Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

1920 - Buch: Das Buch Ruth

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

(Nicht veröffentlicht in Skjulte Skatter.)

Das Buch Ruth

1. Kapitel

Eine Ruhestätte in Moab

„Der Herr gebe euch, dass ihr Ruhe findet, jede im Haus ihres Mannes!“

V. 9

Naemi verstand es, die Versuchungen in ihnen hervorzulocken: eine Ruhestätte zu finden – jede im Haus ihres Mannes. Das war noch schlimmer als die vorige Versuchung, wonach eine jede in ihrer Mutter Haus hätte zurückkehren sollen. Das Verlangen der Frau steht nach dem Mann, und die Aussicht, wieder heiraten zu können, war für die Heidin unter den Heiden in Moab größer als unter den Juden in Juda.

Wieder Kampf auf dem Weg. Wenn Naemi sagt, der Herr möge geben, dass sie eine Ruhestätte finden, jede im Haus ihres Mannes, dann sieht das ja aus, als ob es der Wille Gottes wäre, dass sie umkehrten.

Man kann fragen: Gibt es Ruhe in Moab? Gibt es Frieden in der Welt? Hierauf muss die Antwort lauten: Ja, es gibt einen Frieden, den die Welt gibt, und mit diesem als Grundlage gibt es Ruhe in Moab. Tod in Übertretungen und Sünden schafft eine gewisse Ruhe im Gewissen. Diese Ruhe ist zu Ende, wenn die Richter in Israel von der Ruhe Gottes zu erzählen anfangen, und der Frieden wird gestört, wenn sie von Gottes Frieden reden, der allen Verstand übersteigt.

Wenn die Lust zur Welt in der Tiefe des Herzens begraben liegt, wird der Friede, den die Welt gibt, diese Lust begleiten und eine Ruhe im Tod fern vom Angesicht des Herrn anbieten. Es scheint vielleicht verwunderlich, dass der Herr so einen falschen Frieden geben kann, aber es wird ganz natürlich, wenn man daran denkt, wie ein Mensch mit Lust zur Welt das Gericht des Lichtes hasst. Wenn Gott sich dann mit seinem Geist zurückzieht, findet sich augenblicklich der Friede ein, den die Welt gibt. Man findet eine Ruhestätte in Moab, solange sie währt, aber diese Ruhestätte wird eine Hölle an dem Tag, an dem man aufwacht.

Gnade in der Versuchung

Jetzt war die Spannung groß. Es war fast mehr, als sie aushalten konnten. Naemi, die ihre Schwiegertöchter innig liebte, wünschte von ihrem ganzen Herzen, dass sie die richtigen Entscheidungen trafen, aber ihre Treue im Geist bewirkte, dass sie sich in dieser Hinsicht hart und abweisend zeigte. Nun, da die Spannung am größten war, küsste sie sie, und sie erhoben ihre Stimme und weinten. Weiter konnte sie in dieser Sache nicht gehen, denn die freie Entscheidung war für sie am wertvollsten. Sie wünschte nicht, zwei Sklavinnen ins Land Juda mitzunehmen. Ihre Arbeit lief die ganze Zeit darauf hinaus, ihre Herzen von Moab zu lösen. Aber das verstanden sie natürlich nicht. Sie dachten wahrscheinlich, es wäre ihr Wunsch, sie loszuwerden.

Naemi hatte Weisheit in ihrem Dienst. Sie verwendete nicht nur den Buchstaben. Sie verstand, das Joch zu lösen und den Geplagten in Freiheit zu setzen. Wie sie diesen Auftrag erfüllen sollte, wurde eine Sache, die sie selbst herausfinden musste. Sie verstand ihre Schwiegertöchter so zu behandeln, dass sie in Liebe an ihr hingen. Kraft dieser festen Bande der Treue und der Liebe setzt sie sie den größten Prüfungen aus, indem sie sie sogar bittet, zurück nach Moab zu ziehen. Wenn sie das tun konnten, dann durften sie es tun. Ihr inniger Wunsch war es jedoch, ihnen diese Antwort des Petrus an den Erlöser zu entlocken: Herr, wohin sollen wir gehen, du hast Worte des ewigen Lebens.

Naemi küsste sie, und sie weinten. Es war nicht leicht, sich von der Liebe loszureißen.

Die Liebe bindet

„Und sie sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen.“ V. 10.

Der Gnadenkuss der Liebe bekam die Oberhand, sie wollen mit Naemi gehen. Der Glanz der Welt erblasst vor Gottes Liebe.

Der König von Sodom ging Abraham entgegen, um ihn zu versuchen. Doch Melchisedek, der König von Salem, kam ihm zuvor mit Brot und Wein. Er war ein Priester Gottes, des Allerhöchsten.

Als der König von Sodom danach zu Abraham sagte: Gib mir die Leute, die Güter behalte für dich, da hatte Abraham Kraft genug zu antworten: Ich hebe meine Hand auf zu dem Herrn, dem höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, dass ich von allem, was dein ist, nicht einen Faden noch einen Schuhriemen nehmen will, damit du nicht sagest, du habest Abraham reich gemacht. 1. Mos. 14, 17 ff.

Die Liebe, mit der Melchisedek Abraham behandelte, wurde eine so große Kraft, dass er mit Triumph alles besiegte, was Habsucht heißt. Melchisedek war der Priester Gottes, des Allerhöchsten, und konnte daher durch die Leitung des Geistes mit seinem Dienst genau zur rechten Zeit am rechten Ort eintreffen. Dies wurde zu einer herrlichen Erlösung für Abraham und zu Gottes Ehre unter Völkern und Geschlechtern, die hiervon lesen.

Die Versuchung nimmt zu

„Kehrt um, meine Töchter!“ V. 11-13.

Noch hatten sie der Sünde nicht bis aufs Blut widerstanden. Das Herz war immer noch geteilt und fragend. Die treue Naemi wollte sie ganz haben, wenn nicht, konnten sie nach Moab umkehren. Hätte sie das Ihre gesucht, hätte sie sie nicht auf eine so schwere Probe gestellt. Dann hätte sie damit gerechnet, dass sie ihr unterwegs zur Hilfe und eine Unterstützung im Alter sein würden. Nun war aber Naemi eine Dienerin Gottes in Geist und Wahrheit, daher hatte sie Kraft genug, sie zu bitten, in ihr eigenes Land zurückzukehren.

Es wird zu viel für Orpa

„Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Ruth aber blieb bei ihr.“ V. 14.

Das erste Mal küsste Naemi ihre Schwiegertöchter. Dieser Kuss war der Liebeskuss der Väter für die Kinder. Ein Kuss in einer harten Versuchung, als ob sie hätte sagen wollen: Gib nicht auf, komm mit ins Land Juda – obwohl sie sie zur Umkehr bat.

Jetzt wird es aber zu viel für Orpa, sie küsst ihre Schwiegermutter und kehrt zurück nach Moab, zu ihrem Gott und ihrem Volk.

Es ist natürlich, dass die Väter die Kinder küssen (geistlich gesprochen), wenn aber die Kinder die Väter küssen, dann stellen sie sich im Hochmut ihres Herzens auf eine Ebene mit ihnen. Judas verriet den Menschensohn mit einem Kuss.

Ruth wird aufs Neue versucht

„Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach.“ V. 15.

Die treue Naemi ist nun bereit, sich von ihrer letzten irdischen Hilfe zu trennen: „Kehre auch du um, deiner Schwägerin nach!“ Die Versuchung war nun doppelt hart für Ruth. Was sollte sie tun? Es war ein Kampf im inneren Wesen der Seele – dafür und dagegen. In Moab hatte sie alle ihre Lieben und Bekannten, und jetzt war auch Orpa umgekehrt. Auf der andern Seite waren der Gott Israels, das Land Juda und die treue Wegleiterin im Geist, Naemi. Nun würde es sich zeigen, wie gut Naemi es verstanden hatte, das Herz der jungen Ruth an ihren Gott und ihr Land zu binden. Ebenso, ob Ruth wirklich willig war, alles zu opfern, zu vergessen, was dahinten war, und zu jagen nach dem, was vorne lag.

Ruth siegt

„Ruth antwortete: Rede mir nicht ein, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.“ V. 16 und 17.

Nun ist es genug, Ruth jagt die Versuchung weg. Jetzt hat sie Sieg im Geist. Es nützt Naemi nichts mehr, von Moab zu reden. Der Kurs zu einem neuen Vaterland ist gesetzt: „Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“ Mit dieser Wahl verwirft sie ihr eigenes Volk und ihren eigenen Gott (die Abgötter). Gesegnet sei Ruth für eine derart richtige Entscheidung. Naemis Festigkeit ist Ruth in Fleisch und Blut übergegangen, sodass sie zusammen mit ihr leben und sterben will.

Es ist nicht immer leicht, einen wahren geistlichen Wegleiter zu verstehen. Er jagt dich mitunter ganz offensichtlich fort. Du kannst ihn nicht verstehen, wenn er dich so wegjagt, du fühlst nur seine innige Liebe, seine Festigkeit und seinen unbeugsamen Willen, selbst voran zu kommen, vorwärts und weiter vorwärts. Wo du versucht wirst, hat er Sieg, gleichwie Naemi.

Eine geprüfte Ruth ist für Naemi mehr wert als Zehntausende, die wie Orpa sind.

Nach den großen Erweckungen ziehen viele mit großem Gefolge aus ins Land Juda. Das sieht in den Augen der Menschen so prächtig und aufopfernd aus. Man drückt sich die Hände zum Abschied für ewig, man spielt, singt und weint.

Dann begeben sich die betreffenden Wegleiter mit ihren vielen Mitreisenden auf den Weg. Doch was geschieht? Ja, es begegnen einem Schwierigkeiten auf dem Weg, der Reiseproviant ist aufgebraucht, Hunger und Durst melden sich. Wenn die Krippe leer ist, beißen sich die Pferde, sagt ein Sprichwort. So auch hier. Man verliert das Vertrauen zu seinen Wegleitern, man teilt sich in Gruppen auf, wählt neue Anführer usw. Gottes Geist fordert von einer Seele auf dem Weg in das Land Juda, dass sie sich reinigen soll, gleichwie er rein ist. Alle alte Ungerechtigkeit, die im Land Moab begangen wurde, soll wiedergutgemacht werden. Das Fleisch windet sich bei einer solchen Behandlung, die Wegleiter wissen oft weder aus noch ein, denn sehr oft sind sie Mietlinge, die von ihrem Geschäft leben. Man fängt an zu denken, wie gut es in Ägypten war – in Moab. Habsucht, Klatsch, Ungerechtigkeit und böse Lust sind verbotene Früchte auf dem Weg in das Land Juda. Das hält man nicht aus, und die Vielen schleichen sich, einer nach dem andern – wie Orpa – still und beschämt zurück nach Moab, um sich so schnell wie möglich unter die Menge zu mischen.

Höre nicht auf jeden, der sich anbietet, dich in das Land Juda zu führen. Wenn aber dein Fleisch dahinschwindet, dass man‘s nicht ansehen kann, und seine Knochen stehen heraus, dass man lieber wegsieht; und deine Seele sich dem Grab naht und dein Leben den Todesmächten – wenn Gott dir dann in deiner Not einen Engel schickt, einen Mittler, einen aus Tausend, dir kundzutun, was für dich recht ist, Hiob 33, 21-29, dann kannst du von einer solchen Seele eine Handreichung auf dem Weg erhoffen.

Sie kamen nach Bethlehem

Vers 19

Ruth hatte sich in ihrem Herzen fest vorgenommen, mit Naemi zu gehen. Nichts konnte sie bewegen umzukehren.

Gott belohnt eine solche Seele, und es dauert nicht lange, bis sie nach Bethlehem kommt – ins Brothaus.

Nun liegt die Welt für immer hinter ihrem Rücken, und von diesem gesegneten Brothaus aus fängt Gott an, die Seele auf die inneren Wege zu führen.

Die ganze Stadt ihretwegen in Bewegung

Naemi kommt aus dem Land Moab mit einer Seele, die ihr eigenes Volk, ihren Gott und ihr Land verlassen hat, um das Land, in das sie nun gekommen ist, in Besitz zu nehmen, um eins zu sein mit diesem Volk und um dessen Gott als ihrem Gott zu dienen. War es da zu viel, dass die ganze Stadt in Bewegung kam? Ist nicht eine solche Menschenseele teuer und kostbar in Gottes Augen, und ist nicht Freude im Himmel über jeden Sünder, der sich bekehrt? Doch, gewiss, es ist Freude im Himmel und Freude in der Gemeinde über jeden, der Moab für ewig verlassen hat und bis hin zum Brothaus (dem Leib) gekommen ist.

Nennt mich Mara, nicht Naemi

Vers 20

Gebeugt und arm im Geist kommt Naemi nach Bethlehem zurück mit einer Seele aus dem Land Moab.

Die Frauen sprachen: Ist dies Naemi (Lieblichkeit)? Sie war wie eine Ähre voll von reifen Körnern, die sich demütig zur Erde neigt. Sie schämte sich über ihr langes Fortbleiben und darüber, sich Israels Richtern entzogen zu haben. Gott hatte ihr in Moab widerstanden und ihr das Leben bitter gemacht. Daher sagt sie: Nennt mich nicht Naemi, sondern nennt mich Mara (Bitterkeit).

So handelt Gott immer: Wenn der Mensch Frucht trägt, dann geschieht es mit Bitterkeit der Seele über ihre eigene Torheit. Dies tut er, damit die Seele allezeit gewillt ist, Gott die Ehre zu geben und ihr eigenes Fleisch in den Tod hinzugeben.

Mit vollen Händen zog ich aus

Vers 21

Eben diese vollen Hände will Gott leer machen, da nicht allein die Hände voll sind, sondern auch das Herz. Es ist die Aufgabe von Israels Richtern, die Seele zu rupfen, aber diesen lief Naemi mit gefüllten Händen davon.

Man kann Menschen davonlaufen, aber nicht Gott. Dort draußen in Moab widerstand ihr der Herr hart, denn sie verlor ihren Mann, ihre Söhne und ihre Güter. Sie war in ihrer eigenen Kraft weggezogen, statt in Gottes Kraft.

Mit leeren Händen hat mich der Herr umkehren lassen

Nun stand sie einsam und verlassen in der Welt. Selbst Ruth hatte sie in ihrem Herzen opfern müssen. Jetzt hatte sie gelernt, dass man alles verlassen muss, um ein Jünger des Herrn zu sein. Für das Fleisch schmeckt es bitter auf Gottes Wegen; was also dies anbelangt, hätte man sie gut Mara nennen können. Gott jedoch nennt eine solche Seele Naemi (Lieblichkeit), denn was ist wohl lieblicher in Gottes Augen als eine Seele, arm im Geist und arm an allem. Eine solche Seele ist in allen Dingen von ihm abhängig. Naemi hatte zu spüren bekommen, was es bedeutet, Zielscheibe für die Pfeile des Herrn zu sein, denn er duldet in einer Gott hingegebenen Seele nichts und niemand neben sich. Er macht wie ein gewaltiger Jäger Jagd auf alles, was das Zusammenschmelzen der Seele mit ihm selbst in Liebe hindert. Er bricht alles nieder, was hindert, um später mit der Seele freundlich zu reden. Dies tut er, damit sie ihm daraufhin in blindem Glauben nachfolgt.

Solche Seelen sind des Herrn Lust und Freude. Doch die Seele selbst findet, dass Gott sie verfolgt, plagt und elend macht. Gott tut dies jedoch, um die Seele mit umso kräftigeren Banden mit inniger Hingegebenheit und Liebe an sich selbst zu binden.

Alle Wege der Seele werden Finsternis, nur ein Weg ist licht, nur auf einem Weg sieht man Frieden, und das ist auf dem Weg zu Gott selbst.

Sie kamen nach Bethlehem, da die Gerstenernte anging

Vers 22

Nun ist die Seele leer und sind die Hände leer. In dieser erbärmlichen Verfassung leitet sie der Herr zu Beginn der Gerstenernte zum Brothaus. Unendliche Weisheit und Liebe Gottes. Es macht das Leben lebenswert, wenn man ganz von Anfang an bei der Gerstenernte dabei sein kann, denn auf den Äckern des Herrn gibt es reichlich zu tun. Wir sind Gottes Mitarbeiter, ihr seid Gottes Ackerland, sagt der Apostel. Nun gilt es, gleich von Anfang an bei der Gerstenernte kostbare Schätze und Juwelen einzusammeln. Während der ganzen Ernte sollte Ruth dabei sein dürfen. Glückliche Seele!

Verlorene Zeit sind verlorene Schätze; aber eine gut verwendete Zeit macht eine Seele reich. „Faulheit versenkt in tiefen Schlaf, und eine träge Seele muss hungern.“ Spr. 19, 15.

Der Fleißige vermehrt seine Güter.

2. Kapitel

Ein Bekannter, ein mächtiger Mann

Vers 1

Unter allen mächtigen Männern ist doch Jesus Christus der Mächtigste. Er sagt: Alles ist mir übergeben von meinem Vater. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken (and. Übers.: Ruhe geben). Mt. 11, 27-28.

Wer unter allen Mächtigen kann sagen: Kommt her zu mir und ich will euch Ruhe geben? Es gibt nicht einen, keinen einzigen. Nur Jesus Christus vermag, Frieden und Ruhe zu geben. Er ist in Wahrheit ein mächtiger Mann, in Bethlehem geboren, dem Brothaus, und ist ein Fürst darüber. Während wir in der Welt waren, war er unser Bekannter. Nun aber lieben wir ihn und verlassen uns auf ihn als den Mächtigsten von allen. Er ist unser hochgeliebter Bräutigam und wir sind seine Braut.

In all unserer Not können wir dann getrost zu ihm kommen und Gnade und Hilfe zur rechten Zeit finden. Ehe wir bitten, antwortet er uns. Er ist eine sichere Burg für jeden, der sich auf ihn verlässt. Alles ist ihm vom Vater übergeben, und wie sollten wir anders, als alle Dinge mit ihm zu erben! Bist du hungrig, wird er dich sättigen, er wird deinen Durst löschen. Bist du nackt, wird er dich kleiden. Rufe ihn an am Tag der Not, er wird dir helfen und du wirst ihn preisen. Er ist der Herr der Herrlichkeit – Gottes Weisheit.

