Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1921-09 - Römer 6

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Römer 6

„Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?“ V. 3.

Es wird recht oft auf eine oberflächliche Weise darüber geredet „die Taufe hinter sich zu bringen“. Sich taufen zu lassen ist keine oberflächliche Angelegenheit. Wisst ihr nicht, sagt der Apostel, dass wir in Christi Tod getauft werden? Tot für die Sünde. Genauso wie Gott damals die gottlose Welt durch Wasser untergehen ließ und Noah über dem Wasser gerettet wurde, so begraben wir in der Taufe die Person, die in Gottlosigkeit lebt, damit die Person, die aufsteht, ein neues Leben führen soll. Der Gottlose bleibt unter Wasser und der Gerechte kommt über Wasser. Die Sünde im Fleisch wird durch die Taufe nicht weggenommen, denn die Taufe ist kein Abtun der Unreinheit des Fleisches, 1. Petr. 3, 21, sondern man geht mit Gott einen Bund darüber ein, nicht der Sünde im Fleisch zu gehorchen oder danach zu wandeln. So wird der Bund eines guten Gewissens geschlossen.

„In ihm seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschieht, als ihr nämlich euer fleischliches Wesen ablegtet in der Beschneidung durch Christus. Mit ihm seid ihr begraben worden durch die Taufe.“ Kol. 2, 11-12. Der sündige Leib des Fleisches ist der Leib, der sich zum Dienst der Sünde hingab. Dieser ist durch die Beschneidung Christi abgelegt und unter Wasser begraben. Der Leib, der aus dem Wasser aufsteht, soll nun vom Heiligen Geist geleitet und getrieben werden. Lässt man sich vom Heiligen Geist treiben, wird die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit erfüllt. Weil jedoch die Sünde im Fleisch noch nicht zunichtegemacht ist, wird man während dieses Kampfes die Gemeinschaft mit Christus in seinen Leiden kennenlernen. Das Treiben des Geistes geht immer gegen die Lüste des Fleisches.

„Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.“ V. 5.

Sind wir mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. Wer sich in Christus hat taufen lassen, hat Christus angezogen. Dies ist zuerst ein Zustand, danach ein Leben. Was hilft es, sich taufen zu lassen und danach im alten Leben zu wandeln? Dann wäre es ja besser, nicht getauft zu sein. Wir sollen mit ihm im Heiligen Geist, im Auferstehungsleben und in der Auferstehungskraft leben. Der Tod, von dem hier die Rede ist, ist nicht der abschließende Tod innerhalb des Leibes, durch den der Sündenleib zunichtegemacht wurde, sondern es ist ein Tod über sündige Werke, damit wir ein neues Leben führen.

„Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen.“ V. 6.

Was ist der alte Mensch? Das ist der Mensch, der nach seinen Lüsten lebt. Dieser ist gekreuzigt. Wir selbst müssen ihn am Kreuz halten – in der Kraft Gottes. Gott hält ihn nicht ohne meinen Willen gekreuzigt. Ich weiß und kenne das Gesetz und den Willen Gottes und in seiner Kraft habe ich mich danach zu richten. Dadurch bleibt der alte Mensch gekreuzigt. Er soll nicht am Fuß des Kreuzes sitzen, sondern er soll mit Ihm gekreuzigt werden. Auf diese Weise wird der Sünde im Fleisch die Möglichkeit genommen zu herrschen. Das Sicherheitsventil hierzu liegt in meiner eigenen Gesinnung. Die Sünde im Fleisch kommt dadurch in die Klemme. Wir werden getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist wie unser teurer Herr Jesus Christus. Der Sündenleib wird zunichtegemacht und man verliert mehr und mehr die Fähigkeit, der Sünde zu dienen.

„So lasst nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, und leistet seinen Begierden keinen Gehorsam.“ V. 12.

Hier sehen wir, dass die Sünde weiterhin in unserem sterblichen Leib wohnt; es gibt aber keine Verdammnis dafür. Nur wenn wir seinen Begierden Gehorsam leisten, kommen Gericht und Verdammnis.

Gott sagt zu Kain: „Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie.“ 1. Mos. 4, 7.

