Die Gemeinde Christi und das Volk des Herrn
„So achte nun auf mich, mein Volk, und ihr, meine Leute [norw. Übers.: du, meine Gemeinde] leiht mir eure Ohren; denn ein Gesetz wird von mir ausgehen, und mein Recht will ich zum Licht der Völker aufrichten.“ Jes. 51, 4.
Das Volk des Herrn soll auf ihn achten; aber die Gemeinde soll ihm ihr Ohr leihen. Achte auf den Unterschied. Denn das Gesetz soll von ihm ausgehen, nämlich für sein Volk; aber in der Gemeinde will er sein Recht zum Licht der Völker aufrichten. Die Gemeinde ist sein Leib, ein Teil seiner selbst. Doch das Volk des Herrn, das durch das Gesetz lebt, das von ihm ausgeht, gehört nicht dem Leib als solchem an – wohl aber als Eigentum. „Dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.“ Mt. 1, 21. „Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.“ Röm. 11, 27.
Der Gemeinde ist nicht nur ein Bund zur Wegnahme der Sünde, die außerhalb des Leibes ist, gegeben, ein Bund zur Reinheit des Fleisches; ihr ist ein Bund auch zur Wegnahme der Sünde im Fleisch gegeben – ein Bund zum Entfernen des Sündenleibs und zur Erlösung von diesem, das heißt von der Wurzel der Sünde. Röm. 6, 6. Das Volk des Herrn wird von der Befleckung und Unreinheit des Fleisches erlöst; die Gemeinde hingegen wird auch von der Befleckung und Unreinheit des Geistes erlöst. Das Volk des Herrn wird durch den Tod Jesu erlöst; die Gemeinde wird durch sein Leben erlöst. Röm. 5, 10. Das Volk des Herrn hat Sündenvergebung bekommen; die Gemeinde ist mit einem Geist zu einem Leib getauft. Das Volk des Herrn ist von Ägypten und dem Pharao erlöst. Die Gemeinde ist von der Wüste und der Knechtschaft erlöst. Sie ist über den Jordan und in das Land hinein gekommen.
Das Volk des Herrn sieht zu Jesus am Kreuz auf – so wie Israel zur ehernen Schlange aufsah. Die Gemeinde ist mit ihm gekreuzigt. Die Gemeinde hört und wird durch das Hörvermögen geleitet, das Volk des Herrn durch äußerlich gegebene Gesetze. Die Gemeinde hat das Gesetz in sich selbst; sie ist Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinem Bein. Sie ist die Braut. Eph. 5, 30.
Das Verhältnis, das wir persönlich zu Christus einnehmen, entscheidet darüber, inwieweit wir Teil seines Volks oder Teil der Gemeinde sind. Ein und derselbe Mann kann des einen Vater, des anderen Bruder, des dritten Freund, des vierten Herr usw. sein. Ebenso ist es mit Christus. Ist er dein Ehemann oder ist er dein Freund? Ist er dein Herr und du sein gesetzestreuer Knecht? Oder bist du sein Freigelassener, sodass seine Gesetze deine Lust sind?
Es ist schwierig, über dieses Verhältnis klar zu sprechen und klar zu schreiben, es gibt daher hunderte Gelegenheiten, das zu verfälschen, was über diese Dinge geschrieben wird. Sicher ist jedoch, dass Unterschiede bestehen – wenn man nur in der Lage wäre, diese zu erkennen.
Die Gemeinde hat einen Weg vor sich, einen neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, sein Fleisch. Das Volk des Herrn hat Jesus als Sündopfer vor sich. Die Gemeinde ist am Leib mit reinem Wasser gewaschen und wird auf den inneren Wegen weiter von der geerbten Sünde im Fleisch gereinigt – im Leib. Das Volk des Herrn tut Dienst an der Hütte und wird von den Früchten der innewohnenden Sünde gereinigt, ohne dass dadurch der Sündenleib zunichtegemacht wird.
