Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Skjulte Skatter 1920-02 - Der Epheserbrief

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Der Epheserbrief

In der Liebe eingewurzelt und gegründet

Dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid. So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle.“ V. 17-19.

Man muss selbst in der Liebe eingewurzelt und gegründet sein, um ein wenig davon zu begreifen, was die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe in der Liebe Christi ist.

Christi Liebe geht tiefer als die Sünden des Gottlosen, daher vermag sie, ausgehend von der Tiefe, den Sünder aus dem Schlamm emporzuheben. Sie hat einen größeren Umfang als das weiteste Herz, sie geht weiter, als dass unser Verstand sie begreifen könnte, und an Höhe übertrifft sie all unsere Erkenntnis, d. h. sie übersteigt all unser Wissen über sie.

Die Weisheit ist die Mutter der edlen Liebe. Wenn wir lernen wollen, in Gottes Haus recht zu wandeln, müssen wir die Gesetze für diesen Wandel in Gottes Weisheit suchen und herausfinden. Aus dieser Weisheit heraus wird Christi Liebe geboren, die die unansehnlichsten Glieder im Leib mit einer unwiderstehlichen Macht mit einschließt und zum Vollkommeneren hinzieht. Die Liebe ist voller Hoffnung, deshalb löscht sie alle Anklage aus und macht in aller Erwartung geduldig. Sie überwindet allen Widerstand, und keine Kraft kann ihr widerstehen, weil sie Hoffnung und Lösungen mit sich bringt. Sie sucht nicht das Ihre und beneidet nicht. Ihr Wesen ist, sich mitzuteilen, und selbst ihre Zucht ist nur ein Entfernen all dessen, was ein Hindernis dafür sein kann, dass ihre Güte wirken kann.

Es ist unmöglich, Christi Liebe in ihrer Fülle zu erfassen, doch wer von ihr ergriffen ist, bekommt Einblick in ihre Tiefe, Länge, Breite und Höhe.

Über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen

Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ V. 20 u. 21.

Es ist natürlich für einen Menschen in dieser Welt, zu reifen und sich zu entwickeln, sodass er mit der Zeit größere Aufgaben übernehmen und durchführen kann als am Anfang. Man überträgt auch keinem Unwissenden die Aufgabe, Chef eines großen Handelsunternehmens zu sein.

Wenn es heißt, dass Gott überschwänglich tun wird über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dann muss man das dahingehend verstehen, dass große Möglichkeiten vor uns liegen – so große Dinge, dass wir nicht einmal verstehen, darum zu bitten. Sie werden uns jedoch ganz natürlich zuteil werden nach der Kraft und in die Richtung, wie der Geist bereits angefangen hat zu wirken.

4. Kapitel

Seiner Berufung würdig leben

So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe, und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens.“ V. 1, 2 und 3.

Ebenso wie jeder seinen eigenen Körper, sein eigenes Aussehen und seinen eigenen Namen hat, so hat auch jeder seine eigene Berufung; denn Gott hat die Glieder so im Leib eingefügt, wie er gewollt hat. Nun soll jeder von uns der Berufung würdig leben, mit der er berufen ist. Innerhalb jeder Berufung und für jede Person gelten diese Hauptregeln: Demut, Sanftmut, Langmut, einander in Liebe ertragen, fleißig sein, die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens zu halten. Ein wenig Aufgeblasenheit, ein wenig Ungeduld, ein wenig Unbeherrschtheit kann für lange Zeit zerstörend wirken. Wo eine solche Einheit zustande gekommen ist, muss jeder Einzelne das Seine tun, um die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens zu bewahren. Werden diese Einheit und dieser Friede zerstört, wird es nicht so leicht sein, diese wiederherzustellen. Lasst uns deshalb vorsichtig wandeln. Sollte dennoch ein Bruch in der Einheit und in den Banden des Friedens eingetreten sein, muss sich jeder befleißigen, schnell zu vergeben, wohlwollend und barmherzig zu sein, V. 32, dann wird die Verletzung geheilt und die Gemeinschaft und der Friede wiederhergestellt werden können.

Einheit

Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, über allen und durch alle und in euch allen.“ V. 4, 5 und 6.

