Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Skjulte Skatter 1926-02 - Der Herr hat gesagt, er wolle im Dunkel wohnen

Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Der Herr hat gesagt, er wolle im Dunkel wohnen

2. Chr. 6, 1

Aber die Gedanken der Kinder Israel wurden verstockt; denn bis zum heutigen Tag bleibt beim Lesen des Alten Testamentes diese Decke unaufgedeckt, die in Christus weggetan wird. 2. Kor. 3, 14.

Beachte, dass die Decke liegen blieb, weil die Gedanken verstockt waren. Die Verstockung der Gedanken schnürt das Herz zusammen und schließt die Offenbarungen Gottes aus, aber einem offenen Sinn folgt ein offenes Herz. Wenn sie sich bekehren, wird die Decke weggetan.

„Wir alle aber, indem wir mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich vom Geist des Herrn.“

Mit unverhülltem Angesicht sind hier ein offenes Herz und ein empfänglicher Sinn gemeint. Wir schauen die Herrlichkeit des Herrn und werden verwandelt. Nicht verändert, sondern verwandelt. Beachte den Unterschied! Die Verwandlung geschieht dadurch, dass man sich von Gottes Licht in Christi Angesicht beleuchten lässt. Christus will nämlich nicht die Herrlichkeit für sich alleine haben. Er will, dass die Herrlichkeit, die ihm der Vater gab, auch über uns kommen soll.

Verwandlung in sein Ebenbild geschieht schon jetzt. Ein Sprichwort sagt: „Sage mir, mit wem du umgehst und ich sage dir, wer du bist.“ Haben wir Umgang mit Jesus Christus im täglichen Leben und schauen wir beständig in sein Angesicht, dann werden wir ihm gleich. Im Gegensatz dazu wird der Gottlose, der ständig Umgang mit seinen Gleichgesinnten pflegt, mehr und mehr dem gleich, in dem alle Gottlosigkeit ihren Ursprung hat.

„Darum lassen wir uns nicht entmutigen, weil wir diesen Dienst haben gemäß der Barmherzigkeit, die wir empfangen haben.“ 2. Kor. 4, 1.

Welchen Dienst meint der Apostel hier? Er meint den Dienst des Geistes und des Neuen Bundes. Er war ein Diener dieses Gesetzes, das in Herz und Sinn geschrieben war. Deshalb kam er zu den Heiden, um in ihnen den Glaubensgehorsam zu wirken, d. h. Gehorsam gegenüber den Gesetzen, die schon in ihre Herzen geschrieben waren. Röm. 1, 5 und 16, 26.

Wenn man Gottes Wort hört, hilft es nicht, wenn es nicht mit dem Glauben im Herzen verbunden ist. Der Beweis dafür, dass das Wort mit dem Glauben verbunden ist, liegt darin, dass man tut, was man glaubt. Dies ist Glaubensgehorsam; denn der Glaube ohne Werke ist tot. Wenn das Wort geglaubt wird, erweist es sich wirksam, und durch diese Wirksamkeit geschieht die Verwandlung nach dem Bild des Sohnes Gottes von Herrlichkeit zu Herrlichkeit. Wenn man Gottes Wort hört und nicht danach tut, dann bekommt man zwar wie in einem Spiegel ein Bild von sich selbst mit allen Mängeln zu sehen, aber man vergisst bald, wie man aussieht. Aus diesem Grund kann keine Verwandlung geschehen und das Wort erweist sich nicht als wirksam.

