Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Skjulte Skatter 1929-04 - Die Auferstehungskraft

Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Die Auferstehungskraft

Wer kann wohl voll und ganz erfassen, wie überschwänglich groß seine Kraft ist an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde, mit der er in Christus gewirkt hat? Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Eph. 1, 19 ff.

Von der Arche Noah steht geschrieben, dass Gott die Welt durch sie verdammte. Alle Gottlosen ertranken im Wasser, während Noah und sein Haus in der Arche gerettet wurden. Hebr. 11, 7. In derselben Zeit, in der Noah und sein Haus gerettet wurden, gingen die Gottlosen zugrunde.

Nun ist Christus zu unserer Rechtfertigung auferstanden. Befinden wir uns in ihm, dann sind wir in der Arche der Erlösung, die Gott für sein Volk bereitet hat. So wie Gott durch Noahs Arche die Welt verdammte, so sind all die Menschen, die nicht in Jesus Christus hineingegangen sind, unter der Verdammnis. Darum heißt es auch in Röm. 8, 1, dass es keine Verdammnis gibt für die, die in Christus Jesus sind. Sie sind in die Arche hineingegangen und sind nun vom Gesetz der Sünde und des Todes freigemacht. Aber so wie Noah und sein Haus ihr Fleisch und Blut in die Arche mitnahmen, haben auch wir Fleisch und Blut in Christus mit hineingenommen. Darum heißt es: „Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind?“ Die Kinder sind von Fleisch und Blut, daher hat er‘s gleichermaßen angenommen. Hebr. 2, 14. Noah ging also mit einem anderen Gesetz in seinen Gliedern, das gegen das Gesetz in seiner Gesinnung stritt, in die Arche. Röm. 7, 23. Denn die Errettung in der Arche war keine Reinigung von der Unreinheit des Fleisches. Daher ist auch die Taufe (das Gegenstück) keine Erlösung von der Unreinheit des Fleisches.

Doch es gibt eine Erlösung vom anderen Gesetz in den Gliedern, oder mit anderen Worten: von der Unreinheit des Fleisches. Diese Erlösung geht sehr langsam vor sich. Während der alte Mensch durch Glauben am Kreuz gehalten wird, wird der Leib der Sünde (das andere Gesetz in den Gliedern) zunichtegemacht. Das geschieht, nachdem wir durch einen Geist alle zu einem Leib getauft sind. „Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch.“ Beachte, dass Gott seinen Sohn um der Sünde willen sandte, und dass er die Sünde im Fleisch verdammte. Die Sünde bekam ihr Urteil und ihre Strafe im Fleisch. Lüste und Begierden wurden im Fleisch getötet. Sie durften nie bestimmen und herrschen, sondern wurden verleugnet und getötet. Dieses Werk tat Gott in Christus, indem sich Jesus durch den ewigen Geist Gott dargebracht hat und getötet wurde nach dem Fleisch. Darum wurde er auch lebendig gemacht nach dem Geist. Auf diese Weise wurde ein neuer und lebendiger Weg durch den Vorhang, sein Fleisch, gebahnt. Alles geschah in der Kraft des ewigen Geistes.

Jetzt ist der zweite Adam zu einem lebendig machenden Geist geworden, und mit Eifer begehrt er den Geist (unseren Menschengeist), den er in uns hat wohnen lassen. Jak. 4, 5. Diesen Geist will er lebendig machen. Dies ist die Erlösung durch sein Leben, vgl. Röm. 5, 10. Diese Erlösung geschieht, nachdem wir in die Arche, in den Leib Christi, hineingekommen sind, nachdem uns Gott durch den Tod seines Sohnes mit sich selbst versöhnt hat.

Diese Erlösung geschieht in der Auferstehungskraft, im Gehorsam des Glaubens, durch Wandel im Licht, wie er im Licht ist; denn dann reinigt uns das Blut Christi von aller Sünde. Die Sünde, von der hier die Rede ist, ist die innewohnende Sünde, die passive. Denn wer im Licht wandelt, kann nicht sündigen und Werke der Finsternis tun. Die Sünde im Leib wird also in der Gemeinschaft der Leiden Christi dadurch zunichtegemacht, dass wir immerdar in seinen Tod gegeben werden, damit auch das Leben Jesu offenbar werde an unserem sterblichen Fleisch. Röm. 6, 6 und 2. Kor. 4, 11. Paulus ließ alles fahren, um Christus zu gewinnen. Ihn wollte er erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden. Phil. 3.

Die Auferstehungskraft fordert, dass wir alles auf der Erde fahren lassen. Noah durfte nicht an irgendetwas von der alten Welt hängen. Sein Herz und sein Sinn mussten ganz und gar davon gelöst sein. Während er die Arche baute, was sehr lange dauerte, wurde er auch mehr und mehr davon gelöst. Aus diesem Grund musste so viel Zeit vergehen, um die Arche fertigzustellen. Doch als sie endlich fertig war, war auch Noah mit der alten Welt fertig. In derselben Zeit waren auch die Sünden der alten Welt zur vollen Reife gelangt, und die Langmut Gottes war unter Beweis gestellt worden.

Nun sind auch wir in die Arche hineingekommen, wo wir zusammen mit den anderen zu einer Behausung Gottes im Geist erbaut werden. Während dieser Arbeit werden wir mehr und mehr von der Welt und ihrer Lust gelöst. Wenn die ganze Arche (der Leib Christi) fertig gebaut ist, werden wir in den Wolken empor gehoben, um Christus gleich zu werden und ihn zu sehen, wie er ist.

