Haushalter
Jeder Mensch, der mehr oder weniger von Gott erleuchtet worden ist, kann in diesem Licht eine Menge Fehler bei jedem Anfänger auf den Wegen Gottes finden. In diesem Licht kann man mit dem Finger zeigen und verleumden, oder man kann helfen. Man kann den Anfänger mit einer Menge Wahrheiten überschütten, weil alles Mögliche rasch zurechtgebracht werden soll. Und man kann sogar dem Fleisch nach zufriedengestellt werden, indem man die Ehre genießt, jemand zu sein, der keine Angst davor hat, den Leuten die Wahrheit zu sagen. Solche „Heldentaten“ können glänzend aussehen und solche furchtlosen Personen können „furchteinflößend“ wirken. Aber auf lange Sicht fällt eine solche Betriebsamkeit durch. Und weshalb? Eben deshalb, weil man mit der Wahrheit nicht haushaltet. Hinter der Erkenntnis, nach der man den Leuten entsprechend dem Schatz, den man hat, die Wahrheit sagt, liegen nämlich ewige und gewichtige Werte entsprechend dem Schatz, den man noch nicht besitzt, der jedoch im Leib vorhanden ist. Will man also nicht beschämt werden, sollte man haushalten mit der Wahrheit, die man als Eigentum hat, und diese mit Sorgfalt und großer Gnade austeilen. Denn niemand hat Licht bekommen, um damit ein Gewalttäter oder Herrscher zu sein.
Doch Gott gibt Licht, damit wir gemeinsam herrschen können.
„Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse.“ 1. Kor. 4, 1.
Ich würde es gerne sehen, dass die Jüngeren diesen Wunsch bei all den Älteren, die viel im Herrn gearbeitet haben, in die Tat umsetzen würden; denn du darfst nicht meinen, dass es Blindheit ist, wenn die Älteren bei anderen nicht gleich das korrigieren, was du sofort zurechtgebracht hättest. Ein Gemeindediener soll Rechenschaft ablegen, deshalb muss er über jeden Einzelnen Rechenschaft führen. Wenn die Reife im Leben kommt, fällt von selbst ab, was du in deinem fleischlichen Eifer weggepflückt hättest, um die Wahrheit voranzutreiben. Der geistliche Diener steht nämlich mit dem geistlichen Leben des anderen in Verbindung. Diese Verbindung ist unbedingt nötig, um einen Dienst ausführen zu können. Manche kommen wie ein gewaltiges Sturmwetter herangebraust und wollen alle und alles ordnen und zurechtbringen. Weil sie aber keinen Rückhalt in den Herzen haben, bleibt dies ein toter Dienst und ein Wirbelwind. Die Luft füllt sich mit Staub und Schmutz; und wenn sich der Sturm gelegt hat, muss wiederum der Gemeindediener die Arbeit übernehmen. Damit ist den armen Seelen auch am meisten gedient und damit sind sie am zufriedensten.
„Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden.“
Diese Treue muss man dem gegenüber beweisen, der uns die Haushaltung anvertraut hat. Demjenigen, der Gegenstand einer Haushaltung ist, ist nicht die Aufgabe übertragen worden zu überwachen, dass der Haushalter seine Pflicht erfüllt. Wenn jemand so etwas tut, wird er in der Welt als „naseweis“ bezeichnet; aber in der geistlichen Sprache wird er als „aufgeblasen“ bezeichnet.
Aller Dienst im Reich Gottes beruht darauf zu haushalten, und ohne Haushaltung ist man kein Diener. Hast du eine Haushaltung, so nimm dich ihrer an; hast du aber keine Haushaltung, so dränge dich nicht in die Haushaltung eines anderen hinein, um zu haushalten. Du würdest dort wie ein Elefant im Porzellanladen wirken. Fange selbst bei Null an, denn es ist genug da, das man sich erwerben kann. Die ganze Welt ist dein Pfarrbezirk.
