Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1921-05 - Die Betrübten in Zion werden getröstet werden

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Die Betrübten in Zion werden getröstet werden

Gott sagt vom Messias: „Du bist mein Knecht, bist Israel, durch den ich mich verherrliche. Ich aber hatte gedacht: Ich habe mich vergeblich abgemüht und meine Kraft umsonst und nutzlos verbraucht! Doch steht mein Recht bei dem Herrn und mein Lohn bei meinem Gott.“ Jes. 49, 3-4.

Wir können fragen, wer gab dem Sohn recht, als er hier auf Erden wandelte? Wer verstand ihn? Wer trat die Kelter mit ihm zusammen? Wer hat ihn getröstet, als er auf all seinen Wegen Widerspruch begegnete? In seinen Augen musste es aussehen, als ob er sich vergeblich abmühte und seine Kraft umsonst und nutzlos verbrauchte.

Wollen wir unserem Meister folgen und nicht reden, um den Menschen zu gefallen, sondern damit sie erlöst werden können, ob wir dann nicht auch etwas von demselben zu spüren bekommen? Doch, ganz sicher. Man kann sich vergeblich abmühen. Die sonnenklarsten Wahrheiten werden abgewiesen. Sie schmecken nicht. Man verbraucht seine Kraft umsonst und nutzlos. „Zion aber sprach: Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen.“ Aber ist es nun wirklich so, dass der Messias sich vergeblich abgemüht hatte? Nein, sein Recht war bei dem Herrn. „So spricht der Herr: Ich habe dich erhört zur Zeit der Gnade und habe dir am Tage des Heils geholfen und habe dich behütet und zum Bund für das Volk bestellt, dass du das Land aufrichtest und das verwüstete Erbe zuteilst.“ Vers 8.

Wie viele verwüstete Erbteile liegen doch auf den inneren Wegen! Der Messias nahm diese in Besitz, als er seine Kraft scheinbar vergeblich verbrauchte. Jetzt teilt er diese Erbteile seinen Auserwählten zu, die dem Lamm folgen, wohin es geht. Zu diesen Erbteilen gelangt kein reißendes Tier; denn das Land liegt im Inneren hinter dem Vorhang. Alle, die Gräuel und Lüge ausüben, müssen das draußen tun. Sie kommen nicht einmal bis zum Vorhang – und schon gleich gar nicht zum Erbteil der Heiligen im Licht – das im Inneren liegt. Wer kommt, wer wird berufen? „[…] zu sagen den Gefangenen: Geht heraus! und zu denen in der Finsternis: Kommt hervor! Am Wege werden sie weiden und auf allen kahlen Höhen ihre Weide haben.“ Vers 9.

Zu dem, der sich wirklich gebunden fühlt, wird gesagt: Gehe heraus! Und zu dem, der wirklich von der Finsternis beschwert ist: Komm hervor! Am Wege werden sie weiden. Während der Wanderung trifft man auf Nahrung. Obwohl der Weg schmal ist und wenige ihn finden, sehen wir doch, dass der Messias vorausgegangen ist und reichlich Nahrung auf dem Weg hinterlassen hat. Es gibt genügend kahle Höhen, die von Menschen fast nicht betreten worden sind, aber es gibt reichlich Nahrung für alle, die dorthin kommen. Der Messias hat auf diesem neuen und lebendigen Weg Depots mit Proviant hinterlassen.

„Sie werden weder hungern noch dürsten, sie wird weder Hitze noch Sonne stechen, denn ihr Erbarmer wird sie führen und sie an die Wasserquellen leiten. Ich will alle meine Berge zum ebenen Wege machen, und meine Pfade sollen gebahnt sein.“ Vers 10-11.

Isaak war tüchtig darin, Brunnen zu graben und Wasserquellen zu finden, aber die Hirten der Philister und die Hirten von Gerar stahlen die Brunnen von ihm. 1. Mos. 26, 18. Hier im Inneren gibt es keine Hirten von Gerar, keine Philister; diese sind alle zusammen während des Einnehmens dieses herrlichen Kanaans gestorben. Hier darf man seine Quellen selbst behalten, man darf Wasser aus seinem eigenen Brunnen trinken. Der Herr selbst wird uns zu diesen herrlichen Wasserquellen leiten. Weder Hitze noch Sonne werden uns mehr verbrennen. Die Sonne der Gerechtigkeit hat auf dem Weg in dieses Land alles, was aus aus Holz, Heu und Stroh war, verbrannt. Gold, Silber und kostbare Steine rühmen sich in ihrem herrlich strahlenden Glanz. Die Füße, die verwundet und vom heißen Sand verbrannt waren, haben Heilung erfahren. Die großen Berge, die enormen Schwierigkeiten, sind zu Wegen geworden. Der Messias ist voran gegangen, hat weggeräumt, was hinderte und einen Weg geschaffen.