Ein Mensch, der mit dem Heiligen Geist getauft ist, hat Kraft bekommen, über die Sünde, d. h. über sündige Werke, zu herrschen. Jedoch wird die Sünde im Fleisch durch die Geistestaufe nicht weggenommen. Leben und wandeln wir aber im Geist, dann wird die Sünde im Fleisch Stück für Stück ihre Macht verlieren. Das Zeugnis Christi – der Geist, das Wasser und das Blut – wird immer tiefer in unser Leben und Wesen eindringen.

„Auch gebt nicht der Sünde eure Glieder hin als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern gebt euch selbst Gott hin als solche, die tot waren und nun lebendig sind, und eure Glieder Gott als Waffen der Gerechtigkeit.“ V. 13.

Wenn wir hier die Anweisung bekommen, unsere Glieder als Waffen der Gerechtigkeit hinzugeben, dann haben wir Kraft und Gnade von Gott, dies zu tun. Dies muss ganz bewusst und mit einem hellwachen Sinn von Tag zu Tag getan werden.

Wenn wir ermahnt werden, unsere Glieder nicht in den Dienst der Sünde zu stellen, dann geht daraus deutlich hervor, dass die Sünde vorhanden ist, sie aber ein Werkzeug braucht, durch das sie wirken kann. Zwei Kräfte stehen uns zur Verfügung: Die Sünde und die Kraft Gottes. Die eine führt zum Tod, die andere zum Leben. Welcher von diesen beiden Kräften gibst du deine Glieder hin? Gottes Geist ist lebendig und macht unseren Menschengeist lebendig. Werke, die durch seine Leitung ausgeführt werden, sind lebensfähig. Mögen wir uns daher für lebendig halten, denn wir sind mit ihm auferstanden und mit ihm lebendig gemacht worden.

„Wisst ihr nicht: wem ihr euch zu Knechten macht, um ihm zu gehorchen, dessen Knechte seid ihr und müsst ihm gehorsam sein, es sei der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit?“ V. 16.

Der Sündenfall ist durch Ungehorsam in die Welt hineingekommen; jetzt wird der Sündenfall durch Gehorsam aus der Welt hinausgetrieben. In Christus haben wir sowohl Gnade als auch Kraft. Es hilft nichts, eine richtige Lehre zu haben, wenn diese nicht durch Glaubensgehorsam im Leben umgesetzt wird. Die Pharisäer hatten eine so untadelige Lehre, dass Jesus sagen konnte: „Tut, was sie euch sagen, aber tut nicht nach ihren Werken.“ Ein Mensch kann viele Lehrbegriffe haben, doch die Schrift sagt, dass das Leben das Licht der Menschen ist. Joh. 1, 4. Also hilft es nicht, was man liest und lernt, solange es nicht gelebt wird. Das Leben ist das Licht der Menschen. Aus dem Grund können wir sehen, wie arme, ungebildete Menschen mehr Licht haben als große Theologen. Das Leben und das Licht sind so einfach, dass es bei den Leuten Verärgerung hervorruft, die sich durch ihr religiöses Wissen dem Fleisch nach hervortun wollen. Aus diesem Grund ist dieses einfältige Christenleben ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses geworden. Das Wort vom Kreuz ist den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit, aber für uns, die wir glauben, ist es eine Gotteskraft.

„Gott sei aber gedankt, dass ihr Knechte der Sünde gewesen seid, aber nun von Herzen gehorsam geworden der Gestalt der Lehre, der ihr ergeben seid.“ V. 17.

Jedes Leben entwickelt eine Gestalt entsprechend der Begrenzungen, die man hat. Da nun die Lehren, die im Geist liegen, durch das Leben als Lebenslehren hervorkommen, nehmen auch die Lehren Gestalt an. Der Apostel dankt Gott dafür, dass die Römer dieser Gestalt der Lehre gehorsam geworden waren. Sie hatten das Leben nicht selbst zu einer Gestalt ausgelebt; aber der Apostel hatte es ausgelebt und die Gestalt gefunden, nach der die Römer ihr Leben gestalten konnten. Die Gestalt der Lebenslehre führt zur Gottesfurcht – zum Tod des egoistischen Lebens.

„Denn indem ihr nun frei geworden seid von der Sünde, seid ihr Knechte geworden der Gerechtigkeit.“ V. 18.

