(Nicht veröffentlicht in Skjulte Skatter)
Der Epheserbrief
Im 13. Kapitel der Apostelgeschichte sehen wir, dass es in der Gemeinde zu Antiochia Propheten und Lehrer gab. Unter diesen waren Saulus und Barnabas. Während sie dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: „Sondert mir aus Barnabas und Saulus zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe. Da fasteten sie und beteten und legten die Hände auf sie und ließen sie ziehen.“
Hieraus geht hervor, dass Saulus und Barnabas Propheten waren und die Berufung zu Aposteln hatten. Nur sollte die übrige Gemeinde hierüber Bescheid bekommen, sodass sie deren Berufung anerkennen und sie nach dem Willen Gottes aussenden konnte.
Propheten
Als König Abimelech die Sara von Abraham holen ließ, offenbarte sich Gott ihm durch einen Traum und sprach zu Abimelech: „Siehe, du bist des Todes um der Frau willen, die du genommen hast; denn sie ist eines Mannes Ehefrau.“ Nachdem nun Abimelech erklärt hatte, dass er dies in Unwissenheit getan hatte, sprach der Herr: „Ich weiß auch, dass du das mit einfältigem Herzen getan hast. Darum habe ich dich auch behütet, dass du nicht wider mich sündigtest, und habe es nicht zugelassen, dass du sie berührtest.
So gib nun dem Mann seine Frau wieder, denn er ist ein Prophet, und lass ihn für dich bitten, so wirst du am Leben bleiben. Wenn du sie aber nicht wiedergibst, so wisse, dass du des Todes sterben musst und alles, was dein ist.“ 1. Mos. 20.
Abraham war ein Prophet, ein Mann, der mit dem Herrn redete. Mose war ein Prophet, mit dem der Herr von Angesicht zu Angesicht redete. Christus war ein Prophet. Apg. 3, 22. Ein Prophet ist ein Mann, dem sich der Herr offenbart und dem er seinen Willen mitteilt. Der Mensch bleibt nicht ungestraft, der sich an den Propheten des Herrn vergreift. Doch wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet ist, der wird den Lohn eines Propheten empfangen. Mt. 10, 41.
Der Prophet ist das Sprachrohr, durch welches der Herr zum Volk redet. Der Prophet hört, was der Geist der Gemeinde sagt, denn er steht in Verbindung mit den unsichtbaren Kräften. Aus den Propheten werden einige zu Aposteln erwählt.
Dass Gott auch im Neuen Bund einige als Propheten eingesetzt hat, sehen wir aus Apg. 13. Es wird sie in der Gemeinde immer geben – zu ihrem Nutzen und ihrer Entwicklung. Möge Gott seine Propheten segnen!
Evangelisten
Das ganze Erlösungswerk Gottes ist für uns ein Evangelium. Doch der Evangelist hat eine besondere Aufgabe. Er soll Menschen aus der Finsternis zum Licht führen, aus der Macht Satans zu Gott.
Nun kann jede gerettete Seele in einem gewissen Maß mithelfen, Sünder aus der Welt zu Christus zu ziehen. Dafür braucht man kein Evangelist zu sein. Wer dagegen von Gott als Evangelist in der Gemeinde eingesetzt ist, ist mit besonderen Gaben ausgerüstet, um für Sünder zu predigen.
Die Evangelisten in unseren Tagen versündigen sich sehr, wenn sie die Neubekehrten für sich selbst behalten. Der Evangelist soll selbst Teil der Gemeinde sein, wo Gott außer ihm auch Hirten, Propheten und Lehrer eingesetzt hat. Wenn der Evangelist einen Sünder zu Bekehrung führen konnte, vermag er in der Regel nicht, ihn weiterzuführen. Es sind nun die Hirten und Lehrer, die diese Seele weiter voranführen sollen.
Doch was geschieht? Die Evangelisten setzen die Neubekehrten auf ein Podium hinter ihrem Rücken, und dann predigen sie weiter für Sünder. Diese Neubekehrten sollen dann in den Pausen ihre Zeugnisse ablegen. Arme Seelen – ohne Hirte und ohne Wegleiter sitzen sie dort Jahr für Jahr und verkümmern. Der Evangelist zittert, dass er seine Schafe verlieren könnte, für die er weder Fähigkeiten noch Gaben hat, ihnen die geringste Nahrung zu geben. Er spricht nur zu Sündern, zu Sündern und abermals zu Sündern. Wer dann von der Sünde errettet ist, sitzt hinter seinem Rücken und verhungert. Was für eine Verantwortung doch diese Menschen haben!
lch möchte jedem, der zu Sündern spricht, raten zu bedenken, dass es in der Gemeinde außer dem „Evangelisten“ noch andere gibt. Diese anderen sind im Leib verborgener, aber es gibt sie, das sollte der Evangelist wissen.
Es ist an der Zeit, nun damit aufzuhören, mit der Arbeit für Gottes Reich Geschäfte zu machen. Lasst der Seele Freiheit, sich in ihrem eigenen Erbteil zu entwickeln und lasst Propheten, Hirten und Lehrer nach dem Evangelisten an der Arbeit mitwirken.
Hirten
Die Neubekehrten haben nicht Leben bekommen, um gleich darauf zu sterben. Wenn ein Neugeborenes nicht augenblicklich Pflege und Nahrung bekäme, würde es umkommen. Ebenso die geistlichen Kinder.
Der Hirtendienst ist wie der Dienst einer liebevollen Mutter für ihr Kind. Weil aber ein solcher Dienst im Verborgenen vor sich geht, wird er vom nach außen gekehrten Menschen wenig geachtet. Er steht auch bei fleischlichen Christen und unter Predigern, die das Ihre suchen, nicht sonderlich hoch im Kurs. Doch für Gott ist der Hirtendienst von doppeltem Wert. Es ist ein anstrengender Dienst, der große Aufmerksamkeit und Fürsorge erfordert.
Ein richtiger Hirte wird jede freie Minute nutzen, auch am Arbeitsplatz, um seine Lämmer anzuleiten. Er wird darauf achten, dass sie ihre Arbeit ordentlich tun, dass sie sich nicht an leerem Geschwätz mit weltlichen Arbeitskollegen beteiligen, dass sie sich nicht in eine Ecke verziehen, um eine Pfeife oder Zigarette anzuzünden. Er wird darüber wachen, dass sie nicht mehr versprechen, als sie halten können, und dass sie ihr Versprechen halten, wenn sie es einmal gegeben haben. Er wird auf ihre Finanzen achten, dass die Ausgaben nicht die Einnahmen überschreiten, dass sie nicht zur Zeit und zur Unzeit Geld borgen und hier und dort mit Wechsel-Schuldscheinen umherlaufen. Er wird darauf achten, dass sie beim Essen und Trinken nicht schwelgen, dass sie sich geziemend kleiden, sodass sie so wenig wie möglich auffallen, dass sie sich rein bewahren und im Übrigen in allen Dingen ohne Anstoß sind, sodass sie in allem eine Zierde der Lehre Christi sind.
Manche könnten nun finden, dies sei zu viel des Guten, und man würde auf diese Weise in die persönliche Freiheit eingreifen.
Das Fleisch macht sich auf alle mögliche und unmögliche Weise bemerkbar, und diese Art von persönlicher Freiheit muss erstickt werden, damit die Freiheit Christi zum Vorschein kommen kann.
lch bin mir voll bewusst, dass eine Anzahl von Predigern vor dieser praktischen Gerechtigkeitserziehung warnt, aber ich bin mir auch bewusst, dass diese Warnungen nicht von Gott stammen, sondern von einem Vater, dem Teufel, sind. Denn es ist eine bekannte Tatsache, dass sich unter den festen Anhängern derselben Prediger Leute befinden, die aus der Versammlung hinausgehen, um eine zu rauchen, die mit der Bezahlung des Monatsblattes jahrelang im Rückstand sind, die zwar reichlich in den Kollekteneimer geben, ihre Augen jedoch davor verschließen, in wieweit ihre Einnahmen ihnen auf gerechte oder ungerechte Weise zufließen, die in ihrer Kleidung an die Eitelkeit dieser Welt heranreichen.
