Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Skjulte Skatter 1914-03 - Einer nach dem anderen

Gesammelte Schriften Band 2 • 1912 - 1917

Einer nach dem anderen

Als einzelne Person wurden wir in diese Welt geboren, als einzelne Person müssen wir wandeln, als einzelne Person müssen wir sterben und als einzelne Person müssen wir für unsere Werke Rechenschaft ablegen. Eine einzelne Person waren wir, als uns Gott berufen hat, und als diese werden wir uns entwickeln.

Jesus nahm sich des einen nach dem anderen an. Es kam hin und wieder vor, dass er zur Menge sprach; aber dann wollten sie ihn entweder zu ihrem Versorger oder zu ihrem König machen, was nicht Gottes Absicht mit Christus war.

Zwei Jünger hörten Johannes sagen: Siehe, das ist Gottes Lamm. Und sie standen sofort auf und folgten Jesus nach. Da wandte sich Jesus um; und als er sah, dass sie ihm nachfolgten, sagte er zu ihnen: Was sucht ihr? Sie sagten zu ihm: Meister, wo ist deine Herberge? Er sagte zu ihnen: Kommt und seht! Joh. 1, 35 ff. Am Tag danach traf er Philippus und er sagte zu ihm: Folge mir nach! Philippus traf Nathanael und führte ihn zu Jesus usw.

Wenn wir etwas von der Liebe Christi bekommen haben, werden wir Interesse am Einzelnen haben. Der Geist tut jedem Einzelnen die Augen auf über die Sünde, über die Gerechtigkeit und über das Gericht. Paulus ermahnte jeden Einzelnen unter Tränen, um jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen.

Wenn wir nicht vermögen, eine Seele in Christus weiterzuführen, wie viel weniger dann die Menge. Ich habe Prediger sagen hören, dass sie sich nicht wohlfühlen, wenn sie nicht vor großen Versammlungen reden können. Selbst der Meister von allen begnügte sich mit der einen Seele und war zufrieden mit einem vertrauten Gespräch mit Johannes. Es gibt etwas Hohes im Menschen, das ohne große Versammlungen nicht zufrieden ist; und dieses Hohe muss niedergebrochen werden. Wer diese Einstellung hat, taugt nicht dazu, jemanden zu einem tieferen Leben in Christus zu führen; denn letztendlich geht es darum, jeden Einzelnen darin zu unterweisen, persönlich seine eigene Kelter zu treten. Als einzelne Person müssen wir Christi Leiden ertragen, als einzelne Person ihm in seinem Tod gleichgestaltet werden und als einzelne Person auferstehen – einer mit dem Glanz der Sonne, einer mit dem Glanz des Mondes und einer mit dem Glanz der Sterne.

Adam wurde als einzelne Person erschaffen, als einzelne Person sündigte er und als einzelne Person rief ihn der Herr und sprach: Adam, wo bist du? Lasst uns – als Mitarbeiter Gottes – auch lernen, zum Einzelnen zu sagen: Adam, wo bist du? Es ist etwas Bescheidenes, aber dafür auch Gesegnetes, mit der einzelnen Seele zu arbeiten. Man erarbeitet eine Vertrautheit und eine Gemeinschaft, die nicht einmal die Ewigkeit auseinanderreißen kann. Lasst uns an Christi Statt stehen und die einzelne Person an Christi Statt ermahnen: Lass dich versöhnen mit Gott!

Welche Früchte hat man davon, von Ort zu Ort zu reisen und zu predigen, wenn man nie nach dem Einzelnen fragt und sich nicht für ihn interessiert? Besteht nicht die Menge aus Einzelpersonen? Paulus grüßt die Gemeinde in Rom und nennt nicht nur die Namen der Personen, sondern auch deren Eigenschaften. Phöbe war die Dienerin der Gemeinde in Kenchreä; man sollte sie im Herrn aufnehmen. Priska und Aquila waren seine Mitarbeiter. Sie hatten für Paulus ihr Leben aufs Spiel gesetzt. Maria hatte viel für die Gemeinde in Rom gearbeitet. Andronikus und Junias waren seine Mitgefangenen und hatten einen guten Namen unter den Aposteln. Ampliatus wurde im Herrn geliebt, Urbanus war ein Mitarbeiter und Stachys hat er geliebt. Apelles war bewährt in Christus. Röm. 16.

All dies beweist, dass Paulus voller Fürsorge für jeden Einzelnen war, und genau darin lag seine enorme Kraft.

Heutzutage hat man in einer Gemeinde einen Leiter; aber eines schönen Tages gibt die Gemeinde ihm den Laufpass, ohne sich weiter darüber Gedanken zu machen. Ein anderer kann genauso gut predigen, beten und ein Lied ansagen – und das ist ja das Wesentlichste.

Man kann sicher sein, dass Paulus sich nicht so einfach seines Amtes entheben ließ. Selbst wenn sie ihn seines Amtes enthoben hätten, hätte die Liebe bewirkt, dass er sie trotzdem nicht verlassen hätte. Er hatte eine Gemeinschaft in Christus Jesus erarbeitet, die sich nicht vom menschlichen Willen durchtrennen ließ.

Hätte Paulus alle seine Wirksamkeit darauf beschränkt, nur hin und wieder von der Kanzel zu predigen, dann hätte er bestimmt nicht jeden Einzelnen so eingehend gekannt.

Selbst der Teufel hat die Kunst gelernt, mit dem Einzelnen zu arbeiten; aber viele Kinder Gottes meinen, das sei zu gering und zu schlecht. Möge Gott uns vom Hochmut befreien. Was hat doch der eine Paulus ausrichten können! Und war nicht David besser als Tausende? Konnte nicht der eine Simson dreitausend Philister schlagen und töten, und kann nicht der eine Jesus Christus erlösen und die Sünde der ganzen Welt tragen? Es lohnt sich also am meisten, mit dem Einzelnen zu arbeiten.