Es ist gut, ein Freund eines reichen, mächtigen und freigebigen Mannes in dieser Welt zu sein, wenn du Hilfe brauchst. Doch wieviel mehr bedeutet es, ein Freund von Ihm zu sein, dem alles Silber und Gold gehört und dem alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist!

Nachdem er dir auf jede erdenkliche Weise in diesem Leben geholfen hat, hat er dir auch eine Stätte im zukünftigen Leben bereitet.

Betest du zu ihm? Glaubst du an ihn? Hältst du dich nahe zu ihm? Ist das Verhältnis zwischen dir und ihm innig? Bist du sein Augapfel? Spürst du, dass du es bist? Empfängst du, worum du betest? Ist er dein Bekannter in dem Maß, dass du ihm deine täglichen kleinen Sorgen vorlegst? Hast du es versucht, diesen mächtigen Mann um die kleinsten Dinge zu bitten?

Es gibt viele mächtige Männer aus der Distanz, denen jedoch deine inneren Anliegen unbekannt sind. Nicht so mit Jesus. Er ist mächtig, denn er kennt dich besser, als du dich selbst kennst. Er weiß, wo der Schuh drückt, und er hat im Überfluss das, was deine Seele braucht. Er ist ein mächtiger Mann und ein gerechter Mann, denn er nimmt sich der Sache der Geringen an und gibt dem Recht, der Recht hat.

Lass mich Ähren auflesen bei einem, vor dessen Augen ich Gnade finde

Vers 2

Ruth war arm und brauchte Hilfe. Sie hielt nach jemandem Ausschau, der ihr Gnade erweisen würde. Wie gesegnet ist es doch, wenn man bedürftig ist, in einer Fußspur zu wandeln, die von Segen trieft.

„Hungrig und durstig waren sie, ihre Seele verschmachtete in ihnen. Da schrien sie zum Herrn in ihrer Not, und er rettete sie aus ihren Ängsten und führte sie auf den rechten Weg, dass sie zu einer Stadt gelangten, in der sie wohnen konnten. Sie sollen dem Herrn danken für seine Gnade und für seine Wunder an den Menschenkindern! Denn er hat die durstige Seele getränkt und die hungrige Seele mit Gutem erfüllt!“ Ps. 107, 5-9.

Ja, dies könnte in Wahrheit von Naemi und Ruth gesagt werden.

Sie las auf dem Feld den Schnittern nach

Vers 3

Gottes Name ist „Wunder“, und wundersam handelt er mit uns. Nun geht Ruth, arm im Geist und arm an zeitlichen Gütern, und sammelt die Ähren auf, die die Schnitter barmherzigerweise fallen ließen. Sie hatte es so sehr nötig für den Lebensunterhalt für sich und ihre liebe alte Schwiegermutter, Naemi. Sie dachte wohl kaum daran, dass sie in Kürze Hausherrin auf dem Hof werden würde, und dass sie, obwohl sie eine Heidin war, dennoch Stammmutter von Israels Hoffnung, unserem Herrn Jesus Christus, werden würde.

Gottes Weg mit uns geht durch Armut und Trübsale. Selig sind die Armen im Geist, denn ihrer ist das Himmelreich. Die Auserwählten und Treuen tragen mitten in der Armut die Würde in sich. Der Arme ist unangreifbar, er kann nicht ruiniert werden, wenn man ihn ausplündert. Selig ist jede Seele, die in der Armut des Geistes verbleibt. Der Arme steuert sicher und siegend auf das Land zu, wo Diebe und Räuber nicht einbrechen und stehlen können. Er schickt alle seine Schätze und Kleinode, die er im Geist gesammelt hat, voraus und selbst kommt er hinterher, um für immer da zu sein, wo sein Herz ist, und seine Schätze sind wohl bewahrt.

Der Arme hat keine Stärke, darum muss er auf Gottes Kraft vertrauen – und sich auf Gottes Kraft verlassen. Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark. Der geistlich Arme ernährt sich demütig von den Körnern aus den Ähren, die die Schnitter liegenlassen, und wird durch die Kräfte, die er dadurch sammelt, wertvoller als die Schnitter, die von ihrem Überfluss geben. Der Arme ist dankbar für alles, eben dadurch wird wahre Armut als das richtige Verhältnis zu Gott bewiesen.

Ruth nimmt den niedrigsten Platz ein. Sie las hinter den Schnittern, wie es Brauch und Sitte war für arme Leute. Für den, der sich zuunterst setzt, kann es nur eine Richtung geben: höher hinauf.

Auch auf Gottes Acker soll man bescheiden sein und den niedrigsten Platz einnehmen. Es ist Gottes Sache, zu seiner Zeit zu erhöhen. Von Jesus heißt es, dass er sich selbst erniedrigte. Oh, herrlicher Platz, frei von aller Sorge und menschlicher Ehre. Niemand kann uns da verdrießen, denn alle wollen hinauf und das auf einem anderen Weg. Ruth hatte die Gesinnung, zuunterst zu sitzen, sie war dort durchaus zufrieden. Sie war nicht wie die Vielen, die in der Gemeinde schalten und walten wollen. Sie war zufrieden, von den Brosamen zu essen, die vom Tisch des reichen Mannes fielen, denn sie trug in sich selbst einen Frieden, der allen Verstand übersteigt. Sie war davon erlöst, jemanden um seine Würde zu beneiden. Selig ist derjenige, der im Geringen beginnt. Es ist Zukunft und Hoffnung für eine solche Seele, denn sie verlässt sich auf ihren Gott, der mächtig ist, den Armen aus dem Dreck emporzuheben und ihn unter Fürsten zu setzen.

Boas kam von Bethlehem

Vers 4

Jesus ist über die Schnitter gesetzt und kommt von Bethlehem. Aus diesem Brothaus kommt das wahre Brot, das vom Himmel herabkam, um der Welt Leben zu geben. Er kaufte den Acker, um die Perle zu gewinnen.

Und sprach zu den Schnittern: Der Herr sei mit euch! Und sie antworteten ihm: Der Herr segne dich!“ Hast du jemals in unserer Zeit von einem so gesegneten Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitern gehört? Er sagt: Der Herr sei mit euch! Und sie antworten: Der Herr segne dich!

Gottes Reich ist zu uns herabgekommen. Er hat in unseren Tagen viele Arbeiter ausgesandt zu ernten, und die Felder sind schon weiß zur Ernte. Die Ernte geht im Verborgenen vor sich, und der Herr will die Arbeit allezeit begleiten. Ja, es ist gesegnet zu arbeiten, wenn er hinter der Arbeit steht. Er liebt seine Schnitter, und die Schnitter lieben ihn. Ist er einmal weg gewesen im Brothaus und kehrt zurück, freuen sich die Ernteleute, ihn wiederzusehen, seine Nähe und sein verborgenes Manna genießen zu dürfen. Wenn Jesus Christus die Erntearbeit leitet, geht alles ordentlich zu. Wir können so ruhig und sicher sein Wort hören und seinen Willen tun, denn die Früchte, die wir ernten, währen für ewige Zeit. Martha dachte sich selbst etwas aus, was sie für Jesus tun wollte. Maria aber tat ihre Arbeit ausgehend von Jesu Worten, und diese Arbeit tat sie dann durch ihn und zu ihm.

Auch heute geht er wie damals mitten unter den goldenen Leuchtern, Offb. 1, 12 ff., um nach den Schnittern zu sehen. Mögen wir auf ihn achten und unsere Arbeit in den geringsten Einzelheiten nach seinen Anweisungen ausführen. Dann wird all unsere Rede, werden alle unsere Werke vor seinem Angesicht geschehen. 2. Kor. 2, 14-17.

Zu wem gehört dieses Mädchen?

Vers 5

Jesu Aufmerksamkeit gilt allen. Er hat Fürsorge für den Geringsten, obwohl er in der Höhe thront. Ps. 113, 5. Welch ein Trost für denjenigen, der sich als der Geringste fühlt und wie der verlorene Sohn damit zufrieden ist, wie einer der Tagelöhner zu sein. Auch heute hat er Fürsorge für die Armen, die auf seinen Acker kommen. Sein Sinn steht danach, zu helfen und zu segnen. Boas richtete seine Frage an den Diener, der über die Schnitter gestellt war. Wem etwas anvertraut ist, hat auch Verantwortung. Darum ermahnte Paulus einen jeden mit Tränen, er wünschte nicht mit einem Seufzen Rechenschaft über sie abzugeben.

Es ist die junge Moabiterin

Sie ist mit Naemi aus dem Land der Moabiter zurückgekommen. V. 6.

Der Knecht, der über die Schnitter gestellt war, hatte sich bereits mit Ruths Situation befasst. Das tut übrigens jeder gute Diener Gottes, wenn er eine arme und hungrige Seele nach Brot suchen sieht. Er sagt zu Boas, dass sie mit Naemi aus dem Land der Moabiter zurückgekommen ist. Indem er dies offenbart, erweist er die Treue eines echten Dieners, denn er nimmt die Ehre, sie gefunden zu haben, nicht für sich. Er sagt offen, dass sie Naemi angehöre. Sie hatte sich jedoch an ihn gewandt, um etwas zu essen zu bekommen, darum fühlte er Verantwortung für sie. Er ist wie der gute Hirte in der Gemeinde, der die Einzelnen mit Namen kennt – und ihr inneres Leben kennt, für das er auch Rechenschaft ablegen kann.

Wie viele der geringen, hungernden Seelen sind in den Gemeinden unserer Zeit doch weit weg von den Hirten und ihrer Fürsorge. Oft wissen die Hirten nicht einmal davon, dass solche Geringe auf Gottes Acker gekommen sind. Ihr Name und ihr Leben sind ihnen unbekannt, und sie bekommen keinerlei Wegleitung. Dieser Diener über die Schnitter von Boas war wach, rein und fein in seinem Geist – und es ist sehr ratsam, dass die Hirten unserer Zeit ihn sich zum Vorbild nehmen. Er wusste, woher sie kam, wer sie geleitet hatte und was sie sich vom ersten Augenblick an vorgenommen hatte, als sie auf den Acker hinausgekommen war.

Ebenso wie Boas vom Diener, der über seine Schnitter gesetzt war, Rechenschaft über die geringe Ruth forderte, so fordert Gott von den Hirten Rechenschaft über jede einzelne Seele, die auf seinen Acker gekommen ist.

Lass mich doch auflesen und zwischen den Garben sammeln hinter den Schnittern her!

Vers 7

Wenn die Schnitter da draußen auf Gottes Ackerland miteinander Gottes Wort erörtern, indem sie das eine zum andern legen und es zu einer herrlichen Garbe zusammenbinden, dann fallen immer ein paar Ähren heraus, die für eine arme Ruth zur Nahrung werden können. Sie versteht sich nicht auf die ganze Garbe, wohl aber auf die einzelne Ähre. Ruth versteht ihren Platz, und sie fängt mit dem Geringen an.

Wir lernen daraus, dass immer jemand da ist, der hinter den Schnittern her liest. Welche Verantwortung haben dann doch die Schnitter, wenn sie zusammen Gottes Wort erörtern, dass sie da nicht streiten und so eine arme Ruth, die zuhört, mit Verderben erfüllen.

Sie kam und blieb vom Morgen an bis jetzt

Ruth ist treu und ausdauernd. Vom ersten Augenblick an ist der Wille Gottes ihre Speise. Vom Morgen an, was bedeutet das in Bezug auf das innere Leben? Es bedeutet vom ersten Augenblick an, in dem das Licht aufging. Sowohl das Licht, wenn man sich von der Finsternis abwendet, als auch das Licht, das über einer bestimmten Aufgabe aufgeht, die wir tun sollen.

In Kol. 1, 6 finden wir: „Frucht bringt und […] wächst von dem Tag an, da ihr’s gehört und die Gnade Gottes erkannt habt in der Wahrheit.“ So war Ruth. Auf Gottes Acker brachte sie Frucht und wuchs von der ersten Stunde an. Dazu ist auch reichlich Gelegenheit, denn Petrus schreibt, dass uns Gott alles geschenkt hat, was zum Leben und zur Gottesfurcht dient. 2. Petr. 1, 3. Und Paulus sagt: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. Eph. 1, 3. Betrachten wir die Gemeinde heute, dann erkennen wir leider, dass Hebr. 5, 12 passt: Und ihr, die ihr längst Lehrer sein solltet, habt es wieder nötig, dass man euch die Anfangsgründe der göttlichen Worte lehre, und dass man euch Milch gebe und nicht feste Speise.

Das Wachstum sollte bereits am ersten Tag anfangen, aber leider bleiben die Vielen schon an der ersten Stufe stehen. Man bittet um Vergebung für seine Sünden, will jedoch Jesus nicht darin nachfolgen, dass man leidet und dem Egoismus abstirbt. Mit andern Worten: Man wünscht, von Leiden im Gewissen befreit zu werden, will aber nicht der Stimme des Geistes gehorchen, das Kreuz aufnehmen und im Fleisch leiden.

Vom Morgen an bis jetzt. Ja, hier bietet sich eine Prüfung unseres Lebens an. Haben wir auf Gottes Acker gesammelt, sind wir gewachsen und haben wir Frucht getragen seit der Zeit, da wir von neuem geboren wurden bis heute? Prüfe dein Leben, und du wirst deiner Gesinnung begegnen. Bist du treu gewesen, wie Ruth es auf den Feldern des Boas war, oder bist du untreu gewesen? „Strebe eifrig danach, dich Gott als bewährt zu erweisen, als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen braucht.“ Nun hast du Gelegenheit, dein Leben lang vor Gottes Angesicht zu wandeln „vom Morgen an bis jetzt“. Besonnenheit wird dich bewahren und Einsicht dich behüten. Spr. 2, 11. Bist du träge gewesen, dann gib dich ihm hin, der dich brennend im Geist machen kann. Faulheit gehört zur Welt und findet sich nicht in Gottes Reich, und trotzdem ist diese Frucht des Fleisches unter den Christen allgemein sehr verbreitet.

Wenn alle wachsen würden, gleich nachdem sie Licht bekamen „bis jetzt“, dann würden wir mit Verwunderung die treibende Kraft im Erdboden von Gottes Reich sehen. Jesus sagt: „Ich bin der Erste und der Letzte.“ Offb. 1, 17. Er soll für uns in allen Dingen der Erste sein, der ganze Inhalt – und dann der Letzte. Dann bleibt kein Platz für etwas anderes als ihn allein.

Da sprach Boas zu Ruth: Hörst du, meine Tochter?

Vers 8

Boas, ein Diener für ein tieferes geistliches Leben, beginnt von nun an, sich um Ruth anzunehmen, und das erste, was er zu ihr sagt, ist: „Hörst du, meine Tochter?“

Ja, dies ist eben der Eingang zu allem Segen. Die ersten Menschen hörten auf die Stimme der Schlange und ernteten Verderben. Wer jetzt Gottes Stimme hört, wird Leben und Unvergänglichkeit ernten. „Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben!“ Jes. 55, 3. „Wer Ohren hat, der höre.“ „Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören.“ Jes. 50, 4.

Die Ohren des natürlichen Menschen sind verklebt, und wenn nicht Gott unsere Ohren wecken würde, würden wir nie hören. Gott sagt: „Höre!“ und das Ohr öffnet sich ebenso wie damals, als er sagte: Es werde Licht! Und es ward Licht. Das Hören geschieht durch Gottes Wort. Welch eine große Gnade wurde Ruth erwiesen, und was für ein großes Verständnis hatte Boas, als er sagte: „Hörst du, meine Tochter?“ Haben wir erst einmal die Stimme unseres himmlischen Hirten kennengelernt, wünschen wir keinen anderen mehr zu hören außer den, der von seinem Geist durchsäuert ist.

Boas nennt Ruth „meine Tochter“. Das ist bezeichnend für Gott, denn die Liebe erhöht, den man liebt. Es ist übrigens eine richtige Vatergesinnung nötig, um sagen zu können: „meine Tochter“. Ruth sagt von sich selbst, indem sie ihre Unwürdigkeit empfindet: „Ich bin doch nicht einmal wie eine deiner Mägde.“ V. 13. Gottes Liebe zermalmt und demütigt eine Seele, und sie bindet sie an Gott mit einer Unzahl von unsichtbaren Banden: mit Liebeserweisen in den verschiedensten Variationen. Niemand außer der Seele und Gott versteht dies. Der Vater sagt: Sohn, Tochter; doch der Geist der Kindschaft ruft: Abba, Vater.

Du sollst auf keinen andern Acker gehen, um aufzulesen

Boas fasst die Sache richtig an, wenn er sagt: „Hörst du, meine Tochter? Du sollst auf keinen anderen Acker gehen, um aufzulesen.“ Es ist ein beträchtliches Maß an Weisheit von Gott und Erfahrung nötig, bis man gelernt hat, einem Anfänger eine so gründliche Unterweisung zu geben. Boas weiß, dass Gottes Acker Gottes Speise abwirft, die im Segen und mit Gottes Frieden genossen wird. Alle anderen Äcker bringen Verderben hervor, nachdem Satan in diese seine giftige Saat säte.

Boas war ein mächtiger Mann. Auf seinem Acker konnte Ruth sicher sein. Er suchte nicht, Ruth zu seinem persönlichen Vorteil auszunützen. Auf einem andern Acker hätte sie für ihre Ähren arbeiten müssen, aber hier bekam sie sie gratis. Die wahre Liebe kann nur geben, sie fordert nie etwas. Boas war in Geist und Wahrheit ein Diener Gottes, darum führte Gott es auch so, dass die aufrichtige Ruth zu seinem Acker geleitet wurde. Gott will nicht, dass eine Seele, die im Herzensinnersten wahr ist, in die Hände von Hirten fällt, die das Ihre suchen. O, dass doch alle Hirten in unseren Tagen selbst Gottes Acker finden würden und andern helfen könnten, ihn zu finden. Aber meistens warnen sie vor Gottes Acker und preisen ihren eigenen Acker voll von Dornen und Disteln an. Auf Gottes Acker ist Leben und Überfluss, auf allen andern Äckern aber ist der Tod wirksam.