Wir können uns darüber wundern, dass er uns ein so herrliches Land bereitet hat und dass niemand ihm beistehen wollte, als er in den Tagen seines Fleisches dieses gesegnete Land einnahm. Aber die Schrift wird erfüllt, die sagt, dass einer aus einer Stadt und einer von einem Volk nach Zion kommt. Nur wenige aus jeder Generation kommen in dieses Land hinein. Tausende reden davon, aber nur wenige erreichen es.

Nun trifft die Gebetserhörung des Herrn ein: „Siehe, diese werden von ferne kommen und jene dort von Norden und von Westen, und diese aus dem Land der Sinim.“ Vers 12.

„Jubelt, ihr Himmel, und frohlocke, du Erde! Brecht in Jubel aus, ihr Berge, denn der Herr hat sein Volk getröstet und erbarmt sich über seine Elenden!“

Diese Erde und diese Berge – hinter dem Vorhang – haben von alters her wüst gelegen. Jetzt kommen sie von Norden und Westen und aus dem Land der Sinim. Jetzt gibt es welche, die das Kreuz geliebt haben und die es lieben. Jetzt gibt es welche, die die Schmach Christi für den größten Reichtum achten. Alle diese aus allen Geschlechtern und aus allen Zeiten kommen, um dieses gesegnete Land in Besitz zu nehmen. Sie werden mit dem Messias verherrlicht werden; denn sie haben mit ihm gelitten. Aller Widerstand ist bezwungen; Fürstentümer und Mächte wurden am Kreuz besiegt. Das Kreuz verbietet der Weltlichkeit und der Bosheit den Zugang zu diesem Land. Nur das Kreuz und die Liebe zur Wahrheit geben Zugang.

„Deine Söhne eilen herbei; aber die dich zerstört und verwüstet haben, werden sich davonmachen! Erhebe deine Augen ringsumher und sieh: alle diese versammeln sich, sie kommen zu dir. So wahr ich lebe, spricht der Herr, du wirst sie alle wie einen Schmuck anlegen und wirst sie als Gürtel umbinden, wie eine Braut es tut.“ Vers 17-18.

Jetzt bekommt der Messias Lohn für seine mühevolle Arbeit. Alle, die mit ihm auf den inneren Wegen gesammelt haben, bekommen nun auch ihren Lohn und ihre Freude zusammen mit – und in – ihrem teuren Erlöser. Diese sind Glieder an seinem Leib. Sie sind Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinem Bein; denn sie sind die Braut.

„Denn dein wüstes, zerstörtes und verheertes Land wird dir alsdann zu eng werden, um darin zu wohnen, und deine Verderber werden vor dir weichen, sodass deine Söhne, du Kinderlose, noch sagen werden vor deinen Ohren: Der Raum ist mir zu eng; mach mir Platz, dass ich wohnen kann.“ Vers 19-20.

Manche werden sagen: Ha ha, du liegst sehr daneben; denn all dies weist auf das Sammeln des jüdischen Volkes in sein Land hin – das Land Israel, das jetzt von der Gewalt der Türken befreit ist.

Das ist richtig, es gibt ein Land, das man sehen und betasten kann, das man mit seinen Füßen betreten kann und dessen Grenzen man bestimmen kann. Doch genauso sicher, wie dieses Land existiert, gibt es auch ein entsprechendes „himmlisches Kanaan“. Es gibt ein Jerusalem hier unten; aber es gibt auch ein Jerusalem, das droben ist. Wir sprechen von dem Jerusalem und dem Kanaan, das droben ist; denn das ist unsere Mutter und unser Land – und diejenigen, deren Interesse dem Land zwischen dem Toten Meer und dem Mittelmeer gilt, können über das sprechen, was ihnen am ehesten liegt.

