Konferenz am Buß- und Bettag 1927 in Horten
Wieder haben wir die Freude gehabt, viele liebe Geschwister zur Konferenz versammelt zu sehen. Diese Konferenzen sind uns so in Fleisch und Blut übergegangen, dass es für uns unabdingbar zum Leben gehört zusammenzukommen. Schon alleine all diese treuen Seelen zu sehen, ist eine große Erbauung, die man so sehr nötig hat, um die Gemeinschaft zu stärken. Dreimal im Jahr haben wir die großen Hauptkonferenzen in Horten, während es ansonsten ab und zu kleinere Treffen hier und da gibt. Diese Arbeit ergreift einen nach dem anderen. Wie es von Anfang an ging, so geht es auch weiter. Der Sauerteig säuert, bis der ganze Teig durchsäuert ist. Nun ist es aber unter uns so wie überall in den Versammlungen, dass viele, die man am liebsten hören würde, zurückhaltend schweigen, während einige derer, von denen man gerne hätte, dass sie nicht zu viel reden, viel zu schnell dabei sind, etwas zu sagen. Doch Gott sei Lob und Dank, dass wir Männer unter uns haben, die Gottes Geist und Kraft in sich haben und dazu imstande sind, die Vielen zu unterweisen. Die Zeugnisse dieser Brüder bilden das Rückgrat der Konferenzen und prägen diese. Und das Wort Gottes, das diese Brüder verkündigen, hat Kraft in sich, sodass man von einer Konferenz nach der anderen mit reicher Ausbeute heimreisen kann. Als Richtlinie für eine weitere Konferenz – so Gott will und wir leben – sei mir erlaubt, auf Folgendes hinzuweisen: Nicht alle sind Diener des Wortes, und nicht irgendjemand sollte sich vor eine große Versammlung hinstellen, um zu lehren. „Nicht jeder von euch soll ein Lehrer werden.“ Wenn Gelegenheit gegeben wird, Zeugnis zu geben, dann können alle Erretteten ihr Zeugnis ablegen und die großen Werke des Herrn preisen. Aber es wird nicht akzeptiert, wenn sich jemand, der keine Gnade und Kraft von Gott hat, als Lehrmeister hinstellt. Das ist geisttötend und der ganzen Versammlung werden Leiden und Schmerzen zugefügt. Wir brauchen Diener, die auf alle mögliche Weise zum Nutzen sein können. Wir brauchen nicht nur Diener des Wortes, wir brauchen Dienste jeglicher Art. Jeder Dienst muss zur Erbauung der Gemeinde sein. Aller andere Dienst muss verbannt sein. Daher muss jeder Selbstkritik üben, und will jemand einen Dienst in Wort oder Wandel ausüben, der nicht zur Erbauung dient, dann muss der Betreffende damit rechnen, zurechtgewiesen zu werden. Es soll und muss das Reich Gottes hervorkommen und das, was das Fleisch fertigbringt, soll und muss gebremst werden. Sei daher auf der Hut und tue nur das, was erbauen kann.