Halt dich zu meinen Mägden

Ein weiterer guter Rat für einen Anfänger. Man soll die Seele immer treuen und geprüften Brüdern anbefehlen. Es gibt auch innerhalb der Gemeinde eine Anzahl von wirksamen, aber untreuen Brüdern, wenn es um die Arbeit mit Seelen geht. Man darf daher nicht jeden die grundlegende Arbeit mit einer Seele tun lassen. Paulus sagt: Ich habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister. Wer nicht selbst tief gegraben und eine solide Grundlage in seinem eigenen Leben bekommen hat, kann unmöglich einen soliden Grund im Leben anderer legen. Boas konnte nicht selbst alle Arbeit mit Ruth übernehmen, aber wir verstehen seine Fürsorge und seine Einsicht in die Arbeit mit Seelen.

Und sieh, wo sie schneiden im Felde, da geh ihnen nach

Vers 9

Zuerst sagt Boas: „Höre!“ Nun sagt er: „Sieh!“

Ja, das hat Bedeutung. Wenn es um die innere Wanderung der Seele mit Gott geht, so öffnet er zuerst das Ohr und erklärt die Stellung, die die Seele einnehmen soll. Wenn dann die Seele gründlich in dem unterwiesen ist, was sie gehört hat, geht Gott einen Schritt weiter, er salbt die Augen der Seele und sagt: „Sieh!“

Jetzt hat die Seele über das Gehör so viel von Gott bekommen, dass sie sich durch ihr Sehvermögen selbst zurechtfinden kann. Und sieh, wo sie schneiden im Felde, da geh ihnen nach. Über das Ohr empfängt Ruth dieses Wort und erhält den Bescheid, wie sie sehen sollte und wonach sie sehen sollte. Alles kommt vom Ohr, da es zuerst zum Ohr kommt. Gottes Weisheit beginnt nun, dem Herzen zuzufließen. Ruth musste an der Ernte teilnehmen und die reiche Ausbeute der Frühjahrsarbeit sehen. Sie sollte hinter den andern hergehen und von ihnen lernen. Der Tag sollte auch für Ruth kommen, dass sie selbst Neuland brechen und Frucht aus ihrem Leben ernten konnte, daher war es nötig, dass sie die Vorgehensweise lernte.

Man soll die Türschwelle verschleißen bei den Männern, die durch Weisheit ihre Früchte ernten, die Seelen fangen und sie in Gottes Scheune sammeln. Nimm teil an dieser Arbeit, gehe nicht voraus, sondern gehe hinterher und gib genau Acht. Du findest alles zurechtgelegt auf Gottes Acker, da alle Werke zuvor bereitet sind – von ewigen Zeiten her. Eph. 2, 10.

Ich habe meinen Knechten geboten, dass dich niemand antaste

Wer den niedrigsten Platz einnimmt, wird meistens in Frieden gelassen. Doch kommt es vor, dass unter den Schnittern der eine und andere, der selbst meint, er habe etwas gelernt und verstehe etwas, einen armen Anfänger mit seinen vielen gut gemeinten Meinungen und Begriffen belästigt.

Boas, der seine Leute kannte und wusste, was sie vorhatten, wenn er selbst nicht da war, wollte Ruth wissen lassen, dass sie nicht allen vertrauen konnte. Darum sagt er: Ich habe meinen Knechten geboten, dass dich niemand antaste.

Es wird in der Gemeinde hier auf der Erde immer Brüder geben, die mehr veranlagt sind zu herrschen statt zu dienen. Von diesen kann man allerhand erwarten. Paulus sagt, dass er keinen hatte, der so ganz seines Sinnes war wie Timotheus, der so herzlich für sie sorgen würde. Phil. 2, 20. Sie suchten alle das Ihre.

Trinke von dem, was meine Knechte schöpfen

Wenn es gilt, lebendiges Wasser auszuteilen, dann sind nur die Treuesten der Diener damit betraut. Solche, die Ohren haben zu hören. Boas hatte Vertrauen zu den Dienern an den Wassergefäßen.

„Das Vorhaben im Herzen eines Mannes ist wie ein tiefes Wasser; aber ein kluger Mann kann es schöpfen.“ Spr. 20, 5. Die Ältesten in der Gemeinde sollen durstigen Seelen lebendiges Wasser schöpfen, und die Diener, die das nicht können, sollen sich eine passende Beschäftigung an der Tür oder am Haus suchen. Sie sollen Priester für das Volk sein, aber nicht zu Gott nahen, um ihm als Priester zu dienen. Hes. 44, 11-14. Wir haben genug Beispiele dafür, dass solche Priester für das Volk in ihrem Dienst für Gott scheitern, wenn sie in ihrer Verirrung den Versuch machen, ihm als Priester zu dienen.

Da fiel sie auf ihr Angesicht und beugte sich nieder zur Erde

Vers 10

Ruth hatte von Naemi gehört, dass Boas ein mächtiger Mann war, nun aber konnte man von ihr sagen, dass sie nicht länger um Naemis Rede willen glaubte, denn sie hatte selbst gehört und gesehen.

Liebe mit Einsicht und Liebe mit Fürsorge lässt einen auf sein Angesicht fallen. Willst du ein Seelengewinner für Christus werden – ein Menschenfischer – dann lass die Seelen in den kleinsten Details spüren, dass du Fürsorge für sie hast. Eine solche Liebe und Fürsorge wird jede arme Ruth auf ihr Angesicht fallen lassen.

Es ist leicht, eine Seele zu bitten, sich auf der Bußbank oder auf dem Podium zu beugen, und sie nach 8 Tagen zu vergessen und sich frei von Verantwortung für sie zu fühlen. Dagegen kostet es Arbeit, Zeit, Kräfte und Selbstverleugnung, die Seele so zu pflegen, dass sie wie ein Kind bei der Mutter aufwächst. Eine solche Liebe bringt die Seele dazu, auf ihr Angesicht zu fallen – nicht um die Sündenlast loszuwerden, denn die ist sie los – sondern vor Bewunderung und Anbetung eines liebevollen Gottes und Vaters, der in einem so hohen Maß seinen Reichtum an Gnade über sie ausgießt.

Warum kümmerst du dich um mich, da ich doch eine Fremde bin?

Ruth verstand, dass Boas sie kannte und ihr zur Hilfe kam, genau da, wo sie es nötig hatte. Eine so große Gnade, ausgegossen über eine demütige Seele, macht sie fragend. Dass ich, die ich eine Fremde war, verfinstert in meinen Gedanken, Gottes Leben entfremdet, tot durch Übertretungen und Sünden, eine solche Gnade bekommen kann? Die Unwürdigkeit, die Ruth empfand, machte sie verlangend und fragend nach dieser ungeahnten Liebe. Der mächtige Mann ehrte und erhöhte die geringe Ruth, indem er sich ihrer annahm. Das gleicht unserem Meister. Er aß und trank mit Sündern. Er erwählt das, was nichts ist, um die zu beschämen, die sich etwas zu sein dünken.

Als David die Lade des Herrn zur Stadt Davids hinaufführte und vor der Lade tanzte, wurde er von seiner Frau verachtet. Sie schätzte ihn gering, weil er sich vor den Augen seiner Dienstmägde entblößt hatte wie die losen Leute. David bezog Stellung gegen diese Verachtung und sagte: Ich will noch geringer werden als jetzt und will niedrig sein in meinen Augen; aber mit den Mägden, von denen du geredet hast, will ich zu Ehren kommen. 2. Sam. 6, 22. David erniedrigte sich wie Boas und wurde mit den Geringen geehrt, und er war wie Ruth, die den niedrigsten Platz einnahm. Dies ist Jesu Christi Gesinnung und Geist.

Man hat mir alles angesagt, was du getan hast

Vers 11

Als ein rechter Diener des Herrn hatte sich Boas über Ruth erkundigt, und er wusste, was sie für ihre Schwiegermutter getan hatte, nachdem ihr Mann gestorben war. Dass sie Vater und Mutter und das Land, in dem sie geboren war, verlassen hatte und zu einem Volk gezogen war, das sie vorher nicht kannte.

Es hat etwas auf sich mit Leuten, die etwas verlassen um ihres Glaubens willen. Das wusste Boas besser als jemand anderes, und er bewunderte Ruth. Doch verstand er, Ruth auf einen solchen Platz zu stellen, dass sie von Selbstbewunderung verschont wurde. Er sagt: Man hat mir alles angesagt, was du getan hast. Das war dasselbe, wie wenn er gesagt hätte: Du brauchst mir nichts von dir selbst zu erzählen. Gleichzeitig war es ein Trost für Ruth, dass ein so mächtiger Mann alles über sie wusste, besonders da er außer diesem Wissen auch die Gesinnung hatte, ihr zu helfen.

Boas schätzt, was Ruth getan hatte. Aber in unseren Tagen sagen viele religiöse Menschen, dass man nichts tun müsse, da Jesus alles getan habe. Es ist ja eine bekannte Tatsache, dass man sich die Sündenvergebung nicht erarbeiten und erstreben kann, aber es sollte ebenso bekannt sein, dass man nicht geheiligt werden kann, ohne zu gehorchen und zu glauben. Das Wort „Gehorsam“ beinhaltet ja, dass etwas ausgeführt werden muss. Wenn die Werke bereitgelegt sind, dass wir darin wandeln sollen, so besagt das ja, dass ich die Werke tun soll, die bereitgelegt sind.

Wie soll man ein Leben leben können, ohne etwas zu tun?

Wenn auch Jesus aß und trank, so kann doch ich nicht davon leben, wenn ich nicht selbst Nahrung zu mir nehme. Wenn auch Jesus gekreuzigt wurde und die Feindschaft am Kreuz tötete, so hilft mir das wenig, wenn ich meilenweit vom Kreuz entfernt unterwegs bin und nach meinen Lüsten lebe. Wenn mir Christi Werk zugutekommen soll, muss ich mit ihm gekreuzigt werden. Nicht nur „am Fuße des Kreuzes“ sitzen, das vermischt wird mit „am Kreuz“, wie ich gehört habe. Selbst ein Herodes, ein Pilatus, ein Judas und alle Kriegsleute, die den Herrn der Herrlichkeit töteten, hätten wohl eine Zeit lang am Fuße des Kreuzes aushalten können. Wenn doch unsere Prediger durch Gehorsam so viel vom Kreuz verspüren würden, dass sie unterscheiden könnten zwischen „am Fuß des Kreuzes zu sitzen“ und „mit ihm gekreuzigt zu sein“.

Der Herr vergelte dir deine Tat, und dein Lohn möge vollkommen sein

Die kleinste Entsagung um Jesu willen wird reichlich belohnt. Man gibt das Irdische und Zeitliche auf und bekommt dafür das Himmlische und Ewige. Wir geben unsere Sünde auf, die zum Tod führt, und bekommen dafür Gerechtigkeit und Leben. Anstelle von Unglück und Sorge bekommen wir Freude und Frieden. Ein seliger Tausch. Der Herr vergelte dir „deine Tat“. Gesegnet sei, bei dem solche Werke reichlich vorhanden sind, von denen man sagen muss: „Gesegnet seien deine Werke. Dein Lohn möge vollkommen sein.“ An dem Tag, da der Lohn ausgeteilt werden wird, wird es gut sein, Werke getan zu haben, die wie Silber, Gold und kostbare Steine sind. Sie werden an jenem Tag in Gottes Feuer bestehen bleiben. Wenn es Knechtschaft ist, Gottes Werke zu tun, dann muss Freiheit bedeuten, faul sein zu können. Doch die Faulen werden hinausgeworfen werden, weil sie neben ihrer Faulheit auch böse sind und andere mit sich in denselben Schmutz ziehen wollen. Im Gegensatz dazu hat Gott allezeit – in jedem Zeitalter – Menschen aufgerichtet, von denen er sagen kann: „Recht so, du guter und treuer Knecht! Du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über vieles setzen; geh ein zur Freude deines Herrn!“ Mt. 25, 21.

Du hast mich getröstet und deine Magd freundlich angesprochen

Vers 13

Gottes überschwängliche Gnade ergreift das Herz, und wir müssen ausrufen: Du hast mich getröstet. Die Liebe redet ihre eigene Sprache zu einem verlangenden Herz. Man bekommt Vertrauen zu demjenigen, der tröstet – und das Vertrauen führt zu Freimütigkeit. Gottes Liebe wirkt Verlangen nach mehr von seinem göttlichen Wesen. Durch die Gnade bekommt man Freimütigkeit dazu, um mehr Gnade zu bitten. Ruth achtet allezeit darauf, sich an ihrem Platz zu halten, während sie Gnade empfängt, denn sie sagt: Und ich bin doch nicht einmal wie eine deiner Mägde. Das ist auch der einzige Platz, an dem man Gnade erhalten kann.

Komm hierher und iss vom Brot und tauche deinen Bissen in den Essigtrank!

Vers 14

Als Essenszeit war, sprach Boas zu ihr: „Komm hierher!“ Beachte den Ausdruck „als Essenszeit war“. Wenn das Brot des Lebens gebrochen werden soll, zeigt es sich, wer obenan sitzen soll und wer untenan sitzen soll. Viele von den Stillen im Lande, den Schweigsamen, werden plötzlich wie andere Menschen, wenn das Gespräch auf Gottes Wort kommt. Andere, die jederzeit über alles und jedes schwatzen, werden stumm, denn der Narr tut seinen Mund nicht auf im Tor.

Boas hatte schon lange verstanden, dass Ruth Ohren bekommen hatte, mit denen sie hören konnte, und er beginnt nun selbst, sie zu bedienen. Sie wächst von Tag zu Tag durch seinen Dienst. Während die Seele gedeiht, wenn sie vom Brot des Lebens isst, muss sie doch jedes einzelne Stück in Essig tauchen. Dies ist der Leidenskelch für das Fleisch. Der innere Mensch könnte nicht wachsen und gedeihen, wenn nicht gleichzeitig der äußere Mensch zugrunde ginge. Israel musste das Osterlamm mit bitteren Kräutern essen. Ebenso wie die Gnade süß ist, kann die Leidensgemeinschaft Christi beißend und schmerzvoll für das Fleisch sein. Jesus sagt: „Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch … Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch.“ Joh. 6, 51-53.

Er aber legte ihr geröstete Körner vor

Es ist der Seele höchste Ehre, von dem großen Meister bedient zu werden. Petrus meinte zwar, in alle Ewigkeit nicht von ihm bedient werden zu wollen, als ihm aber richtig die Augen dafür aufgingen, dass seine Speise und sein Trank in Christus waren, dass sein Los und sein Teil in ihm und seine ganze Zukunft und Hoffnung in ihm lagen, kam er auf andere Gedanken. So wie das geröstete Korn über dem Feuer gewesen ist, so ist alles Wort Gottes im Feuer fertig zubereitet. Andere Speise bekommen wir nicht von ihm. Wenn dann „das Wort“ rein ist im Feuer, werden auch die Werke, die er uns befiehlt, im Glauben zu tun, in diesem Feuer rein werden. Auf diese Weise wird das Wort durch den Gehorsam des Glaubens Fleisch in uns, wie es Fleisch in ihm wurde. D. h. das Fleisch mit seinen Leidenschaften und Begierden wird im Feuer verzehrt, und das Wort kann meine Glieder nach seinem Willen im Dienst der Gerechtigkeit gebrauchen. Wenn dies geschieht, kann man in Wahrheit sagen, dass das Wort Fleisch geworden ist. Dies ist die Verbindung zwischen Christus und der Gemeinde, zwischen Bräutigam und Braut. Dieses Geheimnis ist groß, sagt der Apostel Paulus. Eph. 5, 32.

Sie aß und wurde satt und ließ noch übrig

Wer sich willig von dem ernährt, was Gott darreicht, auch wenn es in Essig getaucht wurde, dessen Seele wird mit Gottes Wohlgefallen gesättigt. Es ist natürlich für die Seele, erst sich selbst satt zu essen, das Übrige kann sie anderen bringen. Jesus ist gekommen, dass wir das Leben haben und es im Überfluss haben. Joh. 10, 10. Speise von Gott ist, den Willen Gottes zu tun.

Boas konnte Gottes Speise darreichen, weil er ohne Gebrechen war. 3. Mos. 21, 18; Hes. 44, 16. Ein Mann, der mit einem Gebrechen behaftet ist, kann niemals zu Gottes Tisch treten und Gottes Speise darreichen. Er darf von Gottes Speise essen, aber er darf nicht in den Geist eindringen und diese Speise anderen darreichen. 3. Mos. 21 ff. Wer geistlich blind oder lahm ist oder ein entstelltes Gesicht, mit irgendeiner Missbildung, oder wer einen gebrochenen Fuß oder eine gebrochene Hand hat, bucklig oder verkümmert ist, wer einen weißen Fleck im Auge hat oder Krätze oder Flechten oder beschädigte Hoden, soll nicht herzutreten, um die Speise seines Gottes darzureichen.

Wenn solche Personen Speise darreichen, dann ist es nicht Gottes Speise. Man kann nicht davon leben, es ist nur künstliche, menschliche Speise, bei der sich innerhalb kurzer Zeit zeigt, dass sie keine Speise ist.

Dann stand sie auf, um Ähren aufzulesen

Vers 15

Nun war Ruth satt und hatte geistliche Kräfte bekommen. In der Wüste setzte Israel sich nieder, um zu essen und stand auf, um zu spielen. Manche legen sich auch hin, um zu schlafen, wenn sie satt geworden sind. Ruth war eine verständige Frau: Sie stand auf, um Ähren aufzulesen.

Wer spielt, verzehrt seine Kraft beim Spiel, und wer schläft, wird mit Träumen erfüllt. Nichts hiervon trägt Frucht. Ruth setzte ihre Kraft auf andere Weise ein. Wie warst du mit Gottes Weisheit erfüllt, Ruth! Es ist die Sache der Väter, für die Kinder zu sammeln. Der Mund des Gerechten ernährt viele. Wer fleißig auf Gottes Acker Ähren aufliest, hat viel zu verschenken. Viele werden von seinem Tisch genährt. Seelen werden für Gottes Reich aufgezogen und werden zu einem ewigen Erbe für den, der sie zeugt und gebiert. Der Geist des Evangeliums ist, zu dienen und zu geben. „Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben.“ 1. Kor. 9, 23. Lass dein Brot übers Wasser fahren, und du wirst es wiederfinden nach langer Zeit. Was du von Gott bekommst, bekommst du zu ewigem Besitz, indem du es weggibst. Was du nicht weggibst, ist wie das Pfund, das in die Erde vergraben wurde, es bleibt unfruchtbar, weil es nicht nach den Gesetzen der Weisheit verwaltet wurde.

