Osterkonferenz 1931 in Horten
Mt. 5, 14-16. „Ihr seid das Licht der Welt.“ Das bedeutet: Die Welt sieht auf uns, ob unsere Werke gut sind, so wie ihr Gewissen ihnen Zeugnis gibt, dass sie bei Gottes Kindern zu sein haben. Wir sind dazu berufen, das Licht der Welt zu sein. „So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ Jesus ist nicht gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen, sondern zu erfüllen. Die Forderung des Gesetzes wartete darauf, von Menschen im Fleisch erfüllt zu werden, und Jesus Christus war der Erste, der sie erfüllte. Danach wird diese Forderung nun von jedem erfüllt, der im Geist wandelt. „Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht.“ Ehe Jesus auf die Erde kam und ehe der Geist ausgegossen wurde, war das Gesetz wegen der Schwachheit des Fleisches kraftlos. Aber als der Geist Gottes in sündiges Fleisch kam, wurde es für die Forderung des Gesetzes möglich, zufriedengestellt zu werden. „Das tat Gott: er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch.“ Hierdurch bahnte er den neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, sein Fleisch. Das ist der schmale Weg, den wenige finden, und das ist dieser schmale, neue und lebendige Weg, der überall auf Widerspruch stößt. Nun sagt man: Es ist ja nicht möglich, es so genau zu nehmen. Doch, er hat seine Befehle gegeben, dass man sie genau befolge. Wer ein einziges dieser kleinsten Gebote bricht und die Menschen so lehrt, der soll der Kleinste im Himmelreich genannt werden. Die Pharisäer unterrichteten aus dem Gesetz und den Propheten, sodass ihre Lehre gut genug war; doch sie taten nicht, was sie selbst lehrten. Also kommt es auf Werke an. Der große, alles Durchschauende auf Pathmos sagt: „Ich kenne deine Werke.“ Offb. 2, 2. „Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, einem jeden zu geben, wie seine Werke sind.“ Und das ist unsere Freude und das Ziel unserer Arbeit, dass Gott uns für unsere Mühe Lohn geben wird. So hat Gott es verordnet und das stellt uns zufrieden. Wenn es nun so schlecht ist mit den vielen, die sich zum Christentum bekennen, dann kommt es einzig und alleine daher, dass sie seine Gebote nicht gehalten haben. Sie tun Werke außerhalb des Gebotes oder in direktem Gegensatz zum Gebot. Und dann können sie nicht selig sein in ihren Werken, sondern werden durch diese gerichtet. Die Forderung des Gesetzes kommt nicht zu ihrem Recht und daher ist man unglücklich.
Unser Ziel ist, die Menschen zur Gottesfurcht zu führen. Wir suchen nicht die Vielen, sondern die Wenigen, die Jesu Jünger werden wollen; denn durch Erfahrung haben wir gelernt, dass eine gottesfürchtige Seele mehr wert ist als sonst tausende von Gleichgültigen. Du sollst den Herrn, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, mit all deinem Verstand und mit all deinem Besitz. Wenn wir das tun, wird Gott uns über alle Schwierigkeiten erheben, und wir werden allezeit glücklich und obenauf sein.
Das Böse werden wir auf diese Weise unter unsere Füße zwingen. Halte die Gebote und du wirst leben. Und das kannst du, wenn du willst, denn das Gesetz vom Sinai ist nun in das Gesetz des Geistes aufgenommen.