Sich die Zugehörigkeit zur Braut einzubilden, ist das eine; Braut zu sein, etwas ganz anderes. Die Braut folgt dem Lamm, wohin es geht: durch Feuer und Wasser, durch Leiden und Trübsale. Die Geistestaufe ist ein wahrer Genuss – doch wer und wie viele ertragen die Feuertaufe? Der Geist gibt Gnade, das Feuer zu ertragen. Die Taufe mit Feuer ist die Taufe der Gerechtigkeit; während die Geistestaufe als Taufe der Gnade bezeichnet werden kann. Deshalb kann die Geistestaufe auch mit einem Mal, in einem Augenblick, geschehen. Das Feuer hingegen wirkt als Prozess. Das Feuer wirkt als Leidensgemeinschaft und verzehrt den Sündenleib, die geerbte Sünde im Fleisch.
Die Zubereitung der Braut geht innerhalb des Leibes vor sich. Deshalb ist sie verborgen und man kann nicht auf sie zeigen: Siehe hier oder da! Es kommt auf persönlichen Gehorsam und verborgene Opfer an. Es ist unmöglich, aus der Braut eine sichtbare Gemeinde zu bilden, über die man sagen könnte: Siehe, hier ist sie. Es gibt überall vereinzelt jemanden, der dem Lamm folgt, wohin es geht. Versucht man, diese unter der richtigen Gestalt der Lehre zu versammeln, dann zeigt sich, dass man auch dort vielerlei Menschen hat. Nur ganz wenige folgen ihrem Bräutigam. An jenem Tag wird sich zeigen, dass sich viele selbst betrügen, indem sie meinen, die richtige Lehre zu haben und in der richtigen Gemeinde zu sein. An diesem Tag wird nach dem Leben gefragt werden – wie haben du und ich gelebt? Denn das Leben ist das Licht der Menschen – und nicht von anderen überlieferte Lehrsätze. Die Gestalt der Lehre ist als Wegweiser geeignet; aber das Leben, das diese Form ausfüllt, ist etwas von ganz anderem Wert. An jenem Tag wird nicht nach der Form gefragt werden, sondern nach dem Leben in der Form.
„Nach dieser Seligkeit haben gesucht und geforscht die Propheten, die von der Gnade geweissagt haben, die für euch bestimmt ist, und haben geforscht, auf welche und was für eine Zeit der Geist Christi deutete, der in ihnen war und zuvor bezeugt hat die Leiden, die über Christus kommen sollten, und die Herrlichkeit danach.“ 1. Petr. 1, 10-11.
Beachte den Ausdruck „Nach dieser Seligkeit“. Damit war nicht die Vergebung der Sünden gemeint; denn diese konnten sie im Alten Bund bekommen. Es war vielmehr eine Erlösung gemeint, zu der Gnade erforderlich war; eine Erlösung, die noch nicht offenbart worden war. Die Gnade herrscht durch Gerechtigkeit. Röm. 5, 21. Christus hatte den Weg durch sein Fleisch noch nicht gebahnt. Daher konnte er auch nicht anderen eine Gnade dazu senden, einen Weg zu gehen, den er selbst noch nicht gegangen war. Sobald aber Christus den Weg gegangen war, sandte der Vater den uns verheißenen Heiligen Geist. So bekamen wir Gnade und Kraft, dem Lamm auf den inneren Wegen zu folgen. Wir bekamen Gnade, die Gemeinschaft seiner Leiden zu ertragen und wir bekamen Gnade, die Gemeinschaft mit ihm durch den Tod im Leib seines Fleisches zu ertragen. Kol. 1, 22. All dies, damit wir heilig, untadelig und makellos vor seinem Angesicht dargestellt werden sollten.
Dies ist die Erlösung der Gemeinde durch sein Leben, nachdem ein Tod von den Übertretungen unter dem ersten Bund stattgefunden hat. Für diesen Bund ist Jesus zum Mittler und Hohepriester geworden. Hinter diesem Vorhang liegt das Erbe, das Erbteil der Heiligen im Licht. Hinter diesem Vorhang hält sich die Braut auf. Deshalb ist sie verborgen. Will man sie finden, dann sieht man nur einen Vorhang.
