Friede.
Danke für deine zwei Briefe. Ich verstehe daraus, dass sich der Zustand in Kristiania, was das Verhältnis zu Br. Risnes betrifft, nicht sonderlich gebessert hat. Diese Wunde kann nicht auf eine leichtfertige Weise geheilt werden. Das Verhältnis zu Strømmen und Wignæs hat sich auf die ganze Gemeinde übertragen. Viele sind von dieser bitteren Wurzel befleckt worden. Ein Diener in der Gemeinde muss im Stande sein, Böses zu ertragen – er soll nicht eigensinnig sein, nicht jähzornig, Tit. 1, 7, nicht gewalttätig, sondern sanftmütig, nicht streitsüchtig. 1. Tim. 3, 3. Und diese soll man zuvor prüfen.
Ich habe recht viele Briefe aus Kristiania bekommen und alle deuten darauf hin, dass es immer noch Dinge gibt, die eine Wiedergutmachung von Herzen erfordern – nicht eine Wiedergutmachung nach dem Buchstaben. Ob es nun bewusst oder unbewusst geschehen ist, es lag jedenfalls ein menschlicher Druck über der Gemeinde in Kristiania. Dass dieser Druck von Br. R. ausgeübt wird, darüber ist wohl niemand im Zweifel. Dies soll und muss R. von Herzen erkennen und sich davon bekehren, dann wird das Verhältnis gut. Ich habe an Br. R. geschrieben, der nun zwar einsieht, dass sein Verhalten gegenüber Strømmen & W. verkehrt war, aber nicht einsieht und nicht versteht, dass sich dies auf die Gemeinde übertragen hat durch das, was er gesagt hat, um die Gemeinde für sich und für seinen Kampf gegen die beiden Brüder zu gewinnen. Dies ist auch erreicht worden, nämlich indem nahezu alle diesen beiden Brüdern weniger Vertrauen erwiesen. Nun sind die Geschwister von diesen Banden befreit, wenn aber das Vertrauen zu R. wiederhergestellt werden soll, dann muss er selbst vor der Gemeinde eingestehen und bekennen, dass dies von ihm unrecht war.
Wenn Br. Risnes dies nicht verstehen kann, ist er nicht würdig, ein Diener in der Gemeinde zu sein. Versteht er es, will sich aber nicht darunter beugen, dann ist er noch weniger ein Diener in der Gemeinde; aber versteht er es und nimmt die Schuld von Herzen auf sich, dann wird das Vertrauen zu ihm wiederhergestellt werden. Um hierfür eine Lösung zu finden, müsst ihr nach 2. Thess. 3, 14 und den folgenden Versen vorgehen, die lauten: „Wenn aber jemand unserm Wort in diesem Brief nicht gehorsam ist, den merkt euch und habt nichts mit ihm zu schaffen, damit er schamrot werde. Doch haltet ihn nicht für einen Feind, sondern weist ihn zurecht als einen Bruder. Er aber, der Herr des Friedens, gebe euch Frieden allezeit und auf alle Weise. Der Herr sei mit euch allen!“
Was Br. R. anbelangt, so kann er im Sinne der Schrift nicht als Diener in der Gemeinde betrachtet werden, denn er ist noch nicht geprüft. Doch jetzt wird es Gelegenheiten geben, um geprüft zu werden. Jeder muss sich ja darin üben zu dienen. Wenn es schlecht geht, muss man dies eingestehen. Auch ein Werk des Leibes soll durch den Geist getötet werden, d. h.: Man soll es von seinem ganzen Herzen wie jede andere Sünde verurteilen. Erst dann ist man frei. Es bringt nichts, wenn man sagt: Ja, dies war nicht ich, sondern die Sünde in mir. Sobald das Schlechte ans Licht kommt, soll es von der betreffenden Person, die die Torheit – oder das Werk des Sündenleibes – ausgeführt hat, gerichtet werden.
Eine ganze Gemeinde darf sich nicht von einer einzelnen Person unterdrücken lassen; das ist nicht notwendig. Dieses Leiden kommt nicht von obenher und hat mit Christi Leiden überhaupt nichts zu tun.
Wir sind zur Freiheit berufen und zur Freiheit hat uns Christus befreit, lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! Gal. 5, 1.
Ich glaube, dass ich nun mit ausreichender Deutlichkeit meine Meinung in dieser Sache gesagt habe. Ich glaube auch, da mir dies mein Gewissen im Heiligen Geist bezeugt, dass ich in dem Verhältnis Licht von Gott habe – was sich zeigen wird, falls man anders als hier beschrieben handelt.
Dieser Brief ist an die ganze Gemeinde in Kristiania gerichtet und soll allen laut vorgelesen werden, wenn Br. Risnes anwesend ist. Danach soll dieser Brief von Br. Bekkevold aufbewahrt werden, damit man später nachlesen kann, was in dieser Sache entschieden worden ist.
Möge Gott euch alle segnen.
Euer im Herrn hingegebener Bruder
J. O. Smith