Gottes Feuer
Johannes der Täufer sagt: „Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, sodass ich nicht würdig bin, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen.“ Mt. 3, 11.
Hieraus lernen wir, dass das Wasser zur Bekehrung ausreichte. Durch das Wasser geschieht eine äußerliche Reinigung. Eine Ankerkette, die man von einem schlammigen Grund hochzieht, wird dadurch sauber, dass man sie mit Wasser abspült und schrubbt. Auch Johannes gebrauchte bei vielen Sadduzäern und Pharisäern den Schrubber, wenn sie kamen, um sich von ihm taufen zu lassen. Da sagte er zu ihnen: „Schlangenbrut! Wer hat euch eingeredet, ihr könntet dem zukünftigen Zorn entfliehen?“
Dies ist die Errettung, die heute die meisten Christen angenommen haben. Auch Apollos war ein beredter Mann und gelehrt in der Schrift. Dieser war unterwiesen im Weg des Herrn und redete brennend im Geist und lehrte richtig von Jesus, wusste aber nur von der Taufe des Johannes. Apg. 18, 24-25.
Die Schrift nennt diese Bekehrung „nur“ Taufe des Johannes. „Er ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist, Jesus der Christus; nicht durch Wasser allein, sondern durch Wasser und Blut.“ 1. Joh. 5, 6. Wiederum bekommen wir zu hören, dass Jesus nicht „nur“ mit dem Wasser kam.
Lasst uns wieder an die Ankerkette denken. Selbst wenn sie mit Wasser abgespült und geschrubbt ist, haftet dennoch allerhand Rost und Schmutz an ihr. Aber nimmt man die Kette, legt sie auf einen großen stabilen Eisenrost und macht ein kräftiges Feuer darunter, dann löst sich aller Rost und all das, was das Wasser nicht entfernen kann. Die Kette wird durch Feuer gereinigt.
Ebenso ist Feuer nötig, um die Sünde zu entfernen, die besonders fest an uns klebt. Nun ertragen aber nicht alle das Feuer, und so lässt man sich nur mit Wasser reinigen und begnügt sich damit. Auch Mose verstand dies, und vom Herrn unterwiesen sagt er: „Alles, was das Feuer aushält, sollt ihr durchs Feuer gehen lassen, und es wird rein sein; nur muss es mit dem Reinigungswasser entsündigt werden. Aber alles, was das Feuer nicht aushält, sollt ihr durchs Wasser gehen lassen.“ 4. Mos. 31, 23.
Petrus spricht zu solchen, die bestimmt die Taufe mit Wasser zur Bekehrung kannten, aber noch nicht mit dem Feuer vertraut waren: „Ihr Lieben, lasst euch durch die Hitze nicht befremden, die euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas Seltsames.“ 1. Petr. 4, 12. Während des Feuers wird die Seele geprüft, ob sie der Sünde bis aufs Blut widerstehen will, und Gott sagt: „Wenn er aber zurückweicht, hat meine Seele kein Gefallen an ihm.“
Es ist keine Rede davon, ohne das Feuer ein geistlicher Mensch werden zu können. Darum spricht Paulus zu den Korinthern: „Und ich, liebe Brüder, konnte nicht zu euch reden wie zu geistlichen Menschen, sondern wie zu fleischlichen, wie zu unmündigen Kindern in Christus.“ 1. Kor. 3, 1. Es war Zank und Eifersucht unter ihnen. Das Feuer hatte diesen Schmutz nicht entfernen dürfen.
Wir haben Beispiele dafür, dass viele glauben, es widerfahre ihnen etwas Seltsames, wenn Gottes Feuer kommt. Man windet sich im Schmerz, will am liebsten niemanden sehen, wird mürrisch und gereizt, sodass man glauben könnte, das Feuer würde sie noch sündiger machen. Dies kommt daher, dass sie nicht Kraft genug haben, um den Schmerz für sich zu behalten, was man selbstverständlich tun sollte. Aber eines schönen Tages lösen sich die Rostschichten und der Schmutz verschwindet durch die Hitze des Feuers; man lächelt wieder wie eine Sonne und möchte um keinen Preis dem Feuer entgangen sein. Doch hat man ein Gefühl von Scham darüber, dass man das Feuer nicht besser ertragen hat. Und das mit Recht. Denn es steht geschrieben: „In Zion sind die Sünder erschrocken, Zittern hat die Heuchler befallen, und sie sprechen: «Wer ist unter uns, der bei verzehrendem Feuer wohnen kann? Wer ist unter uns, der bei ewiger Glut wohnen kann?» Wer in Gerechtigkeit wandelt und redet, was recht ist; wer schändlichen Gewinn hasst und seine Hände bewahrt, dass er nicht Geschenke nehme; wer seine Ohren zustopft, dass er nichts von Blutschuld höre, und seine Augen zuhält, dass er nichts Arges sehe.“ Jes. 33, 14-15.
Unser Gott ist ein verzehrendes Feuer. Fürchtet man das Feuer, dann deshalb, weil man die Sünde und sich selbst mehr liebt als Gott. Die alten Propheten taten ihren Dienst bei Gottes Feuer. Elia sagte zu den Propheten Baals und zum Volk, dass sie zwei Stiere schlachten sollten. Sie sollten den einen für Baal auf ihren eigenen Altar legen, er aber wollte den anderen Stier nehmen und auf den Altar des Herrn legen. Die Propheten Baals riefen ihren Gott vom Morgen bis zum Mittag an, und sie hinkten um den Altar und riefen: Baal, erhöre uns! Aber da war keine Stimme noch Antwort. Da sagte Elia, dass das Volk nahe herzutreten solle, und er baute den Altar des Herrn wieder auf, der zerbrochen war. Dann richtete er das Holz zu, zerstückte den Stier und legte ihn aufs Holz. Er füllte vier Eimer mit Wasser und goss es auf das Brandopfer und aufs Holz dreimal, sodass das Wasser den Graben um den Altar füllte.
Da trat der Prophet Elia herzu und betete zum Herrn und das Feuer des Herrn verzehrte das Brandopfer und das Holz und die Steine und die Erde; und es leckte das Wasser auf im Graben. Und das ganze Volk fiel auf sein Angesicht und sprach: Der Herr ist Gott! der Herr ist Gott! 1. Kön. 18, 24 ff.
Wer Gott gegenüber treu ist in dem Licht, das er hat, wird in Gottes Feuer hineinkommen. Wenn man Abstand zum Feuer hat und es leuchten sieht, kann man sich in diesem Licht freuen und wärmen; doch wenn man in das Feuer hineinkommt, dann werden das Opfer und die Bande, die es am Altar festbanden, verzehrt. Gott gebraucht oft Menschen, um uns fest an den Altar zu binden; doch wenn das Feuer fällt, werden die Bande zusammen mit unserer eigenen Unreinheit verzehrt. Es heißt, dass wir Salz bei uns haben und Frieden untereinander halten sollen. Aber man kann wohl auch sagen: Hab das Feuer bei dir selbst, denn es ist deine eigene Unreinheit, die verzehrt werden soll, und lass den durch das Feuer verursachten Schmerz nicht an anderen aus.
