Was man nicht tun sollte und wie man nicht sein sollte
Du solltest nicht süchtig danach sein zu predigen; denn dies ist eine Sucht, die andere mehr plagt als dich selbst. Die Sucht äußert sich oft dadurch, dass es im Körper kribbelt, wenn die Aussicht besteht, zu Wort zu kommen. Der Süchtige selbst begibt sich dann meistens zum Rednerpult, noch bevor die letzte Strophe des Liedes zu Ende gesungen ist. Wenn er spricht und seine eigene Stimme hört, ist er seliger als er es jemals ist, wenn er schweigt. Dehnt er seine Rede aus, ist der Schmerz in der Versammlung kaum auszuhalten; doch der Redner selbst ist bei seinem eigenen Gerede so glücklich, dass er die verzweifelte Situation der Versammlung nicht wahrnimmt. Bist du süchtig danach zu predigen, dann bitte Gott, dich von diesem Elend zu erlösen.
Hast du Erkenntnis über etwas bekommen, dann tritt nicht so auf, als ob du alleine dies wüsstest; denn auch dies ist Aufgeblasenheit, die später als Torheit entlarvt wird. Wer da meint, etwas erkannt zu haben, der hat noch nicht erkannt, wie man erkennen soll.
Du solltest dich nicht nach Ehre umschauen; denn nicht der ist bewährt, der sich selbst empfiehlt, sondern der, den der Herr empfiehlt.
Wenn du einen Bruder lobst, dann prüfe dich selbst, damit du dies nicht tust, um einen anderen desto gründlicher tadeln zu können.
Nimm es genau mit deinen Einnahmen und Ausgaben, damit die Letzteren nicht die Ersteren übersteigen und du dadurch dem Namen Gottes und seiner Gemeinde Schande bereitest.
Trachte nicht im Offenbaren danach, in der Gemeinde angesehen zu werden; aber im Verborgenen ist es dein Recht und deine Pflicht, dies zu tun.
Wenn du in eine fremde Versammlung kommst, dann setze dich untenan; denn wenn du der Erste von ihnen bist, dann bist du, der du bist, und kannst es gut ertragen, untenan zu sitzen. Es ist besser, wenn du nach vorn gebeten wirst als nach hinten – wenn vielleicht nicht so sehr für dich selbst, dann doch um anderer willen.
Wer nur sich selbst und was ihm gefällt vor Augen hat, vermindert die Anzahl seiner Freunde. Wer aber anderen dient und die Lasten anderer trägt, steigert die Anzahl seiner Freunde.
Sprich nicht nur vom Rednerpult und von der Kanzel aus; übe dich darin, einen nach dem anderen zu gewinnen.
Große Männer sind dadurch groß geworden, dass sie im Geringen genau waren. Denke daher nicht daran, nur durch das Große groß zu werden, wenn du im Geringsten ungenau bist. Die kleinen Füchse verderben den Weinberg. Viele, die Heldentaten vollbringen wollten, sind als Narren gefallen.
Suche nicht Frieden mit dem, der selbst keinen Frieden hat. Hast du aber Frieden, dann trachte danach, ihm diesen zu überbringen. Denn meistens ist Kampf ein weitaus größerer Frieden als der Frieden, den man nur Frieden nennt. Auch dies bedeutet, den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen.
Prediger, die bei denen, für die sie predigen, mehr Wert auf die Quantität als auf die Qualität legen, haben mehr Fürsorge für ihren eigenen Broterwerb als für die Förderung des Reiches Gottes. Hierin solltest du dich von ihnen unterscheiden.
Sorge mehr dafür, dich bedeckt zu halten, als hervortreten zu wollen. Denn das Seltene ist begehrter und wertvoller als das, was man überall findet. Ein Priester Gottes sucht die Ehre Gottes; aber ein Priester des Volkes sucht die Ehre des Volkes.