Was taten die Herrscher dieser Welt mit dem Herrn der Herrlichkeit? Sie verfolgten ihn und nagelten ihn an das Fluchholz. In all ihrer Weisheit bestand ihre Weisheit darin, dass sie in Christus Jesus einen gefährlichen Mann sahen, obwohl er überall ausschließlich Gutes tat.

Als Gott ihn von den Toten auferweckte, hat er gleichzeitig durch ihn die Welt verdammt, ebenso wie er durch die Arche die alte Welt verdammte. Das Wort der Pharisäer ging in Erfüllung: Das Letzte ist schlimmer als das Erste; denn Christus ist auferstanden. Gott nahm ihn, den die Welt verwarf, auf. Damit hat die Welt auch sich selbst verworfen. Nun hat Gott auch alles unter die Sünde getan, damit alle Erlösung und alle Verdammnis einzig und allein in seinem Sohn Jesus Christus zu finden ist.

Aber in der Auferstehungskraft liegt Hoffnung. Darum heißt es: „Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden.“ Röm. 8, 19. Die Kraft seiner Auferstehung überträgt sich sogar auf die Schöpfung. Hieraus verstehen wir, wie unendlich stark seine Auferstehungskraft wirkt. Auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Erlösung unseres Leibes.

Die Auferstehungskraft wirkt still und ziehend auf die ganze Natur. Jesus sagt: Wenn ich erhöht werde, so will ich alle zu mir ziehen. Gleichzeitig tut sie der Welt die Augen auf über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; über die Sünde, dass sie nicht an ihn glauben, über die Gerechtigkeit, dass Christus auferstanden und zum Vater gegangen ist, über das Gericht, dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Der Fürst dieser Welt ist der Geist, der in den Kindern des Unglaubens wirksam ist. Eben darum spüren sie dasselbe Gericht, das über dem Fürsten dieser Welt ruht. Aber in Christus und in seinem Geist ist keine Verdammnis, denn er ist um unserer Rechtfertigung willen auferstanden. Daher gibt Gottes Geist Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind, denn wir werden von der Gerechtigkeit überzeugt, weil wir mit auferweckt und mit eingesetzt sind im Himmel in Christus Jesus.

Er ist über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, gesetzt, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Und Gott hat ihn zum Haupt der Gemeinde gesetzt, die sein Leib ist. Satan hat sein Allerbestes getan, um Jesus unten im Tod und Totenreich zu halten. Es wurde sogar römischen Soldaten befohlen, auf sein Grab aufzupassen. Doch nichts half. Die Auferstehungskraft wälzte den großen Stein weg, und Jesus stand von den Toten auf. Er ist nicht dem Tod überlassen, und sein Leib hat die Verwesung nicht gesehen. Die Wehen des Todes konnten ihn nicht im Totenreich halten, sondern Gott hat ihn auferweckt und machte ihn zum Herrn und Messias – diesen Jesus, den die Juden gekreuzigt haben. Apg. 2.

In dieser Auferstehungskraft findet man „die Gemeinschaft der Heiligen“, in der wir zu einer Wohnung Gottes im Geist wachsen. Durch die Bildung dieser Gemeinschaft wird auch jede andere Gemeinschaft hinfällig. Die Toten können miteinander Gemeinschaft haben, solange ihr Eigeninteresse davon profitieren kann; doch die „Gemeinschaft der Heiligen“ ist über all dies erhaben, weil sie sich in der Auferstehungskraft entfaltet.

Der Leib Christi kann nicht in Parteiungen aufgeteilt werden. Wenn daher Parteiungen existieren und gebildet werden, dann geschieht dies im Unglauben. Die Hirten sammeln die Schafe um sich selbst und ihre eigene Person, um einen Broterwerb daraus zu machen. Das Wort Gottes sagt, dass wir uns genügen lassen sollen, wenn wir Nahrung und Kleider haben. Und Gott hat uns verheißen, dass, wenn wir zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit trachten, so wird uns das alles zufallen. Parteiungen, Parteisinn und Parteigeist sind nicht in ihm. Das trennt das Volk Gottes und ist vom Teufel. Darum müssen wir uns von derlei immer rein bewahren. Wenn andere jemanden in ihre Parteiung aufnehmen oder von ihr ausschließen wollen, so lass dies deren eigene Sache sein. Die Schrift gibt keinerlei Befugnis dazu, Parteiungen zu bilden. Auch über eine solche Anmaßung ist Christus erhaben. Die Gemeinde, die Christus geschaffen hat, ist lebendig; sie ist eine lebendige Gemeinde Gottes, in der er das Haupt ist und wir die Glieder sind. Doch die Gemeinde, die die Menschen bilden, entspricht einem Theater. Man setzt Apostel, Hirten und Lehrer ein, die vielleicht nie und nimmer eine solche Stellung im Leib Christi gehabt haben. Ihre Unwissenheit in der Erkenntnis Gottes beweist dies. Es ist Theater, man spielt Gemeinde. Aber mit kleinen Kindern ist es ja so, sie spielen – kleine Mädchen mit Puppen und Buben mit Holzpferden. Doch die Gemeinde Gottes ist kein Spiel. Sie ist eine lebendige Wirklichkeit.