Für solche wird es eine fürchterliche Knechtschaft sein, gottesfürchtig zu leben. Darum hat Gott Hirten in der Gemeinde eingesetzt, die darüber wachen sollen, dass das Fleisch in Knechtschaft gehalten und gekreuzigt wird.
Lehrer
„Und der Herr wird euch in Trübsal Brot und in Ängsten Wasser geben. Und dein Lehrer wird sich nicht mehr verbergen müssen, sondern deine Augen werden deinen Lehrer sehen. Deine Ohren werden hinter dir das Wort hören: Dies ist der Weg; den geht!“ Jes. 30, 20-21.
Solange alles gut geht, ist man reich und hat Überfluss – selbst wenn die größte Armut herrscht. Niemand hat Bedarf für irgendeinen Lehrer, denn Jesus ist mir genug, sagt man. Nun ist es aber eben dieser Jesus, der Lehrer in der Gemeinde eingesetzt hat.
Es ist heutzutage traurig bestellt mit der Unterweisung in den Gemeinden. Man kann in Wahrheit sagen, dass die meisten nichts von Gott wissen. Den Sündern wird ständig gepredigt, doch wenn sie sich einmal bekehrt haben, dann ist auch damit Schluss. Es gibt so gut wie niemanden, der sich ihrer annehmen will. Gute Gefühle, gemütliches Zusammensein, lächelnde Gesichter, seelischer Gottesdienst, Zeugnisse, Gesang und Musik dürfen auf keinen Fall durch gesunde geistliche Unterweisung unterbrochen werden. Es wird als Störung all der Gemütlichkeit betrachtet, wenn jemand ermahnt, zurechtweist oder lehrt. Möge Gott sein Volk von all diesem Sonnenscheinchristentum erlösen, das in sich selbst zu einem großen Teil nur leerer Betrug ist. Ältere Leute sind derart von diesem Chaos eingelullt, dass sie es unter keinen Umständen verlassen wollen, doch haben wir gesehen, dass die Jugendlichen an mehreren Orten zur Vernunft gekommen sind. Sie haben dem Zuckerchristentum Lebewohl gesagt und offene Augen dafür bekommen, dass sie gesalzene Speise brauchen, wenn sie leben und wachsen wollen.
Wer Gott in Wahrheit fürchtet, bemerkt die Hohlheit schnell. Man kann von den stürmischsten Jubelversammlungen mit dem Gefühl der größten Leere weggehen. Es gab keinen wahren Tiefgang, keine Unterweisung, keine Erbauung in der Liebe. Nichts davon war geeignet, davon zu leben oder darauf weiter zu bauen.
Als Israel reich und satt wurde, sandte Gott das Brot der Not und das Wasser der Trübsal. Er ließ sie hungern nach all den leeren Phrasen, mit denen sie sich abgaben. Das half, denn es war, als ob ihnen allmählich die Augen dafür aufgingen, dass doch etwas dran sein musste an dem, was diese verachteten Lehrer Israels gesagt hatten.
Lass die Lehrer, die Christus in die Gemeinde eingesetzt hat, auch ein Wort mitreden; und sollte es auch brennen und schmerzen, so wirst du davon keinerlei Schaden nehmen.
4. Kapitel
Die Erbauung des Leibes Christi
„Damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Mann, zum vollen Maß der Fülle Christi.“ V. 12 und 13.
Wenn nicht die Apostel, Propheten, Hirten, Lehrer und Evangelisten alle ihr Werk in der Gemeinde tun können, dann werden die Heiligen nicht zur Erkenntnis Christi, nicht zum vollendeten Mann und zum vollen Maß der Fülle Christi heranwachsen können.
Die Ursache dafür, dass die Gemeinden in unseren Tagen darniederliegen, besteht darin, dass sich ein und derselbe Mann gewöhnlich herausnimmt, „Alleskönner“ in der Gemeinde zu sein. Er will Apostel, Prophet, Lehrer, Hirte und Evangelist sein – wiewohl er nicht einmal Evangelist genannt werden kann, weil er sich von den übrigen Kräften trennt, die Gott ebenfalls in der Gemeinde eingesetzt hat. Die ganze Aufmerksamkeit und das ganze Interesse der Gemeinde erstreckt sich einzig auf die Errettung der Sünder. Sie selbst, die „Alleskönner“, sind mehr als gut genug, so wie sie sind, obwohl sie nicht einmal die Anfangsgründe in Gottes Wort kennen.
Daher wird es so, wie die Schrift bezeugt: „Das sollst du aber wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden. Denn die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, zuchtlos, wild, dem Guten feind, Verräter, unbedacht, aufgeblasen. Sie lieben die Wollust mehr als Gott; sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie.“ Solche, die immer auf neue Lehren aus sind und nie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können. Wie Jannes und Jambres dem Mose widerstanden, so widerstehen auch diese der Wahrheit: es sind Menschen mit zerrütteten Sinnen, untüchtig zum Glauben.
Solche Menschen meide!
Aber sie werden damit nicht weit kommen; denn ihre Torheit wird jedermann offenbar werden, wie es auch bei jenen geschah. 2. Tim. 3.
Wären die obengenannten Menschen „außerhalb“, in der Welt, dann könnte man nichts anderes erwarten. Nun sind sie aber „innerhalb“, denn sie haben den Schein der Gottesfurcht, und sie lernen und lernen immerdar, ohne jemals zur Erkenntnis der Wahrheit zu gelangen. Wenn du sie prüfst, wirst du herausfinden, dass sie der Wahrheit widerstehen, wie Jannes und Jambres dem Mose widerstanden.
Der Apostel sagt, dass diese Menschen in den letzten Tagen hervortreten, und dass wir solche meiden sollen.
Ob nicht wir in den letzten Tagen leben, und ob wir nicht aus guten und beweisbaren Gründen solche Menschen meiden sollten?
Liebe Seele, gehorche der Wahrheit! Sei nicht wehleidig, wenn es gilt, im Fleisch zu leiden. Wenn du von der Sünde erlöst bist durch Christi Tod, dann sollst du weiter erlöst werden durch sein Leben. Röm. 5, 10.
Jedes Glied hat seine ihm zugemessene Wirksamkeit, die innerhalb des Leibes zum gegenseitigen Nutzen aller wirkt. Die Diener, die Gott in der Gemeinde eingesetzt hat, müssen sich in ihrer Wirksamkeit nach dem Willen Gottes entfalten dürfen, wenn der ganze Leib gedeihen und zu ihm hin wachsen soll, der das Haupt ist, Jesus Christus.
Verführung zum Irrtum
Damit wir nicht mehr Unmündige seien, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch das betrügerische Spiel der Menschen, durch die Schlauheit, mit der sie zum Irrtum verführen, sondern, wahrhaftig in der Liebe, heranwachsen in allen Stücken zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus. V. 14 und 15.
Wenn ein Mensch vom Wort der Wahrheit abirrt, wird er in der Regel ein Bewunderer kluger Fabeln. Er kann so gut lachen über all diese Verführungen zum Irrtum, und in seiner Aufgeblasenheit bildet er sich ein, sehr weit in Christus vorwärts gekommen zu sein.
Unmündige, aber aufrichtige Seelen haben es schwer, solchen forsch auftretenden Gauklern entgegenzutreten. Der Apostel will deshalb, dass wir, wahrhaftig in der Liebe, in allen Stücken zu ihm hin heranwachsen sollen, der das Haupt ist, Christus. Er will, dass wir in Christus mündig werden, so dass wir uns nicht von jedem Wind der Lehre hin- und herwerfen und umhertreiben lassen. Um nun mündig zu werden, müssen wir uns die Erkenntnis Gottes aneignen, so dass wir der irreführenden Erkenntnis etwas entgegenzusetzen haben. Die Erkenntnis Gottes wird immer zu Gottesfurcht und zur Kreuzigung aller fleischlichen Lüste führen. Falsche Lehren werden dagegen weg vom Kreuz und hin zu Aufgeblasenheit und Selbstbewunderung führen.