Lasst sie auch zwischen den Garben auflesen

Es ist ein großes Vorrecht, zwischen den Garben auflesen zu können, denn da liegen die Ähren am dichtesten. Eine demütige Seele wächst in der Gnade und findet reichlich Nahrung. Boas gebot seinen jungen Männern, sie sollten ihr nichts zu Leide tun. Das gleicht dem Erlöser, der auch heute gebietet, einer Seele, die demütig ist und sammelt, nichts zu Leide zu tun, sondern ihr gegenüber vielmehr mild und hilfsbereit zu sein.

Auch zieht etwas für sie aus den Garben heraus

Vers 16

Jesu Christi Gesinnung ist voller Fürsorge und streckt sich sehr weit für eine geringe Seele. Wenn einige in der Gemeinde während ihrer Wanderung mit Gott kostbare Erfahrungen gesammelt haben, dann drängt es sie, Ähren aus ihren herrlichen Garben für eine hungrige Seele herauszuziehen, aber es ist viel Demut nötig, um diese von den Schnittern anzunehmen, man will sie am liebsten von Boas selbst entgegennehmen. Der Demütige nimmt, was er bekommt und wo er es findet. Gesegnet ist jede Seele, die sich in diesem Zustand befindet, sie hat es nicht schwer, geistliche Speise für sich selbst und andere zu finden. Die Diener ziehen Ähren heraus, und Ruth liest sie auf. Sie geben ihr aus dem Vorrat ihres Herzens, und sie beugt ihren Rücken und nimmt es an. Wer stolz ist in seinem Herzen, will gerne etwas von Gott haben, aber will nichts durch Menschen bekommen. Ruth war nicht so eingestellt. Sie nahm mit Freude ihre Gnade und Gabe von den Schnittern an, auch demütigte sie sich vor deren Angesicht. Das ist auch die richtige Gesinnung, denn meistens hat es Gott so angeordnet, dass es die Schnitter sind, die einer hungrigen Ruth von ihren Ähren geben. In unseren Tagen heißt es meistens: „Nein, nicht ihr, sondern allein Jesus.“ Das ist, wie wenn Ruth gesagt hätte: „Nein, nicht von euch Schnittern will ich etwas haben, sondern allein von Boas.“ Hätte Ruth diese Gesinnung gehabt, hätte Boas sie zurechtgewiesen und sie wahrscheinlich – wenn sie sich nicht gedemütigt hätte – von seinem Acker vertrieben. Keine stolze Seele wird alt auf Gottes Acker.

So las sie bis zum Abend auf dem Felde

Vers 17

Wenn wir Licht über eine Sache bekommen, die wir tun sollen, bezeichnet das den Morgen. Wenn wir fertig damit sind, kommt der Abend, und das weitere Licht über die Sache schwindet, sodass das Licht wieder über andere Dinge aufgehen kann.

Jeder Nachfolger Jesu Christi sollte wie Ruth vom Morgen bis zum Abend treu im Licht verbleiben und darin sein Werk vollbringen. Fährst du in dieser Treue fort vom Morgen deines Lebens bis zum Abend deines Lebens, wirst du am Ende deines Lebens mit Paulus sagen können: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort liegt für mich bereit die Krone der Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebhaben.“ 2. Tim. 4, 7-8.

Sie klopfte die Ähren aus, die sie aufgelesen hatte

Jedes Werk soll mit Feuer geprüft werden. Was dann das Feuer nicht aushält, verbrennt wie Spreu. Auszuklopfen, was man gesammelt hat, bedeutet über das Gesammelte nachzudenken. Spr. 2, 11. Das Korn steht durch die Ähre und die Wurzel in Verbindung mit der Erde. Nun soll es von seinen irdischen Verbindungen geschieden werden, um Himmelsbrot für die neue Schöpfung zu werden. Das Korn muss daher ausgeklopft werden, damit alle Einwände gegen ihn, der vom Himmel redet, wegfallen wie Spreu, die verbrannt werden soll. Alle unsere Werke werden einmal durch Feuer geprüft werden, darum ist es klug, dass wir sie durch das Licht und das Feuer des Geistes selbst prüfen und jedes einzelne unserer Werke überdenken. Dadurch ernten wir Gottes Erkenntnis und werden für das Himmelreich gelehrt. Wie nutzbringend ist es z. B., einen Brief durchzusehen, bevor man ihn abschickt. Vielleicht werden wir dann herausfinden, dass das, was von wirklichem Wert war, in eine Menge Spreu eingehüllt war. Nimm ihn dann und klopfe das Edle aus und lass die Torheit fahren, so lernst du Verstand durch Nachdenken, und das wird dich bewahren. Lass das, was du anderen bringst, ausgeklopft und rein von Spreu der Selbstsucht und Verbindungen zur Erde sein.

Ihre Schwiegermutter sah, was sie gelesen hatte

Vers 18

Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt. 1. Kor. 2, 15. Naemi, Ruths geistliche Wegleiterin, sah sofort, was Ruth aufgelesen hatte. Sie konnte wie Johannes sagen: lch habe keine größere Freude als die, dass meine Kinder in der Wahrheit wandeln. Wenn du Kinder in Christus gezeugt hast, wirst du wissen, dass deine Freude groß ist, wenn die Kinder heimkommen mit dem, was sie selbst gesammelt haben. Der Geist, der die Herzen der Väter an die Kinder und die Herzen der Kinder an die Väter bindet, ist von Gott. Aber gleichwie es im Natürlichen Kinder gibt, die widerspenstig gegen ihre Eltern sind, so gibt es auch viele geistliche Kinder, die im Flegelalter von sich glauben, erwachsen zu sein. Sie wollen erwachsen sein und wollen als selbständige Personen zurecht kommen, aber die Sache ist die, dass man in einem Geist, der gegen die Väter streitet, nie erwachsen und selbständig wird. Dagegen wird man in einem Verhältnis, wie es Ruth und Naemi zueinander hatten, sehr weit kommen in Christus, der kam, um uns zu vereinen in sich selbst. Möge Christi Gesinnung unsere Herzen regieren, dann kommt das Innere und das Äußere in Ordnung.

Da zog Ruth hervor und gab ihr, was sie übrigbehalten hatte

Naemi verstand die Haushaltung, darum musste Ruth ihr abliefern, was sie aufgelesen hatte. Will man den Kindern etwas Gutes tun, dann muss man seine Gabe den Eltern geben, die sie dann zum wahren Nutzen der Kinder verwalten werden. Erst das Natürliche, dann das Geistliche. Gott gibt immer den Vätern von seinen Offenbarungen und von seiner geistlichen Speise. Diese haben dann wiederum etwas, um es den Kindern zu bringen. Auch wenn die Kinder selbst etwas finden, sollen sie es den Vätern abliefern, die prüfen und beurteilen sollen, ob es essbar oder verdorben ist.

Ruths Liebe zu Naemi war grenzenlos. Selbst Boas hatte davon gehört. Ruth hatte selbst gesagt: Wo du stirbst, da sterbe ich auch. Sie bewies ihre Liebe in der Tat, in Geist und Wahrheit und ist für alle Zeiten als ein leuchtendes Vorbild für das Verhältnis der Kinder zu den Vätern in der Gemeinde des lebendigen Gottes.

Ruth zog hervor, was sie hatte. Lerne von Ruth. Viele ziehen das Geliehene und das Gestohlene hervor. Die Jünger nahmen das Wenige hervor, das sie hatten: Fünf Brote und zwei Fische. Jesus segnete dieses Wenige, sodass fünftausend Männer, ohne Frauen und Kinder, satt wurden, und man sammelte die Reste – zwölf Körbe voll von dem, was übrig war. Mt. 14, 20.

Hole das, was du hast, in Jesu Namen hervor. Lass es durch seine Hände gehen, und das Wenige, mit dem du kommst, wird zur Speise für viele Seelen werden.

Wo hast du heute gelesen, und wo hast du gearbeitet?

Vers 19

Wenn eine Seele Segen von Gott mitbringt, weckt dies Verwunderung und fragendes Nachdenken. Ganz überrascht fragt Naemi: Wo hast du heute gelesen? Prüfe dich selbst! Hast du heute auf Gottes Acker gelesen? Oder bist du auf einem andern Acker gewesen und hast dort leere Worte gesammelt; auf einem Acker, wo die Schnitter der Seele erzählen, es sei Knechtschaft, nach dem Willen Gottes im Gehorsam des Glaubens zu leben? Naemi forschte nach, was Ruth gesammelt hatte. Nun war aber Ruth eine verständige Frau, so dass ihre Arbeit und das, was sie gesammelt hatte, für Naemi zur Freude und Ehre wurde, zum Segen für sie selbst, und zu guter Letzt wurde ihre Arbeit und das, was sie gesammelt hatte, zur Ehre Gottes.

Gesegnet sei, der dir freundlich gewesen ist

Viele Wegleiter von heute würden Ruth vor einer Person gewarnt haben, die ihr freundlich gewesen ist. Denke, wenn Boas in einem solchen Maß freundlich zu ihr sein würde, dass Naemi sie verlieren würde? Nein, gesegnet sei Naemi, sie hatte auf dem Weg aus dem Lande Moab sowohl Orpa als auch Ruth geopfert. Sie suchte nicht das Ihre, darum wurde ihr Ruth auch ewig zu eigen. Sie freute sich einfach darüber, dass jemand sich ihrer angenommen hatte und ihr wohl tat. Gesegnet sei, der dir freundlich gewesen ist! Es kennzeichnet alle Diener Gottes, dass sie nicht parteiisch sind. Sie wissen, was sie sind, was sie haben und für wen sie arbeiten. Darum können sie ihre Ruth so leicht loslassen. Das Liebesverhältnis wird sie zurückbringen. Naemi wacht lediglich darüber, was Ruth sammelt und bei wem sie arbeitet.

Der Mann, bei dem ich heute gearbeitet habe, heißt Boas

Große Gnade bewirkt einen freimütigen Sinn. Ruth zögerte nicht, Boas‘ Namen zu bekennen. Wenn du überschüttet mit Segen von Gottes Acker heimkehrst, dann zögere nicht, Gott die Ehre zu geben, sondern sage: Der Mann, bei dem ich heute gearbeitet habe, heißt Jesus. Rufe es aus! Wer Jesu Namen vor den Menschen bekennt, den wird auch Jesus vor seinem Vater im Himmel bekennen. Ein freimütiger Sinn schafft viele Nachfolger. Hat ein Mann eine reichhaltige Grube gefunden, werden auch andere in seinem Acker suchen. Bist du vom Geist des Gebets ergriffen, werden andere dazu hingezogen, dasselbe Arbeitsfeld aufzusuchen. Gebet übt eine ziehende Macht auf andere aus. Sei freimütig und rufe aus, für wen du arbeitest. Je mehr auf Gottes Ackerland hinaus kommen, desto mehr Arbeit kann ausgeführt werden. Die Ernte wird reicher, und die Anzahl derer, die gewonnen werden, nimmt zu. Es gibt mehr als genug Platz auf Gottes Acker. Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte.

Der Mann ist mit uns nahe verwandt, er gehört zu unseren Lösern

Vers 20

Obwohl Ruth eine arme Heidin war, sagt Naemi, dass Boas nahe mit ihnen verwandt sei. Ruth hatte gesagt: Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Nun war sie in den wahren Ölbaum eingepfropft und hatte teil an Wurzel und Fettigkeit des Ölbaums. Es konnte von ihr gesagt werden, dass sie um seines Namens willen Haus, Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder und Acker verlassen hatte. Aber sie bekam es vielfältig wieder in dieser Welt und erbte ein ewiges Leben. Mt. 19, 29. Durch diese Wahl wurde ihr Boas zu einem nahen Verwandten und zu einem Löser. Jeder, der um des Namens Jesu willen alles verlässt, bekommt ihn als nahen Verwandten und Löser. Es steht von ihm geschrieben: Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er’s gleichermaßen angenommen, damit er durch seinen Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel, und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten. Hebr. 2, 14 und 15. Hier sehen wir Jesus als nahen Verwandten und als Löser. Er musste in allen Dingen seinen Brüdern gleich werden, auf dass er barmherzig würde und ein treuer Hohepriester vor Gott, zu sühnen die Sünden des Volks. Er hat uns erlöst von der Sünde und der Macht Satans, er hat uns frei gemacht und uns in das Reich seines lieben Sohnes versetzt. In ihm haben wir Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade, auf dass wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit. Eph. 1, 12.

Du sollst dich zu meinen Leuten halten, bis sie mir alles eingeerntet haben

Vers 21

Ruth bekommt die Anweisung, ausdauernd zu sein. Jesus sagt: Wer aber bis ans Ende beharrt, der wird selig werden. Mt. 10, 22. Jakobus sagt: Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott verheißen hat denen, die ihn liebhaben. Jak. 1, 12. Solange es etwas zu ernten gibt, sollen wir aushalten. Paulus jagte nach dem Ziel, ergriffen von Christus Jesus. Haben wir einmal gewählt, das Schicksal mit seinem Volk zu teilen, dann sollen wir während der ganzen Erntearbeit mit seinem Volk aushalten.

Es ist gut, meine Tochter, dass du mit seinen Mägden hinausgehst, damit dir nicht jemand auf einem andern Acker etwas zu Leide tue.

Vers 22

Die Gemeinschaft mit den Heiligen gibt Kraft. David sagt: An den Heiligen, die auf Erden sind, an den Herrlichen hab ich all mein Gefallen. Ps. 16, 3. In der Gemeinschaft findet man herrliche Güter, ja eine vollkommene Freude. 1. Joh. 1, 3-4. Die Gemeinschaft ist auch eine bewahrende Macht. Darum sagt Naemi zu Ruth: Es ist gut, dass du mit seinen Mägden hinausgehst. Die innige Zusammenarbeit unter Gottes Volk bringt gesegnete Resultate, und wenn alle auf Gottes Acker so fleißig wären wie Ruth, würde der Lobpreis über Gottes Güte von vielen Lippen laut ertönen.

Naemi warnt wie Boas (Vers 8) vor allen anderen Äckern.

Die Ähren auf dem Acker der Welt können schön und verführerisch aussehen, doch wenn man ihren Inhalt untersucht, sind sie eitel Leere. Wenn man auch über den ganzen Acker der Welt jagen würde, dann fände man nicht ein einziges wirkliches Korn. Leere Ähren sind wie leere Worte, sie sind verlockend für das Fleisch, aber sie sind voller Torheit und weltlicher Ehre, die den geistlichen Sinn lähmen.

Gottes Wort ist wie vollreifes Korn, das geöffnete Augen und einen klaren Verstand verleiht. Auf einem anderen Acker wird Unverstand für Verstand gehalten, denn da bewegen sich die Zerschnittenen. Die Ungehorsamen gehen auf einen andern Acker und müssen in ihrem Gewissen leiden. Der Zaun zwischen Gottes Acker und dem Acker der Welt ist das Kreuz. Befindest du dich auf dem Acker der Welt, kannst du durch das Kreuz auf Gottes Acker fliehen und ein reines Gewissen bekommen.

So hielt sie sich beim Ährenlesen zu den Mägden des Boas

Vers 23

Ruth war gehorsam, sie ordnete sich in allen Dingen dem Willen Gottes unter. Sie war eine Freude für Naemi wie auch für Boas, und Gott sorgte für ihr Andenken, indem er sie als leuchtendes Vorbild darstellte, durchaus der Nachfolge würdig.

3. Kapitel

Meine Tochter, ich will dir eine Ruhestatt suchen, dass dir’s wohlgehe

Vers 1

Ruth war jetzt geprüft und hatte sich in allem als treu erwiesen. Naemi verstand, dass Ruth zu einem tieferen Leben geschickt war. Sie übernahm daher die höchst wichtige und schwierige Aufgabe, sie in eine tiefere Ruhe zu führen, zu einer Ruhestätte bei Boas selbst, zu seiner Ruhe – als Fleisch von seinem Fleisch und Gebein von seinem Gebein. Eine Ruhe, von der gesagt werden konnte, dass diese beiden ein Fleisch waren.

Die Vergebung der Sünden empfing Ruth, als sie Moab (die Welt) verließ. Die Geistestaufe bekam sie bei der Ankunft im Land Juda. Aber durch Ausharren und Treue im Land Juda unter der Wegleitung des Geistes wurde sie zur Braut erwählt für den Mann, auf dessen Acker sie ihre Ähren auflas.

Wir, die wir glauben, gehen ein in die Ruhe. Hebr. 4, 3. D. h., nachdem wir gläubig geworden sind, gehen wir ein in die Ruhe. Eine Ruhestätte in Gott oder die Ruhe Gottes findet die Seele nicht eher, als sie in persönlichem Gehorsam den Willen Gottes getan hat. Vollkommene Ruhe kommt von selbst durch Einverleibung in sein Fleisch. Wenn Naemi davon spricht, Ruth eine Ruhestätte zu suchen, dann meint sie, ihr einen Ehemann zu verschaffen, in dessen Haus sie Ruhe finden und sich geborgen fühlen konnte, weil es ihr eigenes Heim sein würde. Christus ruht in Gottes Ruhe, weil er das Werk vollbrachte, das ihm zu vollführen aufgetragen war. Wir gehen ein in seine Ruhe, indem wir das Werk vollführen, das uns im Heiligen Geist aufgetragen ist. Auf diese Weise werden wir Fleisch von seinem Fleisch – seine Braut – und wir finden eine Ruhestätte bei ihm.

Siehe, er worfelt diese Nacht Gerste auf seiner Tenne

Vers 2

Es ist nicht immer hell für die Seele, selbst wenn sie sich unter Gottes Obhut und in seiner Bearbeitung befindet. Das Gute ist aber dennoch, dass man in der Finsternis des Herrn ein gutes Gewissen hat und sich unter seiner Bearbeitung befindet, während die Seele in Satans Finsternis und Macht ein schlechtes Gewissen hat.

In der Nacht worfelt Boas sein Korn.

Die Priester konnten wegen der Wolke nicht hinzutreten, um ihren Dienst zu verrichten; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus des Herrn. Damals sprach Salomo: Der Herr hat gesagt, er wolle im Dunkeln wohnen. 1. Kön. 8, 11-12.

