Tafeln des Herzens geschrieben, befolge es und sei treu gegenüber dem Gewissen, dann wird die Weisheit Einzug halten.
Sei nicht selbstklug und selbstherrlich. Mische dich nie in die Arbeit eines anderen ein. Wenn Gott einem Menschen eine Seele anvertraut hat, mit der er arbeiten soll, dann lass die beiden in Ruhe. Komm du nicht als ein Dritter dazwischen. Sei nicht wie Jannes und Jambres darauf aus nachzumachen, was andere vor dir machen. Finde heraus, was dein eigenes Werk in Christus ist, und mache deine eigene Berufung in ihm fest. Sei keiner von denen, die sich in den Dienst eines anderen hineindrängen. Jesus kam mit Gnade und Wahrheit. Wenn du mit einer Seele zu tun hast, die sich nach mehr von Gott sehnt, dann bereite du dich zuerst selbst vor, bevor du sie bedienst. Wir brauchen selbst große Gnade, bevor wir die Wahrheiten Gottes anderen mitteilen. Der Teufel kann auch Wahrheiten sagen, aber das soll dann nur dazu dienen, weh zu tun. Wenn Jesus eine Wahrheit sagt, dann gibt er sie uns in großer Gnade, und dann wirkt sie befreiend. Wird die Wahrheit in einem satanischen Geist gesagt, bewirkt sie nur Schmerzen und Anstoß.
Wollen wir daher eine Seele bedienen, dann müssen wir uns vor dem Angesicht Gottes mit großer Gnade wappnen. Fasse eine Seele nie mit kalten Fingern an, das schreckt nur ab. Als Jesus erhöht wurde, wollte er alle zu sich ziehen.
Lasst uns daher dazu beitragen, alle die Seelen, die Gott in unseren Weg führt, zu ihm zu ziehen.
Viel zu viele unter uns machen mit sich selbst und ihren Widerwärtigkeiten herum, und sie werden scheinbar nie fertig damit. Lasst uns mit anderen arbeiten, während die Gicht unsere eigenen Knochen verzehrt. Paulus wurde beim priesterlichen Dienst für andere selbst geopfert. Phil. 2, 17. Bei nichts vergisst man sich selbst und das Seine besser als im Dienst für andere. Neulich sah ich bei Geschwistern an der Wand: „Errettet, um zu dienen.“ Das ist natürlich und normal, denn Jesus ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene. Geistliche Krankheit kann ihre Wurzel in vielen Dingen haben, zuallererst in heimlichen Sünden. Außerdem kann man unter der Zucht des Herrn verzagt und kleinmütig werden; man kommt in eine Finsternis hinein und lässt den Glauben los. Während allem muss man den Glauben bewahren. Jeremia sagt: „Ich bin der Mann, der Elend sehen muss durch die Rute des Grimmes Gottes. Er hat mich geführt und gehen lassen in die Finsternis und nicht ins Licht. […] Und wenn ich auch schreie und rufe, so stopft er sich die Ohren zu vor meinem Gebet. […] Er hat mich in Finsternis versetzt wie die, die längst tot sind. […] Er hat mir seine Pfeile in die Nieren geschossen.“
Trotz all diesem sagt dennoch dieser Prophet: „Die Güte des Herrn ist‘s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu und deine Treue ist groß.“ Klgl. 3, 22-23.
Hieraus müssen wir lernen, in Finsternis auszuhalten, da wir wissen, dass Gott uns weder so davonkommen lassen kann, noch will. Kein heiliger Mann, keine heilige Frau sind jemals um diese Finsternis Gottes herumgekommen. Sogar Jesus rief in seiner letzten Not: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ Doch der Glaube hielt, er übergab seinen Geist in die Hände des Vaters, obwohl dieser ihn scheinbar verlassen hatte. Auf diese Weise wurde Jesus der Vollender des Glaubens. Lass den Glauben nicht los, wenn du in Dunkel und Finsternis kommst. Der Herr kommt wieder – voller Barmherzigkeit.
Ein weiterer Grund dafür, dass man die Balance verliert, kann sein, dass man Satan nicht fest im Glauben widersteht, sodass er dadurch von uns flieht. Er tritt als Ankläger wegen der einen oder anderen Sache auf. Man leiht ihm das Ohr, und aus der Mücke wird rasch ein Elefant, ja, er wird so groß wie ein Berg, und schließlich sind die Gedanken Tag und Nacht damit beschäftigt, sodass man nicht mehr schlafen kann und nervös und arbeitsunfähig wird. All dies kommt daher, dass man nicht den Kampf gegen das Geisterheer der Bosheit unter dem Himmel aufnimmt, gegen diese Mächte, die Jesus am Kreuz besiegte und durch seine Auferstehung unter seine Füße tat. Eph. 6, 12 und 1, 21. Durch Glauben siegen auch wir über diese Mächte; denn unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Wir sind von der Finsternis zum Licht und von der Macht Satans zu Gott gekommen. Satan hat keine Macht über uns, wenn wir in Jesus Christus bleiben. Satan ist der Fürst der Finsternis; wenn wir dann in eine Finsternis hineinkommen, kann es so aussehen, als sei man wieder unter die Macht Satans gekommen. Aber das ist man nicht. Kommt eine gläubige Seele in eine Finsternis, dann deshalb, weil wir uns selbst gründlich kennenlernen sollen. Gott nimmt eine Zeitlang sein Licht und seine Gnade von uns, sodass wir nur noch mit unserer eigenen Hässlichkeit dastehen, die uns schlimmer zu sein scheint als der Tod. Gott beleuchtet uns mit seinem Licht. Dabei bebt und erschrickt man, aber Gott lässt uns wieder erleuchtet werden mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi und lässt seine Gnade über uns kommen. Dann haben wir in der Finsternis eine Lektion gelernt, die wir nicht missen möchten. Verzage daher nicht während der Zucht des Herrn, denn wo ist wohl ein Sohn, den der Herr nicht züchtigt?
Manche Seelen klagen sehr unter der Zucht und in der Finsternis, andere tragen es still und ruhig für sich alleine, sodass es kaum jemand merkt.
Dem Aufrichtigen wird ein Licht aufgehen in der Finsternis. Dieses kann Mal für Mal geschehen, da wir auf dem Weg von Licht zu Licht weitergeführt werden – und weil Gott sein Licht immer aus der Finsternis hervorleuchten lässt.