Die Gesetze und Verbindungen des Leibes
„Denn von ihm aus wird der ganze Leib fest zusammengefügt und zusammengehalten und vollzieht durch jedes Glied, das seinen Dienst nach der Wirksamkeit verrichtet, die dem Maß jedes einzelnen Teiles entspricht, das Wachstum des Leibes zu seinem eigenen Aufbau in Liebe.“ V. 16 (Menge-Übers.)
Wenn es hier heißt, dass der ganze Leib zusammengehalten wird, dann muss man daran denken, was der Leib ist. Zum Leib Christi gehören allein die Seelen, die mit einem Geist zu einem Leib getauft sind.
Um nicht gegen die Gesetze im Leib zu verstoßen, muss man die Berufung und Auserwählung jedes Gliedes genau beachten. Nicht alle haben dieselbe Aufgabe, so wie auch nicht alle dieselbe Gnade haben. Der eine hat eine ausgeprägte Gabe, Menschengeister zu beurteilen, ein anderer bekommt Offenbarungen in der Erkenntnis Gottes. Einige zeichnen sich durch ihre Freigebigkeit aus, andere durch ihre Gastfreiheit, wieder andere durch ihre Hilfsbereitschaft. Einige ermahnen, andere lehren, einige singen und spielen. Einer hat Gaben, um in der Küche zu dienen, ein anderer kann überführen und trösten.
All dieses dient dem Zusammenhalt des Leibes als ein Ganzes. Sie sind von Christus mit aller Weisheit und allem Verstand geschenkt, damit alles im Haus zur Ehre dessen ausgeführt wird, der das Haus gebaut hat.
Sei daher nicht voreilig, deinen Bruder zu richten, wenn er nicht dort Gnade und Gaben hat, wo du dies hast. Auf anderen Gebieten, wo du eher blind bist, kann er ein waches Auge haben. Sei demütig und bescheiden in deinen Gedanken und in deiner Beurteilung, denn niemand von uns hat Gnadengaben bekommen, um damit unsere Brüder zu verdammen, sondern um zu dienen und zu helfen.
So wie es außerhalb des Leibes Gesetze für Übertreter gab, so gibt es auch innerhalb des Leibes Gesetze für die gegenseitige Hilfe und Verbindung in Liebe.
Denn Gaben und Berufung gereuen Gott nicht, darum liegen die Gnadengaben von der natürlichen Geburt an im Menschen, denn Er ist aufgefahren zur Höhe und hat den Menschen Gaben gegeben. Man erlangt die Gaben nicht erst, wenn man wiedergeboren wird. Nein, sie werden selbst dem Gottlosen gegeben, aber es geht darum, dass die Gaben durch die Wiedergeburt durch den Geist geheiligt und im Dienst Gottes gebraucht werden. Wir können ja weltliche Menschen mit großer Freigebigkeit und ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn ausgerüstet sehen. Die Geistlichkeit eines Menschen kann man daher nicht nach seiner Gnadengabe beurteilen, sondern danach, ob er beim Einsetzen seiner Gaben Treue und Liebe erweist. Der Gottlose gebraucht seine Gaben ja oft dazu, um damit die weniger Begabten niederzuhalten und zu unterdrücken. Ebenso kann jemand, der weniger geistlich ist, seine Gaben benützen, und mit Fingern zeigen und schlecht reden von einem weniger Begabten, der vielleicht durch seine gute Gesinnung Gott mehr gefällt als der Begabtere.
Das Vollkommene wird daher sein, dass jeder seine Gabe zum Dienst in der Liebe Christi benützt, so dass niemand sich dort, wo er seine Gnadengabe hat, in fleischlichem Eifer zum Untergang der weniger Begabten ausbreitet. Denn selbst wenn es wahr ist, was er sagt, so hilft es doch nicht zum Wachstum des Leibes, weil er, der es sagte, nicht das Wohl des Betreffenden vor Augen hatte. Daher sollen wir in unserem Dienst im Leib wahrhaftig in der Liebe sein.
Die Nichtigkeit des Sinnes
Das sage und bezeuge ich nun im Herrn, dass ihr nicht mehr so wandeln sollt, wie die übrigen Heiden wandeln in der Nichtigkeit ihres Sinnes, deren Verstand verfinstert ist und die entfremdet sind dem Leben Gottes, wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verhärtung ihres Herzens; die, nachdem sie alles Empfinden verloren haben, sich der Zügellosigkeit ergeben haben, um jede Art von Unreinheit zu verüben mit unersättlicher Gier. V. 17, 18, 19.
Die größte Plage des Gottlosen ist die Nichtigkeit des Sinnes. Man fühlt sich einsam und verlassen. Nur eine neue Sünde kann einen für einen Augenblick aufleben lassen, um danach umso größere Verdammnis und umso größere Leere zu hinterlassen. Selbst die Wohnungen des Gottlosen zeugen von Leere, denn er hat den Segen von sich selbst und von seinem Haus weggejagt.
Gottes Geist arbeitet unermüdlich, die Seele bei jeder Gelegenheit zu erinnern, aber wenn man immer sein Herz vor dessen gesegneter Stimme verschließt, wird man immer weniger empfindsam und immer unfähiger, den Weg zu finden, den Gott einen Menschen führen will. Man verliert am Ende das Empfinden für das, wofür man sich schämen sollte. Der Sinn ist öde und leer, und die Verdammnis drückend.
Man kann sein Herz so lange für Gottes Stimme verhärten, dass man keine Verdammnis mehr verspürt, wenn man die gewohnten Sünden begeht. Nur wenn man noch weiter in die Sünde hinausgeht, wird das Gewissen warnen.
Dies heißt, tot in Übertretungen und Sünden zu sein. Eine solche Seele befindet sich in dem Reich, das Tod genannt wird. Dieses Todesreich wird einmal in den Feuersee geworfen werden. Offb. 20, 14. Ein fürchterlicher Zustand!
Einem Mensch wird vergolten, wie seine Werke sind. Darum sagt der Apostel, dass wir nicht länger wandeln sollen, wie die übrigen Heiden wandeln in der Nichtigkeit ihres Sinnes.
Den alten Menschen ablegen
Ihr aber habt Christus nicht so kennengelernt; ihr habt doch von ihm gehört und seid in ihm unterwiesen, wie es Wahrheit in Jesus ist. Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. V. 20, 21 und 22.
In der Schrift gibt es viele Begriffe, auf die man genau achten muss, wenn man den einen vom anderen unterscheiden können will. Gottes Wort redet nämlich Worte, die der heilige Geist lehrt. Diese Worte fallen ganz anders ins Gewicht als Menschenworte, obwohl der Geist menschliche Worte gebraucht.
Es ist die Rede vom Leib der Sünde und vom Leib des Fleisches, von Werken des Leibes und Werken des Fleisches, vom alten Menschen und vom neuen Menschen, oder wie er auch genannt wird: Der Mensch Gottes. Wenn man diese Dinge nicht zu unterscheiden vermag, bleibt das Verständnis von vielen Dingen ziemlich nebelhaft.
Die Gesinnung des Menschen entscheidet, inwieweit man ein Werk als „Werk des Leibes“, „Werk des Fleisches“ oder „Werk Gottes“ bezeichnen kann.
Hat man eine schlechte Gesinnung, tut man schlechte Werke, d. h. Werke des Fleisches, mit dem Leib des Fleisches. Diese Werke werden vom „alten Menschen“ ausgeführt. Durch die Wiedergeburt wird eine Entkleidung von dem fleischlichen Leib durch Christi Beschneidung vor sich gehen. Dieser Leib des Fleisches wird mit ihm in der Taufe begraben. Kol. 2, 11 und 12.