Die Priester des Alten Bundes waren nur Priester zum Dienst für die Reinheit des Fleisches. Die Sünde im Fleisch war noch nicht verdammt und der neue und lebendige Weg war noch nicht gebahnt. Das Fleisch war kraftlos aufgrund der Sünde, die darin wohnte, und der Mensch konnte das Gesetz nicht halten, das heilig, gerecht und gut war. Die Sünde kam beständig vom Leib hervor, ebenso wie sich der Aussatz im Äußeren zeigt. Darum heißt es auch: Alle Sünden, die der Mensch tut, bleiben außerhalb des Leibes; wer aber Hurerei treibt, der sündigt am eigenen Leibe. 1. Kor. 6, 18.

Die Priester des Alten Bundes taten ihren Dienst außerhalb des Leibes, aber für den Leib. Das war Dienst an der Hütte. Genau denselben Dienst tun auch in unseren Tagen die meisten Priester und Prediger. Deren Verkündigung erstreckt sich nie weiter als bis zur Sündenvergebung. Die Wanderung der Seele im Glauben auf dem neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, sein Fleisch, wird nicht erwähnt. Ja, sie betrachten diese Wanderung mit Gott sogar für eine gefährliche Wanderung, denn die Seele entfernt sich von deren Priesterdienst hin zu Ihm, der Priester eines Neuen Bundes geworden ist.

Weil die Sünde noch nicht im Leib (im Haus) verdammt war, musste sich die Herrlichkeit des Herrn in Salomos Tempel in einer Wolke offenbaren. Diejenigen Priester, die Priester im Äußeren waren, konnten nicht zum Dienst hinzutreten. Ihr Priesterdienst erstreckte sich nicht bis ins Haus hinein, in den Leib hinein. Genauso ist es heute. Es liegt eine Wolke über dem inneren Leben für die Priester und Prediger, die an der Hütte dienen, und wenn es gilt, Dienst für einen Neuen Bund zu tun, dann können sie nicht bestehen. Zwar finden sie in den Schriften wahre Worte für einen Gutteil des inneren Dienstes, aber die Feindschaft gegen das Kreuz macht, dass sie sich immer außerhalb befinden.

Bevor die Seele innerhalb des Tempels Dienst tun darf, muss sie in der Dunkelheit des Herrn geworfelt werden, ebenso wie Boas sein Korn in der Nacht worfelt.

Selig ist jede Seele, die aus der Ähre geklopft und dadurch von aller irdischen Verbindung befreit wurde und danach gedroschen wird, so dass ihre eigenen harten Spelzen von ihr abfallen. Sie wird wie die Speise Gottes, wie das lebendige Brot, das vom Himmel herniederkam, um der Welt Leben zu geben. Sie kann durch ihre Gerechtigkeit und durch das Wort der Gerechtigkeit Vielen Speise geben.

So bade dich und salbe dich und lege dein Kleid an

Vers 3

Wenn die Seele ausgeklopft und gedroschen ist, dann ist sie rein von anhängender Sünde und von festen Bestandteilen. Nun soll sie sich nach der Behandlung den Schmutz abwaschen, sich salben und sich ihr Festkleid anziehen. Sie soll nun als eine reine Jungfrau zum Bräutigam ihrer Seele kommen. Naemis Rat an Ruth war im Kleinen wie im Großen durch Gottes Finger – durch den Heiligen Geist – gewirkt. Darum lag er nie daneben. Ruth war die ganze Zeit wie ein gehorsames Kind. Glückliches Verhältnis.

Paulus tat eine ähnliche Arbeit mit den Korinthern, aber sie waren leider nicht immer so gehorsam und willig wie Ruth. Er sagt in 2. Kor. 11, 2-3: „Denn ich habe euch einem Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau Christus zuzuführen. Ich fürchte aber, es könnte womöglich, so wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List, auch eure Gesinnung verdorben und abgewandt werden von der Einfalt gegenüber Christus.“

Sieh Ruth an, wie einfältig sie in ihrer Treue war. Ihre Gedanken waren nicht abgewandt.

Wenn die Schlange die Gedanken abwendet, dann wendet sie sie gegen die Seele selbst und sagt: Du bist sehr fromm. Du bist heilig und rein, warum lässt du eigentlich Naemi über dich schalten und walten? Bist du nicht ebenso heilig und gut wie sie? Du musst doch einmal erwachsen werden, du musst doch einmal selbständig werden. 4. Mos. 16, 3.

Hört dann die Seele auf diese Stimme und nimmt diesen Geist Korahs an, wird jedes Mal eine Ruth zum Angriff auf Naemi übergehen. Denn Satan trachtet mit Eifer danach, Ruth und Naemi auseinander zu bringen.

Kannst du dich wieder erkennen, du, der du von der Schlange betört worden bist?

Die Korinther waren betört worden: Denn ohne uns seid ihr Herren geworden, sagt der Apostel.

Naemi hatte die Gesinnung, dass sie nur das Beste für Ruth wollte. Sie dachte nicht an sich selbst, sondern wollte Ruth eine Ruhestätte verschaffen. Der Geist Korahs dagegen versucht, sich selbst zu einer Größe zu erheben, er will selbständig sein und er will Heldentaten vollbringen. Er ist jedoch zum Untergang bestimmt, und wer ihm anhängt, geht mit ihm unter.

Wie schwierig ist es doch für Gott, die Seele in der ersten Liebe, in der ersten Treue und in der ersten Einfalt zu bewahren. Es gibt keinen schöneren Anblick als eine Seele, gewaschen, gesalbt und angetan mit diesem Festkleid. Sie ist bereit, ihrem Bräutigam entgegenzugehen.

Gehe hin und decke zu seinen Füßen auf und leg dich hin, so wird er dir sagen, was du tun sollst.

Die einfältige Treue kann das Unglaublichste ausrichten. Gehe hin und decke zu seinen Füßen auf und leg dich hin. Ruth war die ganze Zeit seit dem Tode ihres Mannes unter Naemis Decke und Schutz gewesen. Nun schickt Naemi sie zu Boas, damit sie eine Ruhestätte unter seiner Decke finden sollte. Welch ein Gegensatz zu unserer Zeit, wo alle das Ihre suchen. Der Evangelist sollte eigentlich den Neubekehrten zu den Personen schicken, deren Aufgabe es ist, die Seele auf dem Weg weiter zu führen, sodass der, der sät, sich freuen könnte mit dem, der da erntet. Denn Gott hat in seine Gemeinde eingesetzt: Apostel, Propheten, Hirten, Lehrer und Evangelisten. Diese sind zur vollkommenen Zurüstung der Heiligen gesetzt – zum Werk des Dienstes. Bis hierher hat Naemi Ruth gesagt, was sie tun sollte. Von nun an übernimmt Boas die Leitung und führt sie weiter. Naemi sagt selbst: Er wird dir sagen, was du tun sollst. Wenn wir uns unter der Leitung des Geistes Gottes befinden, werden wir feststellen, dass er verschiedene Werkzeuge gebraucht, um uns zu Gefäßen der Ehre auszubilden. Gott hat viele Mitarbeiter. „Gottes Decke“ aber ist der Geist der Wahrheit. Unter dieser Decke finden wir den Bräutigam unserer Seele, der uns sagt, was wir tun sollen, indem er uns in alle Wahrheit leitet und uns die zukünftigen Dinge verkündigt. Joh. 16, 13.

Alles, was du mir sagst, will ich tun

Vers 5

Ein Mensch mit einem so offenen und ehrlichen Sinn wie Ruth muss zu etwas Großem ausgebildet werden. Ein so hohes Maß an Demut muss Gnade vor Gottes Angesicht finden. Es gibt in unseren Tagen viele, die sofort tun wollen, was Gott sagt (behaupten sie selbst), doch vor einem Menschen wollen sie sich nie beugen oder ihm gehorchen. Nun ist die Sache die, dass Menschen mit einer derart stolzen Gesinnung nie Gott zu sich reden hören, denn er widersteht den Stolzen, aber den Demütigen gibt er Gnade.

Jesus sagt: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Joh. 20, 21. Wer im Innersten des Herzens aufrichtig ist, wird bald unterscheiden können zwischen dem, den Er gesandt hat, und den Personen, die mit etwas losziehen, ohne gesandt zu sein.

Ruth verstand, dass Naemis Führung der Wille Gottes war. Sie sah Mal für Mal, wie gut es ging und welchen Frieden sie bekam, wenn sie tat, wie Naemi sagte. Daher konnte sie auch wie ein vertrauensvolles Kind sagen: Alles, was du mir sagst, will ich tun. Und war ihr das zum Nachteil? Nein, sie gewann von Tag zu Tag größeren Wert für Naemi, für Boas, ja für Gott selbst.

Sie ging hinab zur Tenne und tat alles, was ihre Schwiegermutter ihr geboten hatte

Vers 6

Wie eine Braut, geschmückt für ihren Bräutigam, ging Ruth nun hinab zur Tenne. Vielleicht war es diesmal nicht so leicht, „alles zu tun, was ihre Schwiegermutter ihr geboten hatte“, aber sie war treu und widerstand allen Versuchungen. Naemi hatte – ohne Worte – Fühlung mit Boas in ihrem Geist, und Boas merkte wohl, dass hinter Ruth ein geprüfter geistlicher Wegleiter stand. Aber er bewunderte Ruths Gehorsam. Wäre Ruth von Naemis Wegleitung abgewichen, hätte Boas es gemerkt, und Ruth wäre gesunken in seinen Augen. Die Weisheit ist voller Gebote und Gesetze. Solange man fleischlich ist, wirken die Gebote als Gebot, aber durch Übung darin, alles genau zu tun, was sie gebieten, werden sie zu Gesetzen, die Gesetze werden zu Leben, und das Leben wird unser Leben. Selig ist jeder, der alles tut, was Gottes Weisheit und Gottes Erkenntnis durch die Wegleitung des Geistes gebieten.

Paulus achtete sehr darauf, dass die Heiden alles taten, was er ihnen sagte. In 2. Thess. 3, 14 heißt es: „Wenn aber jemand nicht gehorsam ist unserem Wort in diesem Brief, den merket euch und habt nichts mit ihm zu schaffen, auf dass er schamrot werde.“

Und Boas ging hin und legte sich hinter einen Kornhaufen

Vers 7

Boas legte sich nun unter seine Decke hinter dem Kornhaufen. Es war kein Zufall, dass er sich dort niederlegte, sondern getrieben vom Geist richtete er sich genau an diesem Platz ein. Das Sinnen und Trachten des Geistes ist Friede und Freude, darum wird jede geistliche Person sofort den richtigen Ort finden. Der Geist wirkt indessen nicht nur durch eine Person, auch Naemi war von Gottes Geist getrieben, Ruth die richtigen Ratschläge und Hinweise zu geben, denn Naemi hatte zu ihr gesagt: Merke dir die Stelle, wo er sich hinlegt. Und auch wir tun gut daran, uns die Stelle zu merken, wo Boas sich nun hinlegt.

Wenn Gott eine Seele zu uns leitet, eine Seele, die geschickt ist für die inneren Wege in Christus, so müssen wir hinter dem Kornhaufen beginnen – unter der Decke des Geistes. Der Kornhaufen liegt vorne, und es ist genug Speise im Haus des Herrn. Die ganze Fülle Gottes wohnt leibhaftig in ihm. Wir können von seinem Fleisch essen und von seinem Blut trinken, so viel wir wollen, aber wir müssen stets hinter dem Kornhaufen anfangen – mit den Anfangsgründen in Christus. Nur Diebe und Räuber versuchen, mitten im Kornhaufen anzufangen. Vom Ende des Kornhaufens her können wir uns tiefer in ihn hineindrängen. Wir müssen nie mehr aus Hunger ins Land Moab auswandern, denn wir haben den ganzen Haufen vor uns. Auch brauchen wir nicht vor Israels Richtern zu fliehen, denn er, zu dessen Füßen und unter dessen Decke wir liegen, wird Lebendige und Tote richten. Er sagt uns, was wir tun sollen. Er ist unser Wegleiter in diesem Leben. Er bereitet uns auf das Zukünftige vor und gibt uns eine ewige Herrlichkeit mit sich selbst im Himmlischen.

Um Mitternacht lag eine Frau zu seinen Füßen

Vers 8

Durch Gehorsam und Glauben werden wir vom Geist und vom Gewissen dazu getrieben, uns in dem Maß selbst zu läutern und zu reinigen, dass die Finsternis Gottes uns zu ersticken scheint. Es wird Mitternacht in der Seele, sie kann nicht mehr. Durch Glauben werden wir zu ihm hin getrieben, der uns geholfen hat und weiterhin helfen kann. Wir heben die Decke auf und legen uns zitternd und bange zu seinen Füßen nieder. Der Herr hat gesagt, er will im Dunkeln wohnen, und nun hat er sich hinter den Kornhaufen gelegt. Selig ist jede Seele, die sich die Stelle merkt, wo er sich hingelegt hat, sodass sie sich in der tiefsten Finsternis zurechtfinden kann – in blindem Glauben.

Jetzt erwacht der Hirte und Bischof der Seele, er beugt sich vor und sieht: Da liegt eine geringe Frau – arm im Geist – zu seinen Füßen. Eine beneidenswerte Stellung, selbst für eine Maria, die in der Helle des Tages zu seinen Füßen saß.

Und er sprach: Wer bist du?

Vers 9

Hier in tiefer Finsternis begegnen sich Armut und Reichtum. Der mächtige Mann fragt: Wer bist du?

Beachte, dass Boas es ist, der Ruth zuerst anspricht. Das ist immer der Fall, wenn eine Seele sich arm im Geist und verloren fühlt. Die Finsternis des Herrn macht die Seele so arm, dass sie, wenn der mächtige Mann fragt: Wer bist du? kaum Kraft dazu hat, ihren eigenen Namen zu sagen, denn sie fühlt sich unwert, überhaupt einen Namen zu tragen. In dieser Armut geht dann auch der Namenswechsel vor sich, indem die Seele ihrem Bräutigam geweiht und später nach seinem Namen genannt wird.

Wahre Armut vermag nicht, um Hilfe zu rufen. Sie ähnelt großer Sorge, in der niemand trösten kann – nur in Stille allein zu sein wird etwas nützen.

Mit der Finsternis des Blinden verhält es sich auf eine andere Weise. Bartimäus, ein blinder Bettler, saß am Weg. Als er hörte, dass Jesus kam, fing er an zu rufen und schrie: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! So ist es auch mit dem Sünder. Er ruft aus vollem Hals: Herr, erlöse mich!

Wenn man erlöst wurde und durch Gehorsam gegenüber dem Geist in die Finsternis geführt wird, hat man nicht mehr Kraft zu rufen: Herr, erlöse mich, denn man ist erlöst. Dann steht etwas anderes bevor. Die Seele soll unter seine Decke kommen, mit seinem Namen genannt werden, seine Leiden und seinen Trost teilen, sich durch sein Fleisch hindurch essen, sein Blut trinken. Der Bräutigam holt seine Braut aus der Finsternis heraus und fragt: Wer bist du? Selige Braut. Da liegt dein Bräutigam hinter dem Kornhaufen.

Ich bin Ruth, deine Magd. Breite den Zipfel deines Gewandes über deine Magd, denn du bist der Löser

Es war Gesetz in Israel, dass, wenn ein Mann arm wurde und etwas von seinem Grundbesitz verkaufen musste, dann sollte sein Löser, sein nächster Verwandter, kommen und lösen, was sein Bruder verkauft hatte, damit er wieder zu seinem Grundbsitz kommen würde. 3. Mos. 25, 25.

Obwohl sie eine Moabiterin war, erhebt Ruth Anspruch auf Israels Löserecht. Das war Glaube, der Glaube, in dem man alles vermag. Sie war ihrer Sache sicher, als sie sagte: Breite den Zipfel deines Gewandes über deine Magd, denn du bist der Löser. Ich bin Ruth, eine arme Heidin, eingepfropft in eine arme Familie aus den Kindern Israels, die dennoch Anspruch auf Israels Bürgerrecht hat. Sie hatte zu Naemi gesagt: Dein Gott soll mein Gott und dein Volk soll mein Volk sein. Aus diesem Grund mussten nun Gottes Gesetze ihre Gesetze werden, und das darin beschriebene Löserecht musste ihr Löserecht werden. Gott weicht von keinem einzigen seiner Worte ab.

Unsere eigene Decke ist sowohl zu kurz als auch zu schmal. Unter Christi Decke aber ist Platz für uns alle. Seine Gerechtigkeit deckt uns. Er ist unser Löser, er hat uns unseren Grundbesitz in Israel zurückverschafft. Glückliche Seele, die danach trachtet, unter seine Decke und seine Erlösung zu kommen.

Wir sind in Christus erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, und haben von ewigen Zeiten her unseren Grundbesitz in Ihm. Aber durch unsere lange Abwesenheit im Land Moab sind wir verarmt. Wir brauchen einen Löser, der unseren Grundbesitz lösen und ihn uns zurückgeben kann. Unser Löser und Erlöser ist Christus Jesus. Er hat uns und unseren Grundbesitz durch sein teures Blut erkauft.

Gesegnet seist du vom Herrn, meine Tochter!

Vers 10

Die Seele, die ihr Recht vor dem Gott Israels geltend macht, wird stets zu hören bekommen: „Gesegnet seist du, meine Tochter, gesegnet seist du, mein Sohn.“ Gott hat seinen Sohn gesandt, um die Verlorenen zu suchen und zu erlösen, darum gefallen ihm Seelen, die auf ihn eindringen, um Rettung und Erlösung zu bekommen. Je mehr die Seele in den Gesetzen des Geistes Gottes forscht, desto mehr lernt sie ihre Rechte kennen und desto größere Forderungen kann sie an Ihn stellen, der all unseren Mangel ausfüllen kann nach seinem Reichtum in Herrlichkeit.

Du hast deine Liebe jetzt noch besser erzeigt als vorher, dass du nicht den jungen Männern nachgegangen bist

Gottes Liebe zu uns ist eine Sache; aber unsere Liebe zu ihm ist etwas ganz anderes.

Gott hat seine Liebe zu uns dadurch erwiesen, dass er seinen Sohn für uns opferte, als wir noch Sünder waren. Wir aber erzeigen unsere Liebe zu Gott dadurch, dass wir seine Gebote halten.