Was lohnt sich nun am meisten – das Wort Mal für Mal zu hören und nicht danach zu tun oder zu hören und zu tun? In der Regel kommt man nicht weiter, als nur das Wort zu hören, da man Angst hat, mit allen bösen Werken ans Licht zu kommen. Gott fängt nämlich nicht an, einen Menschen nach dem Bild des Sohnes zu verwandeln, ehe er ihn nicht gründlich von den vorigen Sünden gereinigt hat. Diese müssen nämlich ans Tageslicht, da wir Kinder des Tages sind. Aber ans Licht wollen sie nicht kommen, weil ihre Werke böse sind, und so geht man umher als Hörer, denn man hat ja ein Verlangen danach, aber es wird nie etwas aus dem Tun. Eine Folge davon ist, dass man im Tod und in der Finsternis bleibt; aber, wenn man ein alter Versammlungsgänger wird, bekommt man einen äußeren Schein und einen religiösen Anstrich, was nichts anderes ist als der alte Sauerteig, von dem die Pharisäer in den alten Tagen beseelt waren. Es dauert auch nicht lange, bis man an der religiösen Organisation interessiert ist, und als solcher ist man schnell Vorstandsmitglied. Was heißt das? Das heißt, dass der alte Adam Vorstandsmitglied ist. Kommen dann wirklich errettete Seelen in eine solche Versammlung, dann kommen sie direkt in die Arme von Dieben und Räubern. Kann man sich darüber wundern, dass Gott nicht segnen und Mitglieder zu solch einer Gemeinde hinzufügen kann, deren Vorstand mit allen Merkmalen des Fleisches voll ausgestattet ist? Neubekehrte Menschen sind verurteilt, mitten in der kalten Umarmung der Gemeinde zu sterben; denn der kleinste göttliche Lebensfunke wird als Aufruhr gegen die Ältesten der Gemeinde betrachtet. Man verfolgt das Christusleben mit ebenso großem Eifer, wie es die Pharisäer jener Zeit taten, und es gilt jetzt wie damals, dass das Christusleben der Verbrecher ist, aber sie selbst die wahren Rechtgläubigen sind, die das Verantwortungsgefühl dafür haben, dass die richtige Lehre recht verwaltet wird. Finsternis, Finsternis, Finsternis!!! Ja, möge dieses Licht für sie stockfinster werden, vielleicht könnten sie dann durch Gottes Licht in der Finsternis errettet werden.

„Sondern wir lehnen die schändlichen Heimlichkeiten ab; wir gehen nicht mit Hinterlist um und fälschen auch nicht das Wort Gottes.“

Wer hat schändliche Heimlichkeiten, wer geht mit Hinterlist um und wer fälscht das Wort Gottes, wenn nicht diejenigen, die Gottes Wort predigen, ohne von oben durch das Wort Gottes geboren zu sein, und die das Licht hassen, weil ihre Werke böse sind. Das Wort vom Kreuz wirkt auf sie wie ein rotes Tuch auf einen Stier. Man hasst Licht, Kreuz und Leiden, weil man das nicht loslassen will, wovon der Geist, der richtet und ein Feuer anzündet, bezeugt, dass es weggereinigt werden soll. Nur einige wenige Worte in Gottes Licht geredet führen zu Unbehagen. Das zeugt von etwas Altem tief im Herzensgrund, das nicht in Ordnung gebracht ist, und es ist, als ob alle religiöse „Gemütlichkeit“ verschwinden würde, wenn jemand daran erinnert. Doch Jesus kam nicht mit „Gemütlichkeit“, sondern kam, um uns zu einer Wohnung Gottes im Geist „zu erbauen“.

Derjenige, der in das Ebenbild des Sohnes verwandelt werden soll, muss zum Berg Zion gekommen sein und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und den vielen tausend Engeln, und zu der Versammlung und Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel aufgeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu dem Mittler des Neuen Bundes, Jesus, und zu dem Blut der Besprengung, das da besser redet als Abels Blut. Hebr. 12, 22 ff.

Niemand kommt dorthin, ohne von oben durch das Wort Gottes, das lebt und ewig bleibt, geboren zu sein. Nur solche können den hören, der vom Himmel redet.

Denn Gott, der dem Licht gebot, aus der Finsternis hervorzuleuchten, er hat es auch in unseren Herzen licht werden lassen, damit die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi von uns hervorstrahlen sollte.

