Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1922-12 - Auszug aus einer Bibelstunde

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Auszug aus einer Bibelstunde in Kristiania am 28. Dez. 1921 mit J. O. S.

Mt. 5, 1-16

„Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm.“ V. 1.

Die Jünger gingen zu Jesus, nicht Jesus zu den Jüngern. Jesus hatte von ihnen nichts zu lernen, sondern die Jünger hatten von ihm etwas zu lernen. So soll es auch unter uns sein. Die Jünger waren Jesus am nächsten. Sie waren diejenigen, die das, was sie von ihm gelernt hatten, andere lehren sollten. Erst die Jünger, dann das Volk.

„Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: „Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.“ V. 2-3.

Jesu Worte sind konzentriert und einfach. Ebenso ist die Weisheit konzentriert und einfach. Es kann viel über die sogenannte Bergpredigt gesagt werden. Aber wenn wir es einfach sagen wollen, dann müssen wir Jesu eigene Worte verwenden.

Arm im Geist kann man in allen Lebenslagen sein. Stellen wir uns z. B. das Bild eines Kunstmalers vor. Er ist eifrig in seiner Berufung, macht sich Mühe, die richtigen Farben zu finden, bekommt Kritik für seine Arbeiten, träumt davon, dass er, wenn er es einmal schafft, ein berühmter Mann wird, dass das Geld hereinströmt und dass dann Wohlstand im Haus sein wird. Doch findet er, dass ihn nichts von alledem zufriedenstellen kann. Schließlich hat er so genug vom Ganzen, dass er sich davon abwendet und Jesus Christus zuwendet, der als Einziger vermag, vollkommen zufriedenzustellen. Er ist arm im Geist. Genauso kann es auch mit einem Künstler der Musik sein – d. h. er braucht ja nicht einmal Künstler zu sein – oder mit einem Dienstmädchen oder mit jemandem in irgendeinem anderen Beruf.

Wie wir Jesus Christus angenommen haben, so sollen wir in ihm wandeln. Lasst uns jeder persönlich darüber nachdenken, wie es mit uns war, als wir zum Glauben kamen. Was mich betrifft, war ich des Lebens überdrüssig. Alles kam mir hässlich vor. Die Häuser waren hässlich, die Bäume waren hässlich, die Musik war hässlich. Wenn ich die Musik spielen hörte, wäre ich am liebsten hingegangen und hätte sie gebeten, still zu sein. Doch als ich zum Glauben kam, wurde alles schön. Die Häuser wurden schön, die Bäume wurden schön, die Musik wurde schön. Wir müssen allezeit arm im Geist bleiben. Wenn wir darin fest bleiben, arm im Geist zu sein, dann werden wir schwach. Wenn wir darin fest bleiben, arm im Geist zu sein, bekommen wir an der Auferstehungskraft teil. Wenn Jesus der Weg ist, dann kann man sich nicht auf diesem Weg auf einen Stuhl setzen – vollauf zufrieden mit dem, was man bekommen hat. Wenn wir bei dem stehenbleiben und das bewundern, was wir bekommen haben, dann sind wir nicht mehr geistlich arm. Wir sind hochmütig. Viele bleiben bei der Vergebung der Sünden stehen und geben sich damit zufrieden. Du brauchst ihnen nicht damit zu kommen, dass es noch mehr gibt. Denn „nur sie wissen, was richtig ist“. Wer geistlich arm ist, bricht nicht Entscheidungen übers Knie. So jemand lässt sich gerne sagen.

„Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.“ V. 4.

Wer ist es, der da Leid trägt? Das ist jemand, der andere genau so, wie sie sind, in seinem Herzen trägt – nicht weil sie so lieb und gut sind. Er sieht, dass der eine so ist und der andere so, und denkt: Wie kann ich dir nur sagen, dass du hier keinen Sieg hast? Wie kann ich dir da nur heraushelfen? Eine Mutter, die einen Sohn hat, der Trinker ist, trägt ihn in ihrem Herzen. Sie steht am Fenster und hält nach ihm Ausschau und wartet bis spät in die Nacht hinein. Wenn er dann endlich kommt, ist er betrunken oder hat Kameraden dabei oder es stimmt irgendetwas anderes nicht mit ihm. Sie trägt ihn in ihrem Herzen, so wie er ist, mit all seinen Fehlern. Sie trägt ihn und trägt Leid. Eines Tages kommt ein Prediger in die Stadt und ihr Junge bekehrt sich. Dann wird sie getröstet. Es steht nichts davon, dass derjenige, der kein Leid trägt, getröstet wird, sondern der, welcher Leid trägt. Wo die Seelen zu Befreiung, Erlösung und Sieg gelangen, wird sie getröstet.

„Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.“ V. 5.

„Aber Mose war ein sehr sanftmütiger Mann, sanftmütiger als alle Menschen auf Erden.“ 4. Mos. 12, 3. Wie war Mose sanftmütig geworden? Zu ihm kamen alle, die Unrecht gelitten hatten und klagten ihm ihre Not. Der eine kam und erzählte, dass ihm dieser und jener dies und jenes getan habe und der andere erzählte, dass jemand so und so zu ihm gewesen sei. Und Mose hörte sich alle diese Klagen an. Wenn nun jemand ihm etwas Böses tat, dann dachte er: Wenn ich etwas sage, werde ich ja so wie dieser oder jener. Er hat sich über so viel zu beklagen und sie über so viel. Wenn ich mich nun auch beklage, bin ich nicht besser als die anderen. Und er schwieg. Mose war ein Haupt über das ganze Volk. Außerdem, bei wem hätte Mose sich beklagen sollen? Bei Aaron? Er war nicht gefestigt; er ließ das Volk um das goldene Kalb tanzen, sodass es zügellos wurde. Bei Miriam? Sie verfiel in Widerspenstigkeit und wurde mit Aussatz bestraft.

