Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Brief an Elias Aslaksen - 1930.12.11

Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931
Horten, 11. 12. 1930
Lieber Bruder Elias Aslaksen,
Friede.

Danke für das Zusammensein in Oslo. Du willst bestimmt gerne hören, wie es am Dienstagabend in Drammen ging?

Wir waren bei Br. Schinnes zusammengekommen und es waren folgende Brüder anwesend: Kronstad, Risnes, Schinnes, Paulsen und Solberg. Keine Frauen.

Ich fragte einen nach dem anderen nach Risnes und dessen Verhältnis zur Gemeinde. Alle Aussagen richteten sich gegen Risnes. Danach fragte ich, was Risnes zu sagen hatte. Er stand auf und sagte, dass es Torheit von ihm wäre, sich selbst zu verteidigen, dass er die Geschwister in Drammen liebte und sein Bestes getan hätte und dass das Gericht der Geschwister für nichts zu rechnen wäre gegenüber dem Gericht, mit dem er sich selbst richtete.

Es gab ein beträchtliches Hin und Her, nachdem er sich gesetzt hatte. Die Geschwister waren ziemlich kleinlaut in R‘s Gegenwart, weshalb ich sie an das erinnern musste, was sie gesagt und geschrieben hatten. U. a., dass Br. Kronstad und einige andere Lehrlinge wären. Als ich sagte, dass Br. Kronstad künftig von der ganzen Gemeinde als ihm gleichgestellt angesehen werden sollte und dass er (Kronstad) R. zurechtweisen sollte, wenn dieser über sein Maß hinausging, versuchte Risnes, mich zu widerlegen, indem er auf zwei Briefe Bezug nahm, die ich vor Jahren geschrieben hatte. Doch zuletzt willigte er ein, dass es so sein sollte und er übernahm es, die ganze Gemeinde darüber zu informieren. Doch ermahnte ich ihn streng, dass er dies mit angemessener Wortwahl tun sollte, damit jeder den Grund hierfür erfährt. Damit war R. einverstanden. Br. Kronstad wollte sich dieser Aufgabe als Diener neben R. entziehen, aber er willigte dann doch ein. R. wird wie bisher das Amt des Vorstehers ausüben, Kronstad soll jedoch ebenbürtig mit ihm dienen.

Wer sich am allermeisten über die Versammlung freute, war Johannes Solberg. Er gab deutlich zu verstehen, dass er mehr als einmal ein Wort von Br. Kronstad erwartet hätte, wenn es am schlimmsten war. Aufgrund dessen wurde ich noch mehr im Glauben daran gestärkt, dass R. jemanden an seiner Seite haben muss, der ihn bremst, wenn sich seine Neigungen geltend machen.

Es ging auch aus Br. Kronstads Zeugnis hervor, dass er sich in seinem Geist gegenüber Risnes nicht frei fühlte. Dies wurde aus einem seiner Briefe an mich während des Gesprächs abgeleitet.

Als Br. R. versuchte, meine ersten Briefe aus der Zeit, als er zum Dienst eingesetzt wurde, zu hinterfragen, wurde dies zurückgewiesen, indem vier anwesende Brüder bezeugen konnten, dass er sich in der späteren Zeit ganz anders verhalten hatte als in der Zeit, in der die Briefe geschrieben worden waren. Und wenn sich die Voraussetzungen änderten, würde sich alles ändern. Er gab Punkt für Punkt zu, bis alles zugegeben war, jedoch konnte ich nicht das geringste Anzeichen von Reue darüber bemerken, dass er etwas falsch gemacht hatte. Ich verstand ihn so, dass er zwar eine Menge Fehler hätte, aber etwas Besonderes gäbe es nicht. Ich machte ihn auf den Unterschied zwischen Fehlverhalten im Dienst und persönlichen Unvollkommenheiten, die wir alle haben, aufmerksam. Darauf antwortete er nichts.

Zum Schluss sagte ich, dass wir versuchen würden, wie es nun geht. Weiteres sei hier vorläufig nicht zu tun. Das verstanden all die anderen wohl auch. Die Zeit wird dann zeigen, wie es geht. Br. R. hat auf jeden Fall etwas zum Nachdenken bekommen und ist gleichzeitig für all die anderen offenbarer geworden. Dies bewirkt, dass er einiges von seiner Macht verloren hat. Man muss jedoch sagen, dass er als Mensch gewieft ist und es für die Geschwister dort oben nicht so leicht ist, mit ihm fertig zu werden, wenn er keine Gottesfurcht an den Tag legt. Wenn ich Kronstad richtig verstanden habe, bekommt Risnes auch zuhause keinen Widerspruch. Ich berichtete allen bei diesem Brüdertreffen, wie schlecht es mit Irvingo ging, weil er auf den Gebieten, auf denen er zu weit ging, nicht den angemessenen Widerstand bekam. Seine Frau fand, dass alles, was er tat, wohlgetan war.

Nun zum Schluss herzliche Grüße von deinem Bruder

J. O. Smith