Warum steht da, dass die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi von uns hervorstrahlen soll? Eben weil Jesus der Mittler ist und uns portionsweise Licht gibt, damit wir im Stande sein können, von Licht zu Licht zu gehen. Niemand kann Gottes Angesicht sehen, deshalb musste Mose Gott hinterher sehen. Wer Sünden und nicht in Ordnung gebrachte Dinge auf dem Gewissen hat, kann nicht in Christi Angesicht sehen, es fällt ihm schwer genug, einem Menschen in die Augen zu sehen. Wenn man nun nicht in Christi Angesicht sehen kann, dann kann auch die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes nicht von einem solchen Menschen hervorstrahlen. Dies ist das Erkennungszeichen derer, die vor Christi Angesicht stehen und derer, die nicht dort stehen.

Gott gebot dem Licht, aus der Finsternis hervorzuleuchten. Ob er nicht dasselbe heute gebietet? Es ist eine Tatsache, dass jeder, der Gott um Licht bittet, in Finsternis kommt. Und warum? Eben weil das Licht, das man zu haben glaubt, nichts anderes als Finsternis ist. Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen. Warum? Weil man glaubt, die Finsternis wäre Licht. Wie groß wird dann die Finsternis sein? Wenn daher das Licht, das wir in uns haben, das wird, was es in Wahrheit ist, nämlich Finsternis, dann zündet Gott sein Licht in dieser Finsternis an; denn der Herr hat gesagt, er will im Dunkel wohnen. Der Weg zu Gottes Licht geht darum durch die Finsternis. Einen zerschlagenen und zerbrochenen Geist wird Gott nicht verachten. Eine solche Seele ist in der Finsternis, wo Gott selbst ihr Licht werden will. Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. Diese haben ihren Reichtum und den Glauben an ihr eigenes Licht verloren, es ist finster für sie geworden, darum sind sie selig in dem Licht, das das Himmelreich in ihre verfinsterte Seele wirft.

Gelehrte Theologen, die meinen, durch ihre Studien Licht bekommen zu haben, müssen zuerst noch in Finsternis kommen, um Licht zu bekommen. Ägyptens Weisheit ist Finsternis, während es in Gosen hell ist. Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes – nicht einmal, wenn er studiert, um Pfarrer zu werden. Mit Herodes, der dem Jesuskind nach dem Leben trachtete, hatten die Schriftgelehrten und Pharisäer wichtige Konferenzen darüber, wo Jesus nach der Schrift geboren werden sollte. Während die Hirten auf dem Feld und die Weisen aus dem Morgenland durch Offenbarungen zur Krippe hinfanden, wo Jesus lag, standen die Schriftgelehrten in ihrer jeweiligen Synagoge und predigten Mose und die Propheten nach dem toten Buchstaben – ohne zu dem Erlöser zu finden, von dem Mose und die Propheten zeugten. Sie hielten sich zu den Großen, und es war natürlich eine große Ehre für sie, an einer vertraulichen Konferenz mit Herodes teilnehmen zu dürfen. Simeon und Hanna konferierten mit ganz anderen Kräften und fanden Jesus. Waren nicht die damaligen Schriftgelehrten in stockdunkler Finsternis? Und trotzdem wähnten sie sich, im Licht zu sein. Ob die Schriftgelehrten sich seit jenen Tagen gebessert haben?

Wir lernen hieraus, dass Gott in seiner Weisheit dem Licht gebietet, aus der Finsternis hervorzuleuchten. Das Licht, das nicht aus der Finsternis hervorleuchtet, ist nicht Gottes Licht, sondern nur ein eingebildetes Licht – ein Irrlicht. Auf diese Weise hat Gott Grenzen für sein Licht gesetzt, sodass niemand ohne Selbsterkenntnis, Demut und Armut im Geist zu diesem hingelangen kann. Wenn du daher zu Gott um Licht betest, dann kommst du zuerst in Finsternis. In eben dieser Finsternis macht Gott die Seele demütig und arm, sodass sie reif wird, Gottes Licht annehmen zu können. Alles in der Natur reift auch im Dunkeln, denk nur an die langen Herbstabende und Nächte, in denen Getreide und Früchte reifen.

Wenn ein Prediger aus seinem eigenen Licht heraus über Gottes Wort redet, so gut er es vermag, wird dies kein Evangelium, sondern Gesetz. Das Evangelium fordert ein völliges Aufgeben, um wirken zu können. Es leuchtet nur in der Finsternis und aus der Finsternis hervor.

