Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Skjulte Skatter 1919-04 - Der Epheserbrief

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Der Epheserbrief

1. Kapitel

Gesegnet im Himmel

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.“ V. 3.

Wir sind im Himmel gesegnet, es heißt nicht: auf Erden. Es besteht ein Wesensunterschied zwischen dem, auf Erden und dem, im Himmel gesegnet zu sein. Das alte Israel hatte irdische Verheißungen, wir aber haben himmlische. In und mit Christus sind wir gesegnet. Außerhalb von ihm gibt es keinen Segen. Die irdischen Segnungen sind durch ihn, doch die himmlischen sind in ihm. Die irdische Herrlichkeit ist eine Herrlichkeit durch den Leib, die himmlischen Herrlichkeiten sind Herrlichkeit im Leib.

Die Herrlichkeit durch ihn ist für die irdischen, doch die Herrlichkeit in ihm für die himmlischen Wesen. Die irdische Herrlichkeit hat keinen Anteil an der Herrlichkeit in ihm, teilt jedoch die Herrlichkeit, die von ihm ausstrahlt. Diejenigen, die an der Herrlichkeit in ihm Anteil haben, besitzen bereits die Herrlichkeit, die von ihm ausstrahlt. Daher ist die himmlische Herrlichkeit gleichzeitig Inhaber der irdischen, während die irdische die Herrlichkeit in ihm nicht teilt; sondern sie ist wie der Mond, der von der Sonne beleuchtet wird, ohne das Licht der Sonne zu besitzen.

Auserwählt, ehe die Welt war

Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten.” V. 4.

Diejenigen, die von ihm geboren sind, hat er im Voraus gekannt, und sie sind dazu vorherbestimmt, dass sie gleich werden sollen dem Bild seines Sohnes. Röm. 8, 29.

Das Sehnen lag in Christus, ehe der Welt Grund gelegt war. Er war von Ewigkeit her da, ehe die Erde war, bevor Gott Erde und Felder und den ersten Erdklumpen des Erdreichs geschaffen hatte. Als er die Wolken droben befestigte und Festigkeit gab den Quellen der Meerestiefe, als er dem Meer seine Grenze setzte, und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte, da war er bei ihm als ein Werkmeister und er spielte vor ihm allezeit, er spielte auf seinem Erdkreis und hatte seine Lust an den Menschenkindern. „Und nun, ihr Söhne, hört auf mich! Wohl denen, die meine Wege bewahren!“ Spr. 8.

Ebenso wie Eva Fleisch von Adams Fleisch und Gebein von seinem Gebein war, ist auch die Gemeinde Fleisch und Gebein von Christus. Adam sagte, als Gott Eva aus seiner Rippe geschaffen hatte: Das ist endlich Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch! 1. Mos. 2, 23.

Es lag ein Sehnen in Adam, seinesgleichen zu finden. Unter allen Tieren fand er keines, das er hätte „Männin“ nennen können. Diese war in Adam, als er alleine war, denn sie war in seinem Gebein und Fleisch. Nun aber wurde sie als eine Männin ausgesondert. So waren auch wir in Christus, ehe der Welt Grund gelegt war, doch wir sollen zu einer Männin für ihn ausgesondert werden. Unter allem, was durch ihn und zu ihm geschaffen wurde, kann Christus nichts so zufriedenstellen wie seine Braut, von der er sagen kann: Das ist endlich Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch! Er hat sie im Geist gesehen und gekannt, ehe die Welt war. Zu ihr sagt er: So gehorchet mir nun, meine Kinder. Wohl denen, die meine Wege halten! Dies sagt er, damit wir heilig und unsträflich vor seinem Angesicht sein sollen. Die Braut und der Bräutigam sollen dieselbe Ausbildung haben. Der Heilige Geist ist ihr Lehrer und Erzieher.

Das Wohlgefallen seines Willens

In seiner Liebe hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens.“ V. 5.

So wie sich ein junger Mann in Liebe nach dem Wohlgefallen seines Willens eine Frau erwählt, so hat auch Gott uns nach dem Wohlgefallen seines Willens dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus.

Ebenso wie Gottes Erwählung nach dem Wohlgefallen seines Willens geschah, sind auch Gehorsam und Wachstum unsererseits nach diesem Wohlgefallen entgegenzunehmen. Selig ist daher jeder, der in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineinschaut und darin beharrt. Die Auserwählung geschieht in Freiheit, und der Auserwählte nimmt die Auserwählung in Freiheit an. Die Befestigung von Berufung und Auserwählung geschieht in derselben Freiheit. Gottes freier Ratschluss macht verfinsterten Ratschlüssen des Unverstandes ein Ende. Wo das Wohlgefallen seines Willens offenbart wird, werden Schwierigkeiten entworren. Gottes Licht scheint klar, sein Wille in diesem Ratschluss wird zu unserer Heiligung geoffenbart, und wir werden in in diesem Wohlgefallen seines Willens geboren und genährt und wachsen zur Mannesreife in Christus heran.

Das Gesetz wurde nicht nach dem Wohlgefallen seines Willens gegeben, sondern als notwendige Folge aufgrund der Übertretungen. Das Gesetz züchtigt auf Christus hin, doch in ihm leben wir in Freiheit. Jedoch erreicht man in dieser Freiheit in Christus unterschiedliche Resultate. Je mehr man sich Mühe macht, den freien Ratschluss seines Willens kennenzulernen, desto mehr kommt man in den Besitz seines Geistes des Rates und der Stärke, desto mehr Weisheit und größere Freiheit.

