Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Skjulte Skatter 1931-01 - Licht und Wahrheit

Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Licht und Wahrheit

Neulich kam ein gläubiger Mann in eine unserer Versammlungen und sagte: „Es ist so verwunderlich mit den Christen in unseren Tagen, sie ertragen es nicht, die Wahrheit zu hören.“

Wie wahr ist das doch, man liebt die Wahrheit nicht, obwohl Jesus sagt: „Ich bin die Wahrheit.“ Unsere Zeit will Gnade und Erweckung haben, aber fragt nicht nach Wahrheit und Gerechtigkeit. So war es nicht mit David, er sagt:

„Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung.“ Ps. 43, 3.

Gottes Licht und Wahrheit sind es, die uns zum Berg Zion und zu seinen Wohnungen leiten. Durch Licht und Wahrheit treffen wir die aufrichtigsten Seelen auf der Erde. Aber diejenigen, die nicht in Licht und Wahrheit wandeln wollen, kommen nie zu seinen Wohnungen. Sie treffen mehr oder weniger ungerechte Menschen, d. h. sie treffen ihresgleichen. Licht und Wahrheit leiten uns zum Altar Gottes, zu dem Gott, der unsere Freude und Wonne ist. Ps. 43, 4. Man hat Angst vor dem Altar, man verabscheut das Kreuz und die Gemeinschaft der Leiden Christi. Darum kommt man auch nie zu dem Gott, der unsere Freude und Wonne ist. Die Freude am Herrn, die unsere Stärke ist, kommt nicht zu ihrem Recht, weil man nicht von ganzem Herzen das Recht liebt und die Ungerechtigkeit hasst. Das eine folgt notwendigerweise dem anderen.

„Du liebst die Gerechtigkeit und hasst die Gesetzlosigkeit, darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl mehr als deine Gefährten. Nach Myrrhe, Aloe und Kassia duften deine Kleider; Saitenspiel erfreut dich aus Palästen von Elfenbein.“ Ps. 45, 8-9.

Hier sehen wir den Lohn für die Liebe zur Wahrheit und zum Recht. Man liebt Freude, aber man kommt nie zu den Quellen der Freude, wenn man nicht den Weg durch die Wahrheit zur Freude gehen will.

Doch diejenigen, die in der Wahrheit wandeln, kommen zu dem Gott unserer Stärke und zu seinem Altar und seinen Wohnungen. Sie kommen zur „Gemeinschaft der Heiligen.“

„Ganz herrlich ist die Königstochter im Innern; aus gewirktem Gold ist ihr Gewand. In gestickten Kleidern wird sie dem König zugeführt; die Jungfrauen, die sie begleiten, ihre Gefährtinnen, sie werden zu dir gebracht. Man führt sie mit Freuden und Frohlocken, und sie ziehen ein in den Palast des Königs.“ Ps. 45, 14-16.

Hier ist die Rede von Seelen, die die Liebe zur Wahrheit angenommen haben. Sie haben die Liebe zur Wahrheit über ihre eigene Schlechtigkeit angenommen. Mit ihr sind sie zum Altar Gottes vorgedrungen, wo das Feuer sie verzehrt, geläutert und gereinigt hat. Darum sind sie „ganz herrlich“ geworden und ihr Gewand (ihre Werke) sind mit Gold gewirkt.

Die Christen unserer Zeit sprechen: Wir sind reich und haben genug. Und doch ist die überwiegende Mehrheit von ihnen „elend, jämmerlich, arm, blind und bloß.“ Offb. 3, 17. Und was ist der Grund? Sie lieben nicht die Gerechtigkeit und hassen nicht die Ungerechtigkeit in dem Maß, wie man das tun muss, um die Kraft Gottes und die Freude Gottes zu bekommen. Man vermischt sich mit gottlosen Menschen und verliert die Kraft. Hos. 7, 8-9. Die Priester leben nicht abgeschieden von der Welt und ihrem Treiben. Ganz im Gegenteil nehmen sie an diesem und jenem teil, was nicht dem Reich Gottes angehört. Ja, sie würden wohl in ihrem Beruf als Pfarrer höchst unbeliebt werden, wenn sie sich ausschließlich der Gottesfurcht hingeben würden. Aus derselben Ursache sind die Kraft und die Freude weg. Das Göttliche muss dann mit toter Erkenntnis ersetzt werden, von der kein wahrer Gläubiger leben kann. Dasselbe war im alten Israel der Fall, siehe Hes. 44, 10 ff und Lk. 11, 37 bis Ende des Kapitels. Es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Wer daher Licht und Wahrheit sucht, kommt unwillkürlich vom Pfarrwesen unserer Zeit weg. Ja, sie kommen sogar auch von den meisten Predigern unserer Zeit weg: Sie kommen zu den Wohnungen Gottes, d. h. zu dem, der im Licht wandelt, wie Er im Licht ist. Auch dies ist vom Herrn.