Die Sünde macht einen Menschen zum Sklaven. Auch mit den besten Vorsätzen vermag man nicht, sich von ihren Fangarmen zu befreien. Sie zwingt einen Menschen, immer wieder die gleiche Sünde zu tun. Die Sünde herrscht zum Tode. Röm. 5, 21. Wir müssen aus dem Tod zum Leben geführt werden, um von der Sünde freigemacht zu werden. Der Tod ist ein Reich, in dem Satan Macht hat; das ist ein Reich der Finsternis, wo man Werke der Finsternis tut. Werden wir aus dem Tod zum Leben, aus der Finsternis zum Licht, aus Satans Macht zu Gott geführt, so macht uns dies gleichzeitig von der Sünde frei. Das macht uns fähig, Diener der Gerechtigkeit zu werden, indem nun das Licht in die Finsternis hineinscheint und diese vertreibt. Wo Diener der Gerechtigkeit Licht in die Finsternis bringen und die Finsternis ihren Verteidiger findet, entsteht Ärgernis. Die Menschen lieben die Finsternis mehr als das Licht, weil ihre Werke böse sind. Doch ist es töricht, die Finsternis gegen das Licht zu verteidigen. Man muss dabei tiefer in die Finsternis hineindringen, um sich verbergen zu können. Wie weit man auch in die Finsternis hineindringt, hat doch Christus einen Weg und Zugang dahin gebahnt; daher wird man seinen Gerichten nicht entfliehen können. Er ist der Menschensohn, deshalb wird er auch Richter der Menschen sein. Es gehört zum Dienst der Gerechtigkeit, jeden Menschen dort zu finden, wo er sich befindet. Für einen Ungerechten ist es jedoch höchst unangenehm, die Behandlung durch einen Diener der Gerechtigkeit zu verspüren, solange er sich noch in den besten Jahren seines Fleisches befindet. Doch dem, der zerschlagenen Geistes ist, bringt es Erlösung.

„Ich muss menschlich davon reden um der Schwachheit eures Fleisches willen: Wie ihr eure Glieder hingegeben hattet an den Dienst der Unreinheit und Ungerechtigkeit zu immer neuer Ungerechtigkeit, so gebt nun eure Glieder hin an den Dienst der Gerechtigkeit, dass sie heilig werden.“ V. 19. Um der Schwachheit des Fleisches willen redet der Apostel hier auf menschliche Weise. Aber – trotzdem – sehen wir, dass heutzutage viele Christen dies dennoch nicht verstehen. Der Apostel will zum Leben hinführen. Die Gestalt der Lehre nützt nichts, wenn sie nicht mit Leben erfüllt wird. Beachte, wie einfach und klar: „So stellt jetzt eure Glieder in den Dienst der Gerechtigkeit zur Heiligung.“ Kann man das falsch verstehen? Ist dies nicht auf menschliche Weise gesagt? Hiernach muss der Apostel sich also auf „nicht menschliche Weise“ ausdrücken, um Gottes Weisheit vermitteln zu können. In solchen Fällen würde er Worte gebrauchen, die der Heilige Geist lehrt, und nicht Worte, die menschliche Weisheit lehrt. Der Dienst der Gerechtigkeit führt zu Heiligung; denn der Wille Gottes ist unsere Heiligung. Nicht, dass wir plötzlich geheiligt würden, sondern die Heiligung schreitet mit jedem Werk des Gehorsams voran – durch den Dienst der Gerechtigkeit.

„Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.“ V. 23.

Tust du Sünde, dann wirst du sterben. Du wirst in die Finsternis hineinkommen, in der Satan Macht hat. Dieses ganze Totenreich soll einmal in den feurigen Pfuhl geworfen werden. Offb. 20, 14. Fliehe deshalb von dort heraus! Bist du herausgekommen, dann trachte nicht mehr danach, dort hinein zu kommen. Die Lüste des Fleisches ziehen hin zum Totenreich, aber das Trachten des Geistes zieht uns hin zu Leben und Frieden, weil das Trachten des Geistes Leben und Frieden ist.

Jetzt sind wir in der Welt und stehen unter den Einwirkungen zweier Mächte, dem Bösen und dem Guten. Wir können wählen, was wir wollen, doch der Lohn wird entsprechend unserer Wahl. Entscheidest du dich für die Sünde, dann führt das zum Tod, wählst du aber die Gerechtigkeit, dann führt das zum Leben. Diese Entscheidung steht uns allen jeden Tag frei.