Zu seiner Ehre werden wir ausgebildet

Zum Lob der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat in dem Geliebten.“ V. 6.

Das Volk, das Gott sich heranbildet, soll sein Lob nicht nur verkündigen, sondern es soll zu seinem Lob leben, wirken und sein. Die Herrlichkeit des Volks soll zum Ausdruck bringen, wieviel herrlicher der ist, der es ausgebildet hat. Beachte, dass wir zum Lob der „Herrlichkeit seiner Gnade“ sein sollen. Niemand kann Gott sehen und leben. Die Herrlichkeit seiner Gnade ist wie die strahlende und lebensspendende Macht der gerechten Sonne, die sich an uns in seinem Sohn Jesus Christus wirksam erweist. Unser Elend wird in dem Augenblick entblößt, in dem die Herrlichkeit seiner Gnade geoffenbart wird. Der Unterschied zwischen uns und ihm wird so krass, dass die Herrlichkeit seiner Gnade neben meinem Elend über alle Maßen herrlich wird. Wenn nämlich die Wahrhaftigkeit Gottes durch meine Lüge überströmender wird zu seinem Ruhm, weshalb werde ich dann noch als Sünder gerichtet? Röm. 3, 7. Meine Lüge lässt Gottes Wahrheit noch heller leuchten, und meine Sünde macht seine Gnade noch reicher. Ja, sie treibt es sogar so weit, dass sie mich dazu züchtigt, gottselig und weise in dieser Welt zu leben – trotz aller Neigungen in entgegengesetzter Richtung. Ob wir bei alledem nicht zum Lob der Herrlichkeit seiner Gnade werden?

Vergebung der Sünden

In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit.“ V. 7 und 8.

Das Blut hat eine doppelte Wirkung. Es erlöst uns von der Sünde, unter der wir Knechte waren, und es erlöst uns von uns selbst, um Christus zu leben. Wir wissen, was es heißt, Vergebung der Sünden zu bekommen, aber wir haben wohl nicht so viel darüber nachgedacht, dass wir diese nach dem Reichtum seiner Gnade in aller Weisheit und Klugheit bekommen haben. Wir begnügen uns, wie gesagt, mit den Wirkungen der Sündenvergebung und forschen nicht so genau nach, wie es geschehen kann, dass uns ein gerechter Gott wirklich vergeben kann und will.

Jesus wandelte im Geist und opferte sich in der Kraft eines ewigen Geistes. Er hatte einen Wahlspruch in allem, was Versuchung heißt, und dieser lautete: „Doch nein.“ Auf diese Weise litt ein Gerechter für die Ungerechten. Jesus besiegte die Sünde im Fleisch, die der Ursprung und die Wurzel aller Sünde ist, und damit erlangte er Macht über den Ursprung der Sünde, über die Sünde und deren Folgen. In dieser Macht kann er vergeben oder nicht vergeben. Denn es war allein er, der die Kelter trat und Sieg errang über das, was es dem Gesetz unmöglich machte, etwas zu vollbringen.

Der Schlüssel zu den Geheimnissen Christi ist: Christus geoffenbart im Fleisch. Dieses Geheimnis der Gottesfurcht öffnet verschlossene Türen. Man flog nicht in der Luft, auch ging kein U-Boot unter Wasser, ehe nicht der Motor erfunden wurde. Mit dessen Hilfe erreichte man, was man bis dahin nicht ahnte.

So auch in Christus. Man benötigt eine Entdeckung im Geist, um weiter vordringen zu können.

Die Erlösung durch sein Blut setzt voraus, dass das Blut wirklich geflossen ist. Doch derjenige, dessen Blut floss, erreichte durch dieses ganz andere Resultate als derjenige, der Erlösung durch das Blut bekommt. Ein Reichtum an Gnade von Gottes Seite und eine überwältigende Weisheit und Klugheit vonseiten des Sohnes waren nötig, um der Sünde nach dem gegenseitigen freien Ratschluss des Willens bis aufs Blut zu widerstehen. Diese Treue und dieses Ausharren kann nicht mit weniger belohnt werden als mit unzähligen Kindern, die zum Lob seiner Herrlichkeit werden.

Dieses Lob der Herrlichkeit ist von zweierlei Art:

  • 1. Diejenigen, die durch sein Blut erlöst werden.
  • 2. Diejenigen, die durch und in seinem Blut erlöst werden.
  • Die ersten sind irdisch, die letzteren himmlisch. Doch beide werden zum Lob seiner Herrlichkeit – nur mit dem Unterschied, der zwischen der irdischen und der himmlischen Herrlichkeit besteht.

    Innerhalb der himmlischen Herrlichkeit wird man seiner Herrlichkeit in dem Maß zum Lob sein, in dem man mit ihm leidet. Ebenso wie der Reichtum seiner Gnade sowie Weisheit und Klugheit unser persönliches Eigentum und zum Lob seiner Herrlichkeit werden – in dem Maß, wie wir mit Macht in den freien Ratschluss seines Willens eindringen und nach seinem Willen geformt werden. Die Gnade treibt uns kraft des Blutes, in dem wir durch den Tod seines Sohnes versöhnt sind, hinein in das Blut, in dem wir durch sein Leben versöhnt werden. Denn das Ziel ist Leben. Darum ist das Trachten des Geistes Leben und Friede.