Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Johan O. Smith

Brief an Edvin Bekkevold, 1922-08-20

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923
Horten, 20. August 1922
Lieber Bruder Bekkevold und die übrige Geschwisterschar in Kristiania,
Gnade und Friede durch Christus Jesus, unseren Herrn.

Br. Risnes kam gestern Abend, Samstag, nach Horten. Gleich nach der Ankunft besprachen wir die Lage in Kristiania und setzten heute draußen im Wald damit fort. Ich habe ihm durch Gottes Gnade alle Kritikpunkte vorgelegt, die die meisten der Gemeinde in Kristiania gegen ihn haben. Wir sind auf eine gründliche Weise das Ganze durchgegangen. Br. Risnes nimmt die Schuld auf sich, dass das Verhältnis zu Wignæs und Strømmen so wurde, und dafür, dass einige aus der Gemeinde in dies verwickelt wurden. Siehe 2. Tim. 3, 10-11.

Br. Risnes berichtet mir, dass mehrere aus der Gemeinde dies nicht für ausreichend halten wollen, sondern dass sie für weitere frühere Dinge, die im Laufe des Winters geschehen sind, eine Klärung fordern.

Was an mich zur Klärung herangetragen wurde, betrifft nur das Verhalten gegenüber Br. W. und Br. Str. sowie dessen Übertragung auf die Gemeinde. Wenn nun Br. Risnes die Schuld hierfür auf sich nimmt, soll niemand mehr von ihm fordern. Ich habe nach einem eingehenden Gespräch mit Br. Risnes verstanden, dass er von ganzem Herzen wünscht, Versöhnung und Frieden zu erreichen. Er will auf keinerlei Weise unterlassen, das zu tun, was ihm geraten wird, wenn es nicht gegen sein Gewissen streitet.

Meine persönliche Meinung über diese Sache ist nun die, dass Br. Risnes so viel von dem Gericht auf sich genommen hat, wie ihm zukommt.

Doch sollte nicht die ganze Schuld ihn alleine treffen. Mehrere der älteren Schwestern haben an Br. Risnes wie an einen Gott geglaubt. Sie haben nicht berücksichtigt, dass er an Jahren und auch als Gemeindediener noch jung ist. Obwohl so viel verkündigt worden ist, haben sie von diesem jungen Diener des Herrn alles erwartet. Und ohne die Dinge selbst zu prüfen, haben sie alles geschluckt und sind dadurch in Bedrängnis gekommen. Dafür sollen und müssen sich die älteren Geschwister selbst richten. Wenn sie das tun, wird sich alles regeln.

Ich möchte jedem raten, sich vor Unbarmherzigkeit zu hüten und davor, von Br. Risnes Dinge zu fordern, für die ihm sein Gewissen keine Vorwürfe macht. Dies würde ihn in Bedrängnis bringen, genauso wie einige durch das Verhalten von Br. Risnes gegenüber W. und Str. in Bedrängnis waren.

Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Mt. 5, 7. Denkt an dieses Wort Gottes und lasst alle Klagen fahren; denn es kommt für jeden von uns eine Zeit, in der wir Barmherzigkeit brauchen; dann ist es gut, selbst Barmherzigkeit erwiesen zu haben.

Sollte es jetzt nach dieser Klärung dennoch jemanden geben, der mit dieser Regelung nicht zufrieden ist, dann werde ich die Angelegenheit nicht selbst entscheiden; sondern werde die Ältesten in der Gemeinde einbeziehen, und dann werden wir die Dinge weiter untersuchen; doch wir werden auch die Motive untersuchen, warum manche größere Forderungen stellen als die, die sich bei dieser Klärung ergeben haben.

Wenn sich daher jemand über diese Regelung hinaus benachteiligt fühlt, dann leide lieber Unrecht, das ist meine Ermahnung an jeden – in aller Liebe. Bedenkt auch, dass Br. Risnes als ein Mitarbeiter Gottes gerichtet wird, eine Stellung, zu der die meisten in der Gemeinde in Kristiania noch nicht hingelangt sind. Ihr anderen dagegen werdet als Gottes Ackerland gerichtet. Eine Ausnahme hiervon muss im Hinblick auf Br. Bekkevold gemacht werden, da er ja nach Vermögen der Gemeinde in Kristiania zur Zufriedenheit aller gedient hat.

Wenn dies gelesen wurde und über die Sache nachgedacht wurde, dann will ich alle anwesenden Geschwister bitten, sich zu erheben und damit anzuerkennen, dass der Streit beendet und die Bereinigung vollständig ist. Gottes reiche Gnade und Friede sei über uns allen.

Euer allezeit für den Frieden kämpfender Bruder

Johan O. Smith

Mt. 5, 38 und 39