Diese Entkleidung von dem „Leib des Fleisches“ darf auf gar keinen Fall mit der Entkleidung vom „Leib der Sünde“ verwechselt werden, den wir behalten, solange wir im Leib zu Hause sind. Röm. 6, 6.
Die Werke des Leibes werden nicht mit meiner neuen Gesinnung, mit der ich Gottes Gesetz und Willen diene, ausgeführt. Sondern es ist die Sünde (die angeborene Erbsünde), die in mir wohnt, die mich gefangen nimmt unter das Gesetz der Sünde in meinen Gliedern und mich zwingt, Dinge zu tun, die ich hasse. Wenn ich sie hasse und Gott sie hasst, dann sind wir in dieser Sache einig. Ich töte dadurch die Werke des Leibes durch den Geist und werde leben. Röm. 8, 13.
Für diese Werke des Leibes gibt es keine Verdammnis, weil ich sie nach dem Gesetz der Gesinnung durch den Geist verurteile und auf diese Weise über sie triumphiere.
Das Ablegen des alten Menschen erfolgt nun dadurch, dass ich der Gesinnung nach immer dem Gesetz Gottes folge und dass ich die Werke des Leibes durch den Geist töte.
Den neuen Menschen anziehen
Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. V. 23 und 24.
Wenn man nun die Werke des Leibes nach und nach durch den Geist tötet und im Licht wandelt, wird das Blut von aller Sünde reinigen. Die Gesinnung reagiert dadurch früher gegen die Sünde und Unreinheit, man wird die Lüge hassen und die Wahrheit lieben. Man wird auch sein Leben in dieser Welt hassen. Das können wir tun, weil wir uns nicht mehr im Fleisch befinden, sondern im Geist. Röm. 7, 5 und Röm. 8, 9.
Die Erneuerung des Sinnes geht jeden Tag durch das Eindringen des Lichtes in den Leib vor sich. Die Sünde wird im Fleisch verdammt, und sie verliert mehr und mehr die Macht, so dass auch die Werke des Leibes in der Anzahl abnehmen und der alte, gekreuzigte Mensch mehr und mehr in den Tod am Kreuz hingegeben wird. Der Mensch Gottes nimmt nach und nach in dem Maß an Stärke zu, wie das Alte verschwindet. Wahrheit, Gerechtigkeit und Heiligkeit wachsen hervor durch die Erneuerung des Sinnes zu Licht und Vollkommenheit, die das Urim und Tummim des Neuen Bundes sind, mit denen der neue Mensch durch den Herrn alle Schwierigkeiten aufarbeiten kann. 2. Mos. 28, 30.
Leget die Lüge ab und redet die Wahrheit. Gebet nicht Raum dem Lästerer.
Die Verse 25-32 können zusammengefasst werden in diesem:
Legt die Lüge ab und redet die Wahrheit. Zürnt ihr, so sündigt nicht. Gebt nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr. Kein schlechtes Wort soll aus eurem Mund kommen. Betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes. Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei ferne von euch. Seid gegeneinander freundlich und barmherzig und vergebt einander.
Würde der Sündenleib durch die Wiedergeburt weggenommen, wie einige lehren, so wären alle diese Ermahnungen überflüssig. Der Apostel ist indessen anderer Meinung. Er sagt, der Sündenleib wird zunichte gemacht werden (Zukunft), wenn der alte Mensch am Kreuz gehalten wird. Röm. 6, 6.
Manche werden fragen: Sollte es denn notwendig sein, ein Kind Gottes zu bitten, nicht zu lügen und nicht zu stehlen und nicht zornig zu werden?
Ja, das ist sehr wohl nötig, denn der Zustand ist oft sehr elend. Man stiehlt von sich selbst und anderen Zeit. Man hat für so gut wie alles Verwendung und lässt es still und heimlich von Werkstätten und Arbeitsplätzen mitgehen. Der eine lästert über den andern und verdreht dessen Worte, so dass sie sich schlimmer anhören, als sie gemeint waren. Man sagt kleine Notlügen, um eine Lücke in einer Erzählung auszufüllen oder um den Schein zu wahren, wenn es eng wird. Man wird zornig und greift zu Ausdrücken, die den anderen verletzen, man gibt dem Teufel Raum. Man wird bitter wegen diesem und jenem, eben weil man nicht ausreichend davon gelöst ist. Man ist habsüchtig und sehr schnell dabei, wenn es ein paar Groschen zu verdienen gibt. Weniger schnell ist man, wenn einer Seele geholfen werden soll. Man zeigt mit Fingern und redet übel auf vielerlei Weise.
All dies zeigt, dass das Gesetz der Sünde seinen Sitz im Fleisch hat und dass die Lehre, dass das Gesetz der Sünde nicht dort wohnt, nicht standhält.
Wenn man nach und nach geistlich wird, wird man all dies ablegen, aber das geht nicht so sehr schnell, denn der Mensch will lieber sündigen als leiden.
Man erkennt schnell, was Christus für uns getan hat, aber man ist äußerst träge, wenn er etwas von uns verlangt – obwohl er die Kraft dazu gibt.
5. Kapitel
Die Wanderung
So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.. V. 1 und 2.
Wenn hier davon die Rede ist, Gottes Beispiel zu folgen, dann bedeutet das, sich von Seinem Geist leiten zu lassen.
Wir haben viel von der Liebe in einer verkehrten Form reden gehört, von einer Liebe zum Fleisch, schone dich selbst! Redet jemand Gottes Wort und spricht die Hässlichkeit der Sünde an, dann wird gesagt, dass es an Liebe fehlt.
Wenn nun jemand das Wort „Liebe“ missbraucht, so ist es doch rein für denjenigen, der es in Reinheit gebraucht, denn wir werden ermahnt, in Liebe zu wandeln.
Die Liebe besitzt eine herrliche Eigenschaft: Sie sucht nicht das Ihre, im Gegenteil, sie gibt. Sie stellt keine Forderungen an jemanden, sondern unterstützt. Christus hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und zu einem lieblichen Geruch für Gott. Was können nun wir für ihn opfern? Wir können uns selbst aus Liebe zu ihm in gleicher Weise opfern.
Die Liebe auf den inneren Wegen wirkt als das verborgene Band, das alle Eintragung als Mitglied einer Gemeinschaft überflüssig, ja sogar abscheulich macht. Wo die Liebesbande wirken, ist es ein Hohn gegen die Liebe, andere Bande als ihre eigenen zu benützen. Das ist Unglaube; der eine hat kein Vertrauen zum andern.
Wer in der Liebe wandelt, wird bald geliebt werden und Gegenliebe finden, denn jede Eigenschaft ruft bei anderen eine entsprechende hervor.
Es ist möglich, sich in der Gottesfurcht zu üben, und es ist möglich, sich darin zu üben, in der Liebe zu wandeln. Dies gehört zu den Dingen, die unerlässlich sind, um sich mit Macht in Gottes Reich hineindrängen zu können.
Leere Worte
Lasst euch von niemand mit leeren Worten verführen! Denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams V. 6 und 7.
Von leeren Worten sagt man, sie seien „heiße Luft“, aber das ist völlig falsch. Luft ist eine gesegnete Gabe Gottes, in der wir atmen und leben, während leere Worte die Aufmerksamkeit von ihm ablenken, der gehaltvolle und gewichtige Worte vom Himmel redet.
Es ist eine bekannte Tatsache, dass man in der Welt eine Menge leerer Worte gebraucht, es ist jedoch weniger bekannt, dass man in religiösen Versammlungen mit vielen wertlosen, ja schädlichen Nichtigkeiten um sich schlägt, die der alte, eitle, nun aber religiöse Mensch hervorzaubert. Diese leeren Worte werden gewöhnlich aus einem Gefühlsrausch und einer Begeisterung heraus geboren, in Träumen von religiöser Größe und aus Ehrsucht, aber sie werden zunichte angesichts der Realität des Lebens und gegenüber Gottes Wort. Sie taten ihren Dienst als Worte des leeren Betrugs für Menschen, die sich betrügen lassen wollen.