Boas schätzte Ruths Liebe sehr, ebenso schätzt Gott unsere Liebe zu ihm sehr hoch. Ruth legte ihre Liebe dadurch an den Tag, dass sie nicht hinter den jungen Männern herlief.

„Die jungen Männer“ sind für eine junge Frau die Lüste des Fleisches. Wir erweisen unsere Liebe zu Gott und zu seinem Sohn Jesus Christus dadurch, dass wir nicht nach unseren Lüsten wandeln. Dies bedeutet, seine Gebote zu halten und ihn zu lieben. Dies bringt der Seele Gottes Erkenntnis und Gottes Weisheit bei. Herrliche Belohnung dafür, dass man nicht den jungen Männern nachläuft.

Nun, meine Tochter, fürchte dich nicht. Alles, was du sagst, will ich dir tun.

Vers 11

Bisher hatte Ruth stets das getan, was Naemi ihr gesagt hatte. Nun geschieht das Wunderliche, dass Boas alles tun will, was Ruth ihm sagt. Die Weisheit handelt wunderlich und verwunderlich mit einem Menschen. Sie geht anfangs in Verstellung mit ihm um, bis sie ihm vertrauen und ihm ihre verborgenen Schätze offenbaren kann. In der Tiefe von Ruths Herz lag ein starkes Verlangen, auf Gottes Wege zu gelangen. Dies wusste Boas, darum wollte er alles für sie tun.

Denn das ganze Volk in meiner Stadt weiß, dass du eine tugendsame Frau bist

Wenn Gott eine Seele gebrauchen und groß machen will in seinem Dienst, dann lässt er Gerüchte vor ihnen hergehen. Von Israel sagt der Herr: Von heute an will ich Furcht und Schrecken vor dir auf alle Völker unter dem ganzen Himmel legen, damit, wenn sie von dir hören, ihnen bange und weh werden soll vor deinem Kommen. 5. Mos. 2, 25.

Die Königin von Saba sagt zu Salomo: Du hast mehr Weisheit und Güter, als die Kunde sagte, die ich vernommen habe. 1. Kön. 10, 7.

Das Gerücht von Jesus erscholl durch ganz Syrien. Mt. 4, 24. Die Blinden gingen hinaus und verbreiteten die Kunde von ihm im ganzen Land. Mt. 9, 31.

Überall wo Gott sich durch eine – oder in einer –Seele offenbart, wird sich das Gerücht von ihm überallhin ausbreiten.

Gelegentlich sind es Erweckungsgerüchte, sodass das Volk zusammenströmt, um Gottes Wort zu hören. Andere Male sind es Gerüchte über Israels Propheten, die über alle Gottlosigkeit und alle Heuchelei innerhalb ihres Volks die Zuchtrute schwingen. Ob es nun dieses oder jenes ist, so steht Gott hinter einer Seele, wenn er gute Gerüchte über sie ausgehen lässt. D. h. gute Gerüchte für die Guten, auch wenn sie ein Schrecken für den Gottlosen sind.

Ja, es ist wahr, dass ich ein Löser bin; aber es ist noch ein Löser da, näher verwandt als ich

Vers 12

Boas war Löser, aber es gab einen näheren Löser. Gottes Leitung hatte Ruth indessen zu Boas geführt. Es zeigte sich später, dass der nächste Löser nicht imstande war, sie zu lösen.

So hat Gott unter seinen Dienern mehrere Löser, doch viele, die von den ersten sind, werden die letzten sein. Dieser Löser wollte gerne den Acker lösen, nicht aber Ruth. So wollen die untauglichen Löser immer gerne das haben, was der Mensch besitzt, mit der Seele selbst wollen sie jedoch keine Umstände haben.

Paulus verkündete den Korinthern Gottes Wort unentgeltlich, und das wollte er weiterhin tun, um den falschen Aposteln und betrügerischen Arbeitern die Gelegenheit zu nehmen, sodass sie, wenn sie sich selbst rühmten, in allem genauso tüchtig zu sein wie er, dann mussten sie ihm auch in diesem Stück gleich sein. 2. Kor. 11, 12.

Christi Diener bekommen Macht von ihm, zu lösen und zu binden, wer aber nur des Brotes wegen dient, ist kraftlos. Sie wollen den Acker haben, aber eine arme Ruth überlassen sie sich selbst.

Bleibe bis zum Morgen liegen!

Boas sagt: Bleibe über Nacht! Und morgen dann – wenn er dich lösen will, nun, so löse er dich! Gefällt es ihm aber nicht, dich zu lösen, so will ich dich lösen, so wahr der Herr lebt! Bleibe bis zum Morgen liegen!

Im Dunkel des Herrn darf man sich nichts vornehmen. Alle Wanderung muss im Licht geschehen. Doch ist man selig mitten in der Finsternis, wenn man zu Füßen seines Lösers liegt, verborgen unter seiner Decke. Jetzt ist Ruths Sache die Sache des mächtigen Mannes Boas geworden. Naemi, die als ein stiller, geistlicher Wegleiter hinter dem Ganzen steht, macht ihre Sache gut. Ja, so gut geht es jedem, der sich zuallererst selbst vom Heiligen Geist leiten lässt, um dann andere durch denselben Geist zu leiten. Möge Gott viele solche Arbeiter in seine Ernte hinaus senden.

Sie stand auf, ehe noch einer den andern erkennen konnte

Vers 14

Wenn der Herr es für die Seele dunkel werden lässt, schämt man sich, es zu sagen – oder es andere sehen zu lassen, denn man gibt sich gern selbst die Schuld für dieses Dunkel. Selbst wenn man mit den herrlichsten Resultaten daraus hervorgeht, kann man doch nicht gleich davon erzählen.

Boas ist mit diesem Stillschweigen einverstanden, denn er sagt: „Wenn nur niemand erfährt, dass eine Frau auf die Tenne gekommen ist.“

Große Dinge im Geist stehen noch bevor. Kein Fremder darf sich in diese Dinge einmischen. Ruths Erlösung naht. Sie wird bald eine Ruhestätte finden, die ihr auch Naemi zu suchen versprochen hat. Jesus sagte oft zu Menschen, die sich noch nicht selbst zurechtzufinden konnten, die aber doch etwas von ihm angenommen hatten: „Gehe hin und sage es niemandem.“ Sagt man solche Dinge, werden diejenigen, denen man es sagt, durch ihren Unglauben den wertvollsten Besitz des Herzens entheiligen. Man soll nicht Räuber in das Heiligtum seines Glaubens hineinlassen.

Und er maß sechs Maß Gerste und lud ihr‘s auf

Vers 15

Man geht nie mit leeren Händen aus dem Dunkel des Herrn hinaus. Sechs Maß Gerste lud er ihr auf. Ist man wie Ruth durch Gehorsam in diese Finsternis hineingekommen, dann wird Gott es belohnen. Wenn der Morgen kommt, ehe einer den andern erkennt, kann man mit frohem Herzen seines Weges ziehen, vollbeladen mit himmlischer Speise und mit guten Verheißungen für die Zukunft von Ihm, der nicht lügen kann.

Der eine erkannte den andern nicht, als die Seele diese Finsternis verließ, daher weiß niemand, wo es gewesen ist. Nur Gott und die Seele haben im tiefsten Dunkel eine Begegnung miteinander gehabt.

Und ich will dir heimliche Schätze geben und verborgene Kleinode, damit du erkennst, dass ich der Herr bin, der dich beim Namen ruft, der Gott Israels. Jes. 45, 3.

Kein Werkzeug Gottes entgeht Gottes Finsternis. Von unserem lieben Erlöser Jesus Christus heißt es:

Und von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Mt. 27, 45-46.

In der tiefsten Finsternis verließ der Vater seinen geliebten Sohn. Der Same des Weibes blieb allein zurück, um der Schlange den Kopf zu zertreten. Es war so finster in der Seele, dass Finsternis über das ganze Land kam, auf dass der Mensch, der nicht viel von der Finsternis des Herrn versteht, doch durch ein Zeichen ein wenig verstehen sollte, wie finster es war. Wir alle wissen, welche kostbaren Schätze Jesus aus dieser Finsternis mitnahm. Wenn die Mächte der Finsternis durch ihre Unreinheit in einer großen Finsternis herrschen konnten, wieviel mehr konnte dann er, der in Reinheit in deren Finsternis eindrang, in der Finsternis herrschen und ihnen die Macht nehmen, die sie durch ihre Unreinheit hatten. Hier war der Same des Weibes in der Finsternis und zertrat das Haupt des Fürsten der Finsternis, des Teufels. Gesegneter Held, Jesus Christus! Dein Name wird in alle Ewigkeit von den Menschenkindern geehrt werden, weil du treu warst und aushieltest. Und der Vater wird in alle Ewigkeit geehrt werden für seine Weisheit und für seine Liebe zu uns durch seinen geliebten Sohn.

Saulus von Tarsus schnaubte mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn. Er war auf dem Weg nach Damaskus, um diejenigen, die Gottes Weg angehörten, gebunden nach Jerusalem zu führen. Ihn umleuchtete plötzlich ein Licht; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst. Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus; und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht. Apg. 9.

Durch seinen Wandel im Licht eignete Jesus sich Macht über das Licht an; und indem er in die Finsternis eindrang und die Mächte der Finsternis zunichte machte, nahm er die Finsternis in Besitz. Darum stehen ihm nun Licht und Finsternis zur Verfügung, und er wendet sie nach seiner Einsicht und seiner Weisheit auf die Menschen zu deren Zucht, Ausbildung und Verherrlichung an.

Zuerst wurde Paulus von einem Licht umleuchtet, damit er verstehen sollte, dass er es mit einem mächtigen Mann zu tun hatte. Danach wurde er in eine tiefe Finsternis gehüllt. ln diesem Dunkel und unter dieser Decke der Gnade wurde ihm, so wie Ruth unter Boas’ Decke, alles gesagt, was er tun sollte. Er sah nämlich in einem Gesicht einen Mann mit Namen Ananias, der zu ihm hereinkam und ihm die Hand auflegte, damit er sein Augenlicht wiederbekommen sollte. Wir können von Saulus sagen, dass er in der Morgendämmerung aus dieser Finsternis aufstand, ehe noch einer den andern erkannte.

Er befand sich in der Gasse, die man „die Gerade“ nannte, und in dem Haus des „Judas“. Nach einer solchen Behandlung Gottes befinden wir uns immer in der geraden Gasse und im Haus des Judas.

Sie aber kam zu ihrer Schwiegermutter. Die sprach: Wie steht’s mit dir, meine Tochter?

Vers 16

Die treue Naemi folgt dem Gang der Ereignisse von ihrem ganzen Herzen, und Ruth erzählte ihr alles, was ihr der Mann getan hatte. Sie waren offen zueinander, diese zwei. Ruth war auf der sicheren Seite, denn sie hatte ganz und gar so gehandelt, wie die Schwiegermutter ihr gesagt hatte. Wenn alles in der rechten Ordnung ist, wird stets dieses offene Verhältnis zwischen Vätern in Christus und ihren Kindern bestehen. Ist ein Kind verschlossen und scheu geworden, können wir sicher sein, dass etwas nicht in Ordnung ist. Es hat etwas zu verbergen, weil es nicht genau so getan hat, wie ihm gesagt wurde. In dieser Finsternis hat Satan Macht, das ist nicht Gottes Finsternis. In solchen Fällen müssen die Väter durch Gottes Dunkel in die Satan-Finsternis der Kinder eindringen und die Seele aus dem Garn Satans befreien. Entziehen sich die Kinder dabei, dann sagt der Herr, dass er kein Wohlgefallen an einer solchen Seele hat. Wir sind Kinder des Lichts, Kinder des Tages, daher muss alles, was in Satans Finsternis verborgen liegt, in Gottes Licht hervorgezogen werden.

Diese sechs Maß Gerste gab er mir; denn er sagte: Du sollst nicht mit leeren Händen zu deiner Schwiegermutter kommen

Vers 17

Boas war ein mächtiger Mann – nicht allein, weil er reich war an Gütern in dieser Welt, sondern in erster Linie, weil er ein verständiger Mann war. Er verstand, dass Naemi mit ihren guten Ratschlägen hinter all diesem stand und dass Ruth Verpflichtungen ihr gegenüber hatte.

Paulus sagt: Wenn wir euch die geistlichen Güter gesät haben, ist es etwas Großes, wenn wir von euch diejenigen für den Leib ernten? 1. Kor. 9, 11.

Naemi hatte die geistlichen Güter in Ruths Herz gesät, sodass diese nun würdig und weisheitsvoll genug war, die Frau des mächtigen Mannes zu werden, dem sowohl der Acker als auch der Kornhaufen gehörte. War es da zu viel, wenn Ruth diese sechs Maß Gerste mitbekam? Ich kenne geistliche Väter in Christus, die ihren Kindern nicht nur geistliche Güter, sondern auch die zeitlichen gegeben haben. Gott belohne solche treuen Arbeiter mit einer reichen Ernte in den ewigen Wohnungen.

Es gibt genug geistliche Kinder, die in ihrem Verstand so verkrüppelt sind, dass sie sich Jahr um Jahr bedienen lassen und massenweise geistliche Güter entgegennehmen, ohne deswegen ein einziges Mal Herz und Hand zu öffnen, um von ihren zeitlichen Gütern auszuteilen. Wer geistliche Güter entgegennimmt, hat ganz einfach die Pflicht, von seinen irdischen Gütern auszuteilen, und wenn der Mann oder die Frau, die dir Hilfe bringen, diese Gabe nicht annehmen wollen, weil sie diese nicht benötigen oder nicht haben wollen, so gib sie in Gottes Namen jemandem, der sie benötigt, denn Arme haben wir allezeit unter uns.

Wir sollen uns auch an den Mann erinnern, der uns beistand, als wir errettet wurden. Er hat seine geistlichen Güter in dich gesät, gedenke daher seiner mit deinen zeitlichen – wenn du welche hast. Braucht er sie nicht, dann erweise deine Dankbarkeit Gott und ihm auf andere Weise.

Statt Dankbarkeit zu erweisen, sehen wir viele geistliche Kinder, die in Stärke und eigener Kraft heranwachsen, so dass sie sogar meinen, ihre Väter in Christus anleiten zu können. Aber diese Weisheit ist nicht von Gott, darum vergeht sie von selbst.

Warte nun ab, meine Tochter; denn der Mann wird nicht ruhen, er bringe es denn heute zu Ende

Vers 18

Wenn die Sache in Gottes Hand gelegt ist, können wir ruhig abwarten, denn er ruht nicht, er bringe denn die Sache heute zu Ende.

Naemi war viele Jahre weg gewesen und eben erst zurückgekommen, trotzdem kannte sie Boas so gut. Das zeigt, dass Boas schon viele Jahre lang ein rechtschaffener Mann und ein Diener des Herrn gewesen sein muss. Welch ein unerschütterliches Vertrauen ihm Naemi erwies!

Wenn doch Gott heutzutage viele derart treue Diener auf Erden hätte! Dann würde nicht Rechtssache für Rechtssache unerledigt liegen bleiben. Lasst uns unsere Dinge zu Ende führen. Sei aufrichtig, lege alle Fakten auf den Tisch, so dass wir klar sehen und klar richten können. Lasst uns siegen, wenn wir gerichtet werden. Die draußen wird Gott richten. Lasst uns drinnen richten, denn die Zeit ist da, dass das Gericht beginnt beim Haus Gottes – bei uns. Wir haben alle etwas zu richten, und wenn wir uns selbst richteten, so würden wir nicht mitsamt der Welt verdammt. Lasst uns im Licht wandeln, so wie er im Licht ist, dann werden wir Gemeinschaft miteinander haben, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, wird uns von aller Sünde reinigen.

Bist du in eine Sache verwickelt, dann warte ab. Bist du rein in der Sache, kannst du dich rühmen wider das Gericht, und wirst du bereits in deinem Gewissen gerichtet, dann stimme dem Gericht zu, dann wird es sich in Gerechtigkeit kehren.

Wenn andere Schwierigkeiten da sind, dann wird Gott die Sache nach seiner Einsicht und zu deinem Besten regeln, auch wenn es deinem Fleisch nicht immer schmeckt.

4. Kapitel

Boas ging hinauf ins Tor und setzte sich daselbst

Vers 1

lm Tor wurde im alten Israel Rat und Gericht gehalten. Da versammelten sich die ältesten und verständigsten Männer der Stadt. Der Narr tut seinen Mund nicht auf im Tor. Nun saß der mächtige Mann im Tor, um Ruths Sache zu Ende zu führen. Es war nicht leicht, an diesem Boas vorbeizukommen.

„Das ist’s aber, was ihr tun sollt: Rede einer mit dem andern Wahrheit und richtet recht, schafft Frieden in euren Toren.“ Sach. 8, 16.

Wir verstehen aus Naemis Äußerung, dass Boas im Tor ein angesehener Mann war, ein Mann, der sowohl ein gerechtes Urteil als auch ein Urteil, das zum Frieden führte, fällte. Sie hatte deshalb recht, als sie sagte: Der Mann wird nicht ruhen, er bringe es denn heute zu Ende. Es war eine wichtige Sache, die an diesem Tag bevorstand: Eine Seele sollte gelöst und zu einer Ruhestätte gebracht werden.

Man soll arbeiten, während es Tag ist, und das tat Boas. Für Ruth aber war dieser Tag die schwärzeste Nacht, darum sollte sie sich ruhig verhalten. In Ruths Augen war es keine kleine Sache, die heute anstand. Würde der andere und nächste Löser das Feld und sie lösen, würde Ruth seine Ehefrau werden. Würde er jedoch das Feld und sie nicht lösen, dann hatte Boas versprochen, sie zu lösen und sie zur Ehefrau zu nehmen. Sie liebte Boas: die ganze Zeit über hatte sie sich nahe zu ihm gehalten und war nicht den jungen Männern nachgelaufen. Heute sollte die Sache entschieden werden, und Ruth sollte sich still verhalten. Wer glaubt, eilt nicht; doch nur in Gottes Kraft kann man sich in solchen Fällen still verhalten.

Und Boas nahm zehn Männer von den Ältesten der Stadt und sprach: Setzt euch hierher! Und sie setzten sich

Vers 2

Dies beweist, dass Boas ein mächtiger Mann war, dass er im Nu zehn von den Ältesten der Stadt im Stadttor versammeln konnte.