Die Sanftmütigen werden das Erdreich besitzen; doch von den geistlich Armen steht geschrieben, dass ihnen das Himmelreich gehört. Es ist also etwas anderes, das Erdreich zu besitzen. Sehen die Menschen einen Sanftmütigen, kommen sie zu ihm und erzählen, dass dieser oder jener so oder so zu ihnen gewesen sei. Die Menschen kommen zu ihm, um in ihren Angelegenheiten Recht gesprochen zu bekommen. Der Sanftmütige wird zum Richter oder Fürst über die Menschen gesetzt. Er erbt das Erdreich, denn was ist das Erdreich anderes als die Menschen? Die Bäume sind nicht das Erdreich und die Tiere auch nicht.

„Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.“ V. 6.

Die Menschen wissen nicht, was Gerechtigkeit ist. Gerechtigkeit ist dasselbe wie Wahrheit. Dass man seine Schulden bezahlt, ist gerecht. Das ist das Erste. Wenn man eine Torheit begeht und dann deswegen leidet, ist das gerecht. Wenn man sündigt, ist es gerecht, ohne zu klagen die Folgen seiner Sünde zu tragen. Im Umgang mit den Menschen das beizutragen, was man hat, und zu sagen, was man meint, das ist gerecht. Alles und alle auf den rechten Platz zu setzen, das ist gerecht. Sage zu dem, der sich in den Vordergrund drängt: Setze dich untenan! und zu dem, der sich zurückhält: Rücke hinauf! Sich jedem Menschen gegenüber so zu verhalten, wie es ihm gebührt, das ist gerecht. Jemand, der hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, soll satt werden. Und mit Gerechtigkeit gesättigt zu werden, das hat Bedeutung.

„Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“ V. 7.

Wer weiß, dass er selbst mit etwas zu kämpfen hat, ist auch mit anderen in Bezug auf ihre Sünden barmherzig. Wenn ein solcher in die Klemme kommt, sagen die Menschen: Dieser war barmherzig, lasst uns ihm auch Barmherzigkeit erweisen. Gott macht es so. Wir sollen zu Tieren barmherzig sein. Wir sollen zu allem, was leidet und dem es schlecht geht, barmherzig sein.

„Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.“ V. 8.

Wer reinen Herzens ist, kann mit einem Fotoapparat verglichen werden – je reiner das Herz, desto besser der Apparat. Wenn jemand zu ihm kommt und von Schwierigkeiten erzählt, in die er hineingekommen ist, nimmt er das Gehörte wie ein Fotoapparat in sich auf. Er erzählt dann dem anderen, was er tun würde, um frei zu werden. Der andere hört darauf und wird frei. Es gibt niemanden, der eine solche Macht hat, Seelen in Freiheit zu setzen, wie der, der reinen Herzens ist. Es kann aber auch niemand die Menschen so binden und festzurren wie er. Jesus sagte zu den Männern, die eine Frau, die beim Ehebruch ergriffen worden war, zu ihm gebracht hatten: Wer rein ist, werfe den ersten Stein! Doch keiner war rein. Sie schlichen allesamt davon, der eine nach dem anderen. Wäre ein Reiner dagewesen, hätte er den ersten Stein werfen können, wie ihm befohlen worden war.

„Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ V. 9.

Dies kann man nicht verstehen, ohne arm im Geist zu sein. Lasst uns das Gegenteil betrachten: die Kinder des Lärms. Wir sind alle mit solchen lauten und lärmenden Menschen zusammen gewesen: O, jetzt kommt Zirkus XY in die Stadt! Jetzt zieht ein Unwetter auf! Jetzt donnert und blitzt es! Jetzt ist es passiert! Jetzt wird es geschehen! – Aber der Friedfertige sagt nichts – wenn auch das Dach über ihm zusammenfällt. Auch wenn Stromausfall ist, ist er still. Wenn er eine Eiterbeule auf der Wange hat, macht er kein Aufhebens darum. Er hat einen Frieden im Herzen, der alles überwiegt und der stärker ist als all das Äußere, das um ihn herum geschieht. Sehen die Menschen einen solchen Mann, der in allen Verhältnissen still ist, dann denken sie: Dieser muss ein Kind Gottes sein.

„Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.“ V. 14-15.

Um das Licht sehen zu können, muss man sich im Haus befinden. Draußen auf der Straße sieht man das Licht nicht, das in diesem Zimmer leuchtet. Um das Licht in einem anderen sehen zu können, muss ich in seinem Herzen sein. Wenn du in der Gemeinde still bist und deinen Mund nicht öffnest, dann kann ich kein Licht in deinem Herzen sehen. Fängst du aber an zu reden und dich zu öffnen, dann sehe ich das Licht, das in dir ist. Wenn ein Außenstehender, einer von der Welt, mit uns spricht, sieht er das Licht, das in unserem Herzen ist, nicht. Man muss im Haus sein, um das Licht sehen zu können.

„So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ V. 16.

Das Licht in uns können die anderen nicht sehen, aber sie sehen die Werke. Sie sehen: der ist gerecht, der ist barmherzig, der ist sanftmütig, und sie preisen unseren Vater im Himmel.