Aus demselben Grund können hochgelehrte Theologen sogar in den Anfangsgründen von Gottes Wort so sehr im Dunkeln tappen, dass es denen, die als Ungelehrte angesehen werden, aber Gottes Licht bekommen haben, davor graut, ihnen zuzuhören. Es existieren keine klaren Linien in irgendetwas von dem, was sie hervorbringen. Der Apostel Paulus sagt von den Korinthern, dass sie Kleinkinder in Christus waren, wenn Zank unter ihnen war. Wir sind wohl auch Zeugen von Streitigkeiten innerhalb der theologischen Welt in unseren Tagen. Weltliche Zeitungen berichten im ganzen Land, ja sogar bis ins Ausland, über die Uneinigkeit. Man zankt über heilige Dinge vor dem Angesicht des Tieres (der Welt). Zeugt dies von Verständnis über Gottes Finsternis und Gottes Licht? Nein. Man ist mitten in seinem theologischen Licht in stockdunkler Finsternis. Es ist genauso finster wie damals, als Herodes nach den Anweisungen der Theologen jener Zeit im Dunkeln tappte, um das Jesuskind zu töten.

Johannes sah eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das war voll lästerlicher Namen und hatte sieben Häupter und zehn Hörner. Und die Frau war bekleidet mit Purpur und Scharlach und geschmückt mit Gold und Edelsteinen und Perlen und hatte einen goldenen Becher in der Hand, voll von Gräuel und Unreinheit ihrer Hurerei, und auf ihrer Stirn war geschrieben ein Name, ein Geheimnis: Das große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Gräuel auf Erden. Und ich sah die Frau, betrunken von dem Blut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jesu. Und ich wunderte mich sehr, als ich sie sah. Offb. 17.

Wer ist diese Frau, wenn nicht das riesige, große Heer von unbekehrten, staatsunterstützten Priestern? Eine geschmückte Frau in Purpur und Scharlach fasst man als etwas Anziehendes und Geheimnisvolles auf. Sie hatte einen goldenen Becher in ihrer Hand, gefüllt mit der Unreinheit ihrer Hurerei. D. h., sie hat immer als Priester für das Tier fungiert, auf dem sie sitzt und von dem sie alles für ihren Lebensunterhalt holt. Die Frau war trunken von dem Blut der Heiligen. Sie schlug vor und das Tier erschlug.

Ganz von alters her hatte die Welt in dem großen Haufen falscher Propheten einen Priesterstand auf ihrer Seite, der daran mitwirkte, dass Gottes Propheten getötet wurden. Zur Zeit Jesu hatte die Welt einen Priesterstand, der aus Neid den Messias Gottes ergriff und ihn durch die Hände römischer Soldaten kreuzigen ließ. In der römisch-katholischen Kirche hat man es als seine Pflicht angesehen, jeden auszurotten, der einen Funken von Gottes Licht in seiner Brust hatte. Selbst hier in unserem Land glaubte man, dass man Gott einen Dienst tun würde, indem man Hans Nielsen Hauge unschädlich machte. In unserer Zeit sitzt der Priesterstand so lose im Sattel des Tieres, dass er sich mit aller Mühe festhalten muss. Wenn sie sich dort sicher fühlten wie in alten Tagen, dann würden die wahrhaft Gläubigen noch einmal Satans glühende Pfeile von dieser Seite zu spüren bekommen.

All dies kommt davon, dass man meint, im Licht zu sein, und doch ist es Finsternis. Johannes der Täufer kam, um denen ein Licht zu sein, die in Finsternis und Schatten des Todes saßen. Lk. 1, 79. Gott hat uns aus der Macht der Finsternis befreit und hat uns in das Reich seines geliebten Sohnes gesetzt. Wir haben daher keine Gemeinschaft mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Zeit herrschen; im Gegenteil, wir haben Kampf gegen sie, selbst wenn sie Theologen sind und von sich meinen, dass sie Licht haben.

Gottes Reich ist nicht von dieser Welt und wird auch nicht von dieser Welt unterhalten. Die Welt unterhält eine Hure.