Gesegnet sei Ruth, die ihre Sache und ihre Zukunft in Gottes Hand gelegt hat. Obwohl sie nur eine Heidin war, beginnen die Gesetze in Israel bereits zum Segen für sie zu wirken. Es lohnt sich, die Welt zu verlassen und unter Gottes Gesetze und Verordnungen zu kommen. Die zeitlichen und örtlichen Verhältnisse müssen zum Besten für eine Seele, die Gott gehorcht, zusammenwirken. Gott wird im Nu die ältesten und weisesten Männer der Stadt versammeln, um dir Recht zu verschaffen, wo du kein Recht gehabt hast. Er wird in den kommenden Zeiten seinen Reichtum an Güte gegen dich erzeigen.

Nun war der Rat zusammengestellt. Zehn von den ältesten und verständigsten Männern der Stadt, Boas nicht mitgerechnet, hatten ihre Sitze eingenommen. Der armen und unansehnlichen Ruth sollte nach Israels Gesetzen Recht geschaffen werden. Gesegnete Gesetze, die die ärmste Seele aus dem Staub erhebt und neben die Ältesten der Stadt setzt.

Innerhalb der Gemeinde kommen oft Dinge vor, die von den Ältesten erörtert und gerichtet werden müssen. Dann gilt es, dass Gottes Geist die Ratsversammlung leiten kann, sodass wir ihm gegenüber aufmerksam und gehorsam sind –entsprechend unserem Gewissen und gemäß der Schrift. Denn in der Gemeinde gilt dieselbe Regel wie im Tor: Man soll die Wahrheit reden und ein gerechtes Gericht und ein Urteil, das zum Frieden führt, fällen. Das werden wir tun, wenn wir uns selbst erinnern, was wir sind und woraus wir gemacht sind.

Da sprach er zu dem Löser: Naemi bietet feil den Anteil an dem Feld, der unserm Bruder Elimelech gehörte

Vers 3

Boas macht keine langen Einleitungen, ehe er zur Sache kommt, er trifft gleich den Nagel auf den Kopf. Dies beweist noch deutlicher, dass er ein verständiger Mann ist. Und dass er in Gegenwart der zehn ältesten Männern der Stadt Wortführer in seiner eigenen Sache ist, zeigt, dass er ein sehr mächtiger Mann ist.

Boas war nun dabei, eines der Werke auszuführen, die für ihn zuvor bereitet waren. Naemi wusste, was sie sagte, als sie darauf hinwies, dass der Mann nicht ruhen wird, ehe er die Sache noch heute zu Ende bringe. Es gibt viele Dinge in unserem Leben, die getan werden müssen, wenn wir Ruhe bekommen wollen. Sobald diese Dinge ausgeführt sind, sind wir sicher und haben tiefe Ruhe. Dies sind Werke, die in Gott getan sind. Boas war nun dabei, ein Werk auszuführen, das ihn tiefer in Gottes Ruhe hineinführen sollte. Es war nicht das erste Mal, dass Boas solche Werke ausführte, nachdem sogar Naemi davon wusste. Solche Werke haben eine durchschlagende Wirkung und gelingen, und wer nicht ruht, ehe er diese Werke ausgeführt hat, wird bald ein weiser und ein mächtiger Mann; denn Gott streitet überall für ihn und tritt überall für ihn ein. Wir, die wir glauben, gehen ein in die Ruhe. Hebr. 4, 3.

Der erste und nächste Löser hätte sich vorher um die Sache des Geringen kümmern sollen, wenn er gerecht gewesen wäre, aber nun musste Boas ihm die Verhältnisse unterbreiten. Dies zeigt, dass er keineswegs wach war, wenn es um das Recht, das Wohl und Wehe anderer ging. Nicht einmal um seine einfache Pflicht als der nächste Löser hatte er sich gekümmert. Darum war er auch kein mächtiger Mann.

Ich will es vor deine Ohren bringen und sagen: Kaufe es vor den Bürgern und vor den Ältesten meines Volks!

Vers 4

Boas war ein gerechter Mann. Er wollte den ersten Löser nicht übergehen. Dies lässt eine demütige Gesinnung erkennen. Selbst wenn der andere Löser nicht geistlich war, so nimmt ihm Boas dennoch nicht sein Recht als Löser. Dies zeugt von einem guten Gespür für die Gesetze des Geistes. Du tust wohl, lieber Boas, denn du stopfst für ewige Zeit den Mund des Lösers. Er wird nie sagen können: „Du, Boas, du bist ein Dieb, du hast mich übergangen, der ich ja der nächste Löser war, und so hast du selbst das Ganze an dich gerissen.“

Sei niemals selbstklug, hilf dir nicht selbst. Warte auf den Herrn und gib jedem, was ihm zusteht, dann wird Gott selbst dafür sorgen, dass du deinen dir zustehenden Teil bekommst.

Lerne von David! Samuel salbte David, und der Geist des Herrn kam über ihn. 1. Sam. 16, 13. Im nächsten Vers heißt es: Der Geist des Herrn aber wich von Saul, und ein böser Geist vom Herrn ängstigte ihn.

Man sollte glauben, dass David nun gegenüber Saul obenauf gewesen wäre. Aber das war er nicht. Es heißt von ihm: Und David richtete all sein Tun recht aus, und der Herr war mit ihm.

Im Vers danach heißt es von Saul: Als nun Saul sah, dass David alles so gut gelang, graute es ihm vor David.

Willst du, dass es deinen Gegnern vor dir graut, dann richte dein Tun recht aus. Dies tat Boas, darum wurde er im Tor gehört.

Er sprach: Ich will’s lösen

Hier gibt es vielleicht etwas zu gewinnen. Ich habe das Recht, ich will’s lösen. Seine rasche Antwort, bevor er die Sache von Grund auf mit ihren Folgen untersucht hatte, beweist, dass er eine oberflächliche Person war.

Boas hatte Ruths Wohl und Wehe vor Augen, dieser aber dachte nur an das Feld, das Irdische. Ruth war ein ewiges Wesen von weit größerem Wert als ein Stück Feld, aber trotzdem war das Stück Feld das Kostbarste in den Augen dieses Lösers.

Bist du Löser in Israel und denkst nur an das Feld, dann ist dein Dienst als Löser für nichts zu achten. Ich suchte nicht das Eure, sondern euch, sagt Paulus.

Boas sprach: An dem Tage, da du von Naemi das Feld kaufst, musst du auch Ruth, die Moabiterin, die Frau des Verstorbenen, nehmen, um den Namen des Verstorbenen zu erhalten auf seinem Erbteil

Vers 5

Wir sehen, wie Boas Stück für Stück den anderen Löser entlarvt, seine Meinungen, seine wahre Gesinnung aufdeckt. Nun war es klar für all die Ältesten im Tor, dass der Löser das Feld haben wollte. Er liebte das Gut. Doch nun kommt Boas zum Kern der Sache.

An dem Tage, da du von Naemi das Feld kaufst, musst du auch Ruth, die Moabiterin, die Frau des Verstorbenen, nehmen, um den Namen des Verstorbenen zu erhalten auf seinem Erbteil.

Nun ging es nicht mehr um eigene Interessen, sondern um einen Dienst für andere. Er sollte nicht sich selbst einen Namen machen, sondern den Namen des Verstorbenen erhalten. Dies war das Wichtigste in den Augen des Herrn. Der Löser aber wollte sich selbst einen Namen auf dem Feld seines verstorbenen Bruders machen. Eben darin bestand seine schlechte Gesinnung. Er war geistlich gesehen ein Brudermörder, der den Namen seines Bruders in der Welt gerne ausgerottet sah, wenn nur er selbst leben und gedeihen konnte.

Haben wir Christi Gesinnung, dann wollen wir anderen zu einem Namen verhelfen, jedem auf seinem Erbteil. Wir haben nicht das geringste Recht, unsern eigenen Namen auf dem Erbteil anderer aufzurichten. Das ist geistlicher Diebstahl und widerstreitet den Gesetzen des Geistes. Ich kann Hauptperson auf meinem eigenen Erbteil sein, soll aber dafür sorgen, dass andere Hauptpersonen auf ihrem Erbteil sein können. Du fragst vielleicht: Wie kann man das verstehen?

Wenn du begabter bist als dein Bruder, wenn du einen stärkeren Geist hast als er, so dass du Kräfte genug hast, ihn zu bezwingen und ihn dir im Geist untertan zu machen, auf dass allein dein Name über die weite Welt prangt und die andern nur dein Schwanz werden, dann wisse, dass du deine Macht nicht auf diese Weise benützen sollst. Du sollst deinem Bruder helfen, ihn ermahnen, gut zu ihm sein, sodass er auf seinem eigenen Erbteil wachsen und gedeihen kann wie eine Pflanze in ihrem eigenen Garten. Durch diese gegenseitige Güte und durch diese gegenseitige Hilfe sollen wir alle – jeder auf unserem Erbteil – zum Haupt hin wachsen, zur Mannesreife in Christus.

Wir sehen, wie es geht, wenn der Prediger das Erbteil anderer beherrscht. Wenn er stirbt, ist alles tot und still, denn alle waren nicht dazu erzogen, Herr auf ihrem Erbteil zu sein. Sie waren Sklaven und Steuerzahler für den Prediger, der über sie herrschte, anstatt sie zu bedienen.

Jetzt sollte sich zeigen, ob dieser Löser Fürsorge für das hatte, was dem Herrn angehörte, ob er seine Gesetze zu halten gewillt war oder ob er nur an sich selbst dachte und für sich selbst sorgte. Boas setzt ihn einer heftigen Prüfung aus und das in Gegenwart von zehn der verständigsten und weisesten Männer der Stadt. Ich kann vor mir sehen, wie sich der Löser jedesmal im Schraubstock wand, wenn Boas eine Umdrehung weiter drehte.

Jeder, der das Seine sucht, wird früher oder später in dieselbe Klemme geraten. Sieh daher zu, dass du dich rettest, bevor du in der Gegenwart von Zeugen in eine so peinliche Lage kommst. Wir müssen selbst lernen, die Schande unserer Blöße zu entdecken, bevor wir von anderen vor den Augen aller als so jemand bloßgestellt werden.

Der Löser fällt durch

Vers 6

Da antwortete er: Ich vermag es nicht zu lösen, sonst würde ich mein Erbteil schädigen. Löse dir zugut, was ich hätte lösen sollen; denn ich vermag es nicht zu lösen.

Der Löser wollte gerne Feld an Feld fügen, um sein eigenes Erbteil zu vermehren. Als es aber darum ging, das Erbteil eines andern auf dessen Feld aufzurichten, da vermochte er nicht mitzuhalten. „Ich vermag es nicht zu lösen, sonst würde ich mein Erbteil schädigen“.

Das ist wahr. Wenn man den Weg des Gehorsams nach dem Willen Gottes gehen will, dann schädigt man sein eigenes Erbteil, d. h. das Erbteil nach der Gesinning des Fleisches. Der eitle Mensch hat so vieles zu behüten und zu beschützen. Wenn nicht „lch“ überall aufpasse, geht das Ganze zugrunde. Wie tot, leer und nichtig wird doch aller Gottesdienst unter der Fürsorge dieses großen „Ichs“. Man empfindet es fast so, als ob man erstickt würde. Wenn nicht „Ich“ für mein eigenes Erbteil Sorge trage, dann verliere „Ich“ alles. Doch dieses „Ich“ versteht nicht, dass Gott es ist, der die Seele auf ihrem eigenen Erbteil einwurzelt und festigt, wenn die Gesinnung in ihr wohnt mitzuarbeiten, dass andere auf ihrem Erbteil befestigt werden.

Dieser Löser wagt nicht, den Willen Gottes zu tun, weil es in seinen Augen so aussieht, als ob alles, was er hütet und was ihm lieb ist, für ihn in die Brüche gehen würde. Löse dir zugut, sagt er, denn ich vermag es nicht zu lösen.

Bekräftigungen in Israel

Vers 7

Es war aber von alters her ein Brauch in Israel: Wenn einer eine Sache bekräftigen wollte, die eine Lösung oder einen Tausch betraf, so zog er seinen Schuh aus und gab ihn dem andern; das diente zur Bezeugung in Israel.

Jesus sagt: Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel. Mt. 5, 37.

Ein einfaches „Ja“ oder „Nein“ ist für den Menschen nie genug. Sie brauchen viele Zeugen und Zeremonien, ehe der eine dem andern glauben kann. Dies ist genug Beweis dafür, dass der eine glaubt, dass der andere ein Lügner ist, auch wenn er noch so gut über sich selbst denkt.

Da sagten sie zu Jesus: „Was tust du denn für ein Zeichen, auf dass wir sehen und glauben dir? Was wirkest du?“ Joh. 6, 30.

Auf diese Frage antwortet Jesus u. a.: „Ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“

Der äußerliche Mensch kann ohne Zeichen nicht glauben. Ja, er glaubt nicht einmal dann. Dies gilt für die Welt. Aber auch unter dem Volk Gottes ist man so nach außen gekehrt und ungläubig, dass man viele Zeichen braucht, ehe man glauben kann. Wer in dieser Richtung am meisten aufweisen kann, ist daher als der Ehrenvollste angesehen, weshalb man auch ordentlich wetteifert, diese so begehrte Würde zu erlangen. Es wird für nichts geachtet, wenn ein Mensch mit seinem Gott wandelt wie Henoch, wenn er Gottes Geist gehorsam ist und Offenbarungen aus Gottes Wort bekommt.

Die Juden hoben Gottes Gebote durch ihre eigenen Satzungen auf. Und dergleichen taten sie viel. Mk. 7, 11-13.

Das wiederholt sich in unseren Tagen. Man drückt sich elegant an der Leitung des Geistes vorbei und bewundert das Äußere, das Irdische, das scheinbar Gebildete und Feine. Satzungen und Menschengebote werden auf den Ehrenplatz gesetzt, und Gottes Gebote werden zur Seite geschoben.

Lasst alles unter euch zur Erbauung geschehen. Gott hat der Gemeinde Gnadengaben gegeben. Diese Gnadengaben dienen zum Segen, wenn man sie gemäß der Schrift anwendet. Doch alles, was in Menschenhände fällt, kann missbraucht werden. Das ist die Ursache von Unordnung im Gebrauch der Gnadengaben, und dies dient nicht der Erbauung.

Und der Löser sprach zu Boas: Kaufe du es! und zog seinen Schuh aus

Vers 8

Ja, das sieht ihm gleich. Er zog seinen Schuh aus. Du kannst sicher sein, dass Boas seinen Schuh anbehielt, er war nicht abhängig von allen diesen mannigfaltigen Bräuchen und Satzungen Israels, die sich im Volk bis zu den Tagen Jesu hielten und die Gottes Gebote zunichte machten. Dieser Löser war der Held, der wusste, wie es nach außen aussehen musste, auch wenn er in Boas’ Augen und in den Augen aller Geschlechter, in denen der Geist des Verstandes ist, die pure Habsucht demonstrierte. Die zehn Ältesten der Stadt hatten also zu verstehen, dass dieser Löser ein Mann war, der eine Meinung hatte und der, wenn es galt, auf eine würdige Weise durch Schuhausziehen auch zu bestätigen wusste, was er sagte und meinte.

Liebe Seele! Versuche nie durch äußere Dinge, die Aufmerksamkeit der Menschen auf dich zu ziehen. Sondern versuche, dich zu verbergen, so wie die Cherubim sich mit ihren Flügeln deckten. Aus dieser Stellung heraus sollst du versuchen, den Sinn und die Gedanken der Menschen zu Christus hinzuwenden.

Es wimmelt von religiösen Zeichenauslegern in den heutigen religiösen Versammlungen, leere Fässer, die schrecklich poltern. Doch ihre Früchte sind einer Flugmaschine gleich, die mit viel Lärm stolz durch die Luft fliegt und aller Augen auf sich zieht. Wenn sie dann weg ist, bleibt man mit dröhnenden Ohren und einem steifen Genick zurück, weil man ihr zu lange nachgeschaut hat. Wenn du diese Gaukler nicht durchschauen kannst, dann darum, weil du so blind bist wie sie selbst. Jesus sah sie, die Propheten kämpften gegen sie, Luther arbeitete alle seine Lebtage wider sie. Nur du findest keinen einzigen, und das kommt wohl daher, dass du dir selbst so rein vorkommst, dass du der Wirklichkeit nicht in die Augen zu sehen wagst, um nicht beschmutzt zu werden.

Boas schreitet zur Tat

Vers 9

Und Boas sprach zu den Ältesten und zu allem Volk: Ihr seid heute Zeugen, dass ich von Naemi alles gekauft habe, was Elimelech, und alles, was Kiljon und Mahlon gehört hat.

Jetzt hat der Löser seine Rolle ausgespielt, die Flugmaschine ist weg, man sitzt da mit dem Dröhnen in den Ohren, und aller Augen sind auf Boas gerichtet. Doch Boas ist nicht von einer von den Menschen, die versuchen, die Aufmerksamkeit der Leute an ihre eigene Person zu binden, er wendet ihren Blick auf den Löser und sagt:

Ihr seid heute Zeugen, dass ich alles gekauft habe usw. Ihr habt jetzt gesehen, wie er seinen Schuh auszog!

Boas benützte die Gelegenheit und benützte das Zeichen des Lösers als Zeichen gegen ihn selbst. So hatte es sich der Löser wohl kaum vorgestellt, nun aber wurde es dennoch so. Das Zeichen wurde nicht zur Befriedigung des Fleisches, sondern wurde zur Waffe gegen ihn selbst.

Boas kannte den Löser, er wusste, dass das Land und alle Güter tief in dessen Herz vergraben waren, trotz des derben Schuhausziehens. Er verstand, dass es Ruth war, die er los sein wollte – und um ihretwillen musste er auf die Güter verzichten. Boas trifft dementsprechend seine Verhaltensregeln. Auch er beginnt mit dem Land und allem Gut und nimmt die Ältesten und alles Volk zu Zeugen, dass es nun ihm gehörte, er hatte es gekauft. Der Löser hatte sein Recht abgegeben und den Schuh ausgezogen zum Zeichen, dass die Sache besiegelt war. Es war nun nicht möglich für ihn, später mit Einwänden zu kommen.