Würde Gott „uns die Wahrheit sagen“, so würden wir den Mut und die Sprache verlieren. Nun geht er aber so wohlüberlegt zu Werke, dass er Offenbarungen (Licht der Wahrheit) zu all dem gibt, was zum Nutzen ist; d. h. er gibt uns Licht in so großen Portionen, wie wir es ertragen und wie es für uns zum Nutzen sein kann. Nun sind wir Kinder dieses verständnisvollen Vaters, der will, dass wir vollkommen werden, wie er selbst vollkommen ist. Auf dieses Ziel sollen wir hinarbeiten, denn das ist der Weg zum Vollkommenen; und nun hat jeder die Gelegenheit, so weit zu kommen wie er nur kann.
„Mir aber ist’s ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht; auch richte ich mich selbst nicht.“ 1. Kor. 4, 3.
Wäre Paulus nicht einer Menge Zurechtweisungen aller Art ausgesetzt gewesen – von Leuten, die er innerhalb seiner Haushaltung auszubilden hatte, so wäre die oben angeführte Bibelstelle nie hervorgekommen. Nun aber waren sie klug in Christus geworden. V. 10. Sie glaubten von sich selbst, dass Paulus viel von ihnen zu lernen hatte. Er sollte es so und so machen. Er war zu nachsichtig mit der einen oder anderen Person; er war viel zu schwach, um so vielen Menschen und Gemeinden vorzustehen. Hier mussten die Starken Einfluss bekommen, sonst würde die Bundeslade vom Wagen stürzen.
Nimm du es ganz mit der Ruhe. Hat Gott einem Mann ein Amt gegeben, so hat er ihm auch den Verstand gegeben, es zu verwalten, sagt man sogar in der Welt. Das hat sie wohl die Erfahrung gelehrt. Wie viel mehr in der Welt des Geistes!
Gebrauche Fähigkeiten und Kräfte für etwas Nützlicheres; es gibt genug Arbeit. Will aber jemand absolut in der Haushaltung eines anderen Ordnung schaffen, so kann er das tun. Aber wie ein Splitter herauseitert, wenn er in den Leib eindringt, so wird diese Person herauseitern und weggeworfen. Hast du Lust zu arbeiten, dann versuche dich auf andere Weise.
Ein Haushalter kalkuliert die Zeit ein; alles muss zur rechten Zeit und auf die rechte Weise eintreffen. Derjenige, der bedient wird, soll dasselbe empfinden und verstehen können. Wenn man ein Haus anstreichen will und die Farbe in einem großen Behälter fertig angerührt hat, so nimmt man nicht den großen Behälter und schüttet damit die Farbe an die Hauswand. Man nimmt ein kleineres Gefäß, befüllt es aus dem Behälter; dann nimmt man einen Pinsel und verstreicht die Farbe gut, sodass die Farbe im Behälter für das ganze Haus reicht. Das ist Haushalten. Wann man diese Kunst wohl erlernen soll?
Bei geistlichen Kriegen ist die Vorgehensweise jedoch eine andere; aber man kämpft nicht mit denen, die man in seiner Haushaltung hat.
Was seinen Dienst betraf, konnten die Korinther Paulus nicht richten. Er konnte sich nicht einmal selbst richten. Alles derartige Richten dürfen wir anstehen lassen, bis der Herr kommt, der die Ratschlüsse der Herzen offenbaren wird. Dann wird jeder seinen Ruhm von Gott bekommen. Letztendlich richtet Gott nach den Ratschlüssen des Herzens. Glaubst du aber, dass du die Ratschlüsse des Herzens verstehen kannst, wenn du richtest? Nein, das kann nur Gott.
Innerhalb der Gemeinde nimmt das Licht nun beträchtlich zu. Hüte dich, dass du dich in diesem Licht nicht übermäßig stark fühlst, sodass du aufgeblasen wirst, bittere Wurzeln aufwachsen und viele durch diese befleckt werden. Denn wenn jemand meint, er habe etwas erkannt, der hat noch nicht erkannt, wie man erkennen soll. Aber ein jeder soll so von sich denken, wie es sich gebührt, d. h. entsprechend dem Wert und der Macht, die ihm von Gott gegeben ist. Tut man dies, so kann es zu keiner Spaltung innerhalb des Leibes kommen, in dem das eine Glied dazu gesetzt ist, dem anderen zu helfen.
