Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Skjulte Skatter 1919-06 - Der Epheserbrief

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Der Epheserbrief

Versiegelt

In ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eurer Errettung, gehört habt – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung, der das Unterpfand unseres Erbes ist bis zur Erlösung des Eigentums, zum Lob seiner Herrlichkeit.“ V. 13 und 14.

Das Evangelium, durch das wir erlöst werden, besteht aus dem Wort der Wahrheit. Das Wort war im Anfang bei Gott, doch es wurde Fleisch und wohnte unter uns. Das Wort ist weiterhin bei Gott; der Gottlose hat keinen Anteil daran. Dann wird Gottes Wort gepredigt. Der Geist der Wahrheit bringt dadurch das Wort, das bei Gott ist, in unsere Herzen hinein. Wenn wir seinem Wort gehorchen, dann wird es auch in uns Fleisch – und sein Wort bleibt in uns. Das Wort ist mit dem Siegel des Geistes verbunden, denn das Wort und der Geist können nicht getrennt werden. Wenn das Wort des Glaubens Gehorsam wirken kann, wird dessen Schöpferkraft unser ganzes Leben beeinflussen und es nach den Plänen Gottes in die rechte Ordnung bringen. Das Wort ist allein, bis es mit dem Glauben in unseren Herzen vereinigt wird. Hierdurch entsteht die Verlobung des Herzens mit dem Bräutigam unserer Seele. Wir werden Fleisch von seinem Fleisch und Gebein von seinem Gebein. Sobald das Wort mit dem Glauben in unserem Herzen vereint wird, reinigt uns das Blut Christi innerhalb des Leibes von der ererbten Sünde. Das Wort ist durch den Heiligen Geist in unsere Herzen gepflanzt, und dieser Geist verlässt uns nicht, solange das Wort der Wahrheit in uns bleibt. Diese zwei können nicht getrennt werden, dies ist die Versiegelung. Mit dem Wort folgen alle Verheißungen und alles Erbe im Licht. Da wir nun durch den Glauben mit dem Wort verbunden sind, werden wir Miterben des Wortes in dem Maß, wie wir sein Wort angenommen haben und es in uns wirken ließen. Gott lässt uns nicht als Waisen zurück; der Geist der Wahrheit bleibt ewig in uns. Doch der Geist der Wahrheit steht wiederum in Verbindung mit dem Wort: Von dem Seinen wird er’s nehmen und uns verkündigen. Ebenso wie alle Dinge durch dasselbe Wort geworden sind und keine einzige Sache ohne dieses Wort geworden ist, werden auch wir zu neuen Kreaturen ausgebildet durch dasselbe Wort, das Jesus Christus ist. Wir erlangen göttliche Natur. 2. Petr. 1, 4. Als solche werden wir zum Lob seiner Herrlichkeit.

Der Geist der Weisheit und der Offenbarung

Darum auch ich, nachdem ich gehört habe von dem Glauben bei euch an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, höre ich nicht auf, zu danken für euch, und gedenke euer in meinem Gebet, dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen. V. 15-17.

Was ist denn der Geist der Weisheit und der Offenbarung, der den Ephesern fehlte, trotz ihres Glaubens, trotz ihrer Liebe zu allen Heiligen und trotz des Heiligen Geistes, mit dem sie versiegelt waren?

Wenn Gottes Liebe, die durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen ist, soviel Gegenliebe zu Gott wirken konnte, dass wir nach seinem Willen und seinen Wegen zu fragen beginnen, dann fangen wir an, die ersten Gebote in der Weisheit zu erblicken. Denn daran erkennen wir, dass wir Gott lieben, dass wir seine Gebote halten.

Gottes Geist bewirkt eine unsagbare Freude in unserem Herzen. Diese Freude sollte unsere Stärke für das Überwinden von Schwierigkeiten sein. Doch jetzt begeht man recht oft den haarsträubenden Fehler, dass man sich in der Freude um der Freude willen freut. Im Herrn sollte man sich allezeit freuen und nicht in der Freude. Diese Freude verschwindet, denn sie hat ihren Ursprung im Herrn und nicht in sich selbst. Der Geist weist auf den Herrn hin, denn er nimmt von dem, was ihm gehört, und teilt es uns mit. Kann der Geist uns nicht von seiner Erkenntnis und seiner Weisheit mitteilen, so wird er schließlich ausgelöscht, denn er redet nicht aus sich selbst.