Im Großen und Ganzen müssen wir die Geschwister für ihren weisheitsvollen Wandel loben, und wir sind von Herzen froh und Gott innig dankbar dafür, sie alle auf diesen nun so bekannten und wertgeschätzten Konferenzen zu treffen. Es ist nun fünf Jahre her, dass wir den Saal mit den Konferenzen vor Augen gebaut haben, doch es sieht so aus, dass in naher Zukunft zu wenig Platz sein wird. Der Saal bietet Platz für ca. 200 Menschen, und dieses Mal müssen wir wohl sagen, dass er voll war. Sollte in der Zukunft zu wenig Platz sein, so wissen wir, dass Gott mächtig ist, den Raum für uns auszuweiten. Alles hängt von uns selbst ab, ob wir in Geist und Wahrheit Gott dienen wollen. Tun wir das, dann wird aller Widerstand sowohl von Menschen als auch von bösen Geistesmächten nur dazu beitragen, dass unser geistliches Leben zunimmt und die Grenzen des Landes erweitert werden. Zu diesem Zweck wurde an der Konferenz auch gesprochen über:
Mit Christus gekreuzigt
Wenn man Christ sein will und „sich dennoch frei herumtreibt“, dann entstehen Reibereien und Spaltungen. Und dann muss man sowohl Gott als auch einander um Vergebung bitten. Dies hält das ganze Leben hindurch an und führt zu keinem anderen Resultat, als dass man für alle Bosheit um Vergebung bitten muss. Anders wird es, wenn der alte Mensch mit ihm gekreuzigt ist. Röm. 6, 6. Gal. 2, 20. „Mit Christus am Kreuz“ ist der Ort für die große Versammlung der Einheit, wo alle Feindschaft getötet und das Geisterheer der Bosheit öffentlich zur Schau gestellt wird. Ich bin gekreuzigt. Satan und böse Menschen können uns nichts Böses tun, außer durch „den alten Menschen“. Ist dieser jedoch gekreuzigt, dann sind alle entwaffnet. Am Kreuz haben wir Sieg. Verwandte und Freunde nach dem Fleisch sind am Kreuz geopfert, wo Jesus selbst das Teuerste, das er in dieser Welt hatte, seine eigene Mutter, hergab. Am Kreuz mit Christus ist der Sieg im Voraus gesichert. Wenn wir dann dem Feind begegnen, dann ist der Kampf schon im Voraus ausgefochten und der Sieg errungen. Jesus wurde für die ganze Welt gekreuzigt, aber dennoch liegt die ganze Welt im Argen, weil sie nicht mit ihm gekreuzigt ist. Wir haben nichts mehr zu diskutieren, die Meinungen sind nicht mehr vielfältig; denn wir meinen nur das eine, dass der alte Mensch mit all seinen Künsten, mit seinem ganzen Verstand, seiner Religiosität und seinen guten Vorsätzen zum Tode verurteilt ist.
Dann sprachen wir über:
Die Ruhe in Gott
Denn wir, die wir glauben, gehen ein in die Ruhe. Es ist also noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes. Josua hat das Volk nicht in die Ruhe führen können. Sie hätten in voller Ruhe ihren Feinden entgegentreten sollen – ohne auf ihre eigene Schwachheit und die Kraft ihrer Gegner zu sehen. Dasselbe gilt heute. Das Land ist der Leib, der voller Feinde ist, wenn er nicht gekreuzigt ist. Das Kreuz aber treibt die Feinde hinaus, und man findet die Ruhe des Glaubens. Wenn das Wort mit dem Glauben im Herzen zusammenschmilzt, dann ruht man. Gott aber schwur, dass sie nicht zu seiner Ruhe kommen sollten, denn das Wort der Verkündigung hat ihnen nicht geholfen, weil es bei den Hörern nicht mit dem Glauben verbunden war. Hebr. Kap. 3 und 4. Die Ruhe Gottes ist das Ziel allen Christentums, denn man erlangt sie durch vollen Glauben und volles Vertrauen zu Gott. So lasst uns nun eifrig bestrebt sein, zu seiner Ruhe zu kommen. Es ist also möglich, sich diese Ruhe als Ziel zu setzen und eifrig bestrebt zu sein, in sie einzugehen. Ohne Kreuz existiert keine Ruhe, doch „am Kreuz“ gehen wir in eine immer tiefere Ruhe ein. Diese Ruhe ist kein Schlaf, sondern es ist eine Ruhe in hellwachem Zustand.
Die meisten Geschwister fuhren am Sonntagabend ab, drei Schwestern aus Dänemark und einige andere blieben jedoch noch da. Daher hatten wir am Montagabend ein kleines, gesegnetes Fest mit Zeugnissen und Liedern.
Möge Gott uns im Gehorsam des Glaubens bewahren, bis wir uns wiedersehen. Herzlichen Dank für das Zusammensein und für all die guten Worte, die wir hören durften.