Unser himmlischer Boas, Jesus Christus, tut ebenso. Er beginnt mit dem, woran das Herz am meisten hängt. Das Merkwürdige geschieht jedoch, dass Boas das zum Eigentum bekam, was der Löser von ganzem Herzen gerne gehabt hätte. So macht es unser himmlischer Vater mit uns. Wenn wir Fürsorge für die arme Ruth haben, dann gibt er uns ein Erbteil mit ihr. Man sollte sich klar darüber sein, dass die Erde um des Menschen willen und nicht der Mensch um der Erde willen da ist. Wer sich daher des Menschen annimmt, erbt die Erde mit; wer aber nur die Erde haben will und nicht den Menschen, bekommt garnichts. Aber diese Erkenntnis war für den Löser verborgen, weshalb er eigentlich nicht Löser heißen sollte, da er selbst gebunden war.

Boas kauft auch die Moabiterin Ruth

Vers 10

Dazu habe ich mir auch Ruth, die Moabiterin, die Frau Mahlons, zum Weibe genommen, dass ich den Namen des Verstorbenen erhalte auf seinem Erbteil und sein Name nicht ausgerottet werde unter seinen Brüdern und aus dem Tor seiner Stadt; dessen seid ihr heute Zeugen.

Boas war zuvor ein mächtiger Mann, doch nun wurde er mächtiger, als er je zuvor gewesen ist. Er bekommt eine sehr gottesfürchtige Frau und eine mit Gottes Weisheit besonders begnadete Schwiegermutter. Er bekommt Mahlons Land und verhilft dem Verstorbenen zu einem Sohn, der unter seinen Brüdern im Tor der Stadt sitzen kann.

Die Diener des Herrn, die Menschenseelen zu gewinnen suchen und die irdischen Güter verachten, werden zu guter Letzt alle Dinge mit Ihm ererben. Sie werden eine mächtige Nachkommenschaft hinterlassen.

Wie Pfeile in der Hand eines Starken, so sind die Söhne der Jugendzeit. Wohl dem, der seinen Köcher mit ihnen gefüllt hat! Sie werden nicht zuschanden, wenn sie mit ihren Feinden verhandeln im Tor. Psalm 127, 4-5.

Und alles Volk, das im Tor war, samt den Ältesten sprach: Wir sind Zeugen

Vers 11-12

Wenn der Gottlose redet und seine Sache darlegt, kann das zwar in Vieler Augen recht scheinen, denn er spart nicht an Bekräftigungen. Doch der Gerechte erforscht ihn und wenn er vor den Ältesten und allem Volk geredet hat, müssen sie sagen: Ja, wir sind Zeugen. Du hast Recht.

Hiob war zu seiner Zeit ein mächtiger Mann. Wenn er ausging zum Tor in der Stadt und seinen Platz auf dem Markt einnahm, dann sahen ihn die Jungen und verbargen sich scheu, und die Alten standen vor ihm auf, die Oberen hörten auf zu reden und legten ihre Hand auf ihren Mund, die Fürsten hielten ihre Stimme zurück, und ihre Zunge klebte an ihrem Gaumen. Denn wessen Ohr ihn hörte, der pries ihn glücklich, und wessen Auge ihn sah, der rühmte ihn. Hi. 29, 7-11.

Das bestätigt, was Paulus in 1. Kor. 2, 15 sagt:

Der geistliche Mensch aber ergründet alles und wird doch selber von niemand ergründet. Hiob konnte Fürsten, Grauhaarige und Jünglinge richten. Ja, selbst die drei Tröster, die versuchten, ihn zu verurteilen, mussten aufgeben. Der Herr gab Hiob das Zeugnis und sagte zu Eliphas von Theman: Mein Zorn ist entbrannt über dich und über deine beiden Freunde; denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob. […] Aber mein Knecht Hiob soll für euch Fürbitte tun; denn ihn will ich erhören, dass ich nicht töricht an euch handle. Denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob. Kap. 42, 7-9.

Bei Hiob befand sich auch ein Vierter: Elihu, der Sohn Barachels des Busiters, aus dem Geschlecht Ram. Sein Zorn entbrannte über Hiob, weil er in seinen eigenen Augen gerecht war, und über Hiobs drei Freunde entbrannte sein Zorn, weil sie Hiob schuldig sprachen und doch nicht vermochten, ihn zu verurteilen. Elihu hält eine längere Rede und legt seine Gedanken über Hiob dar und trifft schließlich den Nagel auf den Kopf, indem er sagt:

„Du hast geredet vor meinen Ohren, den Ton deiner Reden höre ich noch: Ich bin rein, ohne Missetat, unschuldig und habe keine Sünde usw. Merk auf, Hiob, und höre mir zu und schweige, damit ich reden kann! Hast du aber etwas zu sagen, so antworte mir. Sage an, ich will dir gern Recht geben! Hast du aber nichts, so höre mir zu und schweige; ich will dich Weisheit lehren.“ Hi. 33, 8-9; 31-33.

Hiob antwortet nicht auf Elihus Rede. Es sieht aus, als ob er einiges zu denken bekommen hätte, Dinge, an denen er nicht vorbeikommen konnte. Nach Elihu redet der Herr zu Hiob, und als die Rede zu Ende ist, antwortet Hiob:

„Darum hab ich unweise geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe. […] Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und Asche.“ Hi. 42, 1-6.

Der weniger Gerechte wird stets vom Gerechteren gerichtet. Da aber der Gerechtere mehr Gnade und Barmherzigkeit besitzt als der weniger Gerechte, wird er stets auf Gott, den Herrn, hinweisen können, der Auswege aus dem Tod hat. Will aber der weniger Gerechte den Gerechteren richten, so wird er nie vermögen, mit seinem Urteil das Rechte zu treffen, sodass es dem Verurteilten entspricht. So ein halbes Gericht kann sich daher auch nicht in Gerechtigkeit kehren. Der Gerechtere dagegen kann ein ganzes Gericht bringen und beim Gerichteten volles Eingeständnis hervorrufen. Danach kann auch von ganzer Erlösung die Rede sein.

Was ist also zu tun? Man soll sich in dieser Welt nicht auf mehr einlassen, als man auszuführen imstande ist. Das ist wohlgefällig und richtig in Gottes Augen und in den Augen der Menschen. Zu arbeiten mit dem, was man nicht vermag und was zu schwierig ist, dazu hat Gott uns nicht gesetzt, und in eigener Kraft erreicht man nichts.

Der Herr mache die Frau, die in dein Haus kommt, wie Rahel und Lea, die beide das Haus Israel gebaut haben

Ursprünglich kam Ruth durch Naemi unter Gottes Leitung. Sie war treu gegenüber ihrer Schwiegermutter in Armut und Not, sie folgte ihr auf dem langen und beschwerlichen Weg aus dem Land Moab und war ihr gehorsam im Kleinen wie im Großen.

An diesem Tag verhielt Ruth sich still und ruhig zu Hause bei ihrer Schwiegermutter.

Boas dagegen ruhte nicht, ehe er die Sache zu Ende gebracht hatte. Doch nun ist der Augenblick gekommen, da auch er ruhen kann.

Wir, die wir glauben, gehen ein in die Ruhe. Wenn ein Werk Gottes bevorsteht, können wir nicht ruhen, ehe die Sache zu Ende gebracht ist, doch sobald der Geist in uns das Vollbringen wirken konnte, können wir in Gottes Ruhe ruhen. Diese Ruhe wird tiefer und inniger mit jedem Werk des Glaubens, zu dessen Ausführung wir Gnade bekommen. Dies ist der sichere Gang der Heiligung – selbst bei Gläubigen wenig bekannt und beachtet. Man weiß in der Regel von der Vergebung der Sünden. Einige, die einen Schritt weiter gehen, haben auch Kenntnis von der Geistestaufe und von der Erwachsenentaufe. Doch die Unterweisung des Geistes ist wenig bekannt. Wenn wir mit dem Heiligen Geist getauft werden, ist das erst der Anfang. Danach soll er uns ja in die ganze Wahrheit leiten. Er soll in uns das Wollen und das Vollbringen wirken nach seinem Wohlgefallen. Dadurch wird er uns hineinführen in eine tiefere Ruhe und zu einer größeren Kraft. Er will in uns den „Menschen Gottes“ schaffen, der vollkommen sein soll, tüchtig gemacht zu allem Werk Gottes.

Naemi hatte eine Ruhestätte für Ruth gesucht. An diesem Tag fand sie diese sowohl für Ruth wie für Boas. Satan musste von dieser Ruhestätte des Glaubens fliehen, und Gottes Wohlgefallen lag über dem Ganzen, sodass alle die Ältesten und alles Volk Ruth segnen mussten und sagen:

Der Herr mache die Frau, die in dein Haus kommt, wie Rahel und Lea, die beide das Haus Israel gebaut haben.

Werde mächtig in Ephrata und mache dir einen Namen in Bethlehem!

Man soll die Segnungen der Ältesten und des Volks hoch schätzen. Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Boas wurde gesegnet und war zum Segen. Die Ältesten und das ganze Volk wünschen, dass Boas ein noch mächtigerer Mann als je zuvor werden möge. Wir können gewiss sein, dass er das auch wurde.

Sie wünschten ihm einen Sohn, dessen Name berühmt wäre zu Bethlehem. Er zeugte auch die berühmtesten Söhne, die jemals gelebt haben und leben werden.

Der Prophet sagt: Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.

Bethlehem war die Stadt Davids sowie die Stadt, in der Jesus geboren wurde. Boas bekam in Wahrheit einen berühmten Sohn in Bethlehem, und Ruth wurde wie Rahel und Lea eine Stammmutter in Israel. Und dies alles in Gottes völliger Ruhe und unter den Segnungen der Ältesten und des Volks.

Und dein Haus werde wie das Haus des Perez, den Thamar dem Juda gebar, durch die Nachkommen, die dir der Herr geben wird von dieser jungen Frau

Vers 12

Wenn Israels Älteste und alles Volk wünschten, das Haus des Boas möge wie das Haus des Perez werden, dann musste dieses Haus des Perez in Israel zu großem Segen gewesen sein. Sehen wir nach im Geschlechtsregister, dann finden wir heraus, dass Boas von Perez abstammt. V. 18-22. Das ist ein gesegnetes Geschlecht.

Perez war der Sohn von Juda und der Frau seines Sohnes Thamar. Als Thamar gebären sollte, wurden Zwillinge in ihrem Leibe gefunden. Und als sie gebar, tat sich eine Hand heraus. Da nahm die Wehmutter einen roten Faden und band ihn darum und sprach: Der ist zuerst herausgekommen.

Als aber der seine Hand wieder hineinzog, kam sein Bruder heraus, und sie sprach: Warum hast du um deinetwillen solchen Riß gerissen? Und man nannte ihn Perez, das ist Riss. Danach kam sein Bruder heraus, der den roten Faden um seine Hand hatte. Und man nannte ihn Serach, das ist Aufgang. 1. Mos. 38.

Es war etwas Besonderes mit der Geburt des Perez. Er brach sich Bahn vor seinem Bruder. Vermutlich war Perez ein Mann, der sich später im Leben in der Welt des Geistes einen Weg bahnte und ein großer Segen wurde für die, die nachkamen. Die Welt braucht hin und wieder einen Bahnbrecher. Gott sandte oft solche Männer zum Volk Israel. Sie brachten Licht in dunkle und finstere Zustände. Sie züchtigten und wurden gehasst, doch Gott war mit ihnen.

Auch unsere Zeit könnte jemanden wie Perez gebrauchen, jemanden, der einen Weg durch alle diese falsche Freiheit hindurch bahnen könnte, durch all dieses Geschwätz vom Kreuz und von der Kraft – wo weder Kreuz noch Kraft vorhanden sind. Möge Gott in unserer Zeit, in der man den Schein der Gottesfurcht hat, deren Kraft aber verleugnet, viele solche Bahnbrecher aufrichten.

So nahm Boas die Ruth, dass sie seine Frau wurde

Vers 13

Ebenso wie Boas im Geist wandelte und durch seine Werke einging in die Ruhe, so wandelte auch Ruth im Geist und kam zu derselben Ruhe. Die Lüste im Fleisch waren bei beiden gekreuzigt, so dass sie einander in einem Opfer fanden, als ein Fleisch. Herrliche Ruhestätte, Gottes Ruhe.

Und sie gebar einen Sohn

Das Zusammenleben zwischen Boas und Ruth war zum Segen. Sie bekamen auch einen Sohn, der gesegnet war, noch bevor er im Mutterleib gebildet wurde.

Wir sind mit einem Geist getauft, um ein Leib zu sein, die Gemeinde. In der Gemeinde werden geistliche Kinder geboren, wenn die Gemeinde ihr Leben zusammen mit ihrem himmlischen Bräutigam lebt. Johannes hatte geistliche Kinder, und er hatte keine größere Freude als die, dass seine Kinder in der Wahrheit wandelten. Kinder sind ewige Wesen, die wir mitbekommen können, alles andere müssen wir verlassen. Es gibt deshalb keine größere Freude als die, wenn wir jemand auf den Weg mitbekommen. Der grüne Keim der Saat gibt immer die größte Freude.

Hier in der Welt ist es so, dass ein Vater geehrt wird, wenn er seinem Sohn zu einer hohen Stellung verhilft. So wird auch unser himmlischer Vater geehrt, wenn wir viel Frucht bringen, wenn wir dicht in der Fußspur des Meisters folgen.

Gelobt sei der Herr, der dir zu dieser Zeit einen Löser nicht versagt hat! Dessen Name werde gerühmt in Israel!

Vers 14

Die Gesetze in Israel sorgten dafür, dass es einen Löser gab. Gesegnete Gesetze. Mitunter wird von den heiligen und gerechten Gesetzen geredet, als ob sie Feinde der Menschheit wären. Dies kommt daher dass der Mensch seinem gefallenen Wesen nach mit der Sünde verbunden ist und deren Lüste genießt. Das Gesetz überführt der Sünde und züchtigt den Sünder, darum wird es gehasst. Gibt es jedoch eine aufrichtige Seele, dann wird diese das Gericht und die Verdammnis durch das Gesetz als berechtigt anerkennen. Sie wird herausfinden, dass die peinliche Stellung, in die sie geraten ist, von ihr selbst verursacht wurde, und sie wird sich nach einem Löser umsehen. Boas war ein solcher Löser, den Gott in Ruths Weg sandte. Nun sagen die Frauen zu Naemi: Dessen Name werde gerühmt in Israel.

Es heißt vom Antichristen, dass er auf den Flügeln des Gräuels, aus einem gottlosen Geschlecht kommt und dass er aus einer verdorbenen Geistesrichtung heraus geboren wird.

lm Gegensatz dazu kam unser geliebter Löser und Erlöser, Jesus Christus, auf den Flügeln des Segens. Seine Vorfahren nach dem Fleisch bestanden aus einem ganzen Geschlechtsregister von gottesfürchtigen Männern und Frauen, deren Name zu ihrer Zeit und über ihre Zeit hinaus bis in unsere Tage hinein gerühmt wurde. Sie wurden zu ihrer Zeit vom Volk gesegnet und von Gott als Väter erwählt für ihn, der jeden verlorenen Sünder, der zu ihm kommt, löst und erlöst.

Der wird dich erquicken und dein Alter versorgen

Vers 15

Naemi war treu gewesen gegenüber Ruth. Sie hatte sie mit Einsicht und Verstand auf den Pfaden des Rechts geleitet. Sie suchte nicht das Ihre in dem, was sie sich vornahm. Nun wollte Gott sie gerade mit dem belohnen, worin sie treu gewesen war, gleichwie er einen Sünder mit dem bestraft, womit er sich versündigt. Ruth sollte einen Sohn bekommen, der Naemis Seele erquicken und ihre Unterstützung im Alter sein sollte.

Wie gesegnet, in seinem Alter Erquickung und Unterstützung bei seinen geistlichen Kindern zu finden. Es wird sich immer am Lebensabend eines Menschen zeigen, was er in seinem Leben gewesen ist. Was er gesät hat, wird er auch ernten.

Und Naemi nahm das Kind und legte es auf ihren Schoß und ward seine Pflegerin

Vers 16

Naemi war wie eine Mutter für Ruth gewesen, und nun hatte sie Ruths Weg zu einer Ruhestätte gelenkt. Naemis Werk mit Ruth war zu Ende, und in Zukunft würde sie ihrem Mann, Boas, untertan sein. Naemi war nicht wie die unverständigen Schwiegermütter, die ihre Arme in die Ruhestätte hineinstrecken und Unruhe schaffen. Dazu war sie viel zu weise und verständig.

Jetzt hatte sie einen Sohn auf ihrem Erbteil bekommen. Was ihre Seele begehrt hatte, bekam sie in reichem Maß. Sie nahm den Kleinen auf ihren Schoß und ward seine Pflegerin. Eine bessere Pflegerin hätte er nicht bekommen können.

Selig ist jede Seele, die in ihrem frühesten geistlichen Alter eine solch gute Pflegerin bekommt.

Und ihre Nachbarinnen gaben ihm einen Namen und sprachen: Naemi ist ein Sohn geboren; und sie nannten ihn Obed. Der ist der Vater Isais, welcher Davids Vater ist

Vers 17

Dieses ganze Buch zeugt davon, wie alle Werke zuvor bereitet sind, dass wir darin wandeln sollen. So wie Jesu Gewand von oben bis unten als ein einziges Stück gewoben war, so werden die Werke, die vom Heiligen Geist hervorgetrieben werden, Masche für Masche ineinander gewoben.

Der kleine Obed auf Naemis Schoß ist sehr berühmt geworden, denn er ist der Großvater des großen Königs David, der wiederum der Stammvater unseres lieben Erlösers, Jesus Christus, ist.

Schluss

Möge dieses kleine Buch dazu beitragen, dass wir uns mehr als je zuvor befleißigen, im Gehorsam des Glaubens zu wandeln.

Unter Aksel Smiths hinterlassenen Papieren befand sich auch eine Bearbeitung der zwei ersten Kapitel des Buches Ruth – wahrscheinlich 1911 oder 1912 geschrieben. Dieses mit Bleistift verfasste Manuskript gab den Anlass zur Herausgabe des vorliegenden kleinen Buches, in das bei der Bearbeitung der zwei ersten Kapitel die besten Gedanken meines lieben Bruders mit einbezogen sind.