Der Geist muss uns von der Erkenntnis des Herrn mitteilen können, wenn lebendiges Wasser aus unserem Leben hervorströmen soll. Gehorsam gegenüber dem Glauben führt dazu, dass man Gott erkennt. Glaubensgehorsam macht, dass wir durch das Blut Christi nahekommen. Gehorsam reinigt, und die reinen Herzens sind, werden Gott schauen. „Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ Joh. 14, 21.

Hier sehen wir deutlich, wer diejenigen sind, die Offenbarung des Geistes bekommen, und wer diejenigen sind, die geliebt werden. Widersetzlichkeit gegen Gottes Befehle entfernt; doch Willigkeit und Gehorsam bringen nahe hinzu. Um zu hören, muss man in der Nähe sein. Wie liebenswert doch eine hörende Seele ist! Sie hat Nahrung für viele. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wenn du hörst, dann freut sich der Geist, Jesus freut sich, der Vater freut sich und die Heiligen freuen sich; denn du bist wie ein allezeit gedeckter Tisch, an dem sich jedes aufrichtige Herz an Gottes Güte und Wahrheit sattessen kann. Wer da hat, dem wird noch mehr gegeben, denn je mehr Nahrung du gibst, desto mehr Nahrung brauchst du, und Gott wird allezeit alle unsere Bedürfnisse nach seinem Reichtum in Herrlichkeit ausfüllen.

Hier leben wir im vollkommenen Gesetz der Freiheit an einer allzeit sprudelnden Quelle.

Selig ist der Mann, der seine Lust hat am Gesetz des Herrn und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht. Ps. 1, 2. Dies kann man jedoch nicht tun, ohne das Leben danach einzurichten. Solche Menschen müssen Offenbarungen bekommen. Gott kann ihnen nicht vorenthalten, wonach sie suchen – diese lieblichen, blühenden Bäume, die Frucht tragen zu ihrer Zeit, denen alles wohl gerät, was sie sich vornehmen. Indem man nachsinnt über sein Gesetz, wird man sowohl Recht als auch Unrecht finden. Doch das Vorrecht des Rechts vor dem Unrecht wird im Gesetz des Herrn so klar hervorgehoben, dass man nicht umhin kann, das Recht zu lieben und das Unrecht zu hassen, wie unser geliebter Herr Jesus es tat und mit Freudenöl gesalbt wurde wie keiner seinesgleichen. Dieses Freudenöl wird auch auf unser Haupt kommen, wenn uns alles wohl gerät, was wir uns vornehmen. Die Liebe zu Gott nimmt auf diese Weise zu, und wir werden genauer darin, Gottes Gebote zu halten. Die Liebe des Vaters und des Sohnes zu uns nimmt noch mehr zu, und sie kommen zu uns mit neuen Schätzen, hervorgegraben aus den geheimsten Orten, aus den verborgensten Verstecken.

Wenn wir uns durch den Geist im Blut reinigen, wenn wir nach Weisheit fragen und nach Einsicht rufen, werden wir bald von ihren Früchten essen. „Wohl dem Menschen, der Weisheit erlangt, und dem Menschen, der Einsicht gewinnt! Denn es ist besser, sie zu erwerben, als Silber, und ihr Ertrag ist besser als Gold. Sie ist edler als Perlen, und alles, was du wünschen magst, ist ihr nicht zu vergleichen. Langes Leben ist in ihrer rechten Hand, in ihrer Linken ist Reichtum und Ehre. Ihre Wege sind liebliche Wege, und alle ihre Steige sind Frieden.“ Spr. 3, 13-17. Verlass die Menge und geh zu ihm hinaus aus dem Lager, dort wirst du den hören, der vom Himmel redet. „Leg deine Füße in ihre Fesseln und deinen Hals in ihr Eisen.

Beuge deine Schultern, nimm sie auf dich und sperre dich nicht gegen ihre Bande. Von ganzer Seele wende dich ihr zu, und bleib auf ihren Wegen mit all deiner Kraft. Forsche nach ihr und suche sie, so lässt sie sich erkennen; und wenn du sie ergriffen hast, so lass sie nicht mehr los.

Denn am Ende wirst du in ihr Ruhe finden, und sie wird sich für dich in Freude verwandeln.