Mit einem Geist zu einem Leib getauft. Dieser Leib gehört Christus. Wisset ihr nicht, dass eure Leiber Christi Glieder sind?

Wenn man den Leib als Werkzeug der Gerechtigkeit hingibt, wird er ein Opfer für Gott. Das Wirken des Geistes darf nicht durch Freunde und Verwandte nach dem Fleisch gehindert werden, denn der Leib gehört dem Herrn. Die Berufung ist verschieden, doch wir sind zu einer Hoffnung unserer Berufung berufen. Die Sünde im Fleisch ist für uns alle gleich, daher müssen dieselben Leiden über alle Brüder in der Welt gehen. Der eine Glaube geht bei uns allen in Richtung Gericht über den Leib der Sünde, damit wir in dem einen Leib Erlösung bekommen und zu größerer Gottesfülle gelangen. Heiligt Christus als Herrn in euren Herzen. Ein anderer Herr wird von dem einen Gott, dem Vater aller, nicht anerkannt.

Hier in der Welt kann der Leib aufgeteilt werden in:

1. Leib des Fleisches: Der Leib, der, als wir in der Welt waren, der Sünde diente und ihr als Werkzeug zur Verfügung stand. Dieser Leib ist nun durch die Beschneidung Christi abgelegt und unter Wasser begraben. Kol. 2, 11 und 12.

2. Leib der Sünde: Der Leib, in dem die Sünde wohnt, auch nachdem wir errettet worden sind. Diese Sünde wird Erbsünde genannt, und sie verdammt uns nicht, solange wir ihren Lüsten nicht Folge leisten. Der Leib der Sünde wird nach und nach zunichtegemacht, wenn der alte Mensch gekreuzigt ist und ihm keine Nahrung gegeben wird. Röm. 6, 6.

3. Leib des Todes: Der Leib, den wir mit uns tragen, solange wir etwas zu töten haben. Paulus ruft die Frage aus: Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes? Röm. 7, 24. Aber es ging ihm, wie es uns geht, wir müssen den Leib des Todes mit uns tragen, solange wir leben. Solange wir in diesem Leib des Todes zu Hause sind, sind wir in der Fremde, fern vom Herrn, wenn wir aber von hier gehen, um bei Ihm zu sein, werden wir von diesem Leib des Todes entkleidet, und unser Geist ist frei und bereit, einen Herrlichkeitsleib zu bekommen.

Ebenso wie wir nun mit einem Geist zu einem Leib getauft werden, um von dem einen Geist zur Erlösung in den einen Tod, Christi Tod, hineingeführt zu werden, so werden wir auch in der Auferstehungskraft, die uns in den Tod hineinführte, in einem Leib mit Christus bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit vereint sein.

Zuteilung von Gaben

Einem jeden aber von uns ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe Christi. Darum heißt es:Er ist aufgefahren zur Höhe und hat Gefangene mit sich geführt und hat den Menschen Gaben gegeben.‘ Dass er aber aufgefahren ist, was heißt das anderes, als dass er auch hinabgefahren ist in die Tiefen der Erde? Der hinabgefahren ist, das ist derselbe, der aufgefahren ist über alle Himmel, damit er alles erfülle.“ V. 7, 8, 9 und 10.

Wäre Jesus nicht zuerst hinabgefahren in die Tiefen der Erde, dann würde uns seine jetzige Herrlichkeit nicht zugutekommen.

Als er in göttlicher Gestalt war, achtete er es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch und an Gebärden als ein Mensch gefunden. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz.

Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist. Phil. 2, 6-9.

Das Geheimnis der Gottesfurcht besteht darin, dass man zu den Tiefen der Erde hinabfährt. Dies tat Jesus, indem er Fleisch und Blut annahm und seinen Brüdern in allen Dingen gleich wurde. Da unten, in den Tiefen der Erde, bekommt man keine großen Gedanken über sich selbst. Da wird die Sünde im Fleisch geoffenbart, da bekommt man Christus geoffenbart im Fleisch zu sehen. Solche Dinge bekommt man auf Tabor nie zu sehen. Lasst uns uns deshalb in den Tiefen der Erde aufhalten, dann liegt es bei Gott, uns von dort – zu seiner Zeit – zu erhöhen. Je weiter wir zu den Tiefen der Erde vordringen, desto vorzüglicher ist unsere Gesinnung, und eine umso größere Last können wir tragen. Nachdem Christus nun erhöht ist, gedenkt er der Geringen, die hinabgehen in die Tiefe. Diesen Seelen schenkt er die größten und herrlichsten Gaben, weil sie am meisten Bedarf für sie haben.

