Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1923-01 - In den Tiefen der Erde

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

In den Tiefen der Erde

Jesus ist hinabgefahren in die Tiefen der Erde. Von dort aus ist er aufgefahren – über alle Himmel, damit er alles erfülle. Eph. 4, 8-10.

Man kann fragen: Hat die Erde auch Höhen? Ja gewiss, wenn sie Tiefen hat, dann hat sie auch Höhen. Es liegt Satan, hinauf zu wollen – hoch hinauf. Wir können mit Sicherheit sagen, dass die meisten Menschen nie in den Tiefen der Erde gewesen sind. Wenn sie finanziell gesehen dort gewesen sind, so haben sie sich doch im Geist höher befunden. Doch in der Tiefe zu sein, mit dem Körper wie auch mit der Denkweise, ist etwas ganz anderes. Es ist Gottes Sache zu erhöhen, wenn wir nur Jesus in die Tiefe folgen. Dort unten siegte er über Mächte und Gewalten. In einem Stall geboren und in eine Krippe gelegt, weit weg von den Palästen des Herodes, wurde dieser Fürst Gottes und Erlöser der Menschen in der Tiefe und im Unansehnlichen geboren. Später im Leben sagte er von sich selbst: „Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“ Wenn dann Jesus sagt: „Folge du mir nach“, so meint er hinunter in die Tiefe. Die Größe eines Menschen besteht nicht darin, dass er sich nach oben in die Höhe bewegen kann, denn das tun alle Gottlosen, sondern darin, dass er hinabgehen kann.

Haben wir es nun auch in der Gemeinde nötig, Jesus in die Tiefe nachzufolgen? Ja. Alle wollen nach vorne zum Rednerpult; dieses zieht und lockt die Fleischlichsten. Aber seinen Dienst für Gott in der hintersten Reihe, beim Brennholz oder beim Putzen des Saales zu tun, das schmeckt einem weniger. Wenn wir im Geringen treu sind, werden wir über mehr gesetzt. Das ist eine goldene Regel in der Arbeit im Reich Gottes. Man versammelt sich gerne um die Seele, die etwas zu geben hat, ob sie sich nun ganz vorne oder ganz hinten im Saal befindet. Da sich nun Jesus in den Tagen seines Fleisches in den untersten Örtern der Erde befand, sucht jetzt der Geist dort unten Jesu Nachfolger. Darum leitet er sie in alle Wahrheit, während es da oben in den höheren Gegenden der Erde nichts gibt, was Geist der Weisheit und der Offenbarung heißt.

Moody begann seine Laufbahn in der Arbeit für das Reich Gottes, indem er eine Bank in der Kirche mietete. Danach ging er hinaus auf die Straßen und in die Wirtshäuser und begann, junge Männer dazu zu bewegen, mit ihm in die Kirche zu kommen, bis seine Bank vollbesetzt war. Bald musste er vier Bänke mieten, die auch voll wurden. Wir wissen, wie er später ein gemietetes Wirtshaus an Sonntagen frühmorgens selbst für die Versammlung vorbereitet hat. Er rollte die Bierfässer hinaus, fegte den Boden und wischte Staub, damit alles bis zum Beginn der Versammlung bereit war.

Auch General Booth ging hinab in die Tiefe, zum Abschaum von Londons Bevölkerung. Aber sieh, wie Gott ihn gesegnet hat! Es gibt viele, die für einen Augenblick in die Tiefe hinabfahren. Sie kommen aber genauso schnell wieder nach oben, wie jemand, der einen Kopfsprung ins kalte Wasser macht. Gott braucht Menschen, die im Niedrigen leben und sterben wollen, die mit dem Leben im Niedrigen so vertraut sind, dass sie am Morgen der Auferstehung verwundert fragen: Wann haben wir dich nackt gesehen und haben dich gekleidet, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, wann warst du im Gefängnis und wir sind zu dir gekommen?

Jesus Christus und die Apostel bilden den Grund, auf dem wir bauen. Der Grund liegt immer am tiefsten, aber er trägt das ganze Gebäude. Lasst uns daher einander in Ehrerbietung zuvorkommen, was nicht weniger bedeutet, als dass einer unter den anderen geht. Hier begegnen wir der wahren Einheit und der wahren Bruderliebe. In diesem Geist gibt es kein reißendes Tier, keine Zerrissenen, denn alles ist beseelt von der Liebe Christi.

Solche Gemeinden braucht unsere Zeit.