Ihre Fesseln werden dir ein starker Schutz sein und ihr Halseisen ein herrlicher Reif. Denn ihr Schmuck ist aus Gold, und ihre Fesseln sind hyazinthfarbene Bänder. Als herrliches Gewand wirst du sie anziehen und als schöne Krone dir aufsetzen. Sir. 6.

Die Weisheit ist in unseren Tagen nicht modern. Selbst unter Christen ist sie wenig bekannt. Könnte ich doch nur Menschen zum Nachdenken über sie bringen, Menschen dazu bringen, sie zu lieben, dann wäre viel gewonnen.

Eine Klasse mit unaufmerksamen Schülern kann eine Zeitlang einen guten Lehrer haben, wenn die Schüler aber nichts lernen wollen, bringt ihnen der gute Lehrer nichts. Ebenso kann man Gottes Geist bekommen haben, den vorzüglichen Lehrer der Gerechtigkeit, ohne dass man auf ihn hört und ihm gehorcht. Der Geist des Herrn streitet nicht ewig mit den Menschen, er zieht sich zurück und offenbart sich demjenigen, der dessen würdiger ist.

Denn es wohnt in der Weisheit ein Geist, der verständig ist, heilig, einzigartig, vielfältig, fein, behend, durchdringend, rein, klar, unversehrt, freundlich, scharfsinnig, ungehindert, wohltätig, menschenfreundlich, beständig, gewiss, ohne Sorge; sie vermag alles, sieht alles und durchdringt selbst alle Geister, die verständig, lauter und sehr fein sind. Weish. 7.

Gesegnete Weisheit! Christus ist Gottes Weisheit, seine schöpferische und alles beherrschende Macht. Wer Rat findet in seinem Rat und Licht sucht in seinem Licht, wird bald herrschen über seine Feinde.

Hast du dich von deinem ganzen Herzen dem Geist zugewandt, um in ihm zu forschen? Wenn nicht, dann fange jetzt an. Mehr als du dir jemals vorstellen konntest und mehr als du Verstand hattest, darum zu bitten, wird dir gegeben werden. Ein volles und überfließendes Maß wirst du empfangen. Herrliches Los, das einem Menschenkind gegeben wird.

Es besteht ein großer Unterschied zwischen der Geistestaufe und dem Inhalt des Geistes. Sein Inhalt erhöht deinen Wert als Mensch, sodass du vom Wert eines Menschen dazu aufsteigen kannst, mehr wert zu sein als Zehntausende, so wie es David unter den Kindern Israels war.

Du dringst dadurch in die Absichten des Geistes ein, dass du gehorchst und glaubst. Der Geist selbst ist ein Forscher, denn er erforscht die Tiefen Gottes. Wenn du anfängst, im Heiligen Geist nachzuforschen, wird er dich bald in die Geheimnisse Christi hineinführen und dir Dinge mitteilen, die du nie von einer Kanzel oder einem Podium gehört hast.

Durch die Einsicht, die der Geist verleiht, wirst du bald ein Fremdling und Andersartiger werden für die Kinder deiner Mutter. Sie werden von dir reden und dich fürchten als einen, der das Bestehende stört, wohingegen du bei dir selbst weißt, dass du suchst, was ihnen wahren Nutzen bringt. All dies kommt daher, dass du in den Besitz des schöpferischen Lebens gekommen bist, das alles in die richtige Ordnung bringt.

Man kollidiert mit Gebräuchen und mit den Persönlichkeiten, die das, was sie sind, eher durch ihre Begabung sind als dass sie es durch die Weisheit und Kraft sind, die Festungen einstürzen lässt und die alles auf die ihr eigene Weise in Ordnung bringt.

Große Fürsten an der Spitze großer Reiche wurden Mal für Mal gestürzt, weil sie die Erkenntnis Gottes verschmähten. VöIker sind in äußerste Not gekommen, weil sie sich mehr auf die Personen verließen, die mit Wissenschaft kamen, als auf den Gott, der einem armen Mann so viel Weisheit schenkt, dass er eine ganze Stadt retten kann.

Die Wissenschaft hat die sichtbaren Dinge vor Augen und erforscht die Materie auf menschliche Weise. Die Weisheit aber hat erschaffen, was die Wissenschaft erforscht, und sie kennt sowohl die Dinge selbst als auch diejenigen, die diese Dinge erforschen. Daher kann Gott durch seine Weisheit die Weisen dieser Welt ihrer Torheit überführen.