Die Welt will hinauf, hoch hinauf. Man will gern zuoberst auf dem Versammlungsberg im äußersten Norden sitzen, Jes. 14, 13.

Jesus ging hinab und wurde gemartert, missachtet, er tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird. Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Jes. 53, 7-8.

Jesus schließt alle mit ein, weil er tiefer als alle hinabging. Als er sich in menschlicher Gestalt befand, setzte er die Wanderung nach unten fort und war gehorsam bis zum Tod am Kreuz.

Niemand hat etwas zu fordern, aber jeder Einzelne von uns hat Gnade bekommen nach dem Maß, mit dem Christi Gabe zugemessen wird. Die Gnadengaben sind sehr verschieden verteilt; doch verstehen wir, dass sowohl die Gnade als auch die Gaben so verteilt sind, dass die Gnade des einen der Schwachheit des andern zu Hilfe kommt. Das eine Glied kann darum durch die Gnade, die ihm gegeben ist, Hirtenstab für ein anderes Glied sein, dessen Gnade und Gaben in anderen Bereichen liegen. Das eine Glied wird auf diese Weise immer dem andern helfen, bewusst oder unbewusst, sodass auch das Glied, das kein Gemeindediener genannt werden kann, dennoch mit seiner Gnade und Gabe in einem geistlichen magnetischen Verhältnis zum Gemeindediener steht und ihm da, wo er schwach ist, Hilfe und Rückenstütze gibt.

Durch diese Verteilung der Gnadengaben bekommen wir abermals einen Schimmer von Christi Liebe zu sehen, die er mit aller Weisheit und allem Verstand über uns ausgießt, um unser Gedeihen und Wachstum in der Gnade zu fördern.

Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer

Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer.“ V. 11.

Diese Personen werden von Gott mit Gaben in spezielle Richtungen ausgerüstet, um in der Gemeinde zu dienen. Die Gaben sind bei diesen Personen so hervortretend, dass die ganze Person eine Gabe für die Gemeinde wird.

Apostel:

Niemand kann sich selbst das Recht herausnehmen und sagen: Ich will Apostel sein. Gott erwählt diejenigen, die er selbst will. Jesus fand einen Petrus, er fand einen Jakobus, einen Markus, einen Matthäus und einen Johannes. Er sagte zu ihnen: Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! Daher ist es die Arbeit eines Apostels, in erster Linie Menschen zu fischen. Aus diesen soll er Gemeinden bilden; d. h. er soll die Einzelnen in Gottesfurcht unterrichten, und er soll sie alle lehren, in Christi Liebe miteinander umzugehen. Dies ist keine ganz leichte Aufgabe. Niemand kann deshalb Apostel sein, ohne ein Ohr dafür zu haben, was der Geist den Gemeinden sagt.

Der Apostel Johannes erhielt den Auftrag, den sieben Engeln der Gemeinde in Kleinasien zu schreiben. Um dies tun zu können, musste er selbst hören und sehen; danach konnte er genau mitteilen, was Gott ihm geoffenbart hatte. Die Engel (Verteidiger) oder Aufseher der Gemeinde hatten sich nach den Aposteln zu richten, so wie sich die Apostel nach Jesus Christus zu richten hatten.

Wenn es die Arbeit eines Apostels ist, Menschen aus der Welt herauszufischen und sie innerhalb der Gemeinde in Gottesfurcht zu unterweisen, dann müssen wir verstehen, dass die Apostel sowohl Propheten als auch Hirten, Evangelisten und Lehrer sein müssen. Ohne alle diese Gaben könnte ein Apostel unmöglich seine schwierige Aufgabe erfüllen, eine Gemeinde aus der Welt heraus bis hin zum Vollkommenen in Christus Jesus zu führen. Die eine oder andere dieser Gaben kann mehr oder weniger ausgeprägt sein als andere; doch sie müssen notwendigerweise alle vorhanden sein.