Genauso wie das Land Israel zerstört war, so war auch das himmlische Kanaan wüst und unbewohnt. Doch jetzt wird es bevölkert werden. Alle, die gesucht haben, was droben ist, werden es bevölkern. Dieses Land war ohne Kinder, als Jesus von Nazareth dort eindrang. Jetzt aber wird das Land zu eng werden. Die Grenzen müssen erweitert werden. Seine Zerstörer werden weit weg sein. Diejenigen, die den Messias in seiner Erniedrigung verabscheuten, werden weit weg sein. Vgl. Vers 7. Diejenigen, die den Weg zu diesem herrlichen Land verachteten, werden es nicht sehen. Der Weg ging durch Erniedrigung, deshalb wurde er nicht ertragen und deshalb wird er für nichts geachtet. Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. Die Reichen und Mächtigen und Satten sträuben sich und stolpern auf diesem Weg; sie gelangen nie dorthin.

„Du aber wirst sagen in deinem Herzen: Wer hat mir diese geboren? Ich war unfruchtbar, einsam, vertrieben und verstoßen. Wer hat mir diese aufgezogen? Siehe, ich war allein gelassen – wo waren denn diese?“ Vers 21.

Ja, dies ist der Lohn des Herrn. „Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben, dafür dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.“ Jes. 53, 11-12.

Jeder der auf diesen inneren Wegen seine Seele in den Tod gibt, wird in Christus die Vielen zur Beute und die Starken zum Raube haben. Ihm gehören wir alle an; doch in ihm gehören wir einander an – in dem Vaterverhältnis und dem Kindverhältnis, in das Gott uns gesetzt hat.

Es ist gut, sein Recht beim Herrn zu suchen. Wenn es eng und mühevoll ist, wenn man mit Tränen sät, wenn wir die Verachtung der Leute auf uns ziehen, wenn wir kinderlos sind, wenn wir uns vergeblich abmühen, dann wisse, dass der Messias diesen Weg vor uns gehen musste. Sieh seinen gewaltigen Lohn für seine treue Arbeit! Lass dich dadurch trösten, wenn alles trostlos aussieht. „Könige sollen deine Pfleger und ihre Fürstinnen deine Ammen sein. Sie werden vor dir niederfallen zur Erde aufs Angesicht und deiner Füße Staub lecken. Da wirst du erfahren, dass ich der Herr bin, an dem nicht zuschanden werden, die auf mich harren.“ Vers 23.

Sirach sagt von Jesaja: „Er schaute geisterfüllt, was zuletzt geschehen sollte, und gab den Betrübten in Zion Trost.“ Sir. 48, 27.

Sei still, sei in dich gekehrt, traue auf den Herrn und erwarte deinen Lohn von ihm. Tu dein Werk vor seinem Angesicht und der Segen kann nicht ausbleiben. Hüte dich davor, alle deine Werke auszuposaunen. Gott soll die Ehre bekommen für das, was er in uns wirkt. Dann wird es Gottes Sache, ob er uns ehren will. Denn nur diejenigen, die Gott ehrt, bewähren sich. Lass dich nicht von den Gnadengaben blenden, denn das Leben ist nicht in ihnen, sondern in dem, der sie gibt. Wisse, dass ein vollkommenes Leben überströmend voll von Gnade und Gaben ist. Lasst uns deshalb mehr nach dem Vollkommenen suchen und mit Macht in Gottes Reich eindringen.

Beim Verständigen verhält sich die Weisheit still, aber die Torheit ist eine lärmende Frau. Viel Lärm, wenig Wirkung. Alle Dinge sind durch Gottes Wort gemacht und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. Das Wort kommt in der Stille zu uns und gestaltet uns von einem sündigen, natürlichen Menschen dazu um, ein Mensch Gottes zu werden. Was für eine große Arbeit, aber wie still sie doch vor sich geht! Lasst uns lernen, still zu werden. Spar dir die Worte, denn sie sind meistens zum Schaden. Rede wenn der Geist dich treibt, und beende deine Rede, wenn der Geist aufhört, dich zu treiben. Dann wird alles Trockene verschwinden. Die Menschen brauchen nicht alles, was wir wissen, sondern sie leben von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht. Schweige still über Lehrsätze, wenn der Geist Gottes nicht treibt, wenn wir jedoch die Salbung und das Treiben des Geistes spüren, dann lasst uns das hervorholen, was wir haben – Neues und Altes.