Die Stärke der Weisheit

Wenn du die Weisheit ergreifst, wirst du bald ein Produkt ihrer Behandlung sein. Dein Leben und Wesen wird sein wie Gottes Gesetz, dessen bloße Gegenwart die Gottlosen bindet und sie in die Knechtschaft versetzt, in die sie rechtmäßig gehören. Das Fleisch fühlt sich in der Nähe der Weisheit beurteilt, und alle seine Kunstgriffe entgehen dem durchdringenden Blick der Weisheit nicht. Aus demselben Grund nennt man die Weisheit Knechtschaft und die Torheit Freiheit, denn in der Torheit kann das Fleisch Herr sein, ohne die Zwangsjacke der Weisheit zu spüren.

Josef wurde als Knecht nach Ägypten verkauft. „Sie zwangen seine Füße in Fesseln, sein Leib musste in Eisen liegen.“ Ps. 105, 18.

Gottes Weisheit behandelte Josef und machte ihn tüchtig für eine große Berufung. Zwar waren es Menschen, die seine Füße mit Fesseln plagten und seine Seele mit Eisen, aber das geschah, damit er hierin geprüft sein sollte, wenn er später im Leben einmal andere in Fesseln und Eisen legen würde.

Sie plagten Josef bis zu der Zeit, zu der Gottes Wort eintraf und die Rede des Herrn seine Unschuld bewies.

Da sandte der König hin und ließ ihn losgeben, der Herr über Völker, er gab ihn frei.

Er setzte ihn zum Herrn über sein Haus, zum Herrscher über alle seine Güter, dass er seinen Fürsten nach dem Willen des Königs Grenzen setzen sollte und seine Ältesten Weisheit lehren.

Der Pharao hatte Fürsten unter sich. Und es war schwierig für ihn, mit diesen fertig zu werden, denn seinen Ältesten mangelte es an der Weisheit, die dem Pharao so gute Ratschläge gegeben hätte, dass er seinen untergeordneten Fürsten den Mund stopfen konnte. Doch jetzt hatte er in Josef einen Mann gefunden, der imstande war, die Fürsten nach dem Willen des Pharao in die Schranken zu weisen, und der Verstand genug besaß, seine Ältesten Weisheit zu lehren.

Die Weisheit wirkt im Neuen Bund auf genau dieselbe Weise. Der Apostel Paulus sagt: „Denn die Waffen unsres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig im Dienste Gottes, Festungen zu zerstören.2. Kor. 10, 4.

Die meisten religiösen Versammlungen unserer Tage werden von weniger geistlichen Personen geleitet. Sie müssen daher ihre eigene Würde durch Festungen und hohe Gedankengebäude schützen. Wenn dann jemand durch Gottes Weisheit und Gottes Kraft diese Festungen umstürzt und diese Gedankengebäude einreißt, dann wird ihm zu verstehen gegeben, dass er ihre Versammlung verlassen soll. Das ist ihre einzige Rettung. Darum sagt auch Jesus: „Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen.“

Doch Paulus zerstörte Gedanken und alles Hohe, das sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes, und er nahm alles Denken gefangen in den Gehorsam gegenüber Christus. V. 5.

Er übte durch die Weisheit dieselbe Macht aus wie Josef über die Fürsten des Pharao. Aber nicht jeder Synagogenvorsteher und nicht jeder Gemeindeälteste will seinen Nacken unter ihr Halseisen legen. Darum hinaus mit der Weisheit und hinaus mit den Personen, die sie verkündigen – hinaus aus dem Lager mit ihnen! Ja, lasst uns zu ihm hinausgehen aus dem Lager, denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern suchen die zukünftige. Lasst uns seine Schmach tragen. Hebr. 13, 13. Jesus litt draußen vor dem Tor, und dennoch war er die Weisheit Gottes und der Herr der Herrlichkeit. Die Weisheit muss entweder selbst herrschen oder aber verworfen werden. Bist du eines der Kinder der Weisheit, wirst auch du entweder angenommen oder verworfen werden. Wirst du angenommen, wirst du die, die dich annehmen, nach der Weisheit verändern, die du selbst besitzt. Wirst du aber hinausgeworfen, dann geht die Torheit innerhalb der Festungen und Gedankengebäude bis zu dem Tag weiter, an dem vor dem Angesicht Christi alles aufgedeckt werden wird.