Gottes Wort ist rein wie das Silber, das siebenmal im Feuer geläutert ist, während leere Worte in der ersten Feuerprüfung verbrennen. Gottes Wort kann man oft mehrere Jahre lang gehört haben, ohne dass man es versteht. Aber eines Tages wird es plötzlich lebendig, und dann erinnert man sich daran, dass man es vor mehreren Jahren von diesem oder jenem gehört hat. Solche Worte gehen vom Ohr hinunter ins Herz, während leere Worte zum einen Ohr hinein und zum andern hinaus gehen.
Einst Finsternis, jetzt Licht
Denn ihr wart einst Finsternis; jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts! V. 8.
Die Finsternis ist eine Sache, aber hier wird gesagt, dass die ganze Person einst Finsternis war. Die Finsternis hatte den Menschen zerstört, so dass er zu einem „Menschen der Finsternis“ geworden war, einem Menschen, der sich in der Finsternis bewegt und alle seine Werke in der Finsternis tut.
In dieser Finsternis hat Satan Macht, er wird darum auch der „Fürst der Finsternis“ genannt, der den Menschen der Finsternis im Lauf und im Ringelreigen dieser Welt regiert und leitet.
Auch wenn die Finsternis die Werke der Finsternis für den zudeckt, der in der Finsternis ist, so weiß dennoch der Herr, was in der Finsternis vor sich geht, denn in Daniel 2, 22 heißt es:
„Er offenbart, was tief und verborgen ist; er weiß, was in der Finsternis ist, und bei ihm wohnt das Licht!“
Daraus geht hervor, dass sowohl der Fürst der Finsternis als auch der Mensch der Finsternis mit allen ihren Werken vom Herrn erkannt und gesehen werden. Dies kommt daher, dass das Licht bei ihm wohnt, und er Licht in die Finsternis scheinen lässt, wann immer es ihm gefällt. Alle Dinge sind bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben.
Nun wurden wir aus der Finsternis zum Licht geführt, von der Macht Satans zu Gott. So wie wir einst Finsternis in der Finsternis waren, so sind wir nun im Licht zu Licht im Herrn geworden. Man kann von uns sagen, dass wir davon, ein „Mensch der Finsternis“ zu sein, dazu übergegangen sind, ein „Mensch des Lichts“ zu sein. In diesem Licht bekommen wir je nach der Stärke des Lichts in größerem oder kleinerem Maß Fähigkeiten und Gaben wie Gott selbst, um zu erforschen, was in der Finsternis ist. Darum sagt meistens der „Mensch der Finsternis“, wenn man Licht in seine Finsternis hineinwirft: Wie kannst du das wissen? Selbst sind sie in Finsternis eingehüllt und wähnen sich gut verborgen, und dann werden ihre bösen Werke plötzlich beleuchtet, sodass sie verwundert ausrufen: „Du richtest. Überlass alles Gott, der richten wird.“ Das Licht brachte das Gericht mit sich und zwang den Menschen der Finsternis zu sagen, dass er sich gerichtet fühlte. Das ist, als ob er sagen wollte: Nimm das Licht weg, lass mich weiter in der Finsternis sein, denn die Finsternis verbirgt mich, sie verdammt mich nicht wie du mit deinem Licht. Es ist wahr, was Jesus sagt:
„Darin aber besteht das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse.“ Joh. 3, 19.
Hier liegt die tiefe Ursache dafür begraben, dass wir von allen Menschen um seines Namens willen gehasst werden, denn die Menschen hassen das Licht und lieben die Finsternis, weil ihre Werke böse sind. Wären ihre Werke gut, würden sie das Licht mehr als die Finsternis lieben, denn es wäre ihnen zur Ehre, wenn solche Werke offenbar werden würden, sodass sie von allen gesehen werden könnten.
Die Frucht des Lichts
Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist. V. 9 und 10.
Jeder Mensch trägt seine Früchte. In der Finsternis tut man die Werke des Fleisches wie: Unzucht, Unreinigkeit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen. Gal. 5, 19-21.
Im Licht aber trägt man Früchte des Geistes wie: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. Gal. 5, 22.
Sieh nun den Unterschied. Zu einer dieser beiden Hauptklassen gehört jeder Mensch. Dabei kann der Unterschied innerhalb jeder Klasse höchst verschieden sein. Doch die Hauptregel ist, dass ein guter Baum keine schlechten Früchte tragen kann und ein schlechter Baum keine guten Früchte tragen kann. Von einem Baum muss man sagen, dass er schlecht ist, wenn der Mensch sich in der Finsternis befindet. Er ist gut, wenn er von der Finsternis zum Licht geführt wird und danach in diesem Licht wandelt.
Die Zeit geht dahin, die Jahre entschwinden, bedenke, liebe Seele: trägst du schlechte oder gute Früchte? Man soll an deinen Früchten erkennen können, inwieweit du böse oder gut bist. Unsere Werke werden uns über Tod und Grab hinaus nachfolgen, und jeder von uns wird am Morgen der Auferstehung Rechenschaft dafür ablegen müssen.
Christus als Licht
Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. V. 14.
Jesus wurde unter dem Gesetz geboren, um diejenigen loszukaufen, die unter dem Gesetz waren. Das Licht muss dem Zustand des Menschen angepasst werden. Ein Mensch unter dem Gesetz erträgt nicht das Licht der Auferstehungskraft. Das Licht, das Jesus als Mensch unter dem Gesetz ausstrahlte, war mehr als stark genug, um davon gerichtet zu werden. Darum steht geschrieben, dass diejenigen, die unter dem Gesetz sündigen, durch das Gesetz gerichtet werden sollen, und wer ohne Gesetz sündigt, soll ohne das Gesetz verloren gehen. Doch sind wir nicht ohne Gesetz vor Gott, sondern in dem Gesetz Christi.
Für den, der durch das Gesetz dem Gesetz gestorben ist, leuchtet Christus auf den inneren Wegen durch das Licht seiner Auferstehungskraft. Er offenbart sich selbst innerhalb des Leibes als das vollkommene Gesetz der Freiheit, auf dass unsere Entwicklung in ihm nicht aus Zwang, sondern aus freiem Willen geschehe. Alle Entwicklung und alles Wachstum in Freiheit hin zum Vollkommenen wird so viel köstlicher, als wenn es unter Zwang geschähe. Lasst uns deshalb hineinschauen in das vollkommene Gesetz der Freiheit und darin beharren. Lasst uns diese Gesetze der Freiheit daraufhin untersuchen, ob es nicht Dinge gibt, die wir ablegen können, Dinge, die beschweren und zur Falle werden können. Christus soll für dich leuchten als Herr und Beschützer der Freiheit, die herrlichste Person aller Personen und das herrlichste Gesetz aller Gesetze, da es nicht für Übertreter, sondern für diejenigen gegeben ist, die mit Macht zum Vollkommeneren vordringen.
Simeon sagt von Christus, dass er ein Licht zur Offenbarung für die Heiden sei. Lk. 2, 32. Dies haben wir erfahren dürfen, weil er durch sein Licht Offenbarungen in unseren Herzen gegeben hat.
Die Frauen seien untertan ihren Männern
Ihr Frauen, ordnet euch euren eigenen Männern unter als dem Herrn; denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch der Christus das Haupt der Gemeinde ist; und er ist der Retter des Leibes.
Wie nun die Gemeinde sich dem Christus unterordnet, so auch die Frauen ihren eigenen Männern in allem. V. 22, 23 und 24.
Wenn wir daran denken, wie Christus die Gemeinde behandelt, dann hat der Mann viel zu lernen, was sein Verhältnis zu seiner Frau betrifft.
Christus zwingt die Gemeinde nicht, er lässt sie sich durch Ermahnungen und Aufmunterungen nach den Gesetzen der Freiheit entwickeln. Er nörgelt nicht an Kleinigkeiten herum, wo er aber Falschheit und Betrug im Geist merkt, ist er sehr streng. Er hat das große Ziel vor Augen, und wenn die Richtung des Geistes stimmt, bedeckt er im Übrigen mit seiner Liebe eine Menge Werke des Sündenleibes.
Wohl dem Menschen, dem der Herr keine Schuld anrechnet, und in dessen Geist keine Falschheit ist! Ps. 32, 2.
Das Verhältnis zwischen dem Mann und der Frau soll so sein wie zwischen Christus und der Gemeinde. Christus liebt die Gemeinde und gab sich selbst für sie. Die Gemeinde ordnet sich Christus als ihrem Haupt unter.
So wie es der Gemeinde nichts nützt, Christus zu widersprechen, so nützt es auch der Frau nichts, dem Mann zu widersprechen. Wenn sie das tut, dann führt es nie zum Guten. Doch wie die Gemeinde in ihren Gebeten Christus ihre Schwierigkeiten und ihre Verhältnisse vorbringt, soll auch die Frau mit ihren Schwierigkeiten zum Mann kommen. Die endgültige Entscheidung in jeder Sache zu treffen, steht indessen dem Mann zu. Einem gottesfürchtigen Mann und einer gottesfürchtigen Frau werden diese Dinge leicht fallen und ihnen selbstverständlich sein.
„Wie Sarah dem Abraham gehorchte und ihn ‚Herr‘ nannte. Deren Töchter seid ihr geworden, wenn ihr Gutes tut und euch keinerlei Furcht einjagen lasst.
Ihr Männer sollt gleichermaßen einsichtig mit eurer Frau als dem schwächeren Gefäß zusammenleben und ihr Ehre erweisen, weil ihr ja gemeinsam Erben der Gnade des Lebens seid, damit eure Gebete nicht verhindert werden.“ 1. Petr. 3, 6 und 7.
Der Mann wird dieselbe nützliche Wirkung auf die Frau haben wie Christus auf die Gemeinde, wenn er sich für seine Frau opfert, wie Christus sich für die Gemeinde opferte.
Wenn dann der Mann vollkommener ist als seine Frau, wie Christus vollkommener ist als die Gemeinde, dann werden seine Kräfte als die des stärkeren Gefäßes auf seine Frau als dem schwächeren Gefäß im Zusammenleben denselben Einfluss wie Christus selbst ausüben, der die Gemeinde vor sich stellt in Herrlichkeit, ohne Flecken und Runzeln oder etwas dergleichen, sondern heilig und untadelig. So wird aus der Frau im Zusammenleben mit einem gottesfürchtigen Mann nach und nach eine Frau werden, die in den Augen ihres Mannes heilig und untadelig ist, ohne Flecken und Runzel. Diese Ausbildung geschieht durch den Willen des Mannes, darum muss sich die Frau dem Mann in allen Dingen unterordnen.
Christus und die Gemeinde
Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein.
Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde. V. 31 und 32.
Es steht von Jesus geschrieben, dass er es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein und Knechtsgestalt annahm. Und als er der Erscheinung nach als Mensch erkannt wurde, erniedrigte er sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Phil. 2, 7 und 8.
Er verließ seinen himmlischen Vater, um wie ein Mensch Fleisch und Blut anzunehmen. Und nachdem er sich als Mensch erwiesen hatte, ging er wiederum als Mensch von den Menschen fort, sodass er am Kreuz zu seiner Mutter über Johannes sagen konnte:
Frau, siehe, das ist dein Sohn!
Er verließ seinen himmlischen Vater, um sich mit dem Menschen zu vereinen. Daraufhin verließ er als Mensch seine Mutter, um sich in sich selbst und durch sich selbst mit seiner Braut beim Vater zu vereinen. Darum heißt es: Niemand kann zum Vater kommen außer durch den Sohn. Nur der Sohn hat Zugang zum Vater, danach haben diejenigen, die den Geist des Sohnes annehmen, Zugang in diesem Geist. Doch als Christi Braut werden wir in der Auferstehung zusammen mit Christus sogar im Leib seines Fleisches Zugang zum Vater bekommen. Dies ist das Geheimnis: Christus geoffenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln. Dies aber: erschienen den Engeln, was ist das anderes, als dass er in Gerechtigkeit mit dem Fleisch auferstanden ist, das nicht die Verwesung sehen sollte.
Eine Folge hiervon wiederum wird, dass wir nun, da wir im Leib sind, in der Fremde fern vom Herrn, nur im Geist Zugang zum Vater haben, während wir in der Auferstehung – in seinem Auferstehungsleib – den Zugang zum Vater sogar im Leib bekommen werden.
Kinder und Väter
Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn; denn das ist recht. Ehre Vater und Mutter, das ist das erste Gebot, das eine Verheißung hat: auf dass dir’s wohlgehe und du lange lebest auf Erden.
Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Ermahnung des Herrn. V. 1-4.
Beachte, dass die Kinder ihren Eltern „in dem Herrn“ gehorsam sein sollen. D. h. sie sollen ihren Eltern in allen Dingen, die dem Willen Gottes nicht entgegenstehen, gehorchen. Sollten die Eltern Gehorsam in Dingen verlangen, die dem Gewissen entgegenstehen, dann geschieht dies nicht „im Herrn“. In solchen Fällen sollen auch die Kinder Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Die Väter sollen ihre Kinder nicht zum Zorn reizen. Alle Ermahnungen sind dazu gegeben, uns aufzuwecken, sodass wir da, wo wir schwach sind, aufmerksam sind. Wenn die Kinder etwas Verkehrtes tun, liegt es sehr nahe, sie zu reizen, anstatt sie zu züchtigen und sie zu ermahnen. Die Eltern haben mehr vom Leben gesehen und haben in allen Dingen mehr Erfahrung, daher kann es leicht passieren, dass sie ihre Kinder reizen, anstatt sie zu ermahnen.
Durch Reizen anderer pflegt man seine eigenen Lüste, aber indem man ermahnt, überwindet man sich selbst.
Knechte
Ihr Knechte, gehorcht euren leiblichen Herren mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Herzens, als dem Christus. V. 5.
Die Bezeichnung Knecht entspricht heute nicht ganz dem Zeitgeist, aber sie stimmt gut mit dem Heiligen Geist überein, der von Gott ausgesandt ist, der ohne Schatten und Wechsel des Lichts ist, ein ewiges Wesen, das gestern und heute, ja in Ewigkeit dasselbe ist.
Die Knechte sollen für ihre Herren wie für Christus selbst arbeiten. Sie sollen ihre Arbeit mit Furcht und Zittern in Einfalt des Herzens tun. Beachte, dass es immer am besten geht, wenn man dies tut, und man wird immer Gottes Segen über sich haben.
Paulus sagt zu Titus: Die Knechte ermahne, dass sie sich ihren eigenen Herren unterordnen, in allem gern gefällig sind, nicht widersprechen, nichts entwenden, sondern alle gute Treue beweisen, damit sie der Lehre Gottes, unseres Retters, in jeder Hinsicht Ehre machen.
Diese Ermahnung kann nicht falsch verstanden werden, so dass sie einer näheren Erklärung bedürfte. Satan ist ja voll von listigen Auslegungen, und die Menschen suchen Kunstgriffe, mit denen sie zum Irrtum verführen; doch diese guten, alten und soliden Ermahnungen stehen wie ein Fels gegen die verschiedenen Kunstgriffe des jeweiligen Zeitgeistes, und sie reden zu allen Zeiten ihre mächige Sprache zu gottesfürchtigen und hörenden Seelen.
Herren
Und ihr Herren, tut dasselbe ihnen gegenüber und lasst das Drohen, da ihr wisst, dass auch euer eigener Herr im Himmel ist und dass es bei ihm kein Ansehen der Person gibt. V. 9.
Für diejenigen, die nach dem Fleisch Herren sind, liegt es nahe, zu viel von ihren Knechten zu verlangen. Je besser ein Knecht seine Arbeit tut und je weniger er sich widersetzt, desto größer werden gewöhnlich die Forderungen, während ein nachlässiger Knecht, der widerspricht, billiger davonkommt. Dies kommt von der Schwachheit des Fleisches und der Feigheit des Vorgesetzten.
Ein Herr hat das Recht auf seiner Seite, solange er vollen Lohn gibt und seine Forderungen innerhalb geziemender Grenzen hält. In dem Augenblick jedoch, in dem er seinen Knecht unterdrückt oder ihm seinen Lohn vorenthält, hat er seine Grenzen überschritten.
Der Kampf gegen die Herren dieser Welt, die in der Finsternis dieser Zeit regieren, entsteht gerade dadurch, dass diese in ihrer Finsternis den Leib, die Seele und den Geist ihrer Knechte unter ihre Tyrannei zwingen. Ich habe schwache Menschen gesehen, die unter solchen Tyrannen psychisch krank geworden sind.
Ein von Gott erleuchteter Knecht wird die Grenze, an der der Dienst aufhört und die Tyrannei beginnt, selbst finden können. Er muss darüber wachen, dass sein Herr seinen Fuß nie über diese Grenze setzt, denn der Geist, der in uns ist, ist stärker als der Geist, der in den Herren der Welt in der Finsternis dieser Zeit herrscht. Der Knecht ist verpflichtet, seinen Dienst als für Christus zu tun, solange sein Vorgesetzter verlangt, was recht und billig ist. Geht dieser aber über seine Grenzen hinaus, dann muss ihn der Knecht dort außerhalb der Grenzen treffen und den Kampf gegen ihn aufnehmen.
Bei einem solchen Kampf gegen die Herren dieser Welt, in dem der Vorgesetzte von Gottes Seite aus wie auch vonseiten der Menschen alles Recht auf seiner Seite hat, bekommt dieser von dem Augenblick an, in dem er seine eigenen Gesetze und seine eigenen Grenzen übertritt, Gott und auch Menschen gegen sich. Der Knecht wird unter solchen Umständen jederzeit Sieger sein, d. h. solange er streng auf die Erfüllung seiner eigenen Pflichten innerhalb der geziemenden Grenzen geachtet hat. Denn unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwindet.
Dies beweist, dass selbst ein Herr nach dem Fleisch seinen Übergeordneten und Herrn im Herrn des Himmels hat.
Gottes Waffenrüstung
Zuletzt: Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. V. 10, 11 und 12.
Jesus sah Satan wie einen Blitz zur Erde fallen. Dort unten hat dieser zu allen Zeiten Mächte und Gewalten dazu benutzt, um die Menschen zu tyrannisieren und zu plagen. Die Herren der Welt haben sich zusammengerottet und haben in der Finsternis dieser Zeit eine große Macht gebildet. Sie haben den Armen durch Unwissenheit und harte Arbeit in seiner Armut gehalten.
Jakobus sagt hierzu im 5. Kapitel: „Siehe, der Lohn der Arbeiter, die euer Land abgeerntet haben, den ihr ihnen vorenthalten habt, der schreit, und das Rufen der Schnitter ist gekommen vor die Ohren des Herrn Zebaoth. Ihr habt geschlemmt auf Erden und geprasst und eure Herzen gemästet am Schlachttag.“
Diese Herren haben zu allen Zeiten die Menschen ausgesaugt, um selbst nach ihren Lüsten leben zu können. Die Schrift spricht in den letzten Tagen ihr „Wehe“ über sie aus.
Gegen diese Herren haben wir zu kämpfen, einen großen Kampf im Geist. Wir sollen aber nicht nach dem Fleisch gegen sie kämpfen, wie es manche tun. Der Kampf im Geist ist von weit größerem Wert, denn wenn diese Herren eine Niederlage in ihrem Geist erleiden, dann zieht das alles andere nach sich!
Diejenigen, die Kämpfe im Geist durchfechten, haben der Welt einen weit größeren Nutzen gebracht als große Heerführer. Die Männer, die das Licht Gottes über die Welt haben leuchten lassen, haben dem Armen geholfen, Gerechtigkeit gewirkt und Bosheit vertrieben. Gesegnete Arbeit! Sei hier dabei! Verbreite Licht, und die Mächte der Finsternis müssen sich zurückziehen, die Herren der Welt in dieser Finsternis verlieren die Macht, und der Segen kommt von selbst, denn vor dem Licht flieht alle Bosheit und Finsternis. Satans Kunstgriffe werden ihm nicht helfen können an dem Tag, an dem das Licht auf seine Machenschaften fällt.
Satan hat Macht über den verfinsterten Menschen, dem das Licht Gottes fehlt. Wenn dann der Druck der Mächte und Gewalten zu groß wird, kennen diese armen Menschen keinen anderen Weg als Revolution und Streik. Meistens gibt ihnen Gott Gelingen in ihrem Kampf, obwohl sie in Finsternis sind, und wir sehen, wie Satan und die Herren der Welt eine Niederlage nach der andern erleiden.
Doch wir sollen nicht auf diese Weise kämpfen, sondern durch den Geist Gottes sollen wir in unserem Geist fest stehen und über alle Regungen im Fleisch siegen. Ein Mensch im Fleisch ist in Finsternis und in der Gewalt Satans: Gott aber hat uns aus der Finsternis zum Licht geführt, aus Satans Macht zu Gott, aus dem Fleisch zum Geist. Röm. 8, 9. Der Arme in der Finsternis wünscht Wohlergehen nach dem Fleisch, darum kämpft er durch Revolutionen und Streiks. Würde er in dieser Welt reich werden, dann würde er ein ebenso großer Tyrann wie jeder andere von den Herren der Welt, denn er hat nicht Gottes Licht.
Jeder dagegen, der aus Satans Macht zu Gott geführt wurde, kämpft nicht, um das Fleisch zu pflegen, sondern er kämpft für Gottes Gerechtigkeit, die will, dass jeder das bekommt, was ihm rechtmäßig zusteht. In diesem Kampf kann er durch das Kreuz Leiden nach dem Fleisch ertragen. Dies macht ihn zu einem viel fürchterlicheren Gegner für die Herren der Welt als der Eingeschüchterte, dessen einziges Ziel es ist, etwas von den Gütern dieser Welt zu bekommen. Darum sehen wir, dass die Herren der Welt meistens die Anführer der Revolution dadurch betören, dass sie diesen gute Stellungen geben und sie aufsteigen lassen. Damit ist die Revolution gedämpft und die schlimmsten Anführer haben bekommen, was sie im Innersten ihres Herzens haben wollten.
Jesus wurden alle Herrlichkeiten der Welt angeboten, wenn er diese und damit Satan bewundern und anbeten würde. Aber er wies diese Versuchung ab. Auch wir sollen uns nicht von der Herrlichkeit der Welt betören lassen, so dass wir diejenigen, die leiden und denen es schlecht geht, vergessen. Möge Gott uns lehren, hier wachsam zu sein! Um Gottes Kraft behalten zu können, muss wir uns dem Fleisch nach immer unter Druck befinden. Suche nie Befreiung davon! Sprengstoff wirkt in freier Luft nie als Sprengstoff, da brennt er lediglich wie ein Kienspan; aber unter starkem Druck bricht er mit einem kräftigen Knall durch.
Durch das Kreuz wurden Mächte und Gewalten öffentlich zur Schau gestellt, weil Christus sie durch dasselbe besiegt hat. Nun sollen auch wir durch das Kreuz Mächte und Gewalten sowie die Herren der Welt besiegen. Ohne das Kreuz unterliegt man stets und auf vielerlei Weise. Der Lauf dieser Welt in Form von Mode und Gebräuchen nimmt den Sinn des Menschen gefangen, der doch dem Gesetz Gottes dienen sollte. Durch das Kreuz siegt man über das, was in Mode ist, weil man sich an den hält, der gestern und heute, ja in Ewigkeit derselbe ist. Durch das Kreuz schwindet die Furcht vor dem, der zwar den Leib töten, danach aber nichts mehr tun kann. Hiermit ist der Sieg über Mächte und Herren dieser Welt in dieser Finsternis gesichert. Durch das Kreuz verschwindet die Sorge um den Lebensunterhalt. So ist man nicht mehr ein Sklave seiner beruflichen Stellung, so dass die Herren dieser Welt dadurch wieder zu Macht kommen könnten.
Umgürtet mit Wahrheit
Vers 14
Die Wahrheit umgürtet die Person, die in ihr lebt. Niemand wird sie bei irgendeiner Lüge ertappen können. So wie die einzelne Wahrheit freimacht, wird derjenige, der auf allen seinen Wegen in der Wahrheit wandelt, freigemacht sein. Eine kleine Lüge gibt den Mächten der Finsternis Gelegenheit, uns anzugreifen, doch Wahrheit jagt sie weit weg.
Angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit
Wahrheit und Gerechtigkeit gehören genau zusammen. Satans Anklagen prallen an persönlicher Gerechtigkeit ab. Die Mächte der Finsternis sind sehr darauf aus, bei der kleinsten Ungerechtigkeit einzudringen. Wie gewöhnlich ist es doch auf allen großen Arbeitsstätten, Material zu nehmen und dies und jenes daraus zu machen – möglichst während der Arbeitszeit – hinter dem Rücken der Vorgesetzten. Oder im Laden von den Schleckereien des Ladenbesitzers zu naschen. All dies ist Ungerechtigkeit, die Satan Macht über denjenigen gibt, der sie begeht. Jesus sagt: Es kommt der Fürst dieser Welt. Er hat keine Macht über mich. Dies konnte er sagen, weil er mit dem Panzer der Gerechtigkeit angetan war. Wenn doch dasselbe von uns gesagt werden könnte, wenn Satan uns wie Weizen zu sichten begehrt.
Bereitschaft zum Kampf
Und an den Beinen gestiefelt, bereit, einzutreten für das Evangelium des Friedens. V. 15.
Mit bloßen Füßen kommt man auf Glassplittern und scharfen Steinen nicht weit, ganz zu schweigen davon, in einem solchen Terrain zu kämpfen. Darum müssen die Füße gestiefelt sein. Auf dieselbe Weise muss derjenige, der mit dem Evangelium hinausziehen soll, imstande sein, um des Evangeliums willen Böses zu erleiden. Er darf durch den Widerstand, auf den er trifft, nicht verletzt oder verärgert werden, so wie bloße Füße durch Glassplitter und scharfe Steine verletzt werden. Er muss an seinen geistlichen Füßen Stiefel haben. Das Evangelium des Friedens hat in sich selbst die Fähigkeit, dem, der es verkündigt, Bereitschaft zum Kampf zu verleihen. Doch ebenso wie man alle Dinge, selbst wenn sie noch so einfach sind, selbst in die Tat umsetzen muss, so auch hier.
Um des Evangeliums des Friedens willen haben viele Menschen irdische Güter, ja sogar das Leben geopfert, damit sie die Auferstehung, die besser ist, erlangten.
Der Schild des Glaubens
Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen. V. 16.
Der Glaube steht immer den Lüsten entgegen. Bei jeder Versuchung schießt Satan seine glühenden Pfeile in den Sinn, der als entscheidende Instanz den Beschluss fasst, ob man Gott gehorchen oder den Lüsten des Fleisches nachgeben soll.
Als Abraham zum Berg Morija wanderte, um seinen Sohn Isaak zu opfern, wurden Satans feurige Pfeile wohl folgendermaßen nach ihm geschossen: Was wird jetzt Sara sagen? Ihr wird sicher das Herz brechen, und das wird ein trauriges Ende eures langen und glücklichen Zusammenlebens. Du wirst ja ein Mörder, ja ein Doppelmörder. Du musst es falsch verstanden haben. Ein liebender Gott kann doch unmöglich einen solchen Befehl gegeben haben. Du weißt ja, wie Gottes Zorn gegen Kain entbrannte, als er seinen Bruder Abel erschlug, und jetzt gehst du hin, um etwas Ähnliches zu tun. Du, der es besser wissen sollte, wirst ja schlimmer als Kain.
So etwa lauten Satans Vorträge, wenn eine Seele ein Werk im Glauben ausführen soll. Und in der Situation, in der sich Abraham befand, wirkte jedes Wort wie ein feuriger Pfeil. Abraham hat sich jedoch nicht verhört, er geht tapfer vorwärts, weil Gott es gesagt hat, und wir wissen den Ausgang: Satans feurige Pfeile prallten am Schild des Glaubens ab.
Der Helm des Heils und das Schwert des Geistes
Und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. V. 17.
Das Geisterheer der Bosheit unter dem Himmel möchte gerne – wenn es das könnte – den Gläubigen kleinmütig machen. Aber der Helm des Heils ist hart und widerstandsfähig gegen alle Geschosse aus der Luft.
Eine jubelnde Seele lässt sich nicht anfechten. Es ist der Kleinmütige, der in Gefahr steht. Kleinmut ist Unglaube, Unglaube aber ist Glaube an Satans Macht. Glaubt man erst daran, dann geht es immer schief.
Drücke deshalb in Glauben und Vertrauen den Helm des Heils fest auf den Kopf und ergreife das Schwert des Geistes! Davids Stärke war nicht außergewöhnlich groß, aber im Glauben legte er den Stein in die Schlinge und schleuderte ihn auf Goliath. Ein Prediger sagte einmal, dass selbst wenn Goliaths Stirn zehn Meter dick gewesen wäre, der Stein, doch hindurchgedrungen wäre. Ich glaube dasselbe.
Das Schwert des Geistes, in seiner Schärfe gebraucht und geführt von einem erleuchteten Verstand in der vollen Gewissheit des Glaubens, kann Heerscharen von bösen Geistesmächten in die Flucht schlagen. Doch niemand kann das Schwert des Geistes siegreich gebrauchen, der nicht auch die übrige Waffenrüstung angezogen hat.
Betet allezeit im Geist
Gebet im Geist ringt Gott weit mehr ab, als wir mit unserem Verstand erbitten können. Unser Verstand kann die Reichweite der Segnungen, nach denen der Geist seufzt, nicht erfassen – selbst wenn wir durch sein Seufzen ihre Richtung erahnen können. Denn wir wissen ja nicht einmal, worum wir beten sollen, ehe der Geist nicht mit unaussprechlichem Seufzen für uns eingetreten ist.
Wer nicht gewohnt ist zu beten, muss sich erst einmal zum Gebet sammeln. Danach wird der Geist selbst Gebet wirken.
Der Geist wirkt innere Gebete, das sind Gebete in der Tiefe des Herzens ohne Worte, doch vom Geist wiederum zum Verstand geleitet, um von diesem umgesetzt zu werden. Ein solches ständiges Gebet vermehrt den Lebensinhalt und vervielfältigt die Schätze im Himmel. Geduld und Sanftmut kommen von selbst, denn der Herr ist nahe.
Gebet für alle Heiligen wird erhört, indem man Liebe und Fürsorge im Geist bekommt. Das Harte, Unnachgiebige sowie alle Unverträglichkeit verschwinden. Die Gemeinschaft wird inniger und das Verlangen, immer beieinander zu sein, nimmt zu.
Wir haben etwas davon erfahren, und eben darum sind wir einig mit unserem geliebten Erlöser, wenn er betet:
„Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben werden, auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